{"id":6185,"date":"2021-03-14T17:17:35","date_gmt":"2021-03-14T17:17:35","guid":{"rendered":"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/?p=6185"},"modified":"2022-08-22T07:37:56","modified_gmt":"2022-08-22T07:37:56","slug":"der-heilige-josef-und-seine-vielen-bedeutung","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/?p=6185","title":{"rendered":"Der Heilige Josef und seine vielen Bedeutungen"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" class=\"alignnone size-full wp-image-6186\" src=\"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/Josef-Bild-1a-2.png\" alt=\"\" width=\"1053\" height=\"704\" srcset=\"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/Josef-Bild-1a-2.png 1053w, http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/Josef-Bild-1a-2-300x201.png 300w, http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/Josef-Bild-1a-2-768x513.png 768w, http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/Josef-Bild-1a-2-1024x685.png 1024w\" sizes=\"(max-width: 1053px) 100vw, 1053px\" \/>Am 8. Dezember 2020 hat Papst Franziskus f\u00fcr die gesamte katholische Kirche das \u201eJahr des Heiligen Josef\u201c mit dem Apostolischen Schreiben \u201ePatris Cordis\u201c (\u201eMit dem Herz des Vaters\u201c) ausgerufen. Die Verehrung des Hl. Josef spielt in der r\u00f6misch-katholischen Kirche sowie auch in \u00d6sterreich eine zentrale Rolle. Josef ist seit 150 Jahren nicht nur der Gesamtpatron der Kirche, sondern auch Landespatron in vier \u00f6sterreichischen Bundesl\u00e4ndern. Die Josefsgestalt ist pr\u00e4gend f\u00fcr Kirche und Gesellschaft. Als Mann und Vater sowie auch als Mitglied der Katholischen M\u00e4nnerbewegung m\u00f6chte ich Josef von den Alt\u00e4ren holen, um ihn mir in dreifacher Weise zum Begleiter zu machen.<\/p>\n<p><strong>1) Josef als f\u00fcrsorglicher \u201eN\u00e4hrvater\u201c und die gendergerechte Verteilung der Care-Arbeit <\/strong><\/p>\n<p>In Tirol gibt es wohl kaum ein \u00e4lteres Kirchengeb\u00e4ude, in dem es nicht eine Josefsstatue oder Josefsdarstellung gibt. Meist wird Josef in den traditionellen Darstellungen als \u201eN\u00e4hrvater Jesu\u201c dargestellt. So sehe ich ihn in dem Bild am Josefsaltar in meiner Heimatpfarre, vor dem ich oft die Kommunion austeile: Sein Kopf ist dem\u00fctig zur Seite geneigt. Josef bekommt eine Rolle zugeteilt, die sich wie folgt darstellen l\u00e4sst: Dem\u00fctig die Herausforderungen annehmend, nicht aktiv, sondern durch \u201eUnterlassungen\u201c, durch \u201eNicht-Handeln\u201c, so Josef Quitterer, ehemaliger Dekan der Theologischen Fakult\u00e4t der Universit\u00e4t Innsbruck in einem Beitrag zum Josefstag. Dazu passt das Narrativ vom \u201eWindel-Josef\u201c. Josef gilt als derjenige, der \u201edie zweite Geige spielt\u201c, ist der \u201eVater im Schatten\u201c, so Papst Franziskus. \u00c4hnliche bildhafte Interpretationen vom f\u00fcrsorglich sich um den Neugeborenen K\u00fcmmernden gibt es in zahlreichen gotischen Wandgem\u00e4lden in den Kirchen Nord- und S\u00fcdtirols. Sie zeigen Josef, der nach der Geburt an einer Feuerstelle sitzt und f\u00fcr seine junge Familie eine Suppe kocht. Der h\u00e4usliche Josef ist im Vergleich zu Maria eine Hintergrundfigur:\u00a0 Windeln waschend, liebevoll das Kind schaukelnd, Suppe kochend. Der Dogmatikprofessor Jozef Niewiadomski weist ebenfalls zum Josefstag auf diese z\u00e4rtliche Seite seines Namenspatrons hin. Eine syrische Ikone \u00fcber die Geburt Jesu zeigt Josef, der sich liebevoll um Jesus k\u00fcmmert und ihm ein Schlaflied vorsingt. Niewiadomski dazu: Der biblische Josef habe nur eine \u201eNebenrolle\u201c gespielt, zur\u00fcckhaltend, weg vom Rampenlicht.<\/p>\n<p>In solchen Darstellungen und Interpretationen wird ein M\u00e4nnerbild vermittelt, das tats\u00e4chlich ein wichtiger Kontrapunkt zu patriarchalen Rollenzuweisungen ist, in der zu oft M\u00e4nner aktiv au\u00dfer Haus gesehen werden, fern der Kinder- und Hausarbeit. Angesichts der fortbestehenden ungleichen Verteilung von Haus- und Kinderarbeit zwischen den Geschlechtern ist es wichtig, in Josef ein Vorbild f\u00fcr ein neues M\u00e4nnerbild zu haben. Es braucht die M\u00e4nner, die sprichw\u00f6rtlich die \u201eWindeln waschen\u201c, Suppen kochen, Kinder z\u00e4rtlich in den Armen wiegen und ihnen Schlaflieder singen. Es braucht die V\u00e4ter in der Carearbeit, die weiterhin in einem viel gr\u00f6\u00dferen Ausma\u00df von Frauen und M\u00fcttern erledigt wird. Es braucht die Papas, die Karenzzeiten in Anspruch nehmen \u2013 und mehr als nur einen Papamonat. Solche M\u00e4nner werden durch den h\u00e4uslich-z\u00e4rtlich-dem\u00fctigen Josef ermutigt. Diese Josefsperspektive f\u00f6rdert die notwendige Sichtweise, in der patriarchale Rollen dekonstruiert und gendergerechte Lebensweisen konstruiert werden. Dies passt zur Kampagne \u201eHausarbeit fair teilen: Heimarbeit ist mehr als Home-Office\u201c. In \u00d6sterreich ist es immer noch ein kleiner Prozentsatz der V\u00e4ter, die eine Karenzzeit oder die V\u00e4terfr\u00fchkarenz (Papamonat) f\u00fcr ihre Kinder in Anspruch nehmen.<\/p>\n<p><strong>2) Josef als z\u00e4rtlicher Liebhaber und Ehemann Marias<\/strong><\/p>\n<p>Zum Gl\u00fcck vergilbt ein anderes Bild des Josefs. In barocken Gem\u00e4lden war es Tradition, Josef als \u201ealten Mann\u201c darzustellen, der wie ein greiser Opa das Jesuskind hegt, neben ihm die jugendliche Maria, die bildlich gesehen seine Tochter sein k\u00f6nnte. In den von der Gnosis beeinflussten apokryphen Texten des zweiten Jahrhunderts wurde diese Interpretation erfunden. Das passt zur gnostischen und manich\u00e4ischen Tendenz, aus der Jesusgeschichte die Sexualit\u00e4t zu verbannen und gedanklich Maria in ihrer biologischen Jungfr\u00e4ulichkeit festzuschreiben. Dabei wird selbst in den Evangelien davon geschrieben, dass Josef mit Maria noch weitere Kinder hatte. In der erosfeindlichen Tradition des Jakobusevangeliums wurde auch die sogenannte \u201eJosefsehe\u201c erfunden.<\/p>\n<p>Dieses Muster, in dem aus der Beziehung zwischen Maria und Josef die Sexualit\u00e4t und der Eros entfernt wurden, passt zu einer sexualfeindlichen Tradition im Christentum und bedarf einer Reversion. Die Josefsgestalt sollte nicht mehr dazu dienen, erosfeindliche Denkweisen und Strukturen in der Kirche zu stabilisieren. Josef als z\u00e4rtlichen Liebhaber Marias zu sehen w\u00fcrde bedeuten, den \u201eEros zu entgiften\u201c \u2013 wie es Martin Lintner vielleicht ausdr\u00fccken k\u00f6nnte. Eros und Sexualit\u00e4t sind auch mit Blick auf Maria und Josef Kr\u00e4fte, die ein St\u00fcck des Himmels auf Erden sp\u00fcrbar werden lassen k\u00f6nnen in Freundschaften und Beziehungen. Ich stelle mir Josef heute vor als jemand, der in Mirjam verliebt war, der sie so ganz lieben konnte, wie sonst h\u00e4tte er \u2013 so auch die Botschaft der Evangelien \u2013 selbst in der \u00e4u\u00dferst schwierigen Situation einer ungeplanten und au\u00dferhalb der Konventionen erfolgten Schwangerschaft seine Verlobte unterst\u00fctzen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><strong>3) Josef, Rebell und Widerstandsk\u00e4mpfer \u2013 die historisch-kritische Verortung der Josefs-Geschichte<\/strong><\/p>\n<p>Die neutestamentlichen Hinweise auf Josef zeigen uns, dass wir ihn uns nicht nur mit Windeln und Kochtopf und Tischlerwinkel vorstellen d\u00fcrfen. Programmatisch wird er in beiden Kindheitsgeschichten bei Matth\u00e4us und Lukas als Davidide bezeichnet. Das ist eine hochpolitische Ansage. Wer in der damaligen Besatzungswirklichkeit mit K\u00f6nig David in Verbindung gebracht wurde \u2013 damit ist nicht so sehr eine Blutsverwandtschaft gemeint \u2013, stand in Opposition zum Kaiser in Rom und seinen brutalen Stellvertretern im besetzten Pal\u00e4stina. Nachfolger Davids zu sein bedeutete, im Widerstand zu sein. Historisch gesehen wird diese Tatsache mehrfach unterstrichen, wenn die Codes der Kindheitsgeschichten ernst genommen werden. Josef wird ausdr\u00fccklich als jemand geschildert, der aus Nazareth in Galil\u00e4a stammt. Mit Galil\u00e4a verband man die Gegend des politischen Widerstands. Es war die Peripherie, in der Zeloten und Sikarier mit Guerillaangriffen den r\u00f6mischen Besatzungssoldaten das Leben schwer machten. Umso brutaler waren wiederum die r\u00f6mischen Repressionen. Idealtypisch wird die politische Dimension in den Kindheitsgeschichten nach Matth\u00e4us und Lukas geschildert: Josef, der mit Maria von Galil\u00e4a nach Betlehem zieht. Hier wird der politische Faden zwischen den Aufst\u00e4ndischen im Norden des Landes und der Stadt Davids gekn\u00fcpft. Josef, der mit Maria und ihrem Neugeborenen nach \u00c4gypten flieht und damit in jenes Land, wo die Wiege des politischen Aufbruchs des Volkes Israel liegt. Josef, der zur\u00fcck nach Nazareth in Galil\u00e4a geht und damit den Exodusfaden wieder aufnimmt. Die bildhafte Interpretation stellt dabei Josef als \u201eReisegef\u00e4hrten\u201c stets einen Esel zur Seite \u2013 jenes messianische Reittier, auf dem sp\u00e4ter \u201esein\u201c Sohn den Triumphzug in Jerusalem machen wird. In der sozialrevolution\u00e4ren Perspektive wurde immer schon betont, dass Josef in den Evangelien mit der Berufsbezeichnung \u201etekton\u201c genannt wird, worunter wir uns heute einen Bauhandwerker vorstellen k\u00f6nnen, der dort an Baustellen diente, wo gerade H\u00e4user oder andere Geb\u00e4ude errichtet worden sind. Josef verorte ich daher nicht nur mit Windeln und Kochtopf, sondern ich sehe ihn wie einen Mann im legend\u00e4ren Gem\u00e4lde von Novecento. Neben ihm k\u00f6nnte Maria mit dem Jesuskind sein.<\/p>\n<p>Klaus Heidegger, zum Josefitag 2021<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><img src='http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/Josef-Bild-1a-2.png' class='thumbnail' \/>Am 8. Dezember 2020 hat Papst Franziskus f\u00fcr die gesamte katholische Kirche das \u201eJahr des Heiligen Josef\u201c mit dem Apostolischen Schreiben \u201ePatris Cordis\u201c (\u201eMit dem Herz des Vaters\u201c) ausgerufen. Die Verehrung des Hl. Josef spielt in der r\u00f6misch-katholischen Kirche sowie auch in \u00d6sterreich eine zentrale Rolle. 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