{"id":7981,"date":"2022-09-17T18:53:06","date_gmt":"2022-09-17T18:53:06","guid":{"rendered":"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/?p=7981"},"modified":"2022-09-19T04:58:43","modified_gmt":"2022-09-19T04:58:43","slug":"in-tiefen-und-hoehen","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/?p=7981","title":{"rendered":"in Tiefen und H\u00f6hen"},"content":{"rendered":"\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><a href=\"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/Steinmann-21-scaled.jpg\"><img loading=\"lazy\" width=\"1024\" height=\"768\" src=\"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/Steinmann-21-1024x768.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-7983\" srcset=\"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/Steinmann-21-1024x768.jpg 1024w, http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/Steinmann-21-300x225.jpg 300w, http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/Steinmann-21-768x576.jpg 768w, http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/Steinmann-21-1536x1152.jpg 1536w, http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/Steinmann-21-2048x1536.jpg 2048w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<p>aus den Tiefen<br>in die H\u00f6hen<br>von den H\u00f6hen<br>in die Tiefen<\/p>\n\n\n\n<p>in den Tiefen<br>mit Kraft aus den H\u00f6hen<br>gott* in den Tiefen<br>gott* in den H\u00f6hen<\/p>\n\n\n\n<p><em>klaus.heidegger, 18.9.2022<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>Die Berge, die mir die H\u00f6hen schenken und mich immer wieder zur\u00fcck in die Tiefen entlassen, sind mir vielf\u00e4ltige Metaphern und Sinnbilder f\u00fcr das, was ich erlebe. Sicher bin ich auch deswegen gerne auf und in ihnen unterwegs.<\/p>\n\n\n\n<p>Breche ich zu fr\u00fcher Stunde auf, ist es in mir wie das Gef\u00fchl, aus den erlebten Tiefen heraus zu kommen. Die aufgehende Sonne wird zur Metapher f\u00fcr die Sehnsucht nach Licht im Dunkeln und nach W\u00e4rme im Kalten.<\/p>\n\n\n\n<p>Beim H\u00f6hersteigen nehme ich eine Kraft in mir wahr, die mir hilft, die schweren Gedanken zu tragen. Das Herz schl\u00e4gt st\u00e4rker als die Gef\u00fchle, die es einengen. Ich sp\u00fcre in mir die alten Narben und jene immer neuen Wunden, die noch nicht verheilt sind.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr einige Stunden sehe ich nicht die Grenzen, die mir im wirklichen Leben immer wieder gesetzt werden, Grenzen, die wirkliche Begegnungen verhindern und einschr\u00e4nken. Am Gipfel eines Berges kann der Blick in die Weite oft grenzenlos sein wie die Gedanken und Gef\u00fchle, die so tief sind wie ein Blick hinunter in die Abgr\u00fcnde eines Berges. Ich lasse meine Tr\u00e4ume fliegen, als h\u00e4tten sie einen Gleitschirm, um dort zu landen, wo ihr Platz ist. Oberfl\u00e4chlichkeiten und Banalit\u00e4ten haben keinen Platz in der Wildnis der Berglandschaft, wo es auf schmalen Graten und in absch\u00fcssigem Gel\u00e4nde auf jeden Schritt und Tritt ankommt.  Die Urlandschaften sind nicht gez\u00e4hmt, wie menschliches Leben sehr oft, das eingeengt wird durch die Notwendigkeiten des Alltags oder das &#8222;man muss&#8220; und &#8222;man soll&#8220; und &#8222;man darf doch nicht&#8220;. Was in den Bergen z\u00e4hlt, das ist der Moment, der Augenblick.<\/p>\n\n\n\n<p>Wo ist mir nun Gott* in alledem? Oft h\u00f6rte ich den Spruch \u201ealle Wege f\u00fchren zu Gott, einer \u00fcber die Berge\u201c. Der Spruch passt nicht zu meinem Erleben. Die Orte und Zeiten, in denen mir Gott* begegnet, erlebe ich nicht als \u201eGloria in excelsis\u201c, wie es in den Kirchen kr\u00e4ftig gesungen wird. Bei einem \u201eEhre sei Gott in der H\u00f6he \u2026\u201c verstumme ich inzwischen. Die Gottkraft finde ich nicht in der H\u00f6he, sondern in den Tiefen, \u00fcberall dort, wo Menschen einander in den Erfahrungen der Tiefe st\u00fctzen und st\u00e4rken: wo heilende H\u00e4nde da sind, wenn jemand verwundet ist; wo vers\u00f6hnende Worte gefunden werden, wenn Streit zwischen Menschen ist; wo achtsam aufeinander geh\u00f6rt wird, wenn aneinander vorbeigeredet oder geschwiegen wird; wo tr\u00f6stende Gesten Tr\u00e4nen trocknen, wenn Entt\u00e4uschungen da sind; wo Zuneigung erfahren und gelebt wird, wenn Einsamkeit um sich greift. Es ist nicht mehr Gott \u201ein excelsis\u201c, sondern Gottkraft \u201ein caliginibus\u201c \u2013 Gott in den Finsternissen und Tiefen des Lebens. Gott* ist heilende Begegnung. Und wo diese nicht ist, ist Gott* nicht.<\/p>\n\n\n\n<p>An einen solche Wirklichkeit dachte wohl auch jener Philosoph, der vor fast genau 150 Jahren starb, und dessen Geist mich heute noch erfrischt. Ludwig Feuerbach postulierte die Diesseitigkeit gegen jede Jenseitsvertr\u00f6stung, die Konkretheit des G\u00f6ttlichen gegen jede Projektion. So suchte der Religionsphilosoph mehr die Begegnung mit den einfachen Menschen, mit Tagel\u00f6hnern und Arbeitern, als sich in universit\u00e4ren Vorlesungshallen zur\u00fcck zu ziehen. So pries er die Sinnlichkeit, die nicht im Widerspruch zum Geistigen sich stellt, sondern sich mit Geistigem in Einheit verbindet.<\/p>\n\n\n\n<p>Von einem Begegnungsgott im konkreten Alltag und in den Gebrochenheiten des Lebens erz\u00e4hlen uns immer wieder neu die Evangelien. Im heutigen Sonntagsevangelium (Lk 16,1-9) geht es um einen Verwalter, der entgegen den Vorschriften und Gesetzen den Verschuldeten aus der Not hilft. Entgegen einer herrschenden \u00f6konomischen Ausbeutungsmentalit\u00e4t agiert der Verwalter und wird so zu einem Prototyp einer neuen, einer anderen Gerechtigkeit. Jesus selbst war ein Mann, der in den Begegnungen zeigte, wo das Reich der Himmel \u2013 bzw. die g\u00f6ttliche Gegenw\u00e4rtigkeit \u2013 zu finden ist. In der Zuwendung zu den Kranken, den Schwachen, den Verarmten und Verzweifelten und im gemeinsamen Mahlhalten und Feiern.<\/p>\n\n\n\n<p><em>(klaus.heidegger, Sabbaticaltexte #6)<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><img src='http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/Steinmann-21-1024x768.jpg' class='thumbnail' \/>aus den Tiefenin die H\u00f6henvon den H\u00f6henin die Tiefen in den Tiefenmit Kraft aus den H\u00f6hengott* in den Tiefengott* in den H\u00f6hen klaus.heidegger, 18.9.2022 Die Berge, die mir die H\u00f6hen schenken und mich immer wieder zur\u00fcck in die Tiefen entlassen, sind mir vielf\u00e4ltige Metaphern und Sinnbilder f\u00fcr das, was ich erlebe. 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