{"id":6615,"date":"2021-08-08T17:19:39","date_gmt":"2021-08-08T17:19:39","guid":{"rendered":"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/?p=6615"},"modified":"2022-08-22T07:37:54","modified_gmt":"2022-08-22T07:37:54","slug":"furgler-der-3000er-serfaus-der-touristenort-und-eine-gnadenstatue-zur-rettung-der-waelder","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/?p=6615","title":{"rendered":"Furgler \u2013 der 3000er, Serfaus \u2013 der Touristenort und eine Gnadenstatue \u2013 zur Rettung der W\u00e4lder"},"content":{"rendered":"<p><strong><img loading=\"lazy\" class=\"alignnone size-full wp-image-6616\" src=\"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/f-25.jpg\" alt=\"\" width=\"1600\" height=\"1200\" srcset=\"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/f-25.jpg 1600w, http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/f-25-300x225.jpg 300w, http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/f-25-768x576.jpg 768w, http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/f-25-1024x768.jpg 1024w\" sizes=\"(max-width: 1600px) 100vw, 1600px\" \/>Vorbemerkend<\/strong><\/p>\n<p>Als Volksschulkind war ich bereits auf dem Furgler. Vielleicht war es \u2013 wie f\u00fcr so viele wohl \u2013 mit 3004 m auch mein erster 3000er. Die Gegend um Serfaus habe ich dann \u2013 sowohl im Winter wie im Sommer \u2013 meist vermieden. Meine Orientierung galt vielmehr den gegen\u00fcberliegenden Gipfeln des Kaunergrats, die wesentlich steiler und h\u00f6her sind und unvergleichlich einsamer. Die Welt des Mega-Tourismus von Serfaus, die unz\u00e4hligen Bergbahnen und Lifte \u2013 das ist nicht meine Welt zum Wohlf\u00fchlen. Dennoch lasse ich mich wieder einmal auf diese Gegend ein, weil es in Gemeinschaft mit einer Alpenvereinsgruppe geschieht. Mein Weg beginnt mit dem Gravelbike von Prutz weg. Schon morgens werde ich auf der Fahrt von Ried hinauf von Aber-Dutzenden Autos \u00fcberholt, die auf das Sonnenplateau von Ladis-Fiss-Serfaus hinauf gl\u00fchen. Besonders heute sch\u00e4tze ich die Bereitschaft der AV-Gruppe, mit \u00f6ffentlichen Verkehrsmitteln eine solche Tour durchzuf\u00fchren. Angesichts der aktuell brennenden W\u00e4lder in vielen Teilen der Welt, die Folge der Erderhitzung sind, ist dies ein wichtiges Statement. Da passt auch die Wallfahrtsgeschichte von Serfaus dazu.<\/p>\n<p><strong>Maria im Walde<\/strong><\/p>\n<p>Bewusst habe ich vor dem Treffpunkt zur Tour Zeit eingeplant, um in die Wallfahrtskirche von Serfaus zu gehen. Inmitten der Hotelburgen und irgendwelcher Restaurants und Lokale ist das Ensemble von imposantem Turm mit gemauerten Turmhelm, romanisch-gotischer Kirche und Friedhofsmauer aus mittelalterlichen Zeiten ein mystischer Ort. Manches Mauerwerk geht bis ins Jahr 800 zur\u00fcck. Die nahe U-Bahnstation (!) ist wie ein Kontrapunkt zum Kirchenkomplex. Hier ist kein Rummel. Da bin ich allein. Und es ist ganz ruhig. Ich sitze vor der fr\u00fchromanischen Gnadenstatue aus dem 11. oder 12. Jahrhundert in der fr\u00fchgotischen Apsis. Morgensonne scheint durch die Spitzbogenfenster im Osten. An den W\u00e4nden sind guterhaltene gotische Fresken. In der Marienstatue mit dem Jesuskind verdichtet sich ikonographisch ein ganzes Glaubensbekenntnis, das weit \u00fcber christliche Grunderfahrungen hinausgeht. Die kleine Holzfigur fasst den Glauben, die Hoffnungen und das Sehnen von uns Menschen zusammen. Schon die Entstehungslegende der Wallfahrt zu Maria im Walde \u2013 es soll die \u00e4lteste Wallfahrt in Tirol sein &#8211; ist bleibend bedeutsam. Es hei\u00dft, so die Legende, Maria sei in einer Fichte erschienen, als Waldarbeiter gerade den Baum niederschneiden wollten und habe gebeten: \u201eHack mich nicht!\u201c Wieder muss ich an die W\u00e4lder denken, die gegenw\u00e4rtig brennen, und sehe die bleibende Bedeutung in dieser g\u00f6ttlich anmutenden Figur und der Entstehungslegende. Sie will mir heute sagen: Setz dich ein und versuche so zu leben, dass sich die Erde nicht noch mehr erhitzt und noch mehr W\u00e4lder zum Fra\u00df der Flammen werden oder dass in anderen Kontinenten Regenw\u00e4lder abgerodet werden. Maria in der Tradition der Baumg\u00f6ttinnen ist die Besch\u00fctzerin der W\u00e4lder.<\/p>\n<p>Ich werde die Darstellung mit in diesen Tag hineinnehmen: Maria nicht als Opfer, nicht als \u201eSchmerzensmutter\u201c, wie sie in meiner Schule, die auf die Serviten zur\u00fcckzuf\u00fchren ist, dargestellt wird, sondern als Siegbringerin, die gekr\u00f6nt auf einem Thron sitzt. Das Jesuskind segnet mit der rechten Hand und in der Linken tr\u00e4gt es das Zepter des Weltengerichts. Darf ich \u2013 trotz allem \u2013 sowohl im globalen, politischen Ma\u00dfstab wie auch in den privaten Gegebenheiten \u2013 darauf hoffen, dass der Apfel \u2013 Symbol der Erl\u00f6sung, den Maria in ihrer Hand h\u00e4lt, wirklich zur Rettung f\u00fchren wird?<\/p>\n<p><strong>Aufstieg und Abstieg<\/strong><\/p>\n<p>Auf die Ben\u00fctzung der Bahn hinauf zum K\u00f6lner Haus verzichten wir gerne. Das Gehen ist uns wichtiger. Bis dorthin geht auch eine Asphaltstra\u00dfe. Wir gehen aber meist entlang der Abfahrtstrasse. Die Wiesen sind sichtbar ver\u00e4ndert durch die winterlichen Pr\u00e4parierungsma\u00dfnahmen und Beanspruchungen. Vom K\u00f6lner Haus weg verlassen wir die Welt der Liftanlagen. Ein Steig f\u00fchrt hinauf zum Furgler See. \u201eQuietschende\u201c Murmeltiere sind hier. Das Wetter h\u00e4lt heute wohl viele davon ab, eine Wanderung zu unternehmen. Es weht kr\u00e4ftiger Wind. Viele der Berge ringsherum sind wolkenverhangen. Beim Furglersee ist ein Sumpfwiese, wo Bl\u00fcten wie Schneeb\u00e4lle auf gr\u00fcnen Halmen sind. Schnell gehen wir hinauf zum Furglerjoch und von dort unschwierig \u00fcber Granit- oder Schieferplatten und Blockwerk zum XXXL-Holzkreuz.<\/p>\n<p>Auf der S\u00fcdostseite geht ein ausgetretener Steig \u00fcber Ger\u00f6ll hinunter. Der Tiefentalsee wird bald sichtbar mit seiner tiefblau-gr\u00fcnen Farbe. Der Wind zaubert Wellen hinein. Ich freue mich schon darauf, kurz ins Wasser zu gehen. Dort, wo die im Winter ben\u00fctzten Skipisten beginnen, f\u00fchlt sich der Untergrund merkw\u00fcrdig fest an. Das Wasser scheint nicht ordentlich versickern zu k\u00f6nnen. In der Dorfstra\u00dfe von Serfaus geht es an diesem Samstagnachmittag zu wie in einer beliebten Fu\u00dfg\u00e4ngerzone einer Gro\u00dfstadt. Im B\u00e4ckerei-Kaffee, in dem wir sitzen, hei\u00dft Apfelsaft schon Apfelschorle.<\/p>\n<p>Eingespeichert in meiner Seele sind aber die Bergwiesen und Seen, die Wollgr\u00e4ser und die vielen unterschiedlichen Gesteinsarten, die K\u00fchle eines Bergsees, in das noch ein letztes Schneefeld reicht \u2013 fr\u00fcher gab es hier sogar einen kleinen Gletscher!\u00a0 &#8211; und vor allem aber auch Gespr\u00e4che und das Miteinander-Unterwegssein.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><img src='http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/f-25.jpg' class='thumbnail' \/>Vorbemerkend Als Volksschulkind war ich bereits auf dem Furgler. Vielleicht war es \u2013 wie f\u00fcr so viele wohl \u2013 mit 3004 m auch mein erster 3000er. Die Gegend um Serfaus habe ich dann \u2013 sowohl im Winter wie im Sommer \u2013 meist vermieden. 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