{"id":7638,"date":"2022-07-01T20:00:49","date_gmt":"2022-07-01T20:00:49","guid":{"rendered":"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/?p=7638"},"modified":"2022-08-22T07:37:33","modified_gmt":"2022-08-22T07:37:33","slug":"die-meeresbiologie-exkursion-der-7a-begleitend","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/?p=7638","title":{"rendered":"Tag 1: Eine Meeresbiologie-Exkursion auf die sorrentinische Halbinsel begleitend"},"content":{"rendered":"<p><strong><img loading=\"lazy\" class=\"alignnone size-full wp-image-7642\" src=\"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2022\/07\/amalfi-1.jpg\" alt=\"\" width=\"3456\" height=\"4608\" srcset=\"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2022\/07\/amalfi-1.jpg 3456w, http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2022\/07\/amalfi-1-225x300.jpg 225w, http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2022\/07\/amalfi-1-768x1024.jpg 768w\" sizes=\"(max-width: 3456px) 100vw, 3456px\" \/>Freitag, 1. Juli 2022<\/strong><\/p>\n<p>5.51 Uhr an einer Rastst\u00e4tte irgendwo entlang der Autostrada del Sole. Sonne? Was soll dieser stinkend-l\u00e4rmende Blech-Lkw-Wurm mit Sonne zu tun haben? Welch unpassender Euphemismus! Zwischen Lkws parkt der Bus auf dem zweiten Stopp seit der Abfahrt in Volders. Die wirkliche Sonne geht auf. Ich begr\u00fc\u00dfe sie ger\u00e4dert von der Fahrt, in der ich schwer tr\u00e4umte, wenn ich gerade schlief. Halbst\u00fcndige Pause. 7a-Klasse. 23 Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler. Es ist eine besondere Klasse. Lauter besonders liebenswerte Individuen, die miteinander zugleich Gemeinschaften sind.\u00a0 Um 22.00 Uhr sind wir gestern von der Schule\u00a0 weggefahren. Es ist der zweite Stopp. Eine vollt\u00e4towierte Frau sitzt im Shop zwischen den h\u00e4sslichen Produkten, in denen Industrienahrung schreiend-grell plastikverpackt ist. Am Rande vom Parkplatz entdecke ich einen Baum mit kleinen gelben Fr\u00fcchten. Steinobst. Ringlotten. Unverpackt. Sie sind unbeachtet und schmecken wunderbar, nachdem ich den Staub von ihnen gewischt habe. Geschenk des Himmels. Ich lege sie in die H\u00e4nde einer Sch\u00fclerin, die ein Gef\u00fchl f\u00fcr die Natur und das Nat\u00fcrliche hat und sich daf\u00fcr im Rahmen von Fridays for Future einsetzt. Auf der Rastst\u00e4tte davor irgendwo in der Po-Ebene um 2.00 nachts hatte ich mit ihrer Freundin ein n\u00e4chtliches Gespr\u00e4ch \u00fcber Tiertransporte. Es stank danach. Wenn es da einen Schweinelaster gegeben h\u00e4tte, h\u00e4tten wir sie befreien wollen. Es wird Tag.\u00a0Goldgelb leuchten die frisch abgeernteten Weizenfelder in der Morgensonne und stehen in sch\u00f6nem Kontrast zu den gr\u00fcnen Obstplantagen. Manches Feld legt sich wie eine Decke sanft auf die Abh\u00e4nge der H\u00fcgel. Die K\u00f6pfe von Sonnenblumen sind zur Sonne ausgerichtet, als w\u00fcrden sie diese zum neuen Tag und neuen Monat begr\u00fc\u00dfen.\u00a0 Kleine St\u00e4dte und D\u00f6rfer sind auf den Kuppen der H\u00fcgel. Auf einem gr\u00fcnen Ausfahrtsschild steht \u201eORVIETO\u201c. Die m\u00fcden Gedanken schweifen ab zu einer Fahrt vor langer Zeit: mit wenig Geld, drau\u00dfen irgendwo schlafend, aber das Herz voll Sehnsucht, diese Welt zu einer besseren zu machen. Irgendwo fahren wir dem Tiber entlang, der hier ein kleiner Bach ist und scheinbar steht. Lkws im Sekundentakt in beide Fahrtrichtungen. Im herrschenden Wirtschaftssystem l\u00e4uft so vieles falsch. Zum Gl\u00fcck sind die Benzin- und Dieselpreise inzwischen deutlich \u00fcber zwei Euro. Strohballen sind auf den Weizenfeldern: wie gro\u00dfe R\u00e4der, die in einem Land-Art-Projekt verteilt wurden. Meine letzte Fahrt von Innsbruck nach Rom war mit Rennr\u00e4dern und meiner Nichte.\u00a0Unsere Strecke mit den R\u00e4dern war freilich um so vieles intensiver, abwechslungsreicher.\u00a08.34 Uhr. Die Autobahn ist dreispurig geworden. Der gr\u00fcne \u00dcberkopfwegweiser zeigt die Ausfahrt nach Rom-Ost und geradeaus nach NAPOLI. Vor kurzem hatten wir bei der letzten Rastst\u00e4tte das, was in Italien als Fr\u00fchst\u00fcck bezeichnet wird. Ein Cappuccino und ein fettiges Croissant. Zum Gl\u00fcck bestellte ich eines ohne F\u00fcllung. Das Baguette schmeckte dagegen besser. Ich habe mir vorgenommen, wie gewohnt meinen \u00f6kologischen Fu\u00dfabdruck klein zu halten.\u00a010.00 Uhr. Eine Abzweigung ginge nach Monte Cassino. Eine Abfahrt zu einem der bedeutsamsten Orte der abendl\u00e4ndischen Geschichte ist nicht eingeplant. Ich denke an den Hl. Benedikt von Nursia und seine Gef\u00e4hrten, denen es gelang, parallel zu einer sich mehr und mehr zur Machtkirche entwickelten Kirche ein anderes Modell von Kirche mit Gemeineigentum und Kommunit\u00e4t vorzuleben. Ich denke aber auch an die Brutalit\u00e4t des Krieges und die Art und Weise, wie das Kloster von den Alliierten durch einen Luftangriff am Ende des Zweiten Weltkrieges vollkommen zerst\u00f6rt worden ist. Es war eindeutig ein Angriff auf eineunbewaffnete Zivilbev\u00f6lkerung und die schrecklichen Bilder des Krieges in der Ukraine flashen durch meinen Kopf.\u00a0Vor Neapel. Die Bergh\u00e4nge sind vertrocknet und baumlos. Es wird zunehmend hei\u00dfer. Ich sp\u00fcre und f\u00fchle die Zerst\u00f6rung unserer Welt und bin Teil davon. Von extremer Hitze schrieben die Medien in den letzten Wochen mit Blick auf S\u00fcdeuropa, von D\u00fcrre und Wasserknappheit auch in S\u00fcditalien. Wo nicht beregnet oder bew\u00e4ssert wird, sind die Felder staubtrocken. Stau auf der sechsspurigen Autobahn vor Neapel. Man lebt, als g\u00e4be es keine Klimakatastrophe. Wie Lemminge, die dem Abgrund entgegen sausen. Nein! Ich sehne mich nach den einsam-ruhigen Pl\u00e4tzen in meinen Bergen daheim.\u00a0Neapel in seinen Au\u00dfenbezirken. Das gesamte Gebiet um Neapel hat vier Millionen Einwohner, die Stadt selbst knapp eine Million. Weit hinauf bis an die H\u00e4nge des Vesuvs auf der einen Seite und bis zur K\u00fcste reicht das Siedlungsgebiet. H\u00e4user, die einmal vor Jahrzehnten gebaut wurden und seither wohl nie renoviert worden sind, mehrspurige Autobahnen, wo der Verkehr giftig kriecht, Satellitenst\u00e4dte und Industrieanlagen. Der Vesuv im Osten der Stadt hat zun\u00e4chst nicht die klassische Form eines Vulkankegels. Vor unserem Ziel t\u00fcrmt sich ein K\u00fcstengebirge auf. Die Stra\u00dfe geht durch Betonr\u00f6hren und dann wieder hinauf auf die Anh\u00f6hen. Radfahren w\u00e4re hier nicht angenehm. Die Tunnel riechen nach den giftigen Abgasen. An der K\u00fcste sind die Stra\u00dfen durch die St\u00e4dte wie ein Flaschenhals, wo zum Teil nichts mehr geht. Auf der Suche nach der richtigen Stra\u00dfe irrt der Busfahrer herum. Das Navi versagt. Irgendwo ist eine Stra\u00dfensperre, dann wieder Durchfahrtsverbote f\u00fcr Busse. Abertausende Moped-, Roller- und Motorradfahrer schl\u00e4ngeln sich um die Autos. Millimeterfahrt f\u00fcr den Busfahrer. Von einem Bergr\u00fccken wird der Golf von Neapel besonders sch\u00f6n sichtbar. Unser Ziel liegt auf der sorrentinischen Halbinsel, die den Golf von Neapel und den Golf von Salerno abtrennt. Die St\u00e4dtchen und D\u00f6rfer bieten kaum Platz f\u00fcr den Bus zum Durchkommen. Die meeresbiologische Station, die nun eine Woche lang unsere Station sein wird, liegt im Feriend\u00f6rfchen Nettuno in Marina del Cantone direkt an der K\u00fcste. Es wird 14:30 Uhr, bis wir ankommen. Vierzehneinhalb Stunden im Bus. Die Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler waren tapfer. Kein Murren von ihrer Seite.\u00a0Ich lasse mich vom Meerwasser tragen, lasse mich zwischen den Felsen treiben, nehme das Salz wahr auf meinen Lippen. Das Wasser ist warm wie in einer Badewanne. Angekommen in der Weite des Meeres. Mittelmeer.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><img src='http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2022\/07\/amalfi-1.jpg' class='thumbnail' \/>Freitag, 1. Juli 2022 5.51 Uhr an einer Rastst\u00e4tte irgendwo entlang der Autostrada del Sole. Sonne? Was soll dieser stinkend-l\u00e4rmende Blech-Lkw-Wurm mit Sonne zu tun haben? Welch unpassender Euphemismus! Zwischen Lkws parkt der Bus auf dem zweiten Stopp seit der Abfahrt in Volders. Die wirkliche Sonne geht auf. 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