{"id":7280,"date":"2022-02-24T16:43:25","date_gmt":"2022-02-24T16:43:25","guid":{"rendered":"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/?p=7280"},"modified":"2026-02-02T17:14:30","modified_gmt":"2026-02-02T17:14:30","slug":"in-den-stunden-des-krieges-fuer-den-frieden","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/?p=7280","title":{"rendered":"In den Stunden des Krieges f\u00fcr den Frieden"},"content":{"rendered":"<p><strong>F\u00fcr Frieden, gegen Krieg<\/strong><\/p>\n<p>Die milit\u00e4rische Intervention russischer Truppen in ukrainisches Staatsgebiet und das Kriegshandeln von Pr\u00e4sident Putin verletzen grundlegendes V\u00f6lkerrecht. Diese Aggression muss mit allen nicht-milit\u00e4rischen Mitteln gestoppt werden. Dabei sind folgende Forderungen zentral.<\/p>\n<p>Sofortige Waffenruhe! Dies gilt in erster Linie f\u00fcr die Einheiten der russischen Streitkr\u00e4fte. Es ist zu hoffen, dass sich die ukrainische Armee und ihre Verb\u00fcndeten nicht zu einem Waffengang verleiten lassen. Eine milit\u00e4rische Konfrontation zwischen den ukrainischen und den russischen Streitkr\u00e4ften h\u00e4tte verheerende Konsequenzen mit Tausenden Toten und einer Zerst\u00f6rung der zivilen Infrastruktur des Landes.<\/p>\n<p>Zur\u00fcck zu den Verhandlungstischen! Wie die Integrit\u00e4t und Sicherheit der Ukraine wiederhergestellt werden kann, soll nicht mit milit\u00e4rischen Mitteln und kriegerischen Aktionen entschieden werden. Bei Verhandlungen stirbt kein Mensch, im Krieg w\u00e4ren es Abertausende. Milit\u00e4rischer Abwehrkampf w\u00fcrde eine Blutspur nach sich ziehen.<\/p>\n<p>Schritte der Deeskalation! Am Schlachtfeld steht nicht Putin. Auf den Schlachtfeldern stehen M\u00e4nner und Frauen, die als Soldaten und Soldatinnen in den Krieg geschickt werden. Ihre Herzen gilt es, f\u00fcr den Frieden zu gewinnen. F\u00fcr jeden Krieg gilt: \u201eStellt euch vor es ist Krieg und keiner geht hin!\u201c Dazu z\u00e4hlt freilich auch, dass die ukrainische Seite nicht mit milit\u00e4rischen Kapazit\u00e4ten ausgestattet wird, sondern zivile Hilfsg\u00fcter die Solidarit\u00e4t mit den Menschen in der Ukraine signalisieren. Es ist weiterhin zu hoffen, dass sich die NATO nicht in einen Krieg verstricken l\u00e4sst, der sich bis hin zu einem Weltkrieg entwickeln k\u00f6nnte.<\/p>\n<p><strong>Warum Krieg?<\/strong><\/p>\n<p>Warum bekriegen sich Menschen? Warum t\u00f6ten sich Menschen? Warum bricht ein Staatenlenker einen Krieg vom Zaun? So fragen mich meine Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler, ganz einfach, ganz tief \u2013 und auch mit Angst vor ihrer eigenen Zukunft.<\/p>\n<p><strong>Ressourcenfluch<\/strong><\/p>\n<p>Bereits vor vielen Jahren wurde dieser Begriff als Schl\u00fcsselwort in der Friedensforschung eingef\u00fchrt. Er bedeutet: Ein Land mit gro\u00dfen Ressourcenvorkommen wird leicht in kriegerische Handlungen verwickelt, weil der Hunger nach Ressourcen bzw. der Zugriff danach von den gro\u00dfen M\u00e4chten gesichert werden will. Das passt auch f\u00fcr die Ukraine. In diesem Land befinden sich die gr\u00f6\u00dften Uranerzreserven Europas, die wesentlich sind f\u00fcr die Atomkraftwerke. Aber auch bei anderen Erzen \u2013 wie Titan, Mangan, Quecksilber oder Schiefergas \u2013 z\u00e4hlt die Ukraine zu den wichtigsten L\u00e4ndern. In der Frage der Kohlereserven liegt die Ukraine weltweit auf Platz 7. Zugleich ist die Ukraine ein landwirtschaftlich h\u00f6chst bedeutsames Land. Es liegt am 1. Platz der Welt beim Export von Sonnenblumen und Sonnenblumen\u00f6l und weltweit gesehen am 2. Platz bei der Gerstenproduktion. Von weiteren Getreidesorten \u00fcber H\u00fchnereier bis hin zu K\u00e4se \u2013 \u00fcberall liegt die Ukraine im Spitzenfeld, nicht nur europ\u00e4isch, sondern auch weltweit. Es wurde berechnet, dass die Ukraine den Nahrungsmittelbedarf von 600 Millionen Menschen decken kann.<\/p>\n<p>Die Ukraine ist nicht zuletzt aufgrund seines nat\u00fcrlichen Reichtums und mit 45 Millionen Einwohner:innen eines der gr\u00f6\u00dften Industriel\u00e4nder. Es z\u00e4hlt zu den wichtigsten Exportl\u00e4ndern von Stahl und Eisen. Die R\u00fcstungsindustrie sowie die Atomindustrie stellen einen wichtigen Faktor in der ukrainischen \u00d6konomie dar.<\/p>\n<p><strong>Der Hunger nach \u00d6l und Gas<\/strong><\/p>\n<p>Fakt ist, dass \u00d6sterreich 80 Prozent von seinem Bedarf an Erdgas aus Russland bezieht. So tr\u00e4gt die heimische Wirtschaft bzw. jeder einzelne Konsument und Konsumentin von Gas dazu bei, dass Geld in die russischen Staatskassen flie\u00dft, aus denen Krieg und Aufr\u00fcstung finanziert werden. Ohne die Einkommen aus Erd\u00f6l und Gas w\u00fcrde Russland seine Kriegspolitik nicht finanzieren k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Der Ausstieg aus Erd\u00f6l und Gas ist daher nicht nur klimapolitisch zentral, sondern auch aus der Perspektive von Krieg und Frieden. Es gilt die einfache Rechnung f\u00fcr jeden und jede von uns: Je mehr ich an \u00d6l und Gas verbrauche, desto mehr trage ich zur Zerst\u00f6rung der Welt bei. Je gr\u00f6\u00dfer mein eigener Energiehunger, desto mehr treibe ich Kriegs- und R\u00fcstungsspiralen an. Die Entscheidung, ob bzw. wie oft ich ein Auto ben\u00fctze, ist auch eine friedenspolitische Entscheidung. Die Entscheidung, ob ich eine PET-Flasche kaufe oder mein Getr\u00e4nk in einer umweltfreundlichen Trinkflasche ist, hat nicht nur mit der Zerst\u00f6rung des Planeten zu tun, sondern auch mit Soldaten, die aufeinander losgelassen werden. Nat\u00fcrlich ist die Macht eines \u201ekleinen\u201c Konsumenten anders als jene von Putin oder Biden. Es gilt aber das bleibende Diktum: Wenn jeder und jede mit dem eigenen Handeln m\u00f6glichst achtsam \u2013 das hei\u00dft vor allem ressourcensparend \u2013 durch den Alltag geht, dann tr\u00e4gt dies wesentlich zum Frieden in der Welt bei.<\/p>\n<p><strong>NATO-Osterweiterung<\/strong><\/p>\n<p>Mit der Kritik an der systematischen Expansion der NATO in Europa \u2013 dar\u00fcber habe ich 1998 gemeinsam mit Peter Steyrer ein Buch geschrieben \u2013 will ich gerade in diesen Kriegsstunden nicht als \u201ePutinversteher\u201c kritisiert werden. Die Problematik ist aber offensichtlich, die vom russischen Staatschef f\u00fcr seine Kriegspolitik als Anlass bzw. Vorwand gilt.<\/p>\n<p>Inzwischen sind fast alle Staaten an der Grenze zu Russland, die fr\u00fcher Teil der Sowjetunion waren, Mitglieder im nordatlantischen Verteidigungspakt geworden. Seit der Aufl\u00f6sung der Sowjetunion ist die NATO von 12 auf 30 Mitglieder angewachsen. NATO-Truppen und R\u00fcstungspotenziale sind in unmittelbarer N\u00e4he der russischen Grenze. Der von einem Teil der Ukraine gew\u00fcnschte NATO-Beitritt wird als Kriegsgrund vorgeschoben. Zum Gl\u00fcck ist heute die Ukraine noch nicht bei der NATO \u2013 zum Gl\u00fcck, weil sonst w\u00fcrde die Beistandsklausel der NATO gelten und dann w\u00e4ren Europa und die USA wieder in einem gro\u00dfen Krieg. Wenn der NATO-Beitritt zum Krieg f\u00fchrt, warum ist er dann nicht vom Tisch? Es m\u00fcsste noch st\u00e4rker kommuniziert werden, dass die Antrittsgesuche der Ukraine und von Georgien nicht ein Schritt in eine friedenspolitische Zukunft Europas sind.<\/p>\n<p>Daher gilt, was Friedensforscher wie Heinz G\u00e4rtner schon lange als sichere Route vorgelegt haben: Ein friedlicher Weg f\u00fcr die Ukraine liegt nicht in einem Beitritt zu einem Milit\u00e4rpakt, sondern in der Neutralit\u00e4t. Sie w\u00fcrde nicht eine Teilung der Ukraine in russische Gebiete im Osten und einer westlich orientierten Ukraine im Westen bef\u00f6rdern. \u00d6sterreich hat mit seiner Neutralit\u00e4t in der Nachkriegsarchitektur eine Teilung verhindern k\u00f6nnen. Das ist ein Modell.<\/p>\n<p><strong>Vers\u00f6hnung angesichts vergangener Verbrechen<\/strong><\/p>\n<p>Gerade mit Blick auf die Ukraine k\u00f6nnen die alten Wunden in der Seele eines Volkes immer wieder neu aufbrechen und damit auch \u00c4ngste instrumentalisiert werden. Die Sowjetunion hat im Holodomor in der Ukraine 1930 4 bis 7 Millionen Menschen absichtlich verhungern lassen. In der Zeit des Zweiten Weltkrieges w\u00fcteten die Nazis und allein in der Ukraine starben 8 Millionen Menschen. All diese Fakten haben auf beiden Seiten ein ausgepr\u00e4gtes Nationalbewusstsein geschaffen. Vladimir Putin ben\u00fctzt es und verschleiert damit zugleich die oben genannten wirtschaftlichen Hintergr\u00fcnde.<\/p>\n<p><strong>Die bleibend christliche Antwort: Feindesliebe<\/strong><\/p>\n<p>Gerade im Angesicht des Krieges gilt es, die christliche Grundbotschaft der Feindesliebe in Erinnerung zu rufen, auch wenn sie angesichts der dystopischen Kriegsbilder wie eine ferne Utopie klingen mag. 60 Prozent der 45 Millionen Ukrainer bekennen sich zum orthodoxen Christentum. Aber auch Mitglieder der russischen Streitkr\u00e4fte sind orthodoxe Christen. Eigentliche w\u00e4re die christliche Lehre sehr klar: Es gilt die Feinde zu lieben \u2013 damit sie zu Freunden werden; es gilt Gutes zu tun denen, die verfolgen, um die Spiralen von Hass und Feindschaft zu durchbrechen. Mit Papst Franziskus hei\u00dft es heute zu sagen: \u201eGott ist ein Gott des Friedens und nicht des Krieges.\u201c Krieg, so der Papst, w\u00e4re ein \u201eWahnsinn\u201c. \u201eKrieg ist eine schwere S\u00fcnde vor Gott!\u201c, meinte der Metropolit der ukrainisch-orthodoxen Kirche des Moskauer Patriarchats. Der Appell von Papst Franziskus m\u00f6ge am Ende stehen: \u201eIch bitte alle beteiligten Parteien von jeder Aktion Abstand zu nehmen, die den Bev\u00f6lkerungen nur noch mehr Schmerz bereiten wird.\u201c (Papst Franziskus, 23.2.2022)<\/p>\n<p>Klaus Heidegger, 24.2.2022<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>F\u00fcr Frieden, gegen Krieg Die milit\u00e4rische Intervention russischer Truppen in ukrainisches Staatsgebiet und das Kriegshandeln von Pr\u00e4sident Putin verletzen grundlegendes V\u00f6lkerrecht. Diese Aggression muss mit allen nicht-milit\u00e4rischen Mitteln gestoppt werden. Dabei sind folgende Forderungen zentral. Sofortige Waffenruhe! 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