{"id":7288,"date":"2022-02-27T20:18:44","date_gmt":"2022-02-27T20:18:44","guid":{"rendered":"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/?p=7288"},"modified":"2022-08-22T07:37:35","modified_gmt":"2022-08-22T07:37:35","slug":"die-stunden-des-krieges-sind-die-stunde-der-militaers","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/?p=7288","title":{"rendered":"Die Stunden des Krieges sind die Stunde des Milit\u00e4rischen"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" class=\"alignnone size-full wp-image-7290\" src=\"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/peace-hirzer.jpg\" alt=\"\" width=\"4608\" height=\"3456\" srcset=\"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/peace-hirzer.jpg 4608w, http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/peace-hirzer-300x225.jpg 300w, http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/peace-hirzer-768x576.jpg 768w, http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/peace-hirzer-1024x768.jpg 1024w\" sizes=\"(max-width: 4608px) 100vw, 4608px\" \/>In diesen schrecklichen Kriegstagen verstummen die pazifistischen Stimmen. Im Fernsehen erkl\u00e4ren Milit\u00e4rexperten in Uniform das Geschehen, das sie wohl am besten verstehen, weil sie ebendieses Handwerk auch lernten. Wo sind die Friedensforscherinnen und Friedensforscher geblieben? Warum werden nicht auch jene in die Studios eingeladen, die verk\u00f6rpern vor allem jene Botschaft, die so wichtig w\u00e4re: Beendet den Krieg! H\u00f6rt auf mit dem T\u00f6ten! Erhebt nicht die Waffen und baut auf die Kraft der Gewaltfreiheit.<\/p>\n<p>Offensichtlich sitzt der Hauptt\u00e4ter im Kreml und dirigiert vom Schreibtisch aus wie ein C\u00e4sar die kriegerischen Truppen und entscheidet selbstherrlich \u00fcber Krieg und Frieden und scheut sich auch nicht, mit den schlimmsten aller Waffen zu drohen. Zu T\u00e4tern werden die russischen Truppen, die gegen jedes V\u00f6lkerrecht in einen souver\u00e4nen Staat eingedrungen sind. Doch ist Gegengewalt der \u00dcberfallenen ein Weg aus der Gewalt der T\u00e4ter? Ist angesichts dieser massiven Gewalt der russischen Truppenverb\u00e4nde ein gewaltsamer Widerstand und Abwehrkampf die richtige Antwort? Wird er nicht zu einem entsetzlichen Blutbad f\u00fchren, wo auf beiden Seiten get\u00f6tet und gestorben wird und die zivile Infrastruktur zerbombt wird? Ist angesichts der \u00dcbermacht der russischen Armee ein milit\u00e4rischer Widerstand nicht ein aussichtsloses Unterfangen, in dem sinnlos Abertausende sterben werden? F\u00fchrt solcher Abwehrkampf nicht noch mehr die Welt an den Rand eines viel viel gr\u00f6\u00dferen Krieg.<\/p>\n<p>Ja zum milit\u00e4rischen Widerstand sagt der ukrainische Pr\u00e4sident und verk\u00fcndet das Kriegsrecht und ordnet eine Generalmobilmachung an. M\u00e4nner d\u00fcrfen nicht mehr das Land verlassen und m\u00fcssen zur bewaffneten Verteidigung ihrer Heimat bereit sein. Frauen und Kinder fliehen in gro\u00dfer Zahl. Hierzulande haben wir einen Nationalratspr\u00e4sidenten, der zu Heldentaten zur Verteidigung der Heimat auffordert. Ein Mann sprengt eine Br\u00fccke \u00fcber einen ukrainischen Fluss, um den russischen Vormarsch zu stoppen, und sich damit gleich auch in die Luft \u2013 als Held wird er gefeiert.<\/p>\n<p>Ja zum milit\u00e4rischen Widerstand sagen Abertausende Menschen in der Ukraine und beginnen Molotow-Cocktails zu basteln und melden sich in den Rekrutierungsstellen. Die Brandbomben \u2013 werden sie in die L\u00f6cher von Panzer fliegen, wo Angreifer dann einen Feuertod sterben? Wird es zum H\u00e4userkampf kommen und werden damit jene Bilder auch in europ\u00e4ischen St\u00e4dten zu sehen sein, die wir kennen aus dem syrischen B\u00fcrgerkrieg?<\/p>\n<p>Ja zum milit\u00e4rischen Widerstand sagen nun auch immer mehr Staatenlenker im Westen und lassen Stingerraketen, Artilleriegesch\u00fctze und andere Waffen in die Ukraine liefern.<\/p>\n<p>Hat das ukrainische Volk in den Jahren 2004 in der Orangen Revolution nicht gelernt, wie erfolgreich ein strategisch gef\u00fchrter ziviler Widerstand sein kann? Damals wurden lehrbuchm\u00e4\u00dfig die Instrumentarien und Taktiken gelebt, die zum Sturz eines unrechtm\u00e4\u00dfigen Regimes f\u00fchren k\u00f6nnen, ohne dass irgendein Mensch stirbt. Es ist noch nicht so lange her, da wurde daran erinnert, wie vor 30 Jahren die Berliner Mauer fiel und wie die V\u00f6lker der ehemaligen Sowjetrepubliken neue Demokratien aufbauten. Es ging ohne Gewalt.<\/p>\n<p>Der Krieg ist in allen L\u00e4ndern wie ein Aufwind f\u00fcr die milit\u00e4rischen Aufr\u00fcstungen. Deutschland plant neue Milliarden in die Armee zu stecken. Auch der heimische Bundeskanzler k\u00fcndigt an, nun mehr Mittel f\u00fcr das Bundesheer zur Verf\u00fcgung stellen zu wollen \u2013 und die Gr\u00fcnen schweigen dazu. Altkanzler Vranitzky spricht von der Notwendigkeit einer starken Europ\u00e4ischen Verteidigungsarmee.<\/p>\n<p>Und was ist mit der christlichen Botschaft der Gewaltfreiheit und der Feindesliebe. Ist es nur ein Programm f\u00fcr friedliche Zeiten und gilt nicht in den Stunden des Krieges?<\/p>\n<p>Die Antwort der christlichen Kirchen in Europa ist tendenziell pazifistisch gepr\u00e4gt, jedoch auch nicht frei von Widerspr\u00fcchen. Zwar wird Krieg eindeutig verurteilt und werden die nicht-milit\u00e4rischen Mittel wie Wirtschaftssanktionen begr\u00fc\u00dft, allerdings gibt es manchmal auch eine zumindest implizite Bejahung des milit\u00e4rischen Widerstands der ukrainischen Armee und damit auch konsequenterweise eine Zustimmung zu den Waffenlieferungen. Eine ausdr\u00fcckliche Ermutigung zu einem Verzicht auf milit\u00e4rischen Widerstand gibt es jedoch nirgends.<\/p>\n<ul>\n<li>Der Vorsitzende der \u00d6sterreichischen Bischofskonferenz, Erzbischof Lackner, w\u00fcnschte sich gleich zu Beginn der Invasion ein \u201eSchweigen der Waffen\u201c. W\u00f6rtlich sagte er: &#8222;Angesichts der jetzt dramatisch erfahrenen Zerbrechlichkeit des Friedens m\u00fcssen sich Christen als Friedensstifter erweisen und bew\u00e4hren \u2026 Bitte beten wir gemeinsam f\u00fcr ein Schweigen der Waffen und um einen gerechten Frieden in der Ukraine, in der ganzen Welt sowie in den Herzen der Menschen.&#8220; (24.2.)<\/li>\n<li>Kardinal Jean-Claude Hollerich, Pr\u00e4sident der Kommission der Bischofskonferenzen der Europ\u00e4ischen Gemeinschaft (COMECE) und Vizepr\u00e4sident des Rates der Europ\u00e4ischen Bischofskonferenzen (CCEE) meinte, die Aggressoren m\u00fcssten verstehen, dass die Europ\u00e4ische Union solidarisch sei mit der Ukraine, &#8222;auch wenn wir nicht milit\u00e4risch beistehen k\u00f6nnen&#8220;. &#8222;Das k\u00f6nnte ja einen Weltkrieg provozieren, das will niemand. Aber die Leute haben ein Recht, sich gegen den Aggressor zu wehren&#8220;, f\u00fcgte Hollerich mit Blick auf Waffenlieferungen an die Ukraine hinzu. Auch Wirtschaftssanktionen seien sinnvoll. (27.2.2022)<\/li>\n<li>Die Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Annette Kurschus kritisierte bei einer zentralen Friedensdemonstration in Berlin eindeutig die Kriegspolitik der \u201everlogenen und machtgierigen\u201c russischen Regierung und rief zugleich dazu auf, nicht in eine &#8222;Spirale des Hasses&#8220; zu geraten: &#8222;Wir werden der kriegsl\u00fcsternen Herrscherclique in Russland nicht das Geschenk machen, ihr Volk zu hassen. Wir werden das Spiel der Verfeindung nicht mitspielen&#8220;, sagte sie. Es gelte vielmehr, Solidarit\u00e4t mit den Menschen in der Ukraine und ihren Nachbarl\u00e4ndern zu zeigen &#8211; und auch mit jenen Menschen in Russland, die sich gegen den Krieg stellten.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Klaus Heidegger, 27.2.2022 &#8211; am 4. Kriegstag in der Ukraine<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><img src='http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/peace-hirzer.jpg' class='thumbnail' \/>In diesen schrecklichen Kriegstagen verstummen die pazifistischen Stimmen. Im Fernsehen erkl\u00e4ren Milit\u00e4rexperten in Uniform das Geschehen, das sie wohl am besten verstehen, weil sie ebendieses Handwerk auch lernten. Wo sind die Friedensforscherinnen und Friedensforscher geblieben? 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