{"id":6700,"date":"2021-09-11T15:12:56","date_gmt":"2021-09-11T15:12:56","guid":{"rendered":"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/?p=6700"},"modified":"2022-08-22T07:37:54","modified_gmt":"2022-08-22T07:37:54","slug":"omnes-viae-romam-ducunt-alle-wege-fuehren-nach-rom-einer-mit-den-rennraedern","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/?p=6700","title":{"rendered":"Omnes viae Romam ducunt: \u201eAlle Wege f\u00fchren nach Rom\u201c \u2013 einer mit den Rennr\u00e4dern"},"content":{"rendered":"<p><strong><img loading=\"lazy\" class=\"alignnone size-full wp-image-6701\" src=\"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/IMG_20210908_172731.jpg\" alt=\"\" width=\"4160\" height=\"3120\" srcset=\"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/IMG_20210908_172731.jpg 4160w, http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/IMG_20210908_172731-300x225.jpg 300w, http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/IMG_20210908_172731-768x576.jpg 768w, http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/IMG_20210908_172731-1024x768.jpg 1024w\" sizes=\"(max-width: 4160px) 100vw, 4160px\" \/>Prologisches<\/strong><\/p>\n<p>Es gibt viele Wege, ein Ziel zu erreichen, und am sch\u00f6nsten ist es, wenn auch die Wege den Zielen entsprechen. Vor allem aber gilt \u2013 in diesem Fall besonders: Der Weg ist das Ziel. Manchmal kommt jemand in eine Lebensphase, unerwartet, unfreiwillig und ungewollt, in der Br\u00fccken abgerissen oder Stra\u00dfen verbaut wurden \u2013 und es scheinbar keine weiteren Wege mehr gibt, vor allem aber keine Kraft, sich weglos im schier undurchdringlichen Dickicht von Entt\u00e4uschung zurecht zu finden, und jeder Versuch, sich darin zu bewegen, nur weitere Verletzungen nach sich zieht.<\/p>\n<p><strong>Samstag, 4. 9. 2021<\/strong><\/p>\n<p><strong>Aufbruch<\/strong><\/p>\n<p>Mit derlei schwerem seelischem Gep\u00e4ck starte ich fr\u00fchmorgens um 4.37 von Innsbruck\/Wilten los. Meine rennradbegeisterte und hochmotivierte Nichte wartet schon. Sie war so entschlossen, mit dem Rennrad diese klassische Strecke von daheim nach Rom zu fahren, dass ich mich nicht erst dazu \u00fcberreden lassen musste. Im Gegenteil: Von daheim aus nach Rom zu radeln, war irgendwie ein lang gehegter Wunsch \u2013 seit mir mein Papa schon als kleines Kind erz\u00e4hlte, wie er als Jugendlicher mit einem Freund und seinem Waffenrad nach Rom fuhr. Von dieser Reise gibt es einige der wenigen Jugendfotos von ihm. Sie zeigen ihn als jungen Mann mit Knickerboxerhose und James-Dean-Frisur vor der Petersbasilika im Vatikan.<\/p>\n<p>Rom ist unser Ziel. Das wollen wir als Team erreichen. 5 Tage haben wir uns f\u00fcr dieses Projekt vorgenommen. Werden wir es schaffen? Wir haben schon mehrmals Ski- und Bergtouren gemeinsam unternommen und so sind uns die sportlich-physisch-mentalen Voraussetzungen vertraut. Sternenklar ist die Nacht und der Mond steht als Sichel \u00fcber den Tuxer Alpen. Wir lassen die Lichter der noch schlafenden Stadt hinter uns. Die Stirnlampen leuchten die Kurven der Brennerstrecke hinauf. Oben auf der Brennerautobahn wirken die Lkws wie eine weihnachtliche Lichterkette. In 2.15 min sind wir m\u00fchelos am Brennersee. Immer noch hat der Urlauberverkehr nicht eingesetzt. Noch ein kurzes Verweilen am See, in dem ein gr\u00fcnes Fischerboot verankert ist.<\/p>\n<p>Der Himmel ist tiefblau. Die Standler richten ihre Waren f\u00fcr den Brennermarkt her. Nur wenig Gegenwind. Von der Passh\u00f6he hinunter ist es \u2013 trotz fr\u00fchem Septembermorgen \u2013 nicht zu kalt. Die Fahrt von Innsbruck bis Bozen kenne ich fast auswendig. Es ist im tiefsten Sinn des Wortes eine Art \u201eHEIMStrecke\u201c \u2013 und schon philosophiere ich wieder \u00fcber Heimat und Heimatlosigkeit. Radfahren und Philosophie h\u00e4ngen eben zusammen.<\/p>\n<p><strong>Brixen &#8211; Kurtatsch<\/strong><\/p>\n<p>Morgenstimmung in Brixen. 4 Stunden und 80 Kilometer sind hinter uns \u2013 Pausen eingerechnet. Wir machen eine erste Cappuccino-Pause in einem Kaffee vor dem Brixner Dom. Eine Gruppe von M\u00e4nnern unterh\u00e4lt sich freundschaftlich in jenem Dialekt, der mir auch Heimat ist. Bis Brixen fuhren wir auf der Staatsstra\u00dfe. Ab nun folgt der wundersch\u00f6ne Panoramaweg nach Bozen hinunter. An den H\u00e4ngen des Eisacktales sind Burgen, Kirchen und Kl\u00f6ster, auf der Staatsstra\u00dfe hat inzwischen der Massenverkehr eingesetzt. Br\u00fccken \u00fcber die Eisack, Tunnel entlang des Radweges, der auf der aufgelassenen alten Bahnstrecke angelegt ist. Bozen ist schnell da. Wir sausen am Radweg der Etsch entlang weiter. Der S\u00fcdwind wird immer st\u00e4rker. Ein paar Kilometer kann ich hinter einem rennradfahrenden Paar im Windschatten sein. Die Mittagspause haben wir in Kurtatsch bei Elisabeth und ihrer Familie geplant. 7 Stunden, 160 Kilometer. Wir erfahren tiefe Gastfreundschaft, essen gemeinsam Pasta, sind umgeben von Hennen und ihren K\u00fcken, Feigen und Hunderttausenden \u00c4pfeln \u2013 und der Sch\u00e4ferhund Rex genie\u00dft mein Streicheln, so als w\u00fcrde ich ganz zu diesem Platz geh\u00f6ren.<\/p>\n<p><strong>Kurtatsch-Trient-Rovereto<\/strong><\/p>\n<p>Der Wind ist noch st\u00e4rker geworden \u2013 so als w\u00fcrde er uns zur\u00fcck zu anderen Punkten blasen. Ich k\u00e4mpfe gegen ihn an. Die Str\u00e4ucher, Gr\u00e4ser und selbst B\u00e4ume sind entlang des Radweges stark nach Norden gebogen. Die letzten Kilometer vor Trient biegen wir in die Vierspurenstra\u00dfe ein und rollen schon bald mitten durch die Altstadt zum Domplatz, wo es zun\u00e4chst eine Runde um den Neptunbrunnen mit Verschnaufpause gibt. Und wieder geht es weiter. Mittlerweile ist es schon Drei geworden. Wir planen einfach so lange zu fahren, bis es noch schaffbar ist, eine Unterkunft zu finden. Daher wird Rovereto unser Ziel. Allerdings wird dort mit der Unterkunft nichts. Liebevoll f\u00fcrsorglich sucht die Frau beim Tourist-Info-Point, ob es nicht doch irgendwo in der Stadt oder in den umliegenden Ortschaften etwas g\u00e4be. Nichts. Sie w\u00e4hlt uns ein Hotel in Trient aus. Nach rund 220 Kilometern nehmen wir allerdings den Zug zur\u00fcck nach Trient. Irgendwie war diese Info-Point-Frau wie ein Engel. Grantig ist der Mann am Fahrkartenschalter. Aufgrund der Corona-Bestimmungen darf er kein Bargeld entgegennehmen. Im Zug ist das Fahrradabteil schon voll. Verst\u00e4ndnisvoll ist der Schaffner, ganz grantig ein Radbesitzer, von dem ich nicht wei\u00df, warum er so\u00a0 zuwider ist und drauflosschimpft, freundlich sind die Radler, die mit uns im \u00fcbervollen Fahrradabteil stehen. Was zun\u00e4chst als gro\u00dfes Pech erschien, erweist sich nun als Gl\u00fcck. Das Hotel Venezia befindet sich direkt am Piazza Duomo \u2013 auf der weltlichen Seite gegen\u00fcber der Nordfassade der Kathedrale. Sch\u00f6ner k\u00f6nnten wir in Trient wohl wirklich nicht \u00fcbernachten. Das Hotel ist gef\u00fchlt seit Jahrhunderten nicht modernisiert worden \u2013 deswegen wohl auch der g\u00fcnstige Preis. Vom Zimmer aus sehen wir \u00fcber den Platz, der als einer der sch\u00f6nsten Italiens gilt. Ums Eck herum gibt es eine Pizza, die so gro\u00df ist, dass wir es nicht schaffen, sie gemeinsam aufzuessen. Ideal f\u00fcr uns: Das Hotel hat keine Parkpl\u00e4tze \u2013 wohl ein Ausschlie\u00dfungsgrund f\u00fcr viele Touristen \u2013 aber einen gro\u00dfen Fahrradkeller.<\/p>\n<p><strong>Tag 2: Sonntag, 5.9. 2021<\/strong><\/p>\n<p>7.30 Uhr. Freundlich werden wir von einem Kellner beim Fr\u00fchst\u00fcck bedient. Aufgrund der Corona-Bestimmungen darf man sich nicht selbst am Buffet bedienen. Weil wir gestern die Strecke bis Rovereto bereits radelten, nehmen wir nochmals den Zug bis zum gestrigen Endpunkt. Sonntagsstimmung, als wir von Rovereto weg wieder den Etschradweg nehmen. Heute ist der Gegenwind nur leicht. Weit im S\u00fcden wird schon die gebirgslose Gegend sichtbar. Ein wenig sp\u00fcre ich in Sehnen und Gelenken die Kilometer von gestern. Noch einmal hei\u00dft es eine Anh\u00f6he hinauf, wo wir die Provinz Trento hinter uns lassen und in die Provinz Veneto kommen. Wir haben von der Anh\u00f6he einen Panoramablick hinein in die Obstkulturen des unteren Etschtales. Manchmal f\u00fchrt nun der Radweg \u00fcber Viadukte, die f\u00fcr einen gro\u00dfen Bew\u00e4sserungskanal gebaut wurden. Unser n\u00e4chstes Ziel hei\u00dft Mantua. Verona haben wir weit im Osten liegen lassen. Es w\u00e4re gar nicht auf unserer Strecke gewesen. Bussolengo, Sommacampagna und dann endlich Mantua \u2013 wir sind nun inmitten der Poebene. Zum Gl\u00fcck ist Sonntag und auf den Staatsstra\u00dfen h\u00e4lt sich der Verkehr in Grenzen. Mantua \u2013 ich denke an Shakespeare, Vergil und Andreas Hofer. Bei einem Supermarkt machen wir eine kr\u00e4ftige Essenspause. Mittlerweile ist es schon 13.00 Uhr geworden. Wir haben gut die ersten 100 Kilometer hinter uns. Trotz Flachetappe ist die Durchschnittsgeschwindigkeit nicht berauschend. Wir fahren eben auf L\u00e4nge und nicht auf Kurz-Speed. W\u00e4hrend ich den Einkauf erledige, sucht sich Eli wieder mit der Alpenvereins-Karte \u2013 ein wertvolles Tool auf unserer Fahrt \u2013 die beste Route. \u00dcber den Po f\u00fchrt eine Riesenbr\u00fccke. Die Schilder nach Modena sind verwirrend. Einmal waren es noch 55km, dann wieder 60, dann wieder \u2026\u00a0 Vor Modena brauchen wir noch einmal einen Stopp und ich g\u00f6nne mir ein Bier f\u00fcr die letzten Kilometer. Eine breite Stra\u00dfe f\u00fchrt uns direkt in die Altstadt von Modena, wo Menschen sonntagabendbaumeln. Mit booking.com finden wir ganz in der N\u00e4he ein g\u00fcnstiges Hotel mit Panoramablick vom Balkon auf die untergehende Sonne. Heute waren es 182 Kilometer und 580 H\u00f6henmeter.<\/p>\n<p><strong>Tag 3: Montag, 6. 9. 2021, Modena \u2013 Prato<\/strong><\/p>\n<p>Das Fr\u00fchst\u00fcck ist reichlich f\u00fcr unseren heutigen gro\u00dfen Kalorienbedarf. Eli hat sich ganz genau den Weg hinaus aus der Stadt auf einem Zettel vermerkt \u2013 mit allen Kreisverkehren und Abzweigungen. Davor aber nehme ich mir etwas Zeit f\u00fcr die romanische Kathedrale am Hauptplatz. Sie gilt als eines der bedeutendsten romanischen Bauwerke in Europa und wurde von der UNESCO als Weltkulturerbe anerkannt. Sowohl das Innere \u2013 in dem sich Gl\u00e4ubige f\u00fcr eine Messe eingefunden haben \u2013 wie die romanischen Reliefs an der Fassade sind von einzigartiger Sch\u00f6nheit. So bekomme ich noch einen religi\u00f6s-spirituell-kulturellen Schupfer in diesen Montag hinein. Die n\u00e4chste Stunde entlang der Staatsstra\u00dfe in s\u00fcdlicher Richtung wird nervig. Wir sind im Kolonnenverkehr. Froh bin ich, als endlich die kr\u00e4ftigen Steigungen beginnen. Es ist kaum Verkehr. Vereinzelt gibt es Rennradfahrer, die diese Panoramastrecke genie\u00dfen. Bergetappen sind meine Spezialit\u00e4t. Die Seele atmet sich frei vom L\u00e4rm der Stadt und den Abgasen der vorigen Stunde. Es geht hinauf und hinunter, irgendwo in einem St\u00e4dtchen, Zocca, gibt es eine Rast \u2013 eine Gottesanbeterin sitzt auch dort \u2013 und dann wieder hinauf, hinunter, die Durchschnittsgeschwindigkeit ist bei solchem H\u00f6henprofil nicht hoch, meist trete ich mit einer Trittfrequenz von 80-95 und Herzfrequenz um die 110. Wir kommen zur Passh\u00f6he von Braso auf 895 m Seeh\u00f6he. Um 15.45 verlassen wir die Region Emilia Romagna. Die Toskana beginnt. Sp\u00e4tnachmittagssonne zaubert durch die Laubw\u00e4lder Lichtspiele am Asphalt der Landstra\u00dfen. Dann durch ein langes einsames Tal mit dickem Wald und schlie\u00dflich in einer langen Abfahrt hinunter in eine Ebene nach Pistoia, wo sich ein schier unendliches H\u00e4usermeer auftut. Es wird nicht einfach, den besten Weg nach Prato zu finden. Eli ruft mir einmal zu, als ich fast auf der Auffahrt zur Autobahn gelandet bin. Nur zweimal gibt es einen kurzen Verfahrer. Prato ist erreicht. Ein Hotel wird gefunden. Eine Pizzeria wird gefunden. Italienstimmung in der alten Stadt. 1937 H\u00f6henmeter und 150 Kilometer. Der Tag ist gelungen. Der Tag war voll. Und wieder waren wir ein starkes Team.<\/p>\n<p><strong>Tag 4: Dienstag, 7. <\/strong><strong>9. 2021, Prato \u2013 Siena &#8211; Vivo d\u2018Orcia<\/strong><\/p>\n<p>Cappucino und Croissant am Hauptplatz vor dem romanischen Dom von Prato mit seiner Fassade, die mit zwei unterschiedlichen Gesteinsarten \u2013 Albarese und gr\u00fcnem Serpentin &#8211; abwechselnd im Zebramuster gestaltet ist. Wieder haben wir eine sehr lange Etappe vor uns. Wieder wird es sehr gebirgig werden. Wie weit wir heute wirklich kommen werden, ist unklar. Zun\u00e4chst geht es dann wieder, 7.30 Uhr, mit viel Verkehr stadtausw\u00e4rts. Sobald aber die Steigungen beginnen, wird es panoramam\u00e4\u00dfig. Die einsamen Stra\u00dfen f\u00fchren entlang von Olivenhainen und Weinbergen, Zypressen und Burgen \u2013 und dann um 13.00 kommen wir nach Siena. Unsere Rennr\u00e4der bewegen sich im Touristenstrom in Nord-S\u00fcd-Richtung zum Campo, wo ich noch eine Ehrenrunde drehe, bevor es dann durch das Rom-Tor wieder hinaus aus dieser Hochtourismusstadt geht. Da die Hauptrouten ja f\u00fcr Autofahrende gemacht sind, f\u00fchren sie immer wieder auf Schnellstra\u00dfen oder gar Autobahnen. Eli schafft es aber, mit der AV-App die Alternativrouten herauszufinden. Die letzten zwei Stunden wird es wirklich einsam. Wird es sich noch ausgehen, in einer der kleinen Ortschaften einen Schlafplatz zu finden, fragen wir uns um 18.00 nach bereits 140 Kilometer und 1700 H\u00f6henmeter? Booking.com verhei\u00dft einen Platz, der noch 500 H\u00f6henmeter und 14 Kilometer entfernt ist. Als Ma\u00dfeinheit haben wir beide die Strecke von daheim zur Hinterhornalm. Ja, das k\u00f6nnte sich also ausgehen. Nochmals geht es hoch auf einen H\u00fcgel hinauf. Die Sonne ist beim Untergehen. Die Ortschaft hei\u00dft Vivo d\u2019Orcia. Gleich am Ortseingang ist eine Taverne, wo Gemeinschaft gepflegt wird. Ein paar M\u00e4nner sind sehr hilfreich, damit wir zu unserer angepeilten Unterkunft finden. Einer von ihnen f\u00e4hrt uns mit seinem Panda voraus. Wir \u00fcbernachten in einer Ferienwohnung \u2013 viel Platz f\u00fcr uns und die R\u00e4der nach 153 Kilometer und 2300 H\u00f6henmeter. Blutrot geht die Sonne \u00fcber der toskanischen Landschaft unter. Im Gasthaus werden wir mit Pasta und Bier verw\u00f6hnt. Beim Heimgehen sehen wir eine Wildschweinfamilie in unserer Stra\u00dfe.<\/p>\n<p><strong>Tag 5, Mittwoch 8. 7. 2021<\/strong><\/p>\n<p>5.47. Es soll unsere letzte Etappe werden. Daf\u00fcr stehen wir fr\u00fch auf. Kopf und K\u00f6rper sind bereit dazu. Um 5.47 brechen wir mit unseren Stirnlampen auf. Nochmals gilt es, zuerst einige H\u00f6henmeter hinauf zu fahren. Ein Wildschwein springt erschrocken von der Stra\u00dfe in den Wald. Dann beginnt eine lange Abfahrt in Sonnenaufgangsstimmung. Die zwei Gebirgstage haben wir hinter uns, dennoch werden es auch heute fast 2000 H\u00f6henmeter und fast 200 Kilometer werden. Zwischen den Flachetappen gibt es immer wieder Anstiege. Auf den Nebenstrecken ist der Belag oft furchtbar schlecht und fordert von Material und Mensch alles ab. Wirkliche Pausen g\u00f6nnen wir uns heute keine. Nach zwei Stunden in Aquapendente, einer Stadt mit mittelalterlichem Flair, g\u00f6nnen wir uns ein Fr\u00fchst\u00fcck \u2013 Rosinenweckerl und Olivenbrot aus einer duftenden B\u00e4ckerei \u2013 und Cappuccino am Hauptplatz. Entlang der Stra\u00dfen ist der M\u00fcll kaum zu ertragen. W\u00fcrde es eine jenseitige Gerechtigkeit geben, so w\u00fcnschte ich mir eine Art von tempor\u00e4rer H\u00f6lle, wo alle, die ihre Abf\u00e4lle in die Natur werfen, einige Monate mit dem Einsammeln von Plastik und Dosen und Zigarettenstummeln dienen m\u00fcssten. ROMA steht immer wieder auf den Wegweisern. 150. 130. 120. 100 \u2026 Abwechslung sind 3 Seen, die wir heute stets auf der \u00f6stlichen Seite links liegen lassen. Zweimal gibt es pikante K\u00e4sesemmel aus Lebensmittelgesch\u00e4ften. Irgendwo ist ein Gewitter. Die letzten 30 Kilometer teilen wir wieder mit viel Verkehr auf engen Landstra\u00dfen mit extrem vielen Schlagl\u00f6chern. Zum Gl\u00fcck k\u00f6nnen hier die Autos auch nicht schnell fahren. Und dann: Imposante Br\u00fccke \u00fcber den Tiber. Rom! Ziel erreicht. Die Stadt ist mir von vielen Schulprojektfahrten vertraut. Ich w\u00e4hle den imposanten Weg \u00fcber Piazza del Popolo, Piazza del Cavour und dann Via del Conciliazone zum Vatikan.<\/p>\n<p>Es ist nicht Stolz, sondern ein Gef\u00fchl der Dankbarkeit, als wir um 17.00 am Petersplatz vor der m\u00e4chtigen Fassade von San Pietro stehen. Die Pflastersteine gl\u00e4nzen in der Abendsonne. Wir umarmen uns. Ziel erreicht. Ziel auch deswegen erreicht, weil wir als Zweierteam optimal harmonierten, weil es unterwegs auch die vielen Engel gab, in Lebensmittelgesch\u00e4ften und Hotels, gr\u00fc\u00dfende Rennradfahrer und freundliche Kellner und auch gest\u00e4rkt durch das Wissen, dass es daheim Menschen gibt, die sich mit uns freuen. Nachdem wir dieses Gef\u00fchl lange genossen, holpern wir noch die Kopfsteinpflasterstra\u00dfen der Altstadt entlang \u2013 Piazza Navona, Pantheon usw., wo wir kein Quartier finden. Ich klopfe bei den Teatinerpatres an, wo ich mit den Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler immer war. Ein Mann, es d\u00fcrfte ein Priester sein, ist unwillig, uns Auskunft zu geben. Er m\u00fcsse zur Messe gehen, sagt er, und eilt davon. Mir kommt das Gleichnis vom Barmherzigen Samariter in den Sinn. Ein Regenbogen spannt sich \u00fcber das H\u00e4usermeer. Irgendwo in Bahnhofsn\u00e4he ist die Hotelsuche leichter. Vorbei geht\u2019s im unglaublich dichten Verkehr \u2013 wo wir uns mit den Rennr\u00e4dern schon wie italienische Profis bewegen \u2013 am Vittorio Emanuele hinauf nach Termini. Und tats\u00e4chlich. Wir werden auch gleich f\u00fcndig. Ein liebevolles kleines Hotel mit freundlichem Portier und einem Extrazimmer f\u00fcr unsere Rennr\u00e4der. Bier und Pizza warten gleich in der Stra\u00dfe davor. Da haben wir auch Zeit f\u00fcr eine Gesamtaufstellung: 886 Kilometer, 8047 H\u00f6henmeter in 45 Stunden Fahrzeit. Was jedoch viel mehr z\u00e4hlt, sind die Bilder und Erfahrungen, die sich nie in einer Statistik wiedergeben lassen.<\/p>\n<p>Klaus Heidegger<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><img src='http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/IMG_20210908_172731.jpg' class='thumbnail' \/>Prologisches Es gibt viele Wege, ein Ziel zu erreichen, und am sch\u00f6nsten ist es, wenn auch die Wege den Zielen entsprechen. Vor allem aber gilt \u2013 in diesem Fall besonders: Der Weg ist das Ziel. 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