{"id":8020,"date":"2022-09-23T09:26:06","date_gmt":"2022-09-23T09:26:06","guid":{"rendered":"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/?p=8020"},"modified":"2022-09-23T12:32:23","modified_gmt":"2022-09-23T12:32:23","slug":"mit-gott-oder-dem-mammon-einer-gewaltherrschaft-begegnen","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/?p=8020","title":{"rendered":"Mit Gott oder dem Mammon einer Gewaltherrschaft begegnen"},"content":{"rendered":"\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><a href=\"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/ross-7-scaled.jpg\"><img loading=\"lazy\" width=\"768\" height=\"1024\" src=\"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/ross-7-768x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-8007\" srcset=\"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/ross-7-768x1024.jpg 768w, http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/ross-7-225x300.jpg 225w, http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/ross-7-1152x1536.jpg 1152w, http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/ross-7-1536x2048.jpg 1536w, http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/ross-7-scaled.jpg 1920w\" sizes=\"(max-width: 768px) 100vw, 768px\" \/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<p>Das Land war besetzt. \u00dcberrannt von einer fremden Armee. S\u00f6ldnertruppen massakrierten. Sie wurden befehligt von einem Imperator und seinen Vasallen. Schon seit vielen Jahren. Eine brutale Besetzung. Eine furchtbare Besatzungszeit. Auch vor dieser Gewaltherrschaft gab es eine andere. Immer wollten die Gewaltherrscher ihre Sprache, ihre Kultur, ihre Ideologie den Eroberten aufzwingen. Die alten Wunden waren noch nicht geheilt. Es geschahen die schlimmsten Verbrechen. Frauen wurden vergewaltigt. M\u00e4nner, die sich wehrten, wurden auf grausame Weise get\u00f6tet. Zugleich verarmte der gr\u00f6\u00dfte Teil der Bev\u00f6lkerung. Es litt an Hunger. Das Volk der Unterdr\u00fcckten, Misshandelten, Ausgebeuteten war verzweifelt. Ein gewaltsamer Widerstand auf Seiten der Opfer schien legitim. Aufst\u00e4nde brachen aus und erh\u00f6hten doch wieder die Gewalt der Besatzer. War da nicht ein gewaltsamer Widerstand nicht nur gerechtfertigt, sondern sogar geboten?<\/p>\n\n\n\n<p>Da kam aber ein anderer mit einer so ganz anderen Botschaft und Strategie. Und er sprach Worte wie<\/p>\n\n\n\n<p><em>\u201eKein Sklave kann zwei Herren dienen; er wird entweder den einen hassen und den andern lieben, oder er wird zu dem einen halten und den andern verachten. Ihr k\u00f6nnt nicht beiden dienen, Gott und dem Mammon.\u201c (Lk 16,13)<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Liebe beim Friedensgebet Versammelte! Als ich mit meiner Predigt begann, habt ihr sicher gedacht: Jetzt spricht er vom Krieg in der Ukraine, \u00fcber das, was wir seit sieben Monaten t\u00e4glich in den Nachrichten h\u00f6ren und sehen. Von einem Imperator, der gegen jedes V\u00f6lkerrecht einen Staat \u00fcberf\u00e4llt, in dem S\u00f6ldnertruppen oder zum Krieg Gezwungene zerst\u00f6ren, morden, vergewaltigen. Es ist aber auch ein Land, das sich zur milit\u00e4rischen Gegenwehr legitimiert f\u00fchlt, in dem der Aggressor mit Waffengewalt bek\u00e4mpft wird, wo daraufgesetzt wird, den Gegner mit Waffengewalt niederzuringen.<\/p>\n\n\n\n<p>Pal\u00e4stina im ersten Jahrhundert und die Ukraine im 21. Jahrhundert. Es gibt die Analogien. Daher ist die klare Botschaft Jesu vom Gewaltverzicht gerade auch mit Blick auf die gegenw\u00e4rtigen Kriege wie ein bleibender Wegweiser.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Vers ist aus dem 16. Kapitel des Lukasevangeliums. Exegetisch gesehen d\u00fcrfte es ein typisches Jesuswort sein, das aus der Logienquelle Q stammt und von der lukanischen Redaktion in den Kontext von Gleichnissen und Reden gestellt worden ist. Typisch f\u00fcr die jesuanische Rhetorik ist eine radikale Kontraststellung. Es gibt nur: So oder so! Kein Dazwischen. Entweder Gott oder Mammon. Jesus paraphrasiert mit seinem Worten eine zu seiner Zeit gel\u00e4ufige rabbinische Redewendung: \u201eIhr k\u00f6nnt nicht Gott und Teufel dienen!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Mich haben diese bekannten Worte Jesu seit dem letzten Sonntag, als es in den katholischen Kirchen gelesen worden ist, besch\u00e4ftigt. Ich versuche sie mit Blick auf die aktuelle Kriegssituation in der Ukraine zu lesen. Dabei gilt es zwei Fragen zu beantworten. Erstens: Wer oder was ist der Mammon? Und zweitens: Wer ist Gott bzw. das, was f\u00fcr das G\u00f6ttliche steht?<\/p>\n\n\n\n<p>Der Mammon bzw. das Teuflische hat mit der j\u00fcngsten Rede von Wladimir Putin, in dem er zum einen eine Teilmobilmachung anordnete und zum zweiten dem Westen mit dem Einsatz taktischer Atomwaffen drohte, einen Namen. Der Mammon sind die Atomwaffen. Wer immer auf die Abschreckung durch Atomwaffen setzt oder mit dem Einsatz von taktischen Atomwaffen droht, unterwirft sich dem Teuflischen. Dem Mammon dienen, das bedeutet, sich auf die milit\u00e4rische Logik einzulassen: Gewalt mit Gewalt zu beantworten, Waffen gegen Waffen, Panzer gegen Panzer, Artillerie gegen Artillerie, Kampfflugzeuge gegen Kampfflugzeuge, Soldaten gegen Soldaten. Ganz in dieser Logik steht die Mobilmachung von Putin. In dieser Logik stehen aber auch die massiven Waffenlieferungen, die einen Angriffskrieg nicht stoppen, sondern nur verl\u00e4ngern und eskalieren lassen.<\/p>\n\n\n\n<p>Was k\u00f6nnte Jesus meinen, wenn er davon sprach, Gott zu dienen? Es hie\u00dfe wohl, sich auf eine andere Logik einzulassen. Was ist die jesuanische Strategie angesichts von milit\u00e4rischen Eroberungen, Besetzungen, Zerst\u00f6rungen, Gewalttaten?<\/p>\n\n\n\n<p>Es bedeutet, selbst die Feinde zu lieben, wie Jesus in der Bergpredigt meinte. Aus Feinden Freunde machen. Es ist m\u00f6glich! Den Feind nicht bezwingen, sondern ihn zur Umkehr bewegen.<\/p>\n\n\n\n<p>Es bedeutet, die andere Wange hinzuhalten &nbsp;nicht im Sinne einer Akzeptanz von Unrecht und Gewalt, sondern einer wirkungsvollen Strategie der Entfeindung, an deren Ende es nicht Sieger und Besiegte gibt, sondern Vers\u00f6hnung.<\/p>\n\n\n\n<p>Es bedeutet die jesuanische Warnung ernst zu nehmen, die lautet: \u201eWer zum Schwert greift, wird selbst durch das Schwert umkommen\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>Heute vor fast genau sieben Monaten sind wir auch hier in der Spitalskirche beim Friedensgebet gewesen. Wir haben gehofft und gebetet, dass es zu keinem Krieg kommt. Zwei Tage sp\u00e4ter, am 24. 2., kam er dann doch. Nun haben wir viele Monate Krieg in Europa erlebt. Millionen Menschen sind geflohen. Kriegsverbrechen wurden begangen. Unvorstellbare Grausamkeiten. Tausende Menschen sind in den Kampfhandlungen und auf den Schlachtfeldern get\u00f6tet worden. Auf beiden Seiten! Gro\u00dfe St\u00e4dte wurden in Schutt und Aschen gelegt. Zur\u00fcck bleiben zerst\u00f6rte Landstriche. Es gibt keine milit\u00e4rische L\u00f6sung<\/p>\n\n\n\n<p>In all dem Kriegsgeheule der vergangenen sieben Monate war Papst Franziskus eine so wichtige Stimme, die nicht auf die milit\u00e4rische Karte gesetzt hat.<\/p>\n\n\n\n<p><em>&nbsp;\u201eDer Friede ist m\u00f6glich, wenn die Waffen schweigen und der Dialog beginnt.\u201c<\/em> &nbsp;Sagte Franziskus am Sonntag beim Angelus-Gebet vergangenen Sonntag. Und letzte Woche bei einem Treffen in Kasachstan meinte Papst Franziskus: \u201eIch schlie\u00dfe den Dialog mit einer Macht, die Krieg f\u00fchrt, nicht aus, auch wenn es der Angreifer ist.\u201c Es bestehe immer die M\u00f6glichkeit, dass der Dialog den Verlauf der Dinge \u00e4ndere. Dass er neue Perspektiven und neue \u00dcberlegungen er\u00f6ffne. Wenn es den Dialog nicht gebe, gebe es Ignoranz oder Krieg.<\/p>\n\n\n\n<p>Auf Dialog zu setzen inmitten von einer milit\u00e4rischen Eskalation, die wir heute gerade erleben, das bedeutet wohl: Gott und nicht dem Mammon zu dienen.<\/p>\n\n\n\n<p>Amen<br>(Ansprache beim Friedensgottesdienst in der Spitalskirche in Innsbruck, 22.9.2022)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><img src='http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/ross-7-768x1024.jpg' class='thumbnail' \/>Das Land war besetzt. \u00dcberrannt von einer fremden Armee. S\u00f6ldnertruppen massakrierten. Sie wurden befehligt von einem Imperator und seinen Vasallen. Schon seit vielen Jahren. Eine brutale Besetzung. Eine furchtbare Besatzungszeit. Auch vor dieser Gewaltherrschaft gab es eine andere. Immer wollten die Gewaltherrscher ihre Sprache, ihre Kultur, ihre Ideologie den Eroberten aufzwingen. 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