{"id":7171,"date":"2022-01-20T14:34:16","date_gmt":"2022-01-20T14:34:16","guid":{"rendered":"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/?p=7171"},"modified":"2026-01-31T12:51:01","modified_gmt":"2026-01-31T12:51:01","slug":"ueber-den-missbrauch-politisch-zentraler-begriffe-und-symbole-in-den-impfkritischen-narrativen","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/?p=7171","title":{"rendered":"\u00dcber den Missbrauch politisch zentraler Begriffe und Symbole in den impfkritischen Narrativen"},"content":{"rendered":"<p><strong>80 Jahre danach<\/strong><\/p>\n<p>Am 20. J\u00e4nner 1942 wurde in der Wannseekonferenz die gr\u00f6\u00dfte Gr\u00e4ueltat der Geschichte beschlossen. Systematisch sollte das ganz j\u00fcdische Volk vernichtet werden. Die \u201eEndl\u00f6sung der Judenfrage\u201c sollte durch gro\u00dfangelegte Deportationen in die Vernichtungslager im Osten Europas erfolgen.<\/p>\n<p>Wer immer bei impfkritischen Demonstrationen und Kundgebungen sich heute\u00a0 \u2013 vielleicht sogar mit einem gelben Davidstern markiert \u2013 als \u201eOpfer\u201c stilisiert und dabei mit der Verfolgung der J\u00fcdinnen und Juden einen Vergleich zieht, verharmlost diese unvergleichlichen Verbrechen des Nationalsozialismus. Wer immer die parlamentarische Demokratie in \u00d6sterreich, die verfassungsgem\u00e4\u00df amtierende Regierung oder die Judikative lautstark als \u201eDiktatur\u201c beschimpft und von \u201eFaschismus\u201c spricht, wenn die Abgeordneten des Nationalrates mit gro\u00dfer Mehrheit die rechtliche Impfpflicht beschlie\u00dfen, verharmlost die Brutalit\u00e4t faschistischer Systeme. Der 20. J\u00e4nner 1942 mit der Wannseekonferenz und der 20. J\u00e4nner 2022 mit dem Beschluss der Impfpflicht d\u00fcrfen nie miteinander verglichen werden!<\/p>\n<p><strong>Diktatur?<\/strong><\/p>\n<p>Jene, die bei den Anti-Corona-Ma\u00dfnahmen-Demos oder in den Telegram-Postings von \u201eDiktatur\u201c reden und schreiben, scheinen das elementare Einmaleins der politischen Bildung zu missachten. Seit Beginn der Pandemie werden in \u00d6sterreich die von der Regierung geplanten Ma\u00dfnahmen zur Eind\u00e4mmung der Pandemie jeweils den gesetzgebenden Instanzen zur Beschlussfassung vorgelegt und auch verfassungsm\u00e4\u00dfig \u00fcberpr\u00fcft. Wenn Kickl und Co in ihren Reden bei den Demonstrationen davon reden, \u201edas System zu sprengen\u201c oder wenn andere \u201edie Regierung in die W\u00fcste schicken\u201c wollen, so sind dies demokratiepolitisch gef\u00e4hrliche Brandreden, die das Vertrauen in die Demokratie untergraben und damit letztlich faschistischen oder totalit\u00e4ren Modellen jenseits der demokratischen Systeme den Boden bereiten. Eine lautstark auftretende Minderheit will ihre impfkritische Haltung einer demokratisch legitimierten Mehrheit aufzwingen.<\/p>\n<p>Ich selbst war in meinem Leben oft bei Demonstrationen oder habe solche organisiert, die meist im Widerspruch waren zum Handeln der Regierenden. Als wir in der Hainburger Au waren und die Gendarmerie gegen uns ausr\u00fcckte, haben wir jedoch nicht \u201eDiktatur\u201c gerufen. Dieser Begriff kam auch nicht vor bei den Demonstrationen gegen die Wiederaufbereitungslage in Wackersdorf, gegen die Stationierung der Abfangj\u00e4ger in Graz-Thalerhof und auch die Fridays-For-Future-Bewegung spricht heute nicht von Diktatur, wenn \u00f6kologisch bedenkliche Entscheidungen getroffen werden.<\/p>\n<p>Diktatur war der Faschismus in Hitlerdeutschland, war der Stalinismus und ist heute zu finden in L\u00e4ndern wie Kasachstan, wo gegen Demonstrierende geschossen wird, in Myanmar, wo eine Oppositionsf\u00fchrerin gerade wieder zur Gef\u00e4ngnishaft verurteilt wurde und ansatzweise auch in den kommunistisch-zentralistisch regierten L\u00e4ndern Asiens. Allein die Tatsache, dass die Anti-Corona-Ma\u00dfnahmen-Demos \u00fcberhaupt stattfinden k\u00f6nnen, sollte Grund genug sein, um mit Blick auf \u00d6sterreich nicht von \u201eDiktatur\u201c zu reden.<\/p>\n<p><strong>Faschismus?<\/strong><\/p>\n<p>Wenn das Parlament Corona-Ma\u00dfnahmen beschlie\u00dft, wird von Impfgegnern von \u201eFaschismus\u201c gesprochen: einem politischen System, das anti-demokratisch und anti-liberal ist. Bei den Demonstrationen h\u00e4ngen sich dann auch jene an, die selbst faschistische Neigungen haben. Ob in Deutschland Mitglieder der AfD oder in \u00d6sterreich die demonstrativ impfkritische freiheitliche Partei \u2013 in der Impfkritik haben sie ein Ventil gefunden. Keinesfalls m\u00f6chte ich allen impfkritischen Personen \u2013 die beispielsweise Bedenken wegen m\u00f6glicher Impfreaktionen haben \u2013 ein rechtes Gedankengut unterstellen.<\/p>\n<p><strong>Gelber Davidstern mit Aufschrift \u201eungeimpft\u201c<\/strong><\/p>\n<p>Es darf einfach nicht sein, die Symbole der Judenverfolgung w\u00e4hrend der NS-Zeit mit der Kritik am Impfen zu verkn\u00fcpfen. Das muss auch zur Aufmerksamkeit f\u00fchren, dass Antisemitismus und Impfkritik oft gemeinsam auftreten. Ein bestimmter Naturglaube, der Glaube an das Schicksal der Natur, dem man sich nicht entziehen k\u00f6nnte, und das Prinzip vom \u00dcberleben des St\u00e4rkeren sind Elemente von rechtsextremen Ideologien, die in die Impfkritik-Szene wieder neu aufpoppen. Der Sprung zu einem Denken, dass jene, die eine Covid-Erkrankung nicht \u00fcberleben, es nicht wert w\u00e4ren zu \u00fcberleben, erinnert an Nazi-Gedankengut. Die &#8222;Survival of the fittest&#8220;-Ideologie wird h\u00f6rbar in Aussagen wie &#8222;Menschen sterben immer&#8220;, &#8222;der Tod geh\u00f6rt zum Leben&#8220; oder gar &#8222;es trifft vor allem Kranke oder Alte&#8220;.<\/p>\n<p>Jedenfalls ist es absurd und eine Verunglimpfung der Opfer der Shoah, Corona-Ma\u00dfnahmen wie Maskentragen oder Quarant\u00e4neregelungen mit der Verfolgung des j\u00fcdischen Volkes zu vergleichen. Vertreterinnen und Vertreter der Kirchen haben deswegen ein Verbot von Davidsternen und nationalsozialistischen Motiven auf Demonstrationen gegen Corona-Verordnungen gefordert.<\/p>\n<p><strong>Widerstand?<\/strong><\/p>\n<p>Ich habe bereits erw\u00e4hnt, im Laufe meines politischen Lebens an vielen regierungskritischen Demonstrationen teilgenommen zu haben. Nie habe ich aber dabei das Vokabel \u201eWiderstand\u201c in den Mund genommen, das unweit von meiner Wohnung seit einiger Zeit mit gr\u00fcner Schrift auf einer Betonmauer gespr\u00fcht ist und immer wieder bei den Anti-Corona-Ma\u00dfnahmen-Demos laut wird. \u201eWiderstand\u201c ist fast ein \u201eheiliges\u201c Wort. Widerstandsk\u00e4mpferinnen und Widerstandsk\u00e4mpfer sind jene, die unter Einsatz von ihrem Leben gegen faschistische Systeme aufgetreten sind und es immer noch heute tun. Man darf dieses Wort nicht leichtfertig f\u00fcr sich in Anspruch nehmen.<\/p>\n<p><strong>\u00d6sterreichfahnen?<\/strong><\/p>\n<p>Wenn sich Impfgegner mit rot-wei\u00df-roten Fahnen schm\u00fccken und diese bei den Demonstrationen pathetisch schwenken, dann wollen sie sagen: Wir sind das wahre \u00d6sterreich oder anders formuliert: \u201eWir sind das Volk!\u201c Eine Fahne, die einen sollte, wird in der Hybris einer Minderheit zum trennenden Symbol. Jene, die wegen der Corona-Ma\u00dfnahmen eine Spaltung der Gesellschaft beklagen, tragen am meisten zu dieser Spaltung bei.<\/p>\n<p>Blicken wir also genau hin auf die Begriffe &#8222;Diktatur&#8220;, &#8222;Faschismus&#8220; und &#8222;Widerstand&#8220; sowie auf Symbole mit weitreichender Bedeutung und seien wir vorsichtig im Umgang mit ihnen.<\/p>\n<p>Klaus Heidegger, 20. J\u00e4nner 2022, Festtag des Hl. Sebastian<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>80 Jahre danach Am 20. J\u00e4nner 1942 wurde in der Wannseekonferenz die gr\u00f6\u00dfte Gr\u00e4ueltat der Geschichte beschlossen. Systematisch sollte das ganz j\u00fcdische Volk vernichtet werden. Die \u201eEndl\u00f6sung der Judenfrage\u201c sollte durch gro\u00dfangelegte Deportationen in die Vernichtungslager im Osten Europas erfolgen. 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