{"id":7936,"date":"2022-09-14T17:19:28","date_gmt":"2022-09-14T17:19:28","guid":{"rendered":"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/?p=7936"},"modified":"2022-09-15T05:43:35","modified_gmt":"2022-09-15T05:43:35","slug":"ueber-drei-paesse-mit-dem-rennrad-von-feldkirch-nach-imst","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/?p=7936","title":{"rendered":"\u00dcber drei P\u00e4sse: Mit dem Rennrad von Feldkirch nach Imst"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Teil 1: Furkajoch (1759 m)<\/strong><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><a href=\"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/furk-3-scaled.jpg\"><img loading=\"lazy\" width=\"1024\" height=\"768\" src=\"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/furk-3-1024x768.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-7949\" srcset=\"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/furk-3-1024x768.jpg 1024w, http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/furk-3-300x225.jpg 300w, http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/furk-3-768x576.jpg 768w, http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/furk-3-1536x1152.jpg 1536w, http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/furk-3-2048x1536.jpg 2048w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<p>Zum Gl\u00fcck gibt es ab meinem Startpunkt in Tisis, knapp vor der Grenze zum F\u00fcrstentum Liechtenstein, hinein in die Stadt Feldkirch und dann durch das H\u00e4usermeer des dichtbesiedelten oberen Rheintals bis Rankweil meist Radfahrstreifen. Als ich losfahre, ist es noch dunkel. Im Morgengrauen komme ich nach Rankweil. M\u00e4chtig steht die Liebfrauenbergkirche wie eine Burg auf einem Felsen. Dort beginnt dann die Bergfahrt. Ich bin auf 480 m Seeh\u00f6he. 1200 H\u00f6henmeter verteilt auf 30 Kilometer werden es von Tisis bis zum Furkajoch sein. Damit liegt es etwas niederer als der Hohe Kasten, der markante Schweizer Aussichtsberg mit den Sendet\u00fcrmen im Osten des Rheintales. W\u00e4hrend ich mich die Serpentinen hinaufschraube, f\u00e4rben sich der Hohe Kasten und die Appenzeller Alpen in ein Morgengold. Dar\u00fcber steht der Vollmond. Ich denke an die Fahrt nach Paris, als wir auch an einem goldenen Morgen durch die Appenzeller Alpen fuhren. Heute f\u00fchrt mich die Fahrt nach Westen. Es geht hinauf nach Laterns und ins Laternsertal. Die Ortschaft Laterns soll die gr\u00f6\u00dfte von Vorarlberg sein, zugleich hat sie weniger als 700 Einwohner. Alpines Gel\u00e4nde, Almen und W\u00e4lder pr\u00e4gen das d\u00fcnnbesiedelte Tal. Atemberaubend tief unten ist die Schlucht, die \u201e\u00dcble Schlucht\u201c genannt wird. Tief hat sich die Frutz durch den harten Kieselkalk im Laufe von Jahrhunderten gefressen, wodurch links und rechts steile Felsw\u00e4nde entstanden: eine einsame Urlandschaft im Hinterhof der Menschenmenge vom Rheintal. Um diese Zeit und mitten in der Woche im September sind kaum Fahrzeuge unterwegs. So kann ich mich auch in den Tunnels und Galerien sicher f\u00fchlen. Langsam kommen die ersten Sonnenstrahlen. Tausende von Insekten werden von der Sonne beschienen und f\u00fchren ihre T\u00e4nze auf. Zum Gl\u00fcck scheinen sie schnell genug zu sein, damit ich nicht eines davon verschlucke. Meist ist die Stra\u00dfe hinauf zum Joch einspurig. Furkajoch 1759 m. Die Farben sind jetzt im Herbst fast un\u00fcberbietbar. Almb\u00f6den beginnen sich jetzt schon rot zu f\u00e4rben. Die steilen und schroffen Berge sind im Morgenlicht des Septembers besonders kontrastreich. \u00dcber all dem ein tiefblauer Himmel. H\u00e4tte ich nicht noch viel vor, k\u00f6nnte ich so Stunden verweilen. Obwohl am Passkiosk nicht mehr als vier Motorradfahrer Rast genommen haben, riecht es schon intensiv nach hei\u00df gemachten W\u00fcrsteln. 30 Kilometer.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Teil 2: Hochtannbergpass (1697 m)<\/strong><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><a href=\"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/furk-17-scaled.jpg\"><img loading=\"lazy\" width=\"768\" height=\"1024\" src=\"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/furk-17-768x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-7938\" srcset=\"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/furk-17-768x1024.jpg 768w, http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/furk-17-225x300.jpg 225w, http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/furk-17-1152x1536.jpg 1152w, http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/furk-17-1536x2048.jpg 1536w, http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/furk-17-scaled.jpg 1920w\" sizes=\"(max-width: 768px) 100vw, 768px\" \/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<p>Gef\u00fchlsm\u00e4\u00dfig beginnt nun der zweite Teil meiner Tagesfahrt. \u00dcber pr\u00e4chtige Almenlandschaft hinunter in den Bregenzerwald. Bei einer Kurve sp\u00fcre ich, dass vorne pl\u00f6tzlich die Luft ausgeht. Das k\u00f6nnte bei hoher Geschwindigkeit gef\u00e4hrlich sein. Patschenflicken ist angesagt. Allerdings l\u00e4sst sich mit der kleinen Pumpe nur wenig Bar in den Reifen pumpen. So suche ich mir unten im Tal einen Sporth\u00e4ndler und werde \u2013 nach einer kleinen Irrfahrt \u2013f\u00fcndig. Wieder kann ich auf 6 Bar aufpumpen und es f\u00fchlt sich gleich viel besser an. Ein H\u00e4ndler von Rennradschuhen sah meine sehr mitgenommenen Schuhe mit den durchgewetzten Sohlen und zeigt mir gleich seine neue Kollektion. Irgendwann wird es wirklich Zeit. Gut eine Stunde bin ich nun hinter meinen vagen Zeitberechnungen. Von Au im Bregenzerwald (807 m) geht es zum Hochtannbergpass auf 1697 m. Im Sommer und in Hauptverkehrszeiten m\u00f6chte ich solche Strecken nie mehr fahren. Ich erinnere mich ungern an meine letzte Fahrt \u00fcber diese Strecke an einem sch\u00f6nen Sp\u00e4tsommersonntag, als mir die Autos und Motorradfahrer um die Ohren fuhren. Heute ist es selbst auf der Bregenzerwald-Bundesstra\u00dfe angenehm zu fahren. Ich kann in die Landschaften eintauchen: wie ein Canyon fallen die Felsw\u00e4nde \u00fcber der Stra\u00dfe hinunter; dar\u00fcber sind imposante Gipfel; fast majest\u00e4tisch windet sich die Stra\u00dfe hinauf zur Passh\u00f6he. Oben ist ein Moorsee. Im S\u00fcden ist der Widderstein, den ich gestern vom Bodensee aus sehen konnte. Vom Hachtannbergpass ist er in der klaren Septemberbergluft zum Greifen \u2013 oder besser zum Besteigen \u2013 nahe. 70 Kilometer.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Teil 3: Hahntennjoch (1894 m)<\/strong><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><a href=\"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/furk-22-scaled.jpg\"><img loading=\"lazy\" width=\"1024\" height=\"768\" src=\"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/furk-22-1024x768.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-7950\" srcset=\"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/furk-22-1024x768.jpg 1024w, http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/furk-22-300x225.jpg 300w, http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/furk-22-768x576.jpg 768w, http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/furk-22-1536x1152.jpg 1536w, http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/furk-22-2048x1536.jpg 2048w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<p>Es geht aber weiter. Hinunter nach Warth. Heute f\u00e4llt mir besonders der Hausgipfel dieser Tourismusortschaft auf, der Biberkopf, der mit seinen grau-glatten Felsw\u00e4nden \u00fcber der Almenlandschaft thront. Er kommt geistig auf meine Bergzieleliste. Die Fahrt durch das Lechtal beginnt. In Holzgau vor den prunktvoll bemalten alten H\u00e4usern mache ich meine zweite Essenspause, wieder mit Weckerl und w\u00fcrzigem Bergk\u00e4se. Letzter passt einfach zu dieser Gegend. Mehrmals geht es \u00fcber die Lech. Bei Elmen (976 m) schlie\u00dflich beginnt der dritte Teil meiner Alpenp\u00e4ssefahrt. Allerdings steht dort ein Schild, dass der \u00dcbergang der Hahntenjochstra\u00dfe auf Imster Seite gesperrt ist. Kurz \u00fcberlege ich, was das f\u00fcr mich bedeutet. Die Option, nach Reutte zu fahren und dort eventuell \u00fcber Garmisch-Mittenwald einen Zug zu bekommen, ist mir zu unsicher. F\u00fcr die Fernpassvariante bin ich schon zu sp\u00e4t dran. Also entscheide ich mich, es doch \u00fcber das Joch zu versuchen. Ein Schild sagt, dass die Sperre nur zwischen 8.00 \u2013 und 19.00 Uhr sei. Der gro\u00dfe Vorteil ist, dass so gut wie keine Autos und Motorr\u00e4der unterwegs sind. Nur ein paar Rennradfahrer n\u00fctzen die Gelegenheit, einmal ungest\u00f6rt vom dr\u00f6hnenden L\u00e4rm der Cabrios und Motorr\u00e4der in die wunderbare Berglandschaft der Lechtaler Alpen zu fahren. Tief unten liegt die Schlucht des Bschlaber Tales. Vor mir die grauen Flanken der Lechtaler. Irgendwann, so denke ich mir, werde ich den Lechtaler H\u00f6henweg gehen und bei den vielen H\u00fctten vorbeikommen und auf einigen auch \u00fcbernachten. Ein Rennradfahrer aus dem Lechtal schlie\u00dft zu mir auf und wir reden fahrend miteinander. Er erz\u00e4hlt, dass er nun zum 30. Mal in diesem Sommer auf das Joch fahre. Ich f\u00fchle mich gar nicht m\u00fcde nach 120 Kilometern und fast 3300 H\u00f6henmetern. Wir reden \u00fcber den jetzigen Pfarrer von Elbigenalp, den wir beide gut kennen. Beide waren wir bei seiner Primiz. Er damals als Ministrant, ich als Alumne. Auch damals bin ich mit meinem ersten Rennrad aus Stahl von Innsbruck aus \u00fcber Holzleitensattel und Hahntennjoch nach Steeg gefahren. Oben hat es geschneit und ich hatte keine Handschuhe dabei. Gegen die K\u00e4lte, den Schnee und den Regen hatte ich einen weiten roten Poncho, der sich im Wind wie ein Segel aufblies. Heute ist die Ausr\u00fcstung unvergleichlich besser. Heute ist es warm. Meine Tr\u00e4ume von einer Gesellschaft, in der die Umwelt bewahrt und Gerechtigkeit gelebt wird, aber auch meine Tr\u00e4ume nach wertsch\u00e4tzenden Begegnungen sind wohl gleichgeblieben. \u00dcber die teilweise frisch geteerte Stra\u00dfe fahre ich die Panoramastrecke nach Imst hinunter. Heute geh\u00f6rt mir diese Strecke ganz alleine. Ein besonderes Erlebnis, wo die Natur, die steilen Felsw\u00e4nde mit viel Ger\u00f6ll darunter und die Latschenh\u00e4nge, noch besser auf mich wirken kann. Gesamtstrecke bis zum Bahnhof in Imst: 138 km und 3290 H\u00f6henmeter.<\/p>\n\n\n\n<p> <p>klaus.heidegger, Texte aus dem Sabbatical, #<span style=\"font-size: revert; color: initial;\">3    <\/span><\/p><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><img src='http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/furk-3-1024x768.jpg' class='thumbnail' \/>Teil 1: Furkajoch (1759 m) Zum Gl\u00fcck gibt es ab meinem Startpunkt in Tisis, knapp vor der Grenze zum F\u00fcrstentum Liechtenstein, hinein in die Stadt Feldkirch und dann durch das H\u00e4usermeer des dichtbesiedelten oberen Rheintals bis Rankweil meist Radfahrstreifen. Als ich losfahre, ist es noch dunkel. Im Morgengrauen komme ich nach Rankweil. 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