{"id":7882,"date":"2022-09-05T08:19:57","date_gmt":"2022-09-05T08:19:57","guid":{"rendered":"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/?p=7882"},"modified":"2022-09-06T15:46:04","modified_gmt":"2022-09-06T15:46:04","slug":"freiger-gefuehle","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/?p=7882","title":{"rendered":"Freiger-Gef\u00fchle"},"content":{"rendered":"\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><a href=\"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/20220904_125420-2-scaled.jpg\"><img loading=\"lazy\" width=\"1024\" height=\"768\" src=\"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/20220904_125420-2-1024x768.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-7884\" srcset=\"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/20220904_125420-2-1024x768.jpg 1024w, http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/20220904_125420-2-300x225.jpg 300w, http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/20220904_125420-2-768x576.jpg 768w, http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/20220904_125420-2-1536x1152.jpg 1536w, http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/20220904_125420-2-2048x1536.jpg 2048w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<p>Zum dritten Mal in diesem Sommer ist der Wilde Freiger das Gipfelziel. Wie so oft im Leben ereignen sich Ziele. Sie sind nicht geplant, sondern geschenkt aus der Begegnung mit Menschen, aus Verkn\u00fcpfungen von meiner Leidenschaft f\u00fcr die Berge, meiner Freude an der Natur und an Bewegung, an Freundschaft und dem Willen, Himmel und Erde zu verkn\u00fcpfen und dabei selbst in schwierigen Lebenssituationen die Balance nicht zu verlieren. Der 3418 Meter hohe Berg im hinteren Stubaital an der Grenze zwischen Nord- und S\u00fcdtirol ist daf\u00fcr wohl bestens geeignet und es passt auch, ihn im Laufe eines Sommers mehrmals zu erfahren. Vor allem aber gilt: Nicht die Spitze macht die ganze Sch\u00f6nheit des Berges aus, sondern der gesamte Weg, hinauf und hinunter, und selbst der gleiche Berg f\u00fchlt sich jedes Mal ganz neu an.<\/p>\n\n\n\n<p>Diesmal geht es nicht wie zuletzt Mitte Juni und Mitte Juli \u00fcber Sulzenauh\u00fctte und M\u00fcllergrat, sondern den \u201eNormalanstieg\u201c \u00fcber Bsuchalm, N\u00fcrnberger H\u00fctte und Seescharte. Diesmal wird es auch eine Tagestour sein ohne H\u00fctten\u00fcbernachtung. Die Route ist mir vertraut. Wir sind heute zu dritt. Sonntagmorgen im beginnenden Herbst. Start auf 1370 m. Mehr als 2000 H\u00f6henmeter Aufstieg werden es sein. Noch im Dunkel der Nacht gehen wir hinein ins Langetal. Kurz vor der Bsuchalm wird es hell. Der erste Aufschwung hinauf zur N\u00fcrnberger H\u00fctte beginnt. Der Steig ist vom vergangenen Regen lettig. Das Wetter wird heute stabil sein. Die Serpentinen hinauf f\u00fchlen sich gut an. Schwerer, viel schwerer als K\u00f6rper und Rucksack zusammen wiegen manche Gedanken und Gef\u00fchle, die in meinem Kopf und Herzen arbeiten. N\u00fcrnberger H\u00fctte. Von der aufgehenden Sonne werden die ersten Gipfel mit einem orange-roten Licht gef\u00e4rbt. Wer \u00f6ffentlich anreist und Mitglied beim DAV anreist, kann hier gratis \u00fcbernachten: Eine so wichtige Geste des Alpenvereins in Zeiten der Erderhitzung! Einige Gruppen, die auf der H\u00fctte \u00fcbernachteten, machen sich gerade auf den Weg. Wir gehen gleich weiter bis zur Seescharte und machen dort eine Pause. M\u00e4chtig abweisend ist der S\u00fcdgrat zur Urfallspitze; im Westen geht es zur Sulzenauh\u00fctte hinunter. Der Gipfel des Wilden Freiger wird schon sichtbar und wirkt nahe. Die kargen Reste des Gr\u00fcblferners sind im Osten. Der Eingang zu einem Gletscherschloss, aus dem der Gletscherbach flie\u00dft, liegt einige hundert H\u00f6henmeter unterhalb des Abbruchs. Das Eis dar\u00fcber ist mit braun-grauem Schutt bedeckt. \u00dcber die rapid schmelzenden Gletscher habe ich zuletzt viel geschrieben. Noch deutlicher wird mir das auch heute wieder bewusst. Das kurze Firnfeld beim Aufstieg ist schneefrei. Nur etwas Eis ist darunter \u2013 und zum Gl\u00fcck gibt es da ein Fixseil. Bei der leichten Gratkletterei bin ich vorsichtig. An zwei drei Stellen hei\u00dft es, den F\u00fc\u00dfen gut zu vertrauen, die auf glatten Felsen auf Reibung gehen. Mein Freund ist da jedenfalls viel sicherer und meine fallweise Hosenbodenklettereinlage findet er weniger gut. Rechts vom Grat tief unten ist der Wilde Freiger Ferner \u2013 nun mit klaffenden Spalten. In sattem T\u00fcrkis leuchten die Ferner Seen. <\/p>\n\n\n\n<p>Lange sitze ich am Gipfel auf den hellen Granat-Bl\u00f6cken des hier so typischen \u00d6tztal-Stubai-Kristallin Gesteins. Eine Vierergruppe von M\u00e4nnern und Frauen \u2013 sie arbeiten an einer Hochschule in M\u00fcnchen \u2013 treffe ich gleich mehrmals heute und ich mag es, etwas an ihre Gemeinschaft anzusto\u00dfen. Eltern begleiten ihren Sohn, der den letzten der 7 Summits des Stubaitales schafft \u2013 und Papa und Mama wie Sohn sind zurecht gl\u00fccklich dar\u00fcber. Innerhalb kurzer Zeit werden mir hier am Berg Menschen vertrauter, als die F\u00fclle an Menschen in der Stadt innerhalb von einem Jahr. Ich denke auch an die Frau aus Nordirland, mit der ich morgens beim Aufstieg auf der N\u00fcrnberger H\u00fctte redete und die so strahlte \u00fcber die Sch\u00f6nheit der Bergwelt, oder an den Sch\u00e4fer mit seinem Hirtenstock, der nach seinen 240 Schafen sichtete, die in dem weitl\u00e4ufigen Gel\u00e4nde verstreut sind und am n\u00e4chsten Wochenende ins Tal hinunter getrieben werden, oder an den britischen Trailrunner und die zwei Frauen aus Deutschland, die wie so viele H\u00fctteng\u00e4ste auf dem Stubaier H\u00f6henweg unterwegs sind und mit denen wir nach der Tour noch bei einem Radler an einem Tisch sa\u00dfen. <\/p>\n\n\n\n<p>Beim Abstieg mache ich noch den Abstecher auf das Gamsspitzl (3052 m) und genie\u00dfe von dort oben das eindrucksvolle Panorama. Tief unten ist der Gr\u00fcnausee und am liebsten m\u00f6chte ich wieder wie zuletzt dort kurz schwimmen. Am Ende der Tour sind es 2320 H\u00f6henmeter geworden, verteilt auf 25 Kilometer. Es wird wieder zur\u00fcck in die Stadt gehen, dorthin, wo Menschen einander nicht gr\u00fc\u00dfen, wenn sie sich zuf\u00e4llig begegnen, und oft T\u00fcr an T\u00fcr nebeneinander wohnen, ohne sich zu kennen, wo die Luft nicht nach dem Regen des gestrigen Tages riecht und der Blick in den Himmel verstellt ist. So anders ist das Leben im hochalpinen Gebirge.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><img src='http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/20220904_125420-2-1024x768.jpg' class='thumbnail' \/>Zum dritten Mal in diesem Sommer ist der Wilde Freiger das Gipfelziel. Wie so oft im Leben ereignen sich Ziele. 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