{"id":8105,"date":"2022-10-08T21:44:29","date_gmt":"2022-10-08T21:44:29","guid":{"rendered":"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/?p=8105"},"modified":"2023-06-13T12:53:27","modified_gmt":"2023-06-13T12:53:27","slug":"jakobus-der-dom-von-innsbruck-und-die-kriege-in-der-welt","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/?p=8105","title":{"rendered":"Jakobus, der Dom von Innsbruck und die Kriege in der Welt"},"content":{"rendered":"\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><a href=\"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2022\/10\/20221007_170935-2-scaled.jpg\"><img loading=\"lazy\" width=\"768\" height=\"1024\" src=\"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2022\/10\/20221007_170935-2-768x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-8106\" srcset=\"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2022\/10\/20221007_170935-2-768x1024.jpg 768w, http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2022\/10\/20221007_170935-2-225x300.jpg 225w, http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2022\/10\/20221007_170935-2-1152x1536.jpg 1152w, http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2022\/10\/20221007_170935-2-1536x2048.jpg 1536w, http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2022\/10\/20221007_170935-2-scaled.jpg 1920w\" sizes=\"(max-width: 768px) 100vw, 768px\" \/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<p>Die Fernsehbilder vom Krieg in der Ukraine in den vergangenen Monaten sind kaum zu ertragen. Wie viel schrecklicher noch muss die Wirklichkeit sein, die wir nicht in den \u00fcbertragenen Bildern sehen: die zerschossenen K\u00f6rper von Soldaten, die Verst\u00fcmmelungen, das Leid der Menschen in den Spit\u00e4lern und der Schmerz, wenn Kinder ihre V\u00e4ter verlieren oder Eltern ihre Kinder oder der Geliebte nicht mehr da sein wird. Die milit\u00e4rische Eskalation geht weiter. Die Schrauben von Gewalt und Gegengewalt drehen sich. Die Waffenarsenale werden aufgestockt.<\/p>\n\n\n\n<p>Mit solchen beunruhigenden Kriegsbildern im Kopf stehe ich 23 Meter \u00fcber dem Boden auf dem Ger\u00fcst, das zur Renovierung der Deckenfreskos im Innsbrucker Dom aufgebaut ist. Ganz nahe sehe ich die frisch ges\u00e4uberten Gem\u00e4lde, die vor 300 Jahren entstanden und nach den Bombensch\u00e4den des Zweiten Weltkriegs wieder restauriert worden sind. Besonders dramatisch dargestellt ist der H\u00f6llensturz im s\u00fcdlichen Teil des Langhauses. Der Erzengel Michael st\u00f6\u00dft zwei kr\u00e4ftige M\u00e4nner in die H\u00f6lle. Einem davon ragt eine Schwertspitze aus dem nackten K\u00f6rper und er greift sich auf den Kopf, aus dem ein halbes Dutzend gr\u00e4sslicher Schlangen sich windet. Gott als Himmelvater scheint seinen g\u00f6ttlichen Segen dazu zu geben und es ist, als w\u00fcrde darunter der Hl. Jakobus \u2013 der Star dieser Kirche \u2013 den blaugewandeten Erzengel zu dieser Aufgabe des H\u00f6llensturzes schicken. Die Volks-Theologie dahinter: MICHA-EL \u2013 das hei\u00dft \u00fcbersetzt \u201eso ist Gott\u201c \u2013 zeigt, was Gott will: Die B\u00f6sewichte werden bestraft. \u201ePUTIN GO TO HELL\u201c, las ich bereits mehrmals auf irgendwelchen Graffitis. Da passt auf der s\u00fcdwestlichen Seite des Gem\u00e4ldes dann auch der Engel dazu, der in seiner starken Hand und mit einem extrem muskul\u00e4ren Arm ein Schwert in die H\u00f6he h\u00e4lt. Unter ihm das Waffenarsenal der Ritterzeit: Helm und Hellebarden. Dazu passt auch das Gem\u00e4lde in der Chorkuppel, das Jakobus auf einem wei\u00dfen Kampfross und als strahlenden Sieger \u00fcber die Mauren darstellt. Auf seinem Ritterhelm ist ein goldgl\u00e4nzendes Kreuz. Der Apostel Jakobus wird als Kreuzritter gegen die Muslime stilisiert. War aber der zentrale J\u00fcnger Jesu nicht viel mehr in der Tradition des jesuanischen Gewaltverzichts? Zur Nachfolge Jesu passen besser die Fresken in der mittleren H\u00e4lfte des Langhauses. Sie zeigen die Legenden, wo Jakobus einem jungen Mann, der Opfer einer Verschw\u00f6rung durch eine in ihn verliebte Frau wird, vom Galgen rettet.<\/p>\n\n\n\n<p>Bislang sah ich die Fresken immer nur von tief unten. Da glaubte man auch, dass die Decke aus hohen Kuppeln bestehe. Doch ist das eigentlich wie ein Fake. Durch Perspektivenmalerei wird dieser Eindruck erweckt. Tats\u00e4chlich ist es eine Flachdecke. Es w\u00e4re w\u00fcnschenswert, wenn wir in unserem religi\u00f6sen Sprechen heute und im Handeln der Kirche in der Gegenwart wieder unterscheiden k\u00f6nnten: Was ist das, was Jesus in seiner Nachfolge erwartet \u2013 und was ist das Gegenteil davon. Dort, wo Gewalt \u2013 auch als Gegengewalt \u2013 religi\u00f6s legitimiert wird, dort ist wohl kein Bezug zum gewaltfreien Leben Jesu und zu seiner Lehre vom Gewaltverzicht gegeben. Vom Dompropst Florian Huber selbst stammt die Aussage: \u201eWir sagen immer,&nbsp; dass wir aus der Geschichte lernen. Religi\u00f6se Gewalt ist heute nicht mehr gerechtfertigt. Das haben noch nicht alle gelernt.\u201c Die Eskalation in der Art der Kriegsf\u00fchrung in der Ukraine mit enormen R\u00fcstungsanstrengungen ist ein Beweis, dass milit\u00e4rische Mittel kontraproduktiv sind. Es br\u00e4uchte andere L\u00f6sungen, jene, die Jakobus als Wanderprediger gelebt und gelehrt hat.<\/p>\n\n\n\n<p>klaus.heidegger, 8. Oktober 2022<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><img src='http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2022\/10\/20221007_170935-2-768x1024.jpg' class='thumbnail' \/>Die Fernsehbilder vom Krieg in der Ukraine in den vergangenen Monaten sind kaum zu ertragen. 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