{"id":6657,"date":"2021-08-23T07:34:49","date_gmt":"2021-08-23T07:34:49","guid":{"rendered":"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/?p=6657"},"modified":"2022-08-22T07:37:54","modified_gmt":"2022-08-22T07:37:54","slug":"bergwelten-zwischen-luesens-und-franz-senn-huette-schafgruebler-rinnenspitze-lisenser-spitze","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/?p=6657","title":{"rendered":"Bergwelten zwischen L\u00fcsens und Franz Senn H\u00fctte: Schafgr\u00fcbler, Rinnenspitze, Lisenser Spitze"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" class=\"alignnone size-full wp-image-6659\" src=\"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/fs-9.jpg\" alt=\"\" width=\"4160\" height=\"3120\" srcset=\"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/fs-9.jpg 4160w, http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/fs-9-300x225.jpg 300w, http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/fs-9-768x576.jpg 768w, http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/fs-9-1024x768.jpg 1024w\" sizes=\"(max-width: 4160px) 100vw, 4160px\" \/>Die Bergwelt hinten im L\u00fcsenstal ist mir von den Skitouren im Winter vertraut; vor allem der L\u00fcsener Fernerkogel mit seiner Mauer und dem Gletscherbecken dahinter, auf dem ich auch in diesem Winter mehrmals unterwegs war. An diesem Sommer-Wochenende habe ich Gelegenheit, mit einer Gruppe vom Alpenverein Hall einmal ohne winterliche Pracht und ohne Tourenski diese Gegend zu erleben. Das Wetter verspricht eine Mischung von sicherem Wetter am ersten Tag und einem Wettereinbruch am darauffolgenden Tag. Auf den ersten Metern wird klar: wir sechs sind eine starke Gruppe, die zusammenpasst und mit guter F\u00fchrung ist, die sich spontan auf die Wetter- und Bergverh\u00e4ltnisse sowie die Gruppe einl\u00e4sst. Ich f\u00fchle mich in dieser Gruppe wohl.<\/p>\n<p>Von L\u00fcsens geht es auf steilem Steig zun\u00e4chst \u00fcber Bergwiesen und dann Ger\u00f6ll und Schutt hinauf zum Horntalerjoch (2812). Am Joch angekommen, sehen wir nun die andere Seite, das Oberbergtal mit dem Parkplatz in Oberiss und den Bergkamm im S\u00fcden der Franz-Senn-H\u00fctte. Einmal donnern Steine von der m\u00e4chtigen Hohen Villerspitze. Da m\u00f6chte ich sicher nicht hinauf. Der Schafgr\u00fcbler ist mir lieber. Der Steig hinauf \u00fcber den Ostgrat ist gut markiert und ohne Schwierigkeiten. Auf 2922 Meter steht ein durchl\u00f6chertes wackeliges Holzkreuz. Es erinnert an das Pektorale von Bischof Hermann und ich merke, wie sich in mir die philosophisch-theologischen Geistesm\u00fchlen wieder drehen. Die L\u00f6cher im Kreuz, so hat es damals Bischof Hermann erkl\u00e4rt, stehen f\u00fcr die Verwundungen in unserem Leben und das Fragmentarische, auch daf\u00fcr, dass sich Gott ganz besonders in den Verwundungen der Lebenswelten zeigt. Das Blau des Himmels schimmert heute durch die L\u00f6cher des Kreuzes. Die schweren Rucks\u00e4cke mit dem Hochtourenequipment lie\u00dfen wir am Joch. Mit Blick auf die L\u00fcsener Bergriesen lassen sich Ziele f\u00fcr die morgige Hochtour ausmachen. Danach den Steig hinunter in s\u00fcdlicher und westlicher Richtung. Ein fettes Murmeltier l\u00e4sst sich von uns kaum st\u00f6ren. Viel mehr gef\u00e4hrdet sind die Murmeltiere durch die Klimaver\u00e4nderung. Wenn es zu hei\u00df ist, m\u00fcssen sie in den Bau zur K\u00fchlung und haben zu wenig Zeit, um sich Futterreserven f\u00fcr den Winter anzulegen. Die Bergblumen sind einzigartig. Fauna und Flora sind an diese Hochgebirgsregion angepasst. Manchmal lasse ich beim Gehen meine H\u00e4nde von den Halmen streicheln. Besonders sch\u00f6n bl\u00fchen momentan blau-violett die Glockenblumen. Am ausgepr\u00e4gtesten und kr\u00e4ftigsten wuchern teils recht hohe Disteln.<\/p>\n<p>Kurz vor der Franz-Senn-H\u00fctte, es ist schon sp\u00e4ter Nachmittag, entscheiden wir uns noch zu zweit auf die Rinnenspitze zu gehen. Die Einsamkeit, die wir am Schafgr\u00fcbler hatten, ist verschwunden. Dutzende Menschen kommen uns entgegen. Es ist gut, dass wir so sp\u00e4t dran sind \u2013 so wird uns der Gipfel fast allein geh\u00f6ren. Vorbei am Rinnensee, hinauf in die steiler werdenden Schotterfelder und dann auf den Grat hinaus. Unter uns liegt der L\u00fcsener Ferner und die Berge dahinter mit Hinterer Brunnenkogel und L\u00fcsener Fernerkogel sind ganz nahe. Ausgesetzt aber gut versichert mit Haken, Klammern und Stahlseil an den schwierigen Passagen geht es zum Gipfelkreuz. (3003 M) Eine Stunde und 15 Minuten brauchten wir von der Sennh\u00fctte weg, insgesamt waren es heute fast 2100 H\u00f6henmeter. Dankbar f\u00fcr das 360-Grad-Bergpanorama und den Blick hinunter auf den tief-t\u00fcrkis-gr\u00fcnen Rinnensee und hin\u00fcber zum Alpeiner Ferner und den m\u00e4chtigen Gipfel der Ruderhofspitze und des Schrankogels, dankbar besonders auch f\u00fcr gemeinsames Unterwegssein.<\/p>\n<p>Die Franz-Senn-H\u00fctte (2147m) ist mehr schon Gro\u00dfhotel als H\u00fctte, auch wenn sie von au\u00dfen die klassische Form einer Alpenvereinsh\u00fctte hat. Im Bach dahinter mit dem Gletscherwasser noch kurzes Kneipen. Das Bier, das Essen, das Zimmer \u2013 inmitten der Bergwelt, die Gemeinschaft und Freundschaft \u2013 und dann die Sterne \u2013 reich beschenkt, l\u00e4sst vergessen die Trag\u00f6dien, die es in dieser Welt gibt, und die unerf\u00fcllten Tr\u00e4ume und die Heimatlosigkeiten.<\/p>\n<p>Regentropfen begr\u00fc\u00dfen uns gleich am Sonntag-Morgen. Wolkenverhangen sind die Berge. Wir haben gut und bereits um halb sechs gefr\u00fchst\u00fcckt. Es geht hinauf zum Rinnensee, der heute mehr Aufmerksamkeit erh\u00e4lt als gestern. Die Alpeiner Berge spiegeln sich im t\u00fcrkisen Wasser. Eine Kr\u00f6te zeigt, dass selbst hier, auf 2648 M, Leben m\u00f6glich ist. Es geht dann \u2013 immer steiler werdend \u2013 hinauf zum Rinnenieder (2899), einem direkten \u00dcbergang zum L\u00fcsener Ferner, der knapp darunter liegt. Nebelschwaden und feucht-kalter Wind bl\u00e4st da oben. Am Ferner ziehen wir die Steigeisen an. Unser Ziel ist die Lisenser Spitze. Es ist ein Gef\u00fchl, als w\u00fcrde der Gletscher unter dir zusammenschmelzen. Unz\u00e4hlige kleine Wasserl\u00e4ufe rinnen \u00fcber das grau-braun gef\u00e4rbte Gletschereis, manche sind schon zu kr\u00e4ftigen B\u00e4chen geworden, die Eisskulpturen in die Eismasse geformt haben. Der Regen wird kr\u00e4ftiger. Der Gipfel (3230) ist nach einem steilen Firnfeld und leichter Kletterei \u00fcber loses Schuttwerk und jetzt nasse Felsen aber schnell erreicht. Sicht haben wir keine, aber das alleine z\u00e4hlt ja nicht.<\/p>\n<p>Wieder zur\u00fcck \u00fcber den Gletscher, \u00fcber die kleinen Gletscherb\u00e4che und Wasserl\u00e4ufe zum Gletscherabbruch und zum Abstieg \u00fcber die Mauer, die von der Kante bis zum Fernauboden 1000 Meter hoch ist. Es ist kaum 100 Jahre her, da war diese markante Wand noch mit Eis bedeckt. Einen Teil \u00fcber den Gletscherschliff gehe ich gleich zweimal auf der Suche nach dem verlorenen Pickel. Der Pfad auf so manchem Mor\u00e4nenr\u00fccken und durch grasige Steilflanken hinunter ist gut markiert \u2013 es hei\u00dft vorsichtig gehen, weil die N\u00e4sse alles aufgeweicht und rutschig gemacht hat. Ohne Markierungen w\u00e4re es wohl schwer, \u00fcberhaupt einen Durchstieg zu finden. Eine neue Steiganlage mit H\u00e4ngebr\u00fccke, Leitern und Seilversicherungen f\u00fchrt dann entlang von einem Wasserfall hinunter nach L\u00fcsens. Auf der anderen Seite des Sellraintales ragt der Weissstein und der Rosskogel zwischen den Wolken heraus. Es ist kaum zwei Monate her, da stand ich auch mit einer AV-Hall-Gruppe auf diesen Gipfeln. Die Bedienung im Gasthaus in L\u00fcsens ist freundlich, der Kaffee ist super &#8211; und Gemeinschaft klingt aus. Die Umarmung von Bergen schenkt heilende Umarmung.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><img src='http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/fs-9.jpg' class='thumbnail' \/>Die Bergwelt hinten im L\u00fcsenstal ist mir von den Skitouren im Winter vertraut; vor allem der L\u00fcsener Fernerkogel mit seiner Mauer und dem Gletscherbecken dahinter, auf dem ich auch in diesem Winter mehrmals unterwegs war. 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