{"id":6191,"date":"2021-03-16T07:21:41","date_gmt":"2021-03-16T07:21:41","guid":{"rendered":"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/?p=6191"},"modified":"2026-02-03T09:07:12","modified_gmt":"2026-02-03T09:07:12","slug":"josef-als-vater-und-ehemann-marias","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/?p=6191","title":{"rendered":"Josef &#8211; als Vater und Ehemann Marias"},"content":{"rendered":"<p><strong>Die Geschwister Jesu oder die Verdr\u00e4ngung von Erotik und Sexualit\u00e4t<\/strong><\/p>\n<p>Nicht weil es zun\u00e4chst in der Bibel st\u00fcnde, sondern weil es menschlich-physisch-psychologisch und soziokulturell-historisch sowie religi\u00f6s-theologisch begr\u00fcndbar ist, d\u00fcrfen wir uns vorstellen, dass Maria und Josef als typisches j\u00fcdisches Paar, die sich liebten, die sich wertsch\u00e4tzten, die f\u00fcreinander Sorge trugen, auch noch mehrere Kinder gemeinsam gehabt haben k\u00f6nnten. So ist es nicht verwunderlich, wenn sowohl im Markusevangelium (6,3) als auch im Matth\u00e4usevangelium (13,55f) Jakobus, Joseph, Judas und Simon als Br\u00fcder Jesu namentlich genannt und weitere Schwestern erw\u00e4hnt werden.<\/p>\n<p>Nur wenn wir die Bezeichnung \u201eJungfrau Maria\u201c in einem biologischen Sinne missverst\u00fcnden und damit die theologische Bedeutsamkeit von diesem Mythos nicht erkennen w\u00fcrden, h\u00e4tten wir Probleme damit, dem Josef und der Maria auch weitere Kinder zuzugestehen. Dann w\u00e4ren wir verleitet, dem leib-, eros- und sexualfeindlichen Trend zu folgen, Maria als \u201ereine Magd\u201c zu sehen und diese \u201eReinheit\u201c als biologische Jungfr\u00e4ulichkeit zu definieren. Dann aber folgten wir dem apokryphen Narrativ, uns Josef als alten Mann vorzustellen, der aus einer fr\u00fcheren Ehe schon Kinder mit in die neue Beziehung mit Maria gebracht habe. Nichts von dem aber steht in den Evangelien. Es scheint, dass sich gerade mit Blick auf die Familiengeschichte Jesu das apokryphe Jakobusevangelium weiterhin mehr im Volksglauben festgemacht hat, als eine von Leibfeindlichkeit befreite historisch-kritische Exegese der Evangelien, die gerade in Bezug auf die ersten Lebensjahre Jesu und die Kindheitsgeschichten selbst schon wieder theologisch verpackte und gef\u00e4rbte Historie sind.<\/p>\n<p>Die Auslegungstradition, Maria in ihrer biologischen Jungfr\u00e4ulichkeit zu konstruieren, ist lange. Da sind die einen, die die Worte Marias in der Verk\u00fcndigungsszene \u201ewie soll dies geschehen, da ich keinen Mann erkenne\u201c in einer Weise interpretieren, dass Maria immer schon biologisch-jungfr\u00e4ulich leben wollte. Dies w\u00fcrde jedenfalls ideal zur gnostisch-manich\u00e4ischen Leibfeindlichkeit passen, wohl nicht aber zur hohen Wertsch\u00e4tzung von einer ganzheitlichen j\u00fcdischen Ehe. Eine bewusst gew\u00e4hlte Ehelosigkeit als Lebensform war im Judentum keine religi\u00f6se Lebensform.<\/p>\n<p>Wenn wir es also wagen, uns Josef als jungen Mann vorzustellen, der Maria liebte, und nicht im Stande des Konstrukts einer \u201eJosefsehe\u201c, in der es keine geschlechtliche Liebe gibt, dann beginnen wir Sexualit\u00e4t als Geschenk des G\u00f6ttlichen integral zu sehen und dies auch mit dem Leben und der Botschaft Jesu in Verbindung zu bringen. Wenn wir uns Josef als knapp Zwanzigj\u00e4hrigen, nicht aber als Siebzigj\u00e4hrigen vorstellen, dann m\u00fcssen wir nicht herumt\u00fcfteln, ob die im Evangelium genannten Br\u00fcder (adelphoi) nun Cousins von Jesus waren oder Br\u00fcder in einem geistigen Sinne oder eben Halbbr\u00fcder Jesu aus einer vorherigen Ehe des Josef.<\/p>\n<p>Mir ist ein anderer Blickwinkel entscheidend. Vielleicht hat Jesus gerade von Josef und seiner Mutter Maria und in deren ganzheitlicher Verbindung gelernt und erfahren, was Liebe ist \u2013 und daher auch, was g\u00f6ttliche Gegenw\u00e4rtigkeit ist. So kann der Mann Josef in seiner ganzen M\u00e4nnlichkeit, aus der die Sexualit\u00e4t nicht weggedacht wird, als Liebhaber, als z\u00e4rtlicher Vater und starker Rebell, als Erzieher seiner Kinder, als Fl\u00fcchtling und gesetzestreuer Jude ganz neue Bedeutung gerade f\u00fcr M\u00e4nner und Burschen bekommen. Er wird zum Patron f\u00fcr Verliebte wie f\u00fcr Ehem\u00e4nner, auf ihrem Versuch, in ihrer Beziehung und Partnerschaft ein St\u00fcck des Himmels zu erfahren und zu leben. Vielleicht freilich eignet sich Josef dann weniger als Identifikationsfigur f\u00fcr z\u00f6libat\u00e4r lebende M\u00e4nner, die zu sehr das Lehramt der Kirche in den vergangenen Jahrhunderten pr\u00e4gten.<\/p>\n<p>Mag sein, dass meine Positionierung etwas deutlicher ausf\u00e4llt, weil ich t\u00e4glich neu in der Schule mit den Vorurteilen konfrontiert werde, die Kirche sei gegen Sexualit\u00e4t, die Kirche w\u00fcrde \u201eSex vor der Ehe\u201c verbieten und k\u00f6nne daher \u2013 so die Jugendlichen \u2013 doch nicht mehr ernst genommen werden. Und in regelm\u00e4\u00dfigen Abst\u00e4nden wird diese Sichtweise durch Meldungen leider auch bekr\u00e4ftigt. So\u00a0 die Stellungnahme der Glaubenskongregation gegen die Segnung von homosexuellen Gemeinschaften: <em>\u201eAus diesem Grund ist es nicht erlaubt, Beziehungen oder selbst stabilen Partnerschaften einen Segen zu erteilen, die eine sexuelle Praxis au\u00dferhalb der Ehe (..) einschlie\u00dfen, wie dies bei Verbindungen von Personen gleichen Geschlechts der Fall ist.\u201c <\/em>Was hat nun die Frage der Besch\u00e4ftigung mit den m\u00f6glichen Geschwistern Jesu mit dieser f\u00fcr Homosexuelle diskriminierenden Sichtweise zu tun: Einfach, dass sich immer noch viel in der kirchlichen Hierarchie schwertun, in einer verantwortungsvoll und achtsam gelebten Erotik und Sexualit\u00e4t etwas Sch\u00f6nes und Befreiendes zu sehen.<\/p>\n<p>Klaus Heidegger<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Geschwister Jesu oder die Verdr\u00e4ngung von Erotik und Sexualit\u00e4t Nicht weil es zun\u00e4chst in der Bibel st\u00fcnde, sondern weil es menschlich-physisch-psychologisch und soziokulturell-historisch sowie religi\u00f6s-theologisch begr\u00fcndbar ist, d\u00fcrfen wir uns vorstellen, dass Maria und Josef als typisches j\u00fcdisches Paar, die sich liebten, die sich wertsch\u00e4tzten, die f\u00fcreinander Sorge trugen, auch noch mehrere Kinder gemeinsam&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[183],"tags":[884,885,886],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/6191"}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=6191"}],"version-history":[{"count":8,"href":"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/6191\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":12311,"href":"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/6191\/revisions\/12311"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=6191"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=6191"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=6191"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}