{"id":7243,"date":"2022-02-11T18:41:54","date_gmt":"2022-02-11T18:41:54","guid":{"rendered":"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/?p=7243"},"modified":"2022-08-22T07:37:35","modified_gmt":"2022-08-22T07:37:35","slug":"goettinnen-innsbruck-spaziergang-2","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/?p=7243","title":{"rendered":"\u201eG\u00f6ttinnen\u201c &#8211; Innsbruck-Spaziergang (2)"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" class=\"alignnone size-full wp-image-7244\" src=\"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/20220211_152635.jpg\" alt=\"\" width=\"4608\" height=\"3456\" srcset=\"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/20220211_152635.jpg 4608w, http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/20220211_152635-300x225.jpg 300w, http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/20220211_152635-768x576.jpg 768w, http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/20220211_152635-1024x768.jpg 1024w\" sizes=\"(max-width: 4608px) 100vw, 4608px\" \/>Wer und wie ist Gott*? Diese Frage ist im Zentrum jeder religi\u00f6sen Suche. Eine Ausstellung in der Galerie Kunsthalle Tirol besch\u00e4ftigt sich frech damit. Dass Gott* nicht mit einem graub\u00e4rtigen Vatergott identifiziert werden kann, ist nicht neu. Da m\u00fcssten wir nur in die Kirchen in der N\u00e4he der Kunsthalle schauen und w\u00fcrden am Hochalter im Dreieck &#8211; weil Gott ist Beziehung der Liebe &#8211; das Tetragramm JHWH entdecken &#8211; der wohl wichtigste Name Gottes, \u00fcbersetzt als &#8222;ich bin, die ich bin&#8220; oder noch besser als &#8222;ich bin da f\u00fcr dich&#8220;. Gegen\u00fcber vom Taxispalais ist die Klosterkirche der Serviten &#8211; damit jener Ordensgemeinschaft, die sich seit 800 Jahren ganz in den Dienst Mariens stellt. Am Ende der Maria-Theresien-Stra\u00dfe wiederum ist die Spitalskirche, die der g\u00f6ttlichen Geistkraft, der Ruach, geweiht ist. An der Spitze des Zwiebelturmes leuchtet sie golden in den stahlblauen Winterhimmel hinein &#8211; und sie wurde nicht von Ursula Beiler gemacht. So blinkt sie schon seit 400 Jahren \u00fcber den D\u00e4chern von Innsbruck und zeigt: Gott* l\u00e4sst sich nicht auf ein m\u00e4nnliches Wesen reduzieren.<\/p>\n<p>Doch zur\u00fcck zur Ausstellung. Da an diesem Nachmittag eine Performance der Tiroler K\u00fcnstlerin Ursula Beiler stattfindet, orientiere ich meinen Innsbruckspaziergang in die Tiefen des Taxispalais. Die Performance ist typisch f\u00fcr Ursula Beiler, die hierzulande mit dem Schild \u201eGR\u00dcSS G\u00d6TTIN\u201c f\u00fcr heftige Auseinandersetzungen sorgte und mit ihrem Projekt \u201eINNANNA\u201c die g\u00f6ttinnenverwurzelte Geschichte Tirols thematisierte. Heute trat sie als \u201eK\u00fcmmernis\u201c auf. Hinter dieser legend\u00e4ren Volksheiligen &#8211; ein Fresko von ihr gibt es auch in meinem Heimatdorf &#8211; steht eine Figur, die in der feministischen Bewegung gerne verwendet wird. Dargestellt wird sie als weibliche Figur mit Bart am Kreuz. Beiler und ihre Begleiterinnen und Begleiter kommen in Tiroler Tracht gekleidet als ihre Verehrer. Sie beten mit gefalteten H\u00e4nden und wie eine Litanei werden nun T\u00e4ler, B\u00e4che, Berge Tirols genannt, so als seien sie alle weibliche Gottheiten, egal ob sie m\u00e4nnliche oder weibliche Artikel haben. W\u00e4hrend dieser Zeit steht Beiler &#8211; sprich die Hl. K\u00fcmmernis &#8211; mit weit ausgebreiteten Armen, einem Zepter mit drei gro\u00dfen Tannenzapfen, ihrem wei\u00dfen Kleid und einem Kopfschmuck, der aus einem Ast besteht auf einem wei\u00dfrunden Podium.<\/p>\n<p>F\u00fcr mich wirkte die Performance nicht aufbauend, nicht fr\u00f6hlich, nicht ermutigend \u2013 im Gegenteil. So sehr ich das Anliegen von Ursula Beiler verstehe \u2013 diese zu klischeehafte und plumpe Darbietung unterst\u00fctzt nicht das Anliegen, die weibliche Seite des G\u00f6ttlichen mit Freude zu f\u00fcllen. Anders ist die Installation, die zu diesem Thema im Eingangsbereich und in einem lachsrosa gemalten Ausstellungsraum zu finden ist. Ein gutes Dutzend Bodenvasen steht vor der wei\u00dfen Leuchttafel mit dem Schriftzug \u201eG\u00f6ttinnen\u201c. \u00a0Der Titel der Installation: \u201ePolytheismus\u201c. Spontan kann ich mein &#8222;Gottesbild&#8220; mit dieser Umsetzung in Einklang bringen. Auch im Ausstellungsraum sind in die Mitte auf kleinen Tischen Bodenvasen platziert. Die K\u00fcnstlerin aus dem Weinviertel, Elisabeth Samsonow, ist zugleich Philosophin und k\u00fcnstlerische Werke zur Weiblichkeit geh\u00f6ren zu ihrem Schaffen. Dass Vasen Symbol der Weiblichkeit sind, liegt auf der Hand. Ich assoziiere noch etwas damit. Jede Vase k\u00f6nnte wohl auch f\u00fcr eine Geschichte stehen. F\u00fcr die Rosen, die von einer Liebesgeschichte erz\u00e4hlen, f\u00fcr die Fr\u00fchlingsblumen, die voll Sehnsucht und Hoffnung in einer Vase arrangiert wurden, f\u00fcr die Herbstblumen, die an einen Hand-in-Hand-Spaziergang erinnern \u2013 und am Ende vielleicht auch an Blumen, die tr\u00f6stend an einen verlorenen Menschen in eine Vase gesteckt werden. So ist G\u00f6ttliches. Es nimmt die Geschichten auf und bringt sie in ein neues g\u00f6ttliches Licht. Jede Geschichte. Meine Eintrittskarte f\u00fcr die Galerie kann ich noch drei Mal ben\u00fctzen, weil die weiteren Ausstellungsr\u00e4ume erst der Reihe nach gef\u00fcllt werden. Wie gehen wir Menschen aus der Galerie? Wie Menschen ohne Vasen?\u00a0 Wo ist das Vaseng\u00f6ttliche in meinem Leben? Sind es die vielen leeren Vasen, die mich traurig stimmten.\u00a0 W\u00e4hrend ich schweigend in die Einsamkeit gehe, assoziiere ich noch etwas mit den Vasen. Sie sind zerbrechlich. Achtsamkeit ist angesagt. Wie die Seele, die so leicht Spr\u00fcnge bekommen kann und am Leben zerbricht.<\/p>\n<p>Klaus Heidegger, 12. 2. 2022<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><img src='http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/20220211_152635.jpg' class='thumbnail' \/>Wer und wie ist Gott*? Diese Frage ist im Zentrum jeder religi\u00f6sen Suche. Eine Ausstellung in der Galerie Kunsthalle Tirol besch\u00e4ftigt sich frech damit. Dass Gott* nicht mit einem graub\u00e4rtigen Vatergott identifiziert werden kann, ist nicht neu. 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