{"id":7899,"date":"2022-09-06T15:57:05","date_gmt":"2022-09-06T15:57:05","guid":{"rendered":"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/?p=7899"},"modified":"2022-09-06T15:57:05","modified_gmt":"2022-09-06T15:57:05","slug":"gewaltverzicht-statt-waffengewalt-pazifistische-stimmen-gegen-kriegsgeheule","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/?p=7899","title":{"rendered":"Gewaltverzicht statt Waffengewalt: Pazifistische Stimmen gegen Kriegsgeheule"},"content":{"rendered":"\n<p><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><a href=\"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/freig-pace-scaled.jpg\"><img loading=\"lazy\" width=\"768\" height=\"1024\" src=\"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/freig-pace-768x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-7900\" srcset=\"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/freig-pace-768x1024.jpg 768w, http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/freig-pace-225x300.jpg 225w, http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/freig-pace-1152x1536.jpg 1152w, http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/freig-pace-1537x2048.jpg 1537w, http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/freig-pace-scaled.jpg 1921w\" sizes=\"(max-width: 768px) 100vw, 768px\" \/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<p>Blicken wir auf die Positionierungen zur schrecklichen Kriegssituation in der Ukraine aus der Perspektive der Kirchen und der christlichen Welt, dann k\u00f6nnte ein Urteil kaum widerspr\u00fcchlicher sein.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir haben auf der einen Seite die russisch-orthodoxe Kirche mit dem Patriarchen Kyrill an der Spitze, der als enger Putin-Freund agiert und in den letzten Monaten wie ein Brandbeschleuniger wirkte. Anstatt seine Macht zu n\u00fctzen, um auf der Basis der gewaltfreien Botschaft des Evangeliums gegen die Kriegspolitik des russischen Regimes zu handeln, unterst\u00fctzt er mit martialischen Worten begleitet von einem skurrilen Auftreten die Invasion Russlands in der Ukraine. Soldaten der russischen Armee, die auf den Namen Jesu Christi getauft sind, m\u00fcssten in diesem Namen aus den Panzern steigen und die Maschinengewehre weglegen. So einfach w\u00e4re die christliche Logik, so schwierig und gef\u00e4hrlich w\u00e4re sie zugleich. Der russische Staatschef Putin, der sich gerne in der Pose als gl\u00e4ubiger Christ und als W\u00e4chter der Orthodoxie gibt, w\u00e4re genauso von unten entmachtet wie Patriarch Kyrill, w\u00fcrde eine massive Verweigerung von unten her \u2013 ganz im Stile von Gandhi \u2013 durchgef\u00fchrt werden. Mir ist bewusst, welche Sanktionen es auf Kriegsdienstverweigerung in Russland gibt und welchen Mut und Leidensbereitschaft es unter den aktuellen Bedingungen br\u00e4uchte.<\/p>\n\n\n\n<p>Die meisten Gl\u00e4ubigen in der Ukraine, die zugleich in den Abwehrkrieg verwickelt sind, geh\u00f6ren der ukrainisch-orthodoxen Kirche an. Die Haltung dieser Kirche von den Bisch\u00f6fen und Priestern bis hinunter zu den Gl\u00e4ubigen ist auf der Linie des milit\u00e4rischen Verteidigungskrieges, den der ukrainische Pr\u00e4sident Selenskyj vorgibt. Der Bruderkrieg ist auch ein religi\u00f6ser Bruderkrieg geworden. Orthodoxe gegen Orthodoxe. Gl\u00e4ubige gegen Gl\u00e4ubige. Man k\u00e4mpft und t\u00f6tet mit dem Segen der Kirchenverantwortlichen.<\/p>\n\n\n\n<p>Man k\u00f6nnte vermuten, dass zumindest die in Polen so m\u00e4chtige katholische Kirche auf die milit\u00e4rische Karte setzen w\u00fcrde, um die russische Invasion zu stoppen und die von Russland besetzten Gebiete in der Ukraine wieder zur\u00fcck zu erobern. Polen gilt innerhalb der EU und der NATO als jenes Land, das sich aufgrund der gemeinsamen Geschichte mit der Ukraine und der eigenen leidvollen Erfahrungen aus der Zeit der Sowjetunion sofort auch f\u00fcr eine milit\u00e4rische Unterst\u00fctzung der ukrainischen Armee stark gemacht hat. Umso bemerkenswerter ist die Haltung des polnischen Episkopats, die sich von der Politik der polnischen Regierung unterscheidet: \u201eUnsere Aufgabe ist es nicht, Waffen zu liefern, sondern Werkzeuge des Friedens,&nbsp;das, was f\u00fcr den t\u00e4glichen Lebensunterhalt der Menschen notwendig ist und Hoffnung gibt&#8220;, sagte am ersten Tag der russischen Invasion Erzbischof Stanislaw Gadecki, Vorsitzender der polnischen Bischofskonferenz.<\/p>\n\n\n\n<p>Papst Franziskus hat im Westen viel Kritik auf sich gezogen, weil er auch die Mitschuld der NATO an den kriegerischen Entwicklungen in der Ukraine benannt hat. Damit hat sich der Papst stets als m\u00f6glicher Vermittler gesehen und zugleich eine pazifistische Position durchgehalten, ohne es aber zu vers\u00e4umen, die Aggression Russlands zu verurteilen. Er hat sich von Beginn der russischen Invasion an wiederholte Male unmissverst\u00e4ndlich f\u00fcr nicht-milit\u00e4rische und diplomatische L\u00f6sungen ausgesprochen. Dass ein paar Wochen nach der Invasion, als die Stadt Charkiw massiv unter Beschuss genommen worden ist, der Papst die Ukraine und zugleich Russland (!) unter den Schutz der Weihe der Unbefleckten Mutter Gottes stellte, mag f\u00fcr Kirchenferne merkw\u00fcrdig klingen, doch liegt darin die so wesentliche r\u00f6misch-katholische Zielrichtung: Nicht Waffen sollen dominieren, sondern Gebet, wobei Gebet immer die Bereitschaft zum Dialog und zur Vers\u00f6hnung inkludiert. Wer betet, schie\u00dft nicht, wer betet, \u00f6ffnet sich dem Geist des Friedens und der Vers\u00f6hnung, aus dem dann ein friedliches Handeln folgt. Weder Papst Franziskus noch die Bisch\u00f6fe aus verschiedenen L\u00e4ndern haben die Lehre vom Gerechten Krieg aufgegriffen, um damit die milit\u00e4rischen Optionen des ukrainischen Staates zu legitimieren, obwohl sich mit den entsprechenden Kriterien auch widerspr\u00fcchlich argumentieren lie\u00dfe. \u201eEs gibt keinen gerechten Krieg\u201c, formulierte das katholische Oberhaupt unmissverst\u00e4ndlich mit Blick auf die Lage in der Ukraine.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein halbes Jahr nach der Invasion sehen wir mit Schrecken das Gegenteil: Die milit\u00e4rische Eskalationsschraube ist durch Waffenlieferungen gestiegen. Nicht Diplomatie bestimmt das Weltgeschehen, sondern die Herrschenden wollen eine Entscheidung auf den Schlachtfeldern. Selbst die gr\u00fcnen Parteien, die in Deutschland und \u00d6sterreich mitregieren, haben ihre pazifistischen Grundwerte aufgegeben und machten sich zu Bef\u00fcrwortern von Waffenlieferungen. So anders klingen da die Stimmen aus dem Bereich der katholischen Welt.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eKrieg ist nie eine Antwort!\u201c lautete auch unwidersprochen der Grundkonsens von Pax Christi seit dem Beginn der russischen Invasion in der Ukraine. Einen Monat nach der v\u00f6lkerrechtswidrigen Invasion schrieb die Pr\u00e4sidentin von Pax Christi International, Marie Dennis: \u201eDeeskalation, Diplomatie und Peace-building sind der einzige Ausweg, um einen Dritten Weltkrieg zu verhindern.\u201c Die pazifistischen Optionen klingen so anders als die herrschende Wirklichkeit. Gerade angesichts der kriegerischen Wirklichkeit brauche es nicht noch mehr Aufr\u00fcstung, sondern ein gewaltfreies Paradigma, das auf nicht-milit\u00e4rischen Grundhaltungen und Entscheidungen beruht. \u00d6fters wurde in Resolutionen und Stellungnahmen die pazifistische Zielrichtung vorgegeben: Friedensabkommen mit den Komponenten Waffenstillstand, Neutralit\u00e4t der Ukraine, laufende Verhandlungen \u00fcber die Krim und den Donbas sowie multilaterale Verhandlungen innerhalb der OSZE und zwischen Russland und der NATO \u00fcber regionale Sicherheitsvereinbarungen. Die USA, die Europ\u00e4ische Union, die T\u00fcrkei, China und andere L\u00e4nder sollten beiden Seiten helfen, sich&nbsp;in einem ausgehandelten Friedensabkommen sicher zu f\u00fchlen.<\/p>\n\n\n\n<p>Klaus Heidegger, 6. 9. 2022<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><img src='http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/freig-pace-768x1024.jpg' class='thumbnail' \/>Blicken wir auf die Positionierungen zur schrecklichen Kriegssituation in der Ukraine aus der Perspektive der Kirchen und der christlichen Welt, dann k\u00f6nnte ein Urteil kaum widerspr\u00fcchlicher sein. 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