{"id":7477,"date":"2022-05-08T20:17:58","date_gmt":"2022-05-08T20:17:58","guid":{"rendered":"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/?p=7477"},"modified":"2026-02-02T19:54:37","modified_gmt":"2026-02-02T19:54:37","slug":"basta-beendet-den-krieg-und-giesst-nicht-immer-neues-oel-ins-feuer-ein-pazifistisches-plaedoyer","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/?p=7477","title":{"rendered":"Basta! Beendet den Krieg und gie\u00dft nicht immer neues \u00d6l ins Feuer! Ein pazifistisches Pl\u00e4doyer"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: center;\"><strong><span style=\"color: #ff0000;\">Krieg<\/span><\/strong><br \/>\nAngriffskrieg<br \/>\nAbn\u00fctzungskrieg<br \/>\nVerteidigungskrieg<br \/>\nStellungskrieg<br \/>\nGuerillakrieg<br \/>\nAtomkrieg<br \/>\nKrieg<br \/>\n<span style=\"color: #ff0000;\"><strong>NEIN<\/strong><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Der 8. Mai. Es ist jener Tag, der an die Befreiung vom Naziregime durch die alliierten Truppen erinnert. Die NS-Herrschaft wurde\u00a0 in \u00d6sterreich am 8. Mai 1945 durch die sowjetische Armee beendet. F\u00fcr die Bef\u00fcrworter:innen der milit\u00e4rischen L\u00f6sungen dient dieser Tag einmal mehr dazu, pazifistische Optionen als naiv zu bezeichnen. Man sehe doch: Ohne milit\u00e4rischen Sieg der Alliierten w\u00e4re die Naziherrschaft nicht beendet worden. Und Putin wird mit Hitler verglichen und die russische Armee mit der Deutschen Wehrmacht. Doch: Putin ist nicht Hitler. Russland kann nicht mit dem Naziregime gleichgesetzt werden. Der gr\u00f6\u00dfte Unterschied: 1945 hatte der Feind noch keine Atomwaffen. Mariupol sieht inzwischen aus wie die zerbombten St\u00e4dte nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges oder wie Aleppo nach den ersten Luftangriffen Russlands auf islamistische Stellungen am Beginn des Krieges in Syrien.<\/p>\n<p>9. Mai. In Russland wird der &#8222;Tag des Sieges&#8220; zelebriert. Es sind skurrile Bilder wie aus schlechten Filmen, so als g\u00e4be es dies wirklich nicht echt und w\u00e4re nur ein Albtraum. Der russische Pr\u00e4sident mit einer Kriegsrede. Abertausende Soldaten, die wie Marionetten paradieren. Ein Arsenal an schrecklichen Waffen f\u00e4hrt auf den Milit\u00e4r-Lkws vorbei. Die Gener\u00e4le hinter Putin haben eiserne Minen. Mittendrin: Kyrill I., Patriarch der orthodoxen Kirche von Moskau. W\u00e4hrenddessen geht das Morden und Zerst\u00f6ren in der Ukraine weiter.<\/p>\n<p><span style=\"color: #ff0000;\"><strong><em>Der Krieg wird beendet und nicht mehr gewonnen.<br \/>\nKein Krieg wird gewonnen, denn im Krieg sind alle Verlierer.<\/em><\/strong><\/span><\/p>\n<p>Die herrschende Logik der westlichen Welt lautet seit Wochen: Der Angriffskrieg Russlands muss mit Waffengewalt beendet werden. Damit kommt der Westen dem Ansinnen des ukrainischen Pr\u00e4sidenten entgegen, der von Beginn an als Reaktion auf den v\u00f6lkerrechtswidrigen Angriffskrieg auf die milit\u00e4rische Karte setzte \u2013 und setzen konnte, weil er auf die milit\u00e4rische Unterst\u00fctzung der USA und der NATO-Staaten vertrauen konnte. Diese Logik f\u00fchrte zur fast v\u00f6lligen Zerst\u00f6rung gro\u00dfer St\u00e4dte wie Mariupol und f\u00fchrte dazu, dass Abertausende Menschen get\u00f6tet wurden, dass die Gefechte auf den Schlachtfeldern eskalierten und Millionen Menschen in die Flucht getrieben worden sind.<\/p>\n<p>Beispiele f\u00fcr die nun wochenlange Kriegsrhetorik gibt es zuhauf: \u201eDen politischen Erben Stalins nicht zu reizen, wird das Blut nicht stoppen.\u201c So hei\u00dft es im Leitartikel des \u201eKURIER\u201c vom 8. 5. Und die Konsequenz des Schreibers lautet: Man muss Putin milit\u00e4risch besiegen.<\/p>\n<p>Die anderen Stimmen, wie jene von f\u00fchrenden Vertretern der r\u00f6m.-katholischen Kirche, gehen in der Kriegsrhetorik unter. \u201eDer Frieden kann nicht durch Waffen erreicht werden. Im Gegenteil, er kann nur durch den Verzicht auf Waffen erreicht werden.\u201c So Pietro Parolin, Kardinalstaatssekret\u00e4r, in der Zeitung La Stampa vom 1.5.2022.<\/p>\n<p><span style=\"color: #ff0000;\"><strong><em>In der Logik des Krieges gibt es erst dann eine Niederlage, wenn alle Mittel ausgesch\u00f6pft sind.<\/em><\/strong><\/span><\/p>\n<p>Die Logik von Sieg oder Niederlage ist eine fatale Logik. Will man Russland am Schlachtfeld besiegen, k\u00f6nnte der Dritte Weltkrieg beginnen \u2013 bis hin zu einer atomaren Auseinandersetzung. Russland wird alles tun \u2013 wirklich alles \u2013 um eine milit\u00e4rische Niederlage zu verhindern. Wer darauf setzt, die russische Armee mit Waffengewalt niederzuzwingen, riskiert den Einsatz der schrecklichsten aller Waffen. Man darf nicht versuchen, das russische Regime als Atommacht in die Knie zu zwingen. Es braucht die Ausstiegsszenarien aus dem Krieg vor einem apokalyptischen Finale der totalen Vernichtung.<\/p>\n<p>Der Russlandexperte Gerhard Mangott beschreibt die Eskalationsgefahr wie folgt: &#8222;Bevor Russland eine Niederlage akzeptiert, wird Putin zu einer Eskalation bereit sein, bis hin zum Einsatz taktischer Atomwaffen.&#8220;<\/p>\n<p><span style=\"color: #ff0000;\"><strong><em>Der Krieg wird gen\u00e4hrt durch die Menge an Waffen.<\/em><\/strong><\/span><\/p>\n<p>In Diskussion ist die deutsche Regierung geraten, die beschlossen hat, auch schwere Waffen in die Ukraine zu liefern. Schwere Waffen sind Angriffswaffen. Damit werden die kriegerischen Handlungen verl\u00e4ngert. Wer immer Waffen liefert, macht sich damit selbst zur Kriegspartei und schie\u00dft sich aus der m\u00f6glichen Rolle eines Vermittlers aus. Immer mehr Waffen bedeuten immer mehr Krieg. Wenn Deutschland beispielsweise ukrainische Soldaten ausbildet, ist es direkt Kriegspartei. Immer mehr Waffen bedeuten, dass auf beiden Seiten immer mehr Waffen eingesetzt werden. Die Solidarit\u00e4t mit den Menschen in den Kriegsgebieten misst sich nicht an den Milliarden f\u00fcr Waffen, sondern mit jedem Bem\u00fchen, den Krieg sofort zu beenden. Seit Kriegsbeginn haben allein die USA bereits Waffen und Munition im Wert von 3,5 Milliarden Euro an die Ukraine geliefert. Aktuell geplant ist eine weitere Milit\u00e4rhilfe in der H\u00f6he von 145 Millionen Euro. (Tiroler Tageszeitung, 8. 5. 2022)<\/p>\n<p>Die milit\u00e4rische St\u00e4rke der Ukraine ist im Wesentlichen die milit\u00e4rische St\u00e4rke der gr\u00f6\u00dften Milit\u00e4rmacht der Welt. Wenn beispielsweise eines der gr\u00f6\u00dften russischen Kriegsschiffe abgeschossen wird, dann ist dies ein &#8222;Erfolg&#8220; der amerikanischen milit\u00e4rischen Geheimdienste.<\/p>\n<p><span style=\"color: #ff0000;\"><strong><em>Der Frieden entscheidet sich nicht auf den Schlachtfeldern, sondern am Tisch von Verhandlungen und im Schlie\u00dfen von Vertr\u00e4gen \u2013 auch mit der Bereitschaft zu Kompromissen. Milit\u00e4risches Heldentum ist der Wahnsinn von gestern.<\/em><\/strong><\/span><\/p>\n<p>Ein erster Ausstieg aus dem Krieg ist immer die Feuerpause, gefolgt von Waffenstillstand und Waffenstillstandsverhandlungen. Was der Beendigung von Krieg und das Schaffen von Frieden &#8211; und damit einem Ausstieg von dem Teufelskreis von Gewalt und Gegengewalt betrifft &#8211; dient, sind nicht noch mehr schwere Waffen, sondern die Bereitschaft zum Verhandeln.<\/p>\n<p><span style=\"color: #ff0000;\"><strong><em>Vom pers\u00f6nlichen friedensstiftenden Handeln<\/em><\/strong><\/span><\/p>\n<p>Von einem Wirtschaftsembargo gegen\u00fcber der russischen F\u00f6deration als Sanktion f\u00fcr den Angriffskrieg wird seit Wochen gesprochen. Und es geschieht auf verschiedenen Ebenen. Regierungen des Westens verh\u00e4ngen ein Embargo gegen\u00fcber russischen Firmen, frieren das Verm\u00f6gen russischer Oligarchen im Westen ein, wollen die \u00d6limporte aus Russland stoppen und die Abh\u00e4ngigkeit von russischem Erdgas minimieren. Die gr\u00f6\u00dfte Macht h\u00e4tten in einer solchen Embargo- und Sanktionspolitik wohl die Konsumierenden selber durch ihr eigenes Konsumverhalten. Als jemand, der nicht mit dem Auto f\u00e4hrt, brauche ich kein russisches \u00d6l und Gas. Das hei\u00dft vor allem: Gerade in der Frage der Mobilit\u00e4t kann viel dazu beigetragen werden, die russische Milit\u00e4rmaschine nicht zu \u00f6len \u2013 oder, um es poetisch auszudr\u00fccken \u2013 Sand im Kriegsgetriebe zu sein. Das betrifft auch andere Dimensionen: Je energiesparender mein Lebensstil ist, desto mehr tr\u00e4gt er zum Frieden und zur Gerechtigkeit auf dieser Welt bei. Wer vegetarisch lebt, reduziert den Getreide- und Fl\u00e4chenverbrauch und macht sich nicht schuldig an der Abholzung der Regenw\u00e4lder. Wer weniger Konsumg\u00fcter verbraucht, reduziert den Verbrauch an Energiequellen. Energiesparen ist eine friedenspolitische Antwort, die auch im Alltag durchbuchstabiert wird: Energiesparend Autofahren \u2013 wenn \u00fcberhaupt; kein unn\u00f6tiges Standby durch Kippschalter; LED statt Halogen; jedem Topf sein Deckel; Eisf\u00e4cher regelm\u00e4\u00dfig abtauen; Lebensmittel nicht verschwenden. Damit wird sichtbar: Der Einsatz gegen den Krieg in der Ukraine geht Hand in Hand mit dem Einsatz gegen die fortschreitende Zerst\u00f6rung der Lebensgrundlagen als Folge der menschengemachten Erderhitzung.<\/p>\n<p><span style=\"color: #ff0000;\"><strong><em>Pazifismus heute!<\/em><\/strong><\/span><\/p>\n<p>Pazifistische Ideen sind nicht von gestern, sondern bedeuten Zukunft. \u201eFrieden schaffen ohne Waffen\u201c ist nicht eine Parole von gestern, sondern braucht es heute dringender als je zuvor. Wer milit\u00e4rische Waffengewalt ablehnt, ist nicht unsolidarisch, sondern solidarisch mit den Abertausenden, die im Krieg get\u00f6tet oder verletzt werden. Die letzten Wochen des Krieges in der Ukraine zeigen einmal mehr, dass es nicht weniger, sondern mehr Pazifismus in unserer Welt br\u00e4uchte.<\/p>\n<p>Ich konnte die Anfangszeit der gr\u00fcnen und alternativen Parteien mit einer wissenschaftlichen Arbeit an der Universit\u00e4t begleiten. Gewaltfreiheit wurde als eine der Grunds\u00e4ulen der neuen Parteien gesehen. Die Gr\u00fcnen sahen sich als parlamentarisches Standbein, die Friedensbewegung war ihr Spielbein. Damals galt es, der atomaren Aufr\u00fcstung entgegen zu treten. Die gro\u00dfen Friedensdemonstrationen in den 80er Jahren waren meine politische Sozialisation. In \u00d6sterreich tr\u00e4umten wir von einer Abschaffung des Bundesheeres und in der Schweiz hatte die &#8222;Gruppe Schweiz ohne Armee&#8220; beachtliche Erfolge. Seither sind viele Kriege gef\u00fchrt worden und werden noch immer gef\u00fchrt und noch gr\u00f6\u00dfere drohen die Welt zu vernichten. Und heute: Der gr\u00fcne Koalitionspartner in der deutschen Bundesregierung bef\u00fcrwortet die Lieferung von schweren Waffen in die Ukraine. Warum dieser radikale Gesinnungswandel? In mir lebt weiterhin der Glaube, dass mit Gewaltverzicht Kriege beendet und Frieden geschaffen werden kann.<\/p>\n<p>Klaus Heidegger, 8. \/9. Mai 2022<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Krieg Angriffskrieg Abn\u00fctzungskrieg Verteidigungskrieg Stellungskrieg Guerillakrieg Atomkrieg Krieg NEIN Der 8. Mai. Es ist jener Tag, der an die Befreiung vom Naziregime durch die alliierten Truppen erinnert. Die NS-Herrschaft wurde\u00a0 in \u00d6sterreich am 8. Mai 1945 durch die sowjetische Armee beendet. 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