{"id":7422,"date":"2022-04-21T08:03:26","date_gmt":"2022-04-21T08:03:26","guid":{"rendered":"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/?p=7422"},"modified":"2022-08-22T07:37:34","modified_gmt":"2022-08-22T07:37:34","slug":"7422","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/?p=7422","title":{"rendered":"\u00d6sterliche Tage in \u00d6tztaler Gletscherwelt"},"content":{"rendered":"<p><strong><img loading=\"lazy\" class=\"alignnone size-full wp-image-7423\" src=\"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/wk-9.jpg\" alt=\"\" width=\"4608\" height=\"3456\" srcset=\"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/wk-9.jpg 4608w, http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/wk-9-300x225.jpg 300w, http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/wk-9-768x576.jpg 768w, http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/wk-9-1024x768.jpg 1024w\" sizes=\"(max-width: 4608px) 100vw, 4608px\" \/><\/strong><\/p>\n<p><strong>Tag 1: Zugerichtete Gletscherwelt<\/strong><\/p>\n<p>Ganz hinten im Schnalstal beim Weiler Kurzras auf 2011 m duckt sich ein alt-verwittertes Bergbauernhaus im Schatten eines Hotelkomplexes, der wie eine Mini-Kopie von Anlagen aus Val-d\u2019Is\u00e8re ist. Riesige Parkfl\u00e4chen sind vor den Seilbahnanlagen, die n\u00f6rdlich, westlich und \u00f6stlich auf die Bergflanken hinaufgebaut wurden. Im Restaurant, in dem wir vor dem Anstieg sitzen, gibt es nervige Musikbeschallung. Wir nehmen mit unseren Tourenski das Schneeband, das zwischen den inzwischen schon meist aperen braunen H\u00e4ngen skurril wirkt. Eigentlich, so steht es auf einem Schild gleich zu Beginn des Aufstiegs, ist das Aufsteigen f\u00fcr \u201eSki Alpinismus\u201c gesperrt. Es sind nur knapp 800 H\u00f6henmeter auf dem sulzig-nassen Schnee bis zur Sch\u00fctzh\u00fcte Bella Vista \u2013 Sch\u00f6ne Aussicht. Eine steilere Rinne bietet mir etwas Abwechslung mit ein paar Spitzkehren. Da ich mit dem Alpenverein Hall unterwegs bin, machte ich mir selbst keine Gedanken \u00fcber die Routenplanung, wusste nicht einmal, dass unser \u00dcbernachtungsort am Rand vom Gletscherskigebiet ist. Das 125-Jahre alte\u00a0 Geb\u00e4ude erinnert mit den steinernen Mauern noch an klassische Alpenvereinsh\u00fctten, zugleich hat moderner Zeitgeist hier am Rande der Liftanlagen seine Spuren hinterlassen. Ein Whirlpool und zwei Saunaf\u00e4sser stehen am Rande der &#8222;H\u00fctte&#8220; bei einem mit spiegelndem Alu verkleideten Geb\u00e4ude. Dort ist auch der Skiraum. Zwei N\u00e4chte werden wir auf der Schutzh\u00fctte verbringen, verw\u00f6hnt mit einem Viergangmen\u00fc, das auch den relativ einsamen Vegetarier nicht vergisst. Ich nehme mir vor dem Abendessen Zeit, um alleine zur Bergstation des Sesselliftes aufzusteigen und in die Gegend ringsum einzutauchen. Auf der anderen Talseite geht die Grawand-Seilbahn auf 3212 m hinauf zum 3-Sterne-Glacier-Hotel. M\u00e4chtig thront die Finailspitze dar\u00fcber. Es soll in diesem Hotel einfach alles geben, was man von einem Hotel erwartet. Ein Fitnessraum, Sauna, Luxuszimmer mit Sat-TV usw. In welcher Welt lebe ich? Zwei Skikanonen produzieren jetzt noch immer Schnee auf einer der Skipisten, die von den Ausl\u00e4ufern des Hochjochferners hinunterkommen. In der Abendsonne gehe ich allein bis auf das Joch im Hinteren Eis weiter (3253 m, vom Tal aus 1300 HM), wo sich der Panoramablick auf den m\u00e4chtigen Hintereisferner, die Langtauferer Spitze und die Wei\u00dfkugel in der Abendsonne bietet, eine hochalpine Gletscherwelt auf dieser Seite, die noch nicht f\u00fcr bestimmte Wirtschaftsinteressen und bestimmte Bed\u00fcrfnisse von Menschen zurecht gerichtet wurde. Hinunter geht es wieder durch aufgeweichten sulzigen Schnee und dann \u00fcber die Piste, in die ein Ratrac ein Feinrippmuster gewalzt hat.<\/p>\n<p><strong>Tag 2: Langtauferer Spitze 3528 m<\/strong><\/p>\n<p>Die Strecke hinauf zur Bergstation der Jochkogelbahn kannte ich bereits vom Vorabend. Von dort geht es nun steil rund 400 HM hinunter auf den Hintereisferner und angeseilt zu den Flanken der Langtauferer Spitze. Da sehe ich auch jene meteorologische Station wieder, die wie ein Adlerhorst auf einem Felsr\u00fccken \u00fcber dem Gletscher steht. Ich hatte sie eigentlich schon vergessen. Einmal, in meinem &#8222;fr\u00fcheren Leben&#8220; mit 18 Jahren, war ich mit einem Meteorologen ein paar Tage dort, um Messungen zu machen. Allein versuchte ich damals auch auf die Wei\u00dfkugel zu steigen und scheiterte an der Flanke zum Schluss. Das war. Heute. Die Verh\u00e4ltnisse f\u00fcr unser Gipfelziel sind ideal. Harscheisen, Pickel und Steigeisen braucht es nicht. Vom Skidepot hei\u00dft es nur einmal sich kurz an den Granitfelsen festzuhalten und dann schon stehen wir auf dem Gipfel mit dem sch\u00f6nen Gipfelkreuz, in dem sich eine goldene Friedenstaube befindet. Ich m\u00f6chte sie in die Ukraine schicken. Vom Hintereisferner hinauf zum Hinteren Eis w\u00e4hlen wir eine steilere Rinne und ich mache noch den kurzen Abstecher zum Gipfel mit dem kleinen unscheinbaren Holzkreuz. Dann hinunter zur Bella Vista mit all den Annehmlichkeiten. Heute waren es 1754 m im Anstieg.<\/p>\n<p><strong>Tag 3: Wei\u00dfkugel 3739 m<\/strong><\/p>\n<p>Allein sitze ich vor der \u201eH\u00fctte\u201c und beobachte, wie auf den Bergspitzen die Sonne aufgeht. Nach dem ausgiebigen Fr\u00fchst\u00fcck geht es nochmals die mir inzwischen schon gut bekannte Strecke hinauf zur Bergstation der Jochkogelbahn, hin\u00fcber zum Joch auf rund 3200 und die steile Abfahrt 400 H\u00f6henmeter hinunter zum Hintereisferner, auf dem wir uns wieder anseilen. Am Seil gehend, Schritt f\u00fcr Schritt, in dieser unglaublich weiten Gletscherwelt des Hintereisferners ist wie eine buddhistische Gehmeditation. N\u00f6rdlich von uns sind die weiten H\u00e4nge der Langtaufererspitze, auf der wie gestern waren, vor uns der steile Gipfelaufbau der Wei\u00dfkugel mit der Ostwand. Vorbei geht es heute unter einem Gletscherabbruch bis zur 35 Grad steilen Flanke. Der Gipfelgrat in leichter Blockkletterei und sehr ausgesetzt ist fast schnee- und eisfrei. Da brauchen wir heute keinen Pickel und keine Steigeisen. Anfangs hatte ich vor dieser Kletterei ziemlich Respekt, dann aber machen die Schritte und Tritte im harten Granit richtig Freude. Das Panorama am Gipfel ist beeindruckend. Im S\u00fcdwesten die Ortlergruppe, im Westen meine Heimatberge mit dem weiten Gepatschgletscher, der Wei\u00dfseespitze und dem Kaunertal dahinter. Wer von diesem Punkt aus rundum blickt, kann begreifen, dass die \u00d6tztaler Alpen die gr\u00f6\u00dfte Gletschermasse der Ostalpen bilden und die gr\u00f6\u00dfte Anzahl an 3000ern hat. Ein ganzes Leben w\u00fcrde wohl nicht reichen, um auf all diese Gipfel zu klettern. Zum Gl\u00fcck wurde das Ansinnen der Gletscherskigebiet-Betreiber, das Langtaufers und das Melagtal mit dem Kaunertaler Gletscherskigebiet zu verbinden als der Alpenkonvention widersprechend abgewendet. Sonst w\u00fcrde ich heute auf der Wei\u00dfseespitze vielleicht schon Liftst\u00fctzen sehen. Zur\u00fcck geht es nun \u00fcber das Teufelsegg \u2013 noch einmal kurz hinauf, ein paar Spitzkehren sind es nur, dann eine Skitragepassage \u00fcber Blockwerk und hinunter geht es mit den Ski zur Bergstation der Teufelseggbahn. Der Schnee wird immer sulziger. Auf dem Schneeband kurz vor den Talstationen in Kurzras w\u00fchlt sich ein Ratrac durch den Schneematsch. Ich blicke auf meine Uhr. Insgesamt waren es heute 1579 m im Aufstieg und 2430 m Abfahrt.<\/p>\n<p>Ich blicke zur\u00fcck auf drei Tage. Mein Danke gilt dem Haller AV, der umsichtigen Routenplanung und Menschen, die aufeinander R\u00fccksicht nehmen. Gerne h\u00e4tte ich bei der Fahrt hinaus durch das Schnalstal Halt gemacht in der Wallfahrtskirche von Unser Frau in Schnals mit der Schwarzen Madonna. Die Gebete werden nicht weniger und weniger wird auch nicht der Dank f\u00fcr das, was gelingt und mehr noch f\u00fcr das, was geschenkt wird. Im Etschtal bl\u00fchen die Apfelb\u00e4ume und staut sich der Verkehr. Schon vor Brixen bis hinauf auf den Brenner\u00a0 ist ein Lkw-Stau. Ich denke an die Gletscherwelt zur\u00fcck und die Erderhitzung, die diese Gletscher zerst\u00f6ren wird wegen des unverantwortlichen Tuns der Menschen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><img src='http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/wk-9.jpg' class='thumbnail' \/>Tag 1: Zugerichtete Gletscherwelt Ganz hinten im Schnalstal beim Weiler Kurzras auf 2011 m duckt sich ein alt-verwittertes Bergbauernhaus im Schatten eines Hotelkomplexes, der wie eine Mini-Kopie von Anlagen aus Val-d\u2019Is\u00e8re ist. Riesige Parkfl\u00e4chen sind vor den Seilbahnanlagen, die n\u00f6rdlich, westlich und \u00f6stlich auf die Bergflanken hinaufgebaut wurden. Im Restaurant, in dem wir vor dem&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":7423,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[1],"tags":[1166,1164,1167,1165,1106,1163],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/7422"}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=7422"}],"version-history":[{"count":7,"href":"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/7422\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":7430,"href":"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/7422\/revisions\/7430"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/7423"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=7422"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=7422"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=7422"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}