{"id":8166,"date":"2022-11-02T21:26:07","date_gmt":"2022-11-02T21:26:07","guid":{"rendered":"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/?p=8166"},"modified":"2023-10-30T05:05:44","modified_gmt":"2023-10-30T05:05:44","slug":"bergradeln-in-sardinien-teil-2","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/?p=8166","title":{"rendered":"Bergradeln auf Sardinien &#8211; Teil 2"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Tag 1: Sardinienreise mit Rad, Bus und F\u00e4hre<\/strong><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><a href=\"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/20221023_155414-scaled.jpg\"><img loading=\"lazy\" width=\"1024\" height=\"768\" src=\"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/20221023_155414-1024x768.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-8167\" srcset=\"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/20221023_155414-1024x768.jpg 1024w, http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/20221023_155414-300x225.jpg 300w, http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/20221023_155414-768x576.jpg 768w, http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/20221023_155414-1536x1152.jpg 1536w, http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/20221023_155414-2048x1536.jpg 2048w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<p>\u201eWie kann ich verantwortlich und \u00f6kologisch-ethisch korrekt verreisen?\u201c, frage ich mich stets, wenn ich ein neues Land entdecken m\u00f6chte. Mein Nachdenken dar\u00fcber soll nicht Kritik an jenen sein, die mit Flieger und Auto unterwegs sind. Wo die Grenzen liegen, ist stets Sache des individuellen Gewissens und der Einstellung sowie der Lebensumst\u00e4nde. Mein Zeitbudget l\u00e4sst es eben zu, mir f\u00fcr eine Anreise mehr Stunden zu g\u00f6nnen, und meine Leidenschaft f\u00fcr ein m\u00f6glichst intensives Naturerleben sowie die k\u00f6rperlichen Voraussetzungen legen ohnehin eine sportliche Variante mit Rad nahe. Jedenfalls f\u00fchle ich mich dem Ma\u00dfstab verpflichtet, den \u00f6kologischen Fu\u00dfabdruck klein zu halten, was mit einem Flugzeug gar nicht ginge. Sardinien ist ein Land, das ohne Flugreise und ohne Auto gut erreichbar ist und dann vor Ort mit Rad ideal bereist werden kann. Auch \u00f6ffentliche Verkehrsmittel w\u00fcrden sich dort anbieten. Die Fahrt zu einem der F\u00e4hrh\u00e4fen in Italien mit Zug w\u00e4re so kompliziert bzw. fast nicht m\u00f6glich, wenn ein Fahrrad mitgenommen werden sollte. So also bietet sich wieder FlixBus an. Mir ist bewusst, dass auch dies mit \u00f6kologischen Belastungen verbunden ist.<\/p>\n\n\n\n<p>FlixBus hat zwar mit Elektrobussen ein paar Pilotprojekte realisiert, doch ist dies wohl nicht mehr als ein Tropfen auf die von der Erderhitzung gl\u00fchenden Steine. Die \u00d6kobilanz sieht bei Fernbusreisen besser als bei Zugreisen aus. Ein schaler Beigeschmack sind wohl die Arbeitsbedingungen. Die Busfahrer arbeiten im Schichtbetrieb. In \u00d6sterreich liegt der Kollektivlohn steigend bei 2.300, Euro brutto. Die osteurop\u00e4ischen Fahrer verdienen noch wesentlich weniger und irgendwo las ich einmal, dass bei 180 Stunden, also in vier Wochen, der Stundenlohn von 5,60 bis 9,40 Euro pendelt. Kein Wunder, dass einige der FlixBusfahrer nicht gerade ein Musterbeispiel f\u00fcr H\u00f6flichkeit und Freundlichkeit sind. Auch die Busfahrer auf unserer Fahrt kommen aus Osteuropa. Sie haben kein Interesse an Durchsagen. Die Zeiten sind knapp bemessen, Pausen werden keine gemacht. Unser Bus f\u00e4hrt \u00fcberp\u00fcnktlich um 4.50 Uhr in Innsbruck ab und soll um 12.30 Uhr in Genua ankommen. Einen kurzen Aufenthalt haben wir in Verona, wo wir umsteigen. Der R\u00e4dertransport funktioniert reibungslos. Die R\u00e4der werden in der unteren Ladefl\u00e4che verstaut, was mir ohnehin lieber ist als eine Au\u00dfenaufh\u00e4ngung.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Bus ist voll besetzt. Auf unseren reservierten Pl\u00e4tzen schlafen schon Leute. Wir hocken uns getrennt auf andere Sitzpl\u00e4tze. So wecken wir niemanden auf. Ich setze mir zur Sicherheit die MNS-Maske auf. Mir ist die Landschaft vertraut und selbst mit geschlossenen Augen glaube ich die Strecke hinauf auf den Brenner, hinunter durch das Eisacktal und weiter durch das Etschtal zu erkennen. Der Bus f\u00e4hrt die Route zum Gardasee, dann durch die Poebene und schlie\u00dflich 45 Minuten lang durch eine h\u00fcgelige Landschaft, bevor Genua auftaucht mit H\u00e4usern, die wie Berge hinter der K\u00fcste aufget\u00fcrmt sind. Eine Stunde hat der Bus Versp\u00e4tung. Aber das macht nichts. Erst um 20.30 Uhr wird die F\u00e4hre starten und zwei Stunden vorher sollen wir dort am Hafen sein. Das Gef\u00fchl, mit dem Rad auf das riesige F\u00e4hrschiff zu fahren, ist k\u00f6niglich.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Tag 2: Porto Torres, Alghero und eine spektakul\u00e4re Landzunge: erste Begegnung mit Sardinien<\/strong><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><a href=\"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/20221023_182225-scaled.jpg\"><img loading=\"lazy\" width=\"768\" height=\"1024\" src=\"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/20221023_182225-768x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-8177\" srcset=\"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/20221023_182225-768x1024.jpg 768w, http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/20221023_182225-225x300.jpg 225w, http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/20221023_182225-1152x1536.jpg 1152w, http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/20221023_182225-1536x2048.jpg 1536w, http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/20221023_182225-scaled.jpg 1920w\" sizes=\"(max-width: 768px) 100vw, 768px\" \/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<p>Sonntagmorgen, 7.00 Uhr. Es ist warm wie im Sommer. Wir landen zun\u00e4chst bei einem Kaffee im Hafengebiet, bevor unsere Radreise beginnt, zun\u00e4chst entlang eines Trails in einer Kakteenallee, durch die mediterrane Macchia, dann meist flach auf Landstra\u00dfen nach Alghero, dem ersten Etappenort. In der Siestazeit kommen wir dort an, finden auch gleich ein B&amp;B und einen Supermarkt und beschlie\u00dfen, die andere H\u00e4lfte des Sonntags f\u00fcr eine landschaftlich sch\u00f6ne Fahrt zum Capo Caccia zu n\u00fctzen \u2013 hin und zur\u00fcck weitere 50 Kilometer. Zun\u00e4chst geht es der Strandpromenade entlang, wo Palmen prallvoll mit den orangefarbenen Fr\u00fcchten sind, und ein kilometerlanger Strand mit feinem wei\u00dfem Sand. Bei Fertilia ist eine steinerne R\u00f6merbr\u00fccke, von der noch Zweidrittel erhalten snd. Etwas weiter fahren wir an einem Nuraghen-Komplex vorbei \u2013 eine der arch\u00e4ologischen St\u00e4tten, die Zeugen von der fr\u00fchen Besiedelung Sardiniens durch die Nuraghen sind. Es geht durch eine eindrucksvolle Landschaft mit einem Wald aus Pinien und bl\u00fchendem Ginster. Das Capo Caccia ist eine spektakul\u00e4re Landzunge und der Panoramablick von einer hohen Klippe \u00fcber der Steilk\u00fcste hinaus aufs Meer ist spektakul\u00e4r. Bei der R\u00fcckfahrt testen wir das Meer. Es ist warm genug, um im Meer zu schwimmen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Tag 3: Alghero und die K\u00fcstenfahrt nach Bosa<\/strong><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><a href=\"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/20221024_145256-scaled.jpg\"><img loading=\"lazy\" width=\"768\" height=\"1024\" src=\"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/20221024_145256-768x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-8168\" srcset=\"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/20221024_145256-768x1024.jpg 768w, http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/20221024_145256-225x300.jpg 225w, http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/20221024_145256-1152x1536.jpg 1152w, http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/20221024_145256-1536x2048.jpg 1536w, http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/20221024_145256-scaled.jpg 1920w\" sizes=\"(max-width: 768px) 100vw, 768px\" \/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<p>Alghero ist die Stadt, in der kurz vor seinem Tod ein paar Monate Antoine de Saint-Exup\u00e9ry \u2013 einer meiner Lieblingsdichter \u2013 lebte, mit dem ich die Geschichte vom \u201eKleinen Prinzen\u201c verbinde. Tats\u00e4chlich ging ich gestern mit einem Blick nach oben von der Pizzeria heimw\u00e4rts, um die Sterne zu sehen. Der Himmel ist hier so eindrucksvoll dunkel und nicht mit Licht verschmutzt. Der historische Kern der Altstadt wird von einer dicken Mauer umschlossen. Darin sind schmale Gassen \u2013 oftmals mit Steinstufen. Man spricht hier teilweise noch Katalanisch und Stra\u00dfenbeschilderungen sind zweisprachig. Es zieht mich in die Kathedrale. M\u00e4chtige S\u00e4ulen sind imposanter Teil der klassizistischen Fassade. Ein prunkvoller silberner Altar ist im Zentrum unter der Kuppel, dahinter eine heldenhafte Statue von Maria, die triumphierend den Drachen unter ihr zerdr\u00fcckt. F\u00fcr mich ist all dies kein Andachtsraum, sondern wie ein Bilderbuch von einer bestimmten historischen Entwicklung, in der sich \u2013 gerade in der Barockzeit \u2013 die katholische Kirche als allherrschende, triumphierende Kirche verstand und wohl auch entsprechend auftrat.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Komot-Navigationssystem gibt uns gleich aus der Fahrt von Alghero heraus einen kurzen Single-Trail vor, der zwar unn\u00f6tig ist, aber so k\u00f6nnen wir auf den vom Salz ausgewaschenen Felsen gut Abschied nehmen von der Stadt mit Blick hin\u00fcber auf die Landzunge, wo wir am Tag zuvor waren. Ohne die vorgegebene Route h\u00e4tten wir auch nicht den Trail zwischen den baumhohen Kakteen, duftenden Str\u00e4uchern, durch einen Olivenhain und dann wieder auf kleinen Str\u00e4\u00dfchen entdeckt. Irgendwo am Endpunkt einer Stra\u00dfe und vor einem der Trails, der kaum mehr befahrbar war, meinte ein hier lebender Amerikaner auf unsere Frage, ob wir da fahren k\u00f6nnen: \u201eYou can, you look adventourous!\u201c Die zweite H\u00e4lfte der Route fahren wir dann auf der K\u00fcstenstra\u00dfe, die in Reisef\u00fchrern als sch\u00f6nste Uferstra\u00dfe Sardiniens angepriesen wird. Das Wetter ist perfekt zum Radeln. Nur wenige Autos sind unterwegs. Kaum Motorr\u00e4der. Tiefblau-t\u00fcrkisgr\u00fcn ist das Meer, das an manchen Stellen gut hundert Meter unter uns liegt. Vor Bosa, unserem zweiten geplanten Etappenort auf Sardinien, ist die Landschaft fr\u00fchlingshaft gr\u00fcn mit wei\u00dfbl\u00fchenden Str\u00e4uchern. Die buntgef\u00e4rbten H\u00e4user der Altstadt liegen unterhalb einer m\u00e4chtigen Burg. Die Gassen mit der schon von Alghero bekannten Bepflasterungsweise \u2013 kleine runde Steine zwischen den glattpolierten gro\u00dfen Pflastersteinen, die eine Fahrspur bilden. In einem der alten H\u00e4user ist unser B&amp;B. Es ist noch gen\u00fcgend Zeit, um gem\u00fctlich den Tag am Strand von Bosa mit Schwimmen und Sandliegen in Sonnenuntergangsstimmung ausklingen zu lassen. Eine Pizza am Hauptplatz darf aber auch nicht fehlen \u2013 und irgendwie geh\u00f6rt auch ein Platten im Rad dazu bei all den spitzen Stacheln und Scherben, \u00fcber die wir heute doch gefahren sind.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Tag 4: Von Bosa nach Villanova<\/strong><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><a href=\"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/20221025_100847-scaled.jpg\"><img loading=\"lazy\" width=\"768\" height=\"1024\" src=\"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/20221025_100847-768x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-8169\" srcset=\"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/20221025_100847-768x1024.jpg 768w, http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/20221025_100847-225x300.jpg 225w, http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/20221025_100847-1152x1536.jpg 1152w, http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/20221025_100847-1536x2048.jpg 1536w, http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/20221025_100847-scaled.jpg 1920w\" sizes=\"(max-width: 768px) 100vw, 768px\" \/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<p>Auf Trails und einsamen Wegen und durch unber\u00fchrte Naturlandschaften geht es heute. Die Mountainbikes und unser leichtes Gep\u00e4ck passen dazu. Das Fr\u00fchst\u00fcck im Kaffee am Temo-Fluss \u2013 typisch italienisch mit Cappuccino und Croissant \u2013 ist wohl nicht die beste Grundlage f\u00fcr unser sportliches Unternehmen. Ohne die Navigation mit Komot und die aufgezeichnete Route h\u00e4tten wir nie eine solche Route gefunden und auch nicht gewagt. Zun\u00e4chst geht es dem Temo-Fluss entlang. Es ist k\u00fchler als an den beiden letzten Tagen. Irgendwo werden Oliven von einem der vielen Olivenb\u00e4ume gesch\u00fcttelt und auf einer Decke aufgefangen. Die Struktur des Tales vor uns ist ersichtlich. Bald ist der Fluss tief unter uns. Alles ist dicht bewachsen. Steineichenw\u00e4lder, eine F\u00fclle an Str\u00e4uchern und B\u00fcschen, bl\u00fchende Blumen und eine \u00fcppige Fr\u00fcchtezahl an manchen B\u00e4umen, deren Namen ich gar nicht kenne. Die Route ist nicht offiziell. Immer wieder bedeutet dies, \u00fcber Z\u00e4une zu klettern, die ein Weiterkommen begrenzen w\u00fcrden. In einem Wald riecht es intensiv nach Wildschweinen und wir sehen die frischen F\u00e4hrten am Weg. Immer wieder ist der Weg zu steil oder zu ausgewaschen, um darauf fahren zu k\u00f6nnen. Aber das macht nichts. Wir haben Zeit und nehmen sie uns und k\u00f6nnen so die Sch\u00f6nheit und \u00f6kologische Einzigartigkeit dieses Naturreservates besser erleben.<\/p>\n\n\n\n<p>Montrosta hei\u00dft die kleine Ortschaft, in der wir mittags ankommen, wo wir uns in einem Alimentari mit Mozzarella, Tomaten, Oliven und Brot versorgen. Der freundliche Ladenbesitzer spricht Deutsch, weil er einig Jahre in Solingen als Gastarbeiter war. Lieber sei er hier, sagte er, und scheint wirklich ganz gl\u00fccklich zu sein. Bei der Weierfahrt entlang eines Feldweges stellt sich uns ein weiteres Hindernis in den Weg: eine Kuhherde, die nicht von der Stra\u00dfe weichen will und ungewollt erschreckt vor uns die l\u00e4ngste Zeit vor uns dahin trampelt. Links und rechts des Weges sind Stacheldrahtz\u00e4une und weder wir Biker noch die K\u00fche k\u00f6nnen ausweichen. Nachdem dieses eine Hindernis hinter uns ist, kommt bald wieder ein Zaun, \u00fcber den wir unsere R\u00e4der hieven. Es wird sp\u00e4tnachmittags, bis wir so, ganz erf\u00fcllt mit Natur und abenteuerlicher Fahrt, in dem Bergst\u00e4dtchen Villanova ankommen, ebendort ein B&amp; finden und wohl die einzigen Touristen in der Stadt sind. Die Pizzeria ist der Treffpunkt f\u00fcr die wenigen Einheimischen, in der auch wir uns wohlf\u00fchlen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Tag 5: Von Villanova nach Sassari<\/strong><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><a href=\"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/20221026_090942-scaled.jpg\"><img loading=\"lazy\" width=\"768\" height=\"1024\" src=\"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/20221026_090942-768x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-8170\" srcset=\"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/20221026_090942-768x1024.jpg 768w, http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/20221026_090942-225x300.jpg 225w, http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/20221026_090942-1152x1536.jpg 1152w, http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/20221026_090942-1536x2048.jpg 1536w, http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/20221026_090942-scaled.jpg 1920w\" sizes=\"(max-width: 768px) 100vw, 768px\" \/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<p>Cappuccino und Croissant \u2013 das, was in Italien und damit auch auf Sardinien \u2013 als Fr\u00fchst\u00fcck gilt. Die Herbstsonne schafft es gerade, \u00fcber die H\u00e4user zu kommen. Ein paar \u00e4ltere Herren \u2013 manche mit MNS-Masken \u2013 pflegen Gemeinschaft. \u201eVENDETI\u201c steht auf manchen verfallenden H\u00e4usern. Wir folgen der vorgegebenen und aufgezeichnete Route mit Sprachnavigation. Die versteckten Trails lie\u00dfen sich anders nicht finden. Manchmal enden sie in unpassierbaren Strecken. Die Landschaft ist uns schon etwas vertraut geworden: die mediterrane Macchia, die Steineichenw\u00e4lder mit den B\u00e4umen, denen die Korkrinde am Stamm entnommen worden ist, die bl\u00fchenden Blumen, so als w\u00e4re Fr\u00fchling, die bellenden Hirtenhunde und ihre Schafherden, das tiefe Gr\u00fcn \u2013 so als w\u00fcrde sich die Natur von den Hitzemonaten des vergangenen Sommers mit aller Kraft erholen. Zwischendrin ist eine Ortschaft, in der wir uns f\u00fcr das Mittagessen eindecken, das wir an einem wunderbaren Platz bei einem kleinen Bach genie\u00dfen. Den Herbst erkennen wir eigentlich nur an den braunen Bl\u00e4ttern bei den Weinbergen, ansonsten ist alles wieder fr\u00fchlingshaft gr\u00fcn \u2013 selbst die Artischockenfelder in einem ganz besonderen Gr\u00fcn.<\/p>\n\n\n\n<p>Sassari mit seinen 125.000 Einwohner:innen wirkt nach all der Einsamkeit der letzten Tage riesengro\u00df. Aber auch das geh\u00f6rt zu Sardinien. Universit\u00e4tsgeb\u00e4ude, volle Stra\u00dfen, Gesch\u00e4fte, breite Stra\u00dfen und dann wieder enge Gassen in der historischen Altstadt. Nun \u00fcbernachten wir schon im f\u00fcnften B&amp;B. Zum Unterschied von Hotels hat jede dieser Unterk\u00fcnfte einen ganz besonderen Charme und eine pers\u00f6nliche Atmosph\u00e4re.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Tag 6: Von Sassari nach Castelsardo<\/strong><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><a href=\"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/20221027_160153-scaled.jpg\"><img loading=\"lazy\" width=\"768\" height=\"1024\" src=\"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/20221027_160153-768x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-8171\" srcset=\"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/20221027_160153-768x1024.jpg 768w, http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/20221027_160153-225x300.jpg 225w, http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/20221027_160153-1152x1536.jpg 1152w, http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/20221027_160153-1536x2048.jpg 1536w, http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/20221027_160153-scaled.jpg 1920w\" sizes=\"(max-width: 768px) 100vw, 768px\" \/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<p>In einer der l\u00e4rmenden Stra\u00dfen von Sassari haben wir das zweite B von B&amp;B. So anders ist es hier als gestern beim Fr\u00fchst\u00fcck. Gef\u00fchlt Tausende Menschen in Tausenden Autos eilen zu ihren Orten. Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler schl\u00fcrfen zur Schule, Studierende selbstbewusst auf dem Weg zur Uni und etliche, wie wir, die noch davor in einem Caf\u00e9 eine morgendliche St\u00e4rkung nehmen, die auch in der Begegnung mit einem Menschen liegt.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir beginnen die Fahrt mit Sightseeing durch die engen Altstadtgassen von Sassari zum Dom St. Nicolo. W\u00fcrden wir den Weg auf der Stra\u00dfe nehmen, dort, wo die Autos fahren, w\u00e4ren wir wohl in kurzer Zeit an der K\u00fcste bei Castelsardo. Komot gibt aber eine spannende Route vor. 39 Kilometer klingt nicht nach viel, 990 H\u00f6henmeter sagt schon mehr aus, aber wir wissen inzwischen, dass Komot im Profi-Modus extreme Wege vorschl\u00e4gt und die Zeitangaben v\u00f6llig unrealistisch sind. Wieder wird die Landschaft au\u00dferhalb der Stadt wundersch\u00f6n und manche Wege und Pfade so grobsteinig oder steil, dass sie nicht mehr befahrbar sind. Irgendwo taucht eine Stadt auf einem H\u00fcgel vor uns auf, irgendwo \u2013 und das ist oft \u2013 bellt uns ein Hirtenhund an, der seine Schafherde bewacht, irgendwo entdecken wir auf einem grasgr\u00fcnen Feld eine Eselherde und mittendrin auch den f\u00fcr Sardinien bekannten wei\u00dfen Esel, irgendwo ist ein aufgelassen Bergwerk. Eidechsen huschen \u00fcber die Wege. Es gibt auf Sardinien nirgends \u2013 so wie bei uns \u2013 beschilderte Wege. Daf\u00fcr m\u00fcssen wir auch heute Schilder mit der Aufschrift \u201eVIETATO L\u2019ACCESSO. PROPRIETA PRIVATA\u201c mit etwas mulmigem Gef\u00fchl ignorieren, weil es keine Ausweichm\u00f6glichkeit mehr gibt. Irgendwo sehen wir auch das Meer, aber dann geht es wieder ein anderes Tal hinunter und eine neue Bergstrecke f\u00fchrt hinauf. Irgendwo im Gr\u00fcnen machen wir Pause mit Mozzarella, Brot, Gurken und Tomaten. Ein Traumort zum Picknicken und all dies bei ca 25 Grad Lufttemperatur. Stets sind wir bis auf die paar D\u00f6rfer und Querungen von Stra\u00dfen ganz allein. Schmetterlinge fliegen zum Nektar in den gelben und wei\u00dfen Bl\u00fcten. Ein kr\u00e4ftiger schwarzer K\u00e4fer rollt eine Kugel den staubig-trockenen Weg hinauf. In manchen Felsformationen lassen sich Tierbilder erkennen. Einige Kilometer vor unserem Etappenort ist der Weg wieder einmal mit Gitter abgesperrt. Wir haben inzwischen schon Routine entwickelt, um das Rad \u00fcber den Zaun zu heben und wir selbst unten durch.<\/p>\n\n\n\n<p>Dann liegt bildermuchm\u00e4\u00dfig Castelsardo vor uns. Bunte H\u00e4user, die eng aneinander liegend an einen steilen Felsh\u00fcgel gebaut sind, auf dem eine m\u00e4chtige Burganlage thront. Das B&amp;B erweist sich wieder als Gl\u00fcck mit individuellem Charme. In der Bucht vor der Stadt l\u00e4sst sich noch gut schwimmen, w\u00e4hrend die Sonne untergeht.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Tag 7: Von Castelsardo nach Stintino<\/strong><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><a href=\"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/20221028_112945-scaled.jpg\"><img loading=\"lazy\" width=\"768\" height=\"1024\" src=\"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/20221028_112945-768x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-8172\" srcset=\"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/20221028_112945-768x1024.jpg 768w, http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/20221028_112945-225x300.jpg 225w, http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/20221028_112945-1152x1536.jpg 1152w, http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/20221028_112945-1536x2048.jpg 1536w, http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/20221028_112945-scaled.jpg 1920w\" sizes=\"(max-width: 768px) 100vw, 768px\" \/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<p>Noch im Dunkeln erkunde ich die Altstadt von Castelsardo. Ich lasse mich verlieren in den engen Gassen zwischen den alten gemauerten H\u00e4usern, w\u00e4hrend der Himmel sich f\u00e4rbt in den Morgen und den neuen Tag hinein. Auf einer Mauer warte ich auf den Sonnenaufgang. Es beginnt heute unsere Fahrt entlang der K\u00fcste \u00fcber Porto Torres nach Stintino. Da warten keine sportlichen Herausforderungen auf uns aber so mancher Panoramablick entlang der Nordk\u00fcste. Besonders sch\u00f6n ist es rund um einen der steinernen Wacht\u00fcrme an der K\u00fcste. Die herbstliche Sonne tr\u00e4gt zur Intensit\u00e4t der Farben bei und schafft deutliche Kontraste: wei\u00df-gelbliche Steine und tiefblaues Meer dahinter, hellblauer Himmel und gr\u00fcnen Wiesen und W\u00e4lder. Nach viel Natur der letzten Tage sehen wir nach Porto Torres auch die andere Seite von Sardinien: Industriezonen im Westen von Porto Torres, Anlagen der Petrochemie, Windparks und Solarkraftwerke. Danach geraten wir wieder auf eine Nebenstra\u00dfe, die gerade umgebaut wird. Und wieder erleben wir sardische Gastfreundschaft. Anstatt uns zur\u00fcck zu schicken, tr\u00e4gt mir ein Arbeiter das Rad \u00fcber den Graben und auch jenes von Bianca h\u00e4tten sie am liebsten mitgetragen. Stintino ist f\u00fcr uns der einzige Ort, wo wir gleich zwei Mal \u00fcbernachten. Das B&amp;B ist daf\u00fcr super geeignet.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Tag 8: Buchtenfahrten bei Stintino<\/strong><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><a href=\"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/20221029_115111-scaled.jpg\"><img loading=\"lazy\" width=\"768\" height=\"1024\" src=\"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/20221029_115111-768x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-8173\" srcset=\"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/20221029_115111-768x1024.jpg 768w, http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/20221029_115111-225x300.jpg 225w, http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/20221029_115111-1152x1536.jpg 1152w, http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/20221029_115111-1536x2048.jpg 1536w, http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/20221029_115111-scaled.jpg 1920w\" sizes=\"(max-width: 768px) 100vw, 768px\" \/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<p>Die geplante Fahrt auf die Insel Asinara k\u00f6nnen wir nicht machen. Das schafft uns aber ohnehin mehr stressfreie Zeit, um die Gegend rund um Sistino zu erkunden. La Pelosa gilt als der zweitsch\u00f6nste Strand von ganz Italien. Jetzt, selbst in der Nebensaison, treffen wir nun erstmals einige Touristen, die zum Wochenende zu diesem Bilderbuchstrand gefahren sind. Man hat von hier einen wundervollen Blick auf die Insel Asinara und den Wachturm der Isola Piana, zu der ich im badewarmen Meer hin\u00fcbergeschwommen bin. Die meisten Appartementanlagen auf der Halbinsel sind geschlossen. Im Sommer wird hier wohl Massentourismus sein. Auf einem Berg steht ein Wachturm. Wir gehen zun\u00e4chst zu Fu\u00df hinauf \u2013 und dann von der anderen Seite noch einmal mit dem Rad vom S\u00fcden her. Mit unserer App finden wir sogar auf dieser Halbinsel einen Weg, der wieder mit einem Gitter abgesperrt ist, das es zu \u00fcberwinden gilt, und einen Weg, auf dem eigentlich die Durchfahrt verboten w\u00e4re. Schlie\u00dflich finden wir an der Westseite noch die ultimative Traumbucht an einer Steilk\u00fcste, wo anf\u00e4nglich \u00fcberhaupt keine Touristen sind. Tiefblau ist das Meer und mit meiner Schwimmbrille kann ich die Unterwasserwelt bestaunen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Tag 9: Von Stintino nach Porto Torres<\/strong><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><a href=\"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/9-1-scaled.jpg\"><img loading=\"lazy\" width=\"768\" height=\"1024\" src=\"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/9-1-768x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-8174\" srcset=\"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/9-1-768x1024.jpg 768w, http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/9-1-225x300.jpg 225w, http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/9-1-1152x1536.jpg 1152w, http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/9-1-1536x2048.jpg 1536w, http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/9-1-scaled.jpg 1920w\" sizes=\"(max-width: 768px) 100vw, 768px\" \/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<p>Sonntag. Letztmalig genie\u00dfe ich allein am Hafen von Stintino die Sonnenaufgangsstimmung. Winterzeit. 6.00 Uhr. Das Meer rauscht. Im Himmeldunkel funkeln die Sterne. Auf der anderen Seite der Bucht von Asinara funkeln die Lichter von Porto Torres. Der Sonnenaufgang ist wieder ein farbenpr\u00e4chtiges Schauspiel. Eine Stunde nur dauert es. Von tiefschwarzer Nacht und funkelnden Sternen, dem tiefen Rot und pastellfarbenen Orange- und Blaut\u00f6nen, bis die goldgelbe Sonne aus dem Meer auftaucht, w\u00e4hrend das Meer das Farbenspiel widerspiegelt. Das Fr\u00fchst\u00fcck in der Bar ist f\u00fcr italienische Verh\u00e4ltnisse sensationell. Wir nehmen uns f\u00fcr die Fahrt nach Porto Torres zun\u00e4chst viel Zeit und tr\u00f6deln mit den R\u00e4dern der K\u00fcste entlang. Irgendwo ist eine \u00d6ko-Frau, die mit einer Zange rund um sich die K\u00fcste vom M\u00fcll befreit. Ich rede mit ihr. Sie ist Engl\u00e4nderin. \u201eIf I woudn\u2019t do it, nobody would do it.\u201c Sie ist mir sympathisch. W\u00e4re ich jetzt allein und w\u00fcrde ich nicht heute zur\u00fcckfahren, h\u00e4tte ich ihr wohl am liebsten geholfen. Den zweiten Teil der Strecke halten wir uns im Windschatten eines Rennradfahrers. Nochmals muss ich ja nicht die Industrieanlagen vor Porto Torres genauer sehen. Daf\u00fcr haben wir ausreichend Zeit, um vor der Abfahrt der F\u00e4hre in einer sch\u00f6nen Bucht und bei einem Lokal, wo wir noch einfach Abendessen, die Zeit gut zu n\u00fctzen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Tag 10: Genua<\/strong><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><a href=\"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/20221031_095604-scaled.jpg\"><img loading=\"lazy\" width=\"768\" height=\"1024\" src=\"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/20221031_095604-768x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-8175\" srcset=\"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/20221031_095604-768x1024.jpg 768w, http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/20221031_095604-225x300.jpg 225w, http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/20221031_095604-1152x1536.jpg 1152w, http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/20221031_095604-1536x2048.jpg 1536w, http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/20221031_095604-scaled.jpg 1920w\" sizes=\"(max-width: 768px) 100vw, 768px\" \/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<p>Hohe H\u00e4user, die G\u00e4sschen bilden, ganz dunkel sind sie, weil kaum Sonnenlicht durchkommt, mit winzigen Einraumgesch\u00e4ften, zu eng f\u00fcr die Touristenmassen, die sich an diesem Zwickeltag in die Stadt ergie\u00dfen, manche von ihnen in Halloween-Kost\u00fcmierung. Pr\u00e4chtige Pal\u00e4ste in weiten Stra\u00dfen mit noblen Gesch\u00e4ften und ein Blick ins Innere der Innenh\u00f6fe zeigt, dass darin ein kleines Haus passen w\u00fcrde. Manche der Stra\u00dfen und G\u00e4sschen laufen auf kleine und gro\u00dfe Pl\u00e4tze zu, auf dem gr\u00f6\u00dften unter ihnen, wo imposante Geb\u00e4ude rundherum sind und in der Mitte ein m\u00e4chtiger Brunnen, dort warten wir auf die Abfahrt unseres Busses. Im Hafengel\u00e4nde schaukeln s\u00fcndteure Luxusyachten und gegen\u00fcber hockt ein gestrandeter, heruntergekommener, verwahrloster Mann, der selbst in gro\u00dfem Abstand noch nach Urin riecht. Manchmal ertrage ich solche extremen Gegens\u00e4tze kaum und ich sp\u00fcre die Tr\u00e4nen und die Wut. Das Kreuzfahrtschiff konkurriert an H\u00f6he und Stockwerken mit den Hochh\u00e4usern dahinter und kann leicht mithalten. Tausende der Kreuzfahrtmenschen werden sich dann wieder durch die engen Gassen der Altstadt quetschen. Gibt es jemanden unter ihnen, der oder die an die enormen \u00f6kologischen Belastungen f\u00fcr Meer und Luft denkt? Mit unseren Bikes fahren wir zwischen den Menschen Slalom. Die Zeit zwischen der Ankunft des F\u00e4hrschiffes am fr\u00fchen Morgen und der Abfahrt des Busses am Nachmittag schenkt Zeit, sich im Trubel der Stadt zu verlieren, wobei sich meine Seele zur\u00fccksehnt nach dem Duft von Meer und Macchia und Wildschweinen. Auf den Br\u00fcckenpfeilern der Stadtautobahn am Hafen sind Graffiti-Kunstwerke, die auch mein politisches Sehnen und meine Verzweiflung an vielen Zust\u00e4nden dieser Welt widerspiegeln. Das Wasser mit M\u00fcll durchsetzt steht einer wundersch\u00f6nen Frau bis zum Hals; ein Junge streckt sich an den oberen Rand des Br\u00fcckenpfeilers, um dort einen Sonnensmiley zu zeichnen. Das touristische Interesse gilt einem prunkvollen Geb\u00e4ude im Renaissancestil. Die Fassadenmalerei zeigt Georg, der einen Drachen t\u00f6tet. So anders ist die Stra\u00dfenkunst gegen\u00fcber. Eine schwarze Hand streckt sich von dem Br\u00fcckenrand nach unten, um sich mit der wei\u00dfen Hand von unten zu vereinen. F\u00fcr mich ist das religi\u00f6se Kunst! Nicht im drachent\u00f6tenden Georg ist G\u00f6ttliches zu finden, sondern in Solidarit\u00e4t. Passend zum ganzen Ambiente, zum Meer im Hintergrund, zu den riesengro\u00dfen F\u00e4hrschiffen und den Luxusjachten und den Schwarzen, die wohl immer vergeblich den Touristen ein Armband oder eine Koralle verkaufen wollen, zeigt ein anderes Streetartmotiv Fl\u00fcchtlinge, die einen Stacheldrahtzaun \u00fcberwinden. STOP WAR \u2013 NOT PEOPLE \u2013 ABBATIAMO LE FRONTIERE lautet die revolution\u00e4r-utopische Botschaft dazu.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img alt=\"\"\/><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img alt=\"\"\/><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img alt=\"\"\/><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img alt=\"\"\/><\/figure>\n\n\n\n<p><strong>Epilog<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>wonach ich suche:<br>ich finde es nicht<br>in den sch\u00f6nsten Str\u00e4nden,<br>die mich tr\u00f6sten im Suchen<\/p>\n\n\n\n<p>was ich ersehne:<br>ich finde es nicht<br>im Zauber unber\u00fchrter Landschaften,<br>die mich st\u00e4rken im Suchen<\/p>\n\n\n\n<p>was ich erhoffe,<br>ich finde es nicht<br>im Rauschen des Meeres,<br>das mich Grenzenlosigkeit lehrt<\/p>\n\n\n\n<p>was ich ertr\u00e4ume,<br>ich finde es manchmal<br>in achtsamen Begegnungen,<br>die n\u00e4hren die Tr\u00e4ume<\/p>\n\n\n\n<p>klaus \u2026, Sardinien 2022<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><a href=\"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/20221030_153034-2-scaled.jpg\"><img loading=\"lazy\" width=\"768\" height=\"1024\" src=\"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/20221030_153034-2-768x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-8178\" srcset=\"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/20221030_153034-2-768x1024.jpg 768w, http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/20221030_153034-2-225x300.jpg 225w, http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/20221030_153034-2-1152x1536.jpg 1152w, http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/20221030_153034-2-1536x2048.jpg 1536w, http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/20221030_153034-2-scaled.jpg 1920w\" sizes=\"(max-width: 768px) 100vw, 768px\" \/><\/a><\/figure>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><img src='http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/20221023_155414-1024x768.jpg' class='thumbnail' \/>Tag 1: Sardinienreise mit Rad, Bus und F\u00e4hre \u201eWie kann ich verantwortlich und \u00f6kologisch-ethisch korrekt verreisen?\u201c, frage ich mich stets, wenn ich ein neues Land entdecken m\u00f6chte. Mein Nachdenken dar\u00fcber soll nicht Kritik an jenen sein, die mit Flieger und Auto unterwegs sind. Wo die Grenzen liegen, ist stets Sache des individuellen Gewissens und der&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":8167,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[1],"tags":[1335,1336,1341,1339,1342,1052,1334,1338,1340,1337],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/8166"}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=8166"}],"version-history":[{"count":5,"href":"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/8166\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":9635,"href":"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/8166\/revisions\/9635"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/8167"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=8166"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=8166"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=8166"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}