{"id":6238,"date":"2021-04-02T04:22:39","date_gmt":"2021-04-02T04:22:39","guid":{"rendered":"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/?p=6238"},"modified":"2022-08-22T07:37:56","modified_gmt":"2022-08-22T07:37:56","slug":"das-sterben-am-karfreitag","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/?p=6238","title":{"rendered":"Das Sterben am Karfreitag"},"content":{"rendered":"<p><strong><img loading=\"lazy\" class=\"alignnone size-full wp-image-4899\" src=\"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/Kreuz-Gnadenstuhl-klein.jpg\" alt=\"\" width=\"1224\" height=\"1632\" srcset=\"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/Kreuz-Gnadenstuhl-klein.jpg 1224w, http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/Kreuz-Gnadenstuhl-klein-225x300.jpg 225w, http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/Kreuz-Gnadenstuhl-klein-768x1024.jpg 768w\" sizes=\"(max-width: 1224px) 100vw, 1224px\" \/>Der Blick auf das Leiden<\/strong><\/p>\n<p>Am heutigen Tag gibt es kein L\u00e4uten von Glocken, nur Stille, nur das Aushalten von Schmerz und Leere und scheinbarer Gottferne. So unendlich fern ist noch die Auferstehung. Die bunten Kugeln rund um die Gr\u00e4ber in den Farben des Regenbogens \u2013 sie geben noch Halt vor ganz gro\u00dfer Verzweiflung. Am heutigen Tag k\u00f6nnen wir auf den Schmerz angesichts von so viel k\u00f6rperlichem und seelischem Leid in der Welt richten und zugleich in dieser Leere und Stille den Blick lenken auf jenen, der gequ\u00e4lt, entbl\u00f6\u00dft, verspottet, gedem\u00fctigt, missbraucht und grausam hingerichtet wurde. Es ist eine Blickrichtung, die wegf\u00fchrt von den Besch\u00e4ftigungen mit dem eigenen Unerf\u00fcllten. Mit Blickrichtung Kreuz verschieben sich die Dimensionen. Es ist eine Blickrichtung, die frei macht f\u00fcr ein Aufstehen gegen das vielfache Leiden in der Welt.<\/p>\n<p><strong>Dreckig-verwitterte Bretter aus dem Leben<\/strong><\/p>\n<p>Mit meinen Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fclern habe ich den Gnadenstuhl von Walter Zacharias nachgebildet. Wir brauchen zwei Bretter. Verwittert sind sie und aus dem Leben genommen. Eines ist noch voller Erde. Gott hat sich in Jesus mit dieser Erde dreckig gemacht. In der Erz\u00e4hlung vom letzten Abendmahl laut Johannesevangelium wurde daran gedacht: Jesus wusch die dreckigen F\u00fc\u00dfe seiner J\u00fcngerinnen und J\u00fcnger. In diesem dreckigen Herunterkommen offenbart sich G\u00f6ttliches. Unter einem der alt-verwitterten Bretter hatten sich K\u00e4fer versteckt.<\/p>\n<p><strong>Verbindung von Horizontale und Vertikale<\/strong><\/p>\n<p>Mit L\u00e4ngsbalken und Querbalken bilden wir ein lateinisches Kreuz. Die Vertikale symbolisiert die Verbindung von Himmel mit Erde, die Verbindung von Gott mit Erde, wobei Gott nicht die Kraft da oben ist, sondern stets die dynamische Verbindung von oben mit Unten und unten mit Oben. Die Horizontale stellt die Verbindung zwischen Mensch und Mensch sowie zwischen Mensch und Welt dar, wobei gerade in dieser Verbindung sich die Vertikale in einer kraftvollen Mitte verbindet. So bilden wir mit zwei dreckig-verwitterten Brettern die g\u00f6ttliche Dramaturgie ab.<\/p>\n<p><strong>Energie des Kreises<\/strong><\/p>\n<p>Einen Draht formen wir zu einem Kreis. Er ist wie ein Leitungsdraht, durch den Strom flie\u00dfen k\u00f6nnte, eine unsichtbare Energie. Wir umwickeln ihn mit gold-gelbenem Seidentuch. Sichtbar wird im Symbol Kreis die Unendlichkeit der g\u00f6ttlichen Strahlkraft, die ohne Anfang und Ende und zugleich immer neu im Anfang ist. Im Anfang schuf Gott die Welt. Dort, wo scheinbar das Ende ist, kann Neues beginnen wie im Anfang der Sch\u00f6pfung. G\u00f6ttliches ist in der Dynamik des Kreuzes zu finden und die g\u00f6ttliche Geistkraft sitzt als Taube im Schnittpunkt der Achsen.<\/p>\n<p><strong>Die Astgabel<\/strong><\/p>\n<p>Die Natur kennt keine Kreuzesform. Kreuz in diesem Sinne ist \u00fcbernat\u00fcrliches Geschehen. Da treffen sich Transzendenz und Immanenz und verschmelzen zu einem im Augenblick des Daseins. Doch in der Natur gibt es die unendlich vielen Astgabeln, die das Wesen der B\u00e4ume charakterisieren.\u00a0 Es f\u00e4llt nicht schwer, eine Astgabel zu finden, die wir in die Mitte des Kreuzes legen.<\/p>\n<p>Eine Astgabel steht auch f\u00fcr den Gekreuzigten und seine Arme, die sich im Geschehen des Kreuzes dem Geist und G\u00f6ttlichen entgegenstrecken. Abertausende Zeitungsmeldungen k\u00f6nnten wir mit N\u00e4geln an dieses Kreuz heften, die von den emporgestreckten Armen berichten: Wir w\u00e4hlen einen aus. Er berichtet vom unertr\u00e4glichen Leiden in den Fl\u00fcchtlingslagern und von Bootsfl\u00fcchtlingen, die im Mittelmeer die Arme den noch verbliebenen Rettungsbooten entgegenstrecken. Zu viele sind schon ertrunken. Es sind die Kinder, die ihre Arme nach den V\u00e4tern und M\u00fcttern strecken, die sie in blutigen Kriegen l\u00e4ngst schon verloren haben und heute in den Fl\u00fcchtlingslagern vor und hinter den Toren Europas vegetieren. Noch viele Berichte k\u00f6nnten wir heute an dieses Kreuz heften. Von den emporgestreckten Armen der Millionen in den Elendsvierteln dieser Welt, die in Zeiten der Corona-Pandemie besonders gef\u00e4hrdet sind, weil sie kaum Wasser zum H\u00e4ndewaschen haben und weil sie auf engstem Raum zusammengepfercht sind und auf sie keine Intensivmedizin wartet. Die emporgestreckten Arme sind allgegenw\u00e4rtig und ihr Ruf l\u00e4sst einmal mehr die vorletzten Worte Jesu am Kreuz h\u00f6rbar werden. \u201eMein Gott, mein Gott, warum hast du uns verlassen?\u201c<\/p>\n<p>Klaus Heidegger, Karfreitag 2021<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><img src='http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/Kreuz-Gnadenstuhl-klein.jpg' class='thumbnail' \/>Der Blick auf das Leiden Am heutigen Tag gibt es kein L\u00e4uten von Glocken, nur Stille, nur das Aushalten von Schmerz und Leere und scheinbarer Gottferne. So unendlich fern ist noch die Auferstehung. Die bunten Kugeln rund um die Gr\u00e4ber in den Farben des Regenbogens \u2013 sie geben noch Halt vor ganz gro\u00dfer Verzweiflung. 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