{"id":6165,"date":"2021-03-08T07:28:33","date_gmt":"2021-03-08T07:28:33","guid":{"rendered":"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/?p=6165"},"modified":"2022-08-22T07:37:56","modified_gmt":"2022-08-22T07:37:56","slug":"die-sozio-oekonomische-situation-von-frauen-in-israel-zur-zeit-jesu-und-die-befreiende-jesusbotschaft-4","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/?p=6165","title":{"rendered":"Die sozio-\u00f6konomische Situation von Frauen in Israel zur Zeit Jesu und die befreiende Jesusbotschaft"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" class=\"alignnone size-full wp-image-6166\" src=\"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/Gender-Equality.png\" alt=\"\" width=\"246\" height=\"246\" srcset=\"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/Gender-Equality.png 246w, http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/Gender-Equality-150x150.png 150w\" sizes=\"(max-width: 246px) 100vw, 246px\" \/><\/p>\n<p><strong>1\u00a0Frauenrolle in der Antike<\/strong><\/p>\n<p>Die historische Forschung, beginnend mit der Leben-Jesu-Forschung, gibt uns heute ein genaues Bild von den sozialen, politischen und \u00f6konomischen Umst\u00e4nden des Lebens im 1. Jahrhundert in Pal\u00e4stina. Um das Leben der Frauen um Jesus zu verstehen, m\u00fcssen wir sie in diesem Zusammenhang betrachten. Insbesondere die feministische Forschung hat die Rolle der M\u00e4dchen und Frauen in den antiken Gesellschaften des Mittelmeerraumes herausgearbeitet.<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a><\/p>\n<p>Weit mehr als in unserer Gesellschaft waren Frauen in der mediterranen Umwelt der Antike von ihren Rollenzuweisungen bestimmt. Die Erwartung eines geschlechtskonformen Rollenverhaltens war besonders hoch. Dieses wurde zum einen als gottgegeben bzw. religi\u00f6s begr\u00fcndet und zum anderen von der Natur her. Als typisch weibliche Attribute galten schwach, \u00e4ngstlich, kleinlich, geschw\u00e4tzig, irrational, emotional und unkontrolliert.<a href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\">[2]<\/a> Frauen sollten sich im Wesentlichen auf die T\u00e4tigkeiten der Haus- und Kinderarbeit beschr\u00e4nken. Sie waren von der Gestaltung des \u00f6ffentlichen Lebens ausgeschlossen. Das war reine M\u00e4nnerdom\u00e4ne. Freilich kann auch der Haushalt in gewisser Weise als politischer Ort gesehen werden. In diesem Zusammenhang ist es umso erstaunlicher, wenn in den Evangelien Maria, die Mutter Jesu, oder Maria Magdalena als \u00e4u\u00dferst aktiv, klug, \u00fcberlegen, mutig und zielstrebig geschildert werden. Sie scheinen die weiblichen Stereotype bewusst zu durchbrechen und werden von Jesus dazu ermutigt. Zus\u00e4tzlich war die Stellung der Frau noch einmal abh\u00e4ngig von der Klassen- bzw. Schichtzugeh\u00f6rigkeit. Frauen der Oberschicht hatten mehr Rechte als jene der Unterschicht.<\/p>\n<p>Generell k\u00f6nnen wir aus den neutestamentlichen Schriften nicht eine F\u00fclle an Daten \u00fcber die Frauen in der Jesusbewegung ableiten, da sie einer androzentrischen Redaktionsgeschichte unterliegen. Die exegetische Forschung nennt ausdr\u00fccklich nur vier Texte in den Evangelien, die auf die Zugeh\u00f6rigkeit von Frauen zur Jesusbewegung eingehen. Allerdings sind drei Stellen (Mt 27,55f; Lk 23,49 und Lk 8,2f) Redaktionen zum markinischen Text Mk 15,40f, weshalb wir also eigentlich nur eine einzige explizite Aussage \u00fcber Frauen in der Jesusnachfolge haben. Trotz dieser schmalen Quellenlage h\u00e4lt die feministische Forschung fest, dass Frauen als Nachfolgerinnen Jesu eine wichtige Rolle gespielt haben. Daf\u00fcr sprechen einige indirekte Hinweise \u2013 wie zum Beispiel die Tatsache, dass bei der Verhaftung und Hinrichtung Jesu Frauen aus seiner Gefolgschaft anwesend waren. Wenn im Markus-Evangelium davon die Rede ist, dass eine Gruppe von Frauen Jesus begleitete und ihm dienten, dann kann dies durchaus als Nachfolge Jesu verstanden werden. Unter den Namen von Frauen, die Jesus nachfolgten, wird Maria, die Mutter Jesu, erw\u00e4hnt. Die Beziehungen Jesu zu Frauen und von Frauen zu Jesus zeigt laut Evangelienberichten ein eindeutiges und f\u00fcr die Antike \u00fcberraschendes Bild. Daniela Maria Ziegler spricht mit Blick auf das Pal\u00e4stina des 1. Jahrhunderts vom \u201estrengsten Patriachat\u201c<a href=\"#_ftn3\" name=\"_ftnref3\">[3]<\/a>. Die Hierarchie in einem j\u00fcdischen Haushalt zur Zeit Jesu war klar geregelt. Die Ehefrau war dem Mann untergeordnet, was beispielsweise durch das F\u00fc\u00dfewaschen ausgedr\u00fcckt wurde. Eine Frau musste dem Mann die F\u00fc\u00dfe waschen.<\/p>\n<p><strong><a name=\"_Toc249973626\"><\/a>2\u00a0 \u00a0 \u00a0 Frauenbefreiungsgeschichten<\/strong><\/p>\n<p>Obwohl also zum einen die Rolle der Frauen zur Zeit Jesu \u00e4u\u00dferst eingeschr\u00e4nkt war und obwohl zum zweiten durch eine androzentrische Redaktionsgeschichte der neutestamentlichen Texte dieser Umstand noch verst\u00e4rkt wird, bezeugen die \u00fcberlieferten \u201eFrauengeschichten\u201c im Neuen Testament die neue Qualit\u00e4t dessen, was wir als Befreiungsgeschichte f\u00fcr Frauen deuten k\u00f6nnen. Dies betrifft in erster Linie die Gestalten der Mutter Jesu und der Maria Magdalena, wird aber auch deutlich in anderen Textstellen, auf die ich hier kurz exemplarisch eingehen m\u00f6chte.<\/p>\n<p>Ein Blick in die Evangelien zeigt, dass Jesus einen neuen Umgang mit Frauen praktizierte, der sich sowohl von der vorherrschenden j\u00fcdischen wie von der hellenistisch-r\u00f6mischen Gesellschaft durch seine Hochachtung den Frauen gegen\u00fcber unterschied.<a href=\"#_ftn4\" name=\"_ftnref4\">[4]<\/a> Damit folgt r\u00fcckwirkend auch ein neues Verst\u00e4ndnis des Mannes. Hannah Wolff hat deswegen in einem Buch Jesus als den \u201eneuen Mann\u201c bezeichnet, in dem sich die anima hatte entfalten k\u00f6nnen.<a href=\"#_ftn5\" name=\"_ftnref5\">[5]<\/a><\/p>\n<p>Traditionsgeschichtlich f\u00e4llt zun\u00e4chst auf, dass die Evangelisten Lukas und Johannes die meisten und ausf\u00fchrlichsten \u201eFrauengeschichten\u201c \u00fcberliefern. Aus historisch-kritischer Sicht m\u00fcssen wir dabei jedoch festhalten, dass sie sp\u00e4teren Datums sind und vom historischen Jesus weiter entfernt sind als etwa die markinischen oder matth\u00e4ischen Darstellungen. Allerdings k\u00f6nnte man redaktionsgeschichtlich auch argumentieren, dass die entsprechenden Erz\u00e4hlungen auf Sondertraditionen zur\u00fcckgehen, die durchaus auf den historischen Jesus zur\u00fcckgehen k\u00f6nnten. F\u00fcr diese These spricht die Tatsache, dass im Urchristentum auf Grund der Anpassungstendenz an die hellenistisch-r\u00f6mische patriarchale Gesellschaft die Unterordnung der Frau sich im Christentum wieder breit zu machen suchte. Jedenfalls kann festgehalten werden, dass in der lukanischen und johanneischen Tradition der \u201eneue Umgang Jesu mit den Frauen\u201c besser zum Ausdruck kommt als in den beiden anderen synoptischen Evangelien. Die meisten Frauengeschichten in den Evangelien sind den Wunderberichten zuzuordnen. Am bekanntesten sind die folgenden Erz\u00e4hlungen.<\/p>\n<p><a name=\"_Toc249973628\"><\/a><strong>Die Heilung der Schwiegermutter des Petrus<\/strong><\/p>\n<p>Wir finden diese Stelle in der synoptischen \u00dcberlieferung bei Mk (1,29-31), Mt (8,14f) und Lk (4,38f). Sichtbar wird in dieser liebevollen Heilungsgeschichte, dass sich das Heil auf alle richtet, unterschiedslos zum Geschlecht. Blank sieht im Faktum, dass die Schwiegermutter des Petrus nach der Heilung \u201ebedient\u201c das \u201eneue Verh\u00e4ltnis Jesu zu den Frauen\u201c. Der Tischdienst einer Frau gegen\u00fcber M\u00e4nnern und vor allem gegen\u00fcber einem Rabbi sei im Judentum nicht \u00fcblich gewesen.<a href=\"#_ftn6\" name=\"_ftnref6\">[6]<\/a><\/p>\n<p><strong><a name=\"_Toc249973629\"><\/a>Die Heilung der blutfl\u00fcssigen Frau und der Tochter des Jairus<\/strong><\/p>\n<p>Wir finden diese Geschichte in Mk 5,25ff und den Parallelstellen bei Mt und Lk. Eine Frau, die wegen ihrer Blutungen als \u201eunrein\u201c galt, ber\u00fchrt Jesus. An Blutungen zu leiden bedeutete Ausgesto\u00dfenheit. Eine unreine Frau durfte beispielsweise nicht an der Miqwa, den Gebetsversammlungen teilnehmen. Jeder, der eine unreine Frau ber\u00fchrte oder von ihr ber\u00fchrt wurde, hatte sich selbst verunreinigt. Wenn in der Geschichte nun Jesus von der Frau ber\u00fchrt wurde, so wurde er also unrein gemacht. Obwohl laut j\u00fcdischem Gesetz nun auch Jesus als unrein galt, tadelt er sie nicht. Im Gegenteil: Er lobt ihren Glauben und nennt sie beinahe z\u00e4rtlich \u201eTochter\u201c. Er spricht die heilenden Worte: \u201eMeine Tochter, dein Glaube hat dir geholfen. Geh in Frieden! Du sollst von deinem Leiden geheilt sein.\u201c (Mk 5,25) Damit wird diese Frau von Unreinheit = Ausgesto\u00dfenheit geheilt. Die Geschichte von der Heilung der Tochter des Jairus d\u00fcrfte bewusst als Rahmengeschichte f\u00fcr die Geschichte von der Heilung der blutfl\u00fcssigen Frau dienen. Sichtbar wird, dass jedes Alter \u2013 ein M\u00e4dchen, das zur Frau wird und eine Frau, die unter ihrem Frausein leidet \u2013 von der Heilkraft Jesu in den Blick genommen wird. Bei der blutfl\u00fcssigen Frau kommt zudem eine feindliche Umwelt \u2013 eben eine patriarchale und frauenfeindliche Umwelt \u2013 ins Spiel. Bei der Heilung der Tochter des Jairus d\u00fcrfte es sich zudem um eine Heilung handeln, in der sich eine Tochter von einem \u00fcberm\u00e4chtigen Vater emanzipieren muss.<\/p>\n<p><a name=\"_Toc249973630\"><\/a><strong>Die Geschichte von der syroph\u00f6nikischen Frau<\/strong><\/p>\n<p>In Mk 7,24-30 wird eine ausl\u00e4ndische Frau mit \u00e4u\u00dferst schroffen Worten von Jesus zur\u00fcckgewiesen, als diese um die Heilung ihres Kindes bittet. Jesus spricht: \u201eLass zuerst die Kinder satt werden. Denn es ist nicht gut, das Brot der Kinder zu nehmen und es den Hunden hinzuwerfen.\u201c (Mk 7,27)<a href=\"#_ftn7\" name=\"_ftnref7\">[7]<\/a> In der Parallelstelle bei Matth\u00e4us wird das Verhalten Jesu gedeutet mit den Worten: \u201eIch bin nur zu den verlorenen Schafen des Hauses Israel gesandt.\u201c (Mt 15,24) Wir haben in dieser nicht einfach zu deutenden Stelle die Begegnung einer hellenisierten Ph\u00f6nikerin, die aktiv auf den galil\u00e4ischen Wanderprediger Jesus zugeht. Es ist nicht eine passiv wartende Frau. Jesus beginnt laut synoptischem Bericht eine theologische Argumentation mit ihr. Die Frau erweist sich als schriftkundig und argumentiert wie eine Schriftgelehrte. Jesus lobt ihre Schriftkundigkeit und best\u00e4tigt letztlich ihr mutiges Verhalten. Mehr noch aber ist es hier wieder eine Frau, die s\u00e4mtliche Vorurteile zwischen Volksgruppen \u2013 Juden und Griechen \u2013 durchbricht und zwischen Schichten \u2013 reiche Stadtbev\u00f6lkerung in Tyrus, arme j\u00fcdische Landbev\u00f6lkerung \u2013 nicht unterscheidet und so zur Heilung beitr\u00e4gt. Die D\u00e4monen liegen in der \u00f6konomischen Ausbeutung, der politischen Unterdr\u00fcckung und den sozialpsychologischen Vorurteilen. So geschieht auch die Heilung und ihr Kind wird vom D\u00e4mon geheilt. Theissen Gerd sieht in der Charakterisierung dieser Frau eine Oberschichtangeh\u00f6rige, weil sie als \u201eGriechin\u201c bezeichnet wird und entsprechend auch Griechisch spricht, was f\u00fcr die einfache Bev\u00f6lkerung \u00fcblicherweise nicht zutraf.<a href=\"#_ftn8\" name=\"_ftnref8\">[8]<\/a><\/p>\n<p><a name=\"_Toc249973631\"><\/a><strong>Weitere Frauengeschichten<\/strong><\/p>\n<p>Wir finden in den Evangelien noch weitere Geschichten und Erw\u00e4hnungen, die die Bedeutung der Frauen im Zusammenhang mit der Jesusgeschichte unterstreichen.<a href=\"#_ftn9\" name=\"_ftnref9\">[9]<\/a> Da ist die Hanna, die als hochbetagte Prophetin im Tempel auftritt und den S\u00e4ugling Jesu bereits als Messias preist (Lk 2,36-38). W\u00e4hrend Pontius Pilatus \u00fcber die Hinrichtung Jesu nachdenkt, hat seine Frau einen Traum, in dem sie von der Unschuld Jesu tr\u00e4umt. (Mt 27,19) Besonders h\u00e4ufig werden in den Evangelien die Witwen genannt. Darin zeigt sich wiederum zus\u00e4tzlich die \u00f6konomisch-politische Option des Jesus von Nazaret, ein Aspekt, der bei Dan Brown \u00fcberhaupt nicht entfaltet wird. Die Witwen stehen als \u201ePrototyp f\u00fcr Armut\u201c<a href=\"#_ftn10\" name=\"_ftnref10\">[10]<\/a>.<\/p>\n<p>Klaus Heidegger<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> Vgl. dazu u.a.: Stegemann Ekkehard, Stegemann Wolfgang: Urchristliche Sozialgeschichte: die Anf\u00e4nge im Judentum und die Christusgemeinden in der mediterranen Welt, K\u00f6ln 1995. Vor allem IV. Hauptteil, 309-346.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\">[2]<\/a> Vgl. ebd. 309.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref3\" name=\"_ftn3\">[3]<\/a> Ziegler a.a.0. 17.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref4\" name=\"_ftn4\">[4]<\/a> Vgl. u.a.: Blank Josef: Frauen in den Jesus\u00fcberlieferungen, in: Dautzenberg Gerhard, Merklein Helmut, M\u00fcller Karlheinz: Die Frau im Urchristentum, Freiburg i. Br. 1983, 9-91.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref5\" name=\"_ftn5\">[5]<\/a> Vgl. Wolff Hannah, Jesus der Mann. Die Gestalt Jesu in tiefenpsychologischer Sicht. Stuttgar 1990<sup>15<\/sup>.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref6\" name=\"_ftn6\">[6]<\/a> Vgl. Blank a.a.0., 14.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref7\" name=\"_ftn7\">[7]<\/a> Dieses Logion kann nur richtig verstanden werden, wenn auf die sozialen und politischen Umst\u00e4nde eingegangen wird, in der diese Geschichte lokalisiert ist. Andernfalls w\u00fcrde es nicht zum Bild eines Jesus passen, der insbesondere auf jene Menschen zugeht, die von ihm Heilung erwarten. Jesus, der die Bitte einer Frau um Heilung ihres Kindes zur\u00fcckweist und sie abf\u00e4llig als \u201eHund\u201c bezeichnet \u2013 was in der damaligen Gesellschaft ein Schimpfwort war \u2013 passt nicht zum Gesamtbild des Evangeliums. Der Schl\u00fcssel zur Deutung liegt also in der Bezugnahme auf die \u00f6konomische Situation: Die Frau kam aus der Stadt Tyros. Die Stadtbev\u00f6lkerung hatte gegen\u00fcber dem j\u00fcdischen Hinterland Wohlstand und Reichtum. Tats\u00e4chlich d\u00fcrfte die Stadtbev\u00f6lkerung aufgrund ihrer Voraussetzungen die M\u00f6glichkeiten gehabt haben, selbst in Notzeiten Lebensmittel aus dem j\u00fcdischen Hinterland zu beziehen. Um die landwirtschaftliche Versorgung der Stadtbev\u00f6lkerung sicher zu stellen, gab es auch ein politisches Expansionsstreben ins j\u00fcdische Hinterland. Diese Situation wurde gen\u00e4hrt und verst\u00e4rkt durch gegenseitige Vorurteile. In diesem Zusammenhang kann das Jesuswort \u00f6konomisch und politisch wie folgt verstanden werden: \u201eLasst zuerst die armen Leute im j\u00fcdischen Hinterland satt werde. Denn es ist nicht gut, das Brot der armen Leute zu nehmen und es den reichen Heiden in den St\u00e4dten hinzuwerfen.\u201c Wenn Jesus also darauf hinweist, das Brot nicht l\u00e4nger den Heiden vorzuwerfen, so fordert er letztlich eine Umkehrung der \u00f6konomischen und politischen Verh\u00e4ltnisse. Die Reichen sollen nicht l\u00e4nger den Armen das Brot wegessen. Zur Deutung dieser Geschichte vgl. Theissen Gerd: Lokalkolorit und Zeitgeschichte in den Evangelien. Ein Beitrag zur Geschichte der synoptischen Tradition, Freiburg 1992.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref8\" name=\"_ftn8\">[8]<\/a> Vgl. ebd. 73.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref9\" name=\"_ftn9\">[9]<\/a> Vgl. Ziegler Daniela Maria: Frauen um Jesus, in: umwelt und bibel, 17-19.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref10\" name=\"_ftn10\">[10]<\/a> Ebd. 18.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><img src='http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/Gender-Equality.png' class='thumbnail' \/>1\u00a0Frauenrolle in der Antike Die historische Forschung, beginnend mit der Leben-Jesu-Forschung, gibt uns heute ein genaues Bild von den sozialen, politischen und \u00f6konomischen Umst\u00e4nden des Lebens im 1. Jahrhundert in Pal\u00e4stina. Um das Leben der Frauen um Jesus zu verstehen, m\u00fcssen wir sie in diesem Zusammenhang betrachten. 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