{"id":8268,"date":"2022-11-22T19:48:20","date_gmt":"2022-11-22T19:48:20","guid":{"rendered":"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/?p=8268"},"modified":"2025-08-14T06:18:15","modified_gmt":"2025-08-14T06:18:15","slug":"auf-schienen-durch-europa","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/?p=8268","title":{"rendered":"Auf Schienen durch Europa &#8211; Teil 1"},"content":{"rendered":"\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><a href=\"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/20221122_132144-2-scaled.jpg\"><img loading=\"lazy\" width=\"768\" height=\"1024\" src=\"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/20221122_132144-2-768x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-8270\" srcset=\"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/20221122_132144-2-768x1024.jpg 768w, http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/20221122_132144-2-225x300.jpg 225w, http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/20221122_132144-2-1152x1536.jpg 1152w, http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/20221122_132144-2-1536x2048.jpg 1536w, http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/20221122_132144-2-scaled.jpg 1920w\" sizes=\"(max-width: 768px) 100vw, 768px\" \/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<p><em>auf Schienen<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>der K\u00f6rper ist auf Schienen<br>die Seele ist entgleist<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>der Zug wei\u00df wohin<br>die Seele sucht ihr Ziel<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>der K\u00f6rper ist auf Schienen<br>die Seele ruft nach Halt<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>klaus 22.11.22<br><br><\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Tag 1: Dienstag, 22. 11. 22<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Von einer nicht leichten Entscheidung<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Ich mag es, wenn ich mich klar entscheiden kann, wenn ein Ja nicht mit vielen Neins gequ\u00e4lt wird, wenn die Sachverhalte klar sind und Gef\u00fchle und Werte zusammenklingen. (\u2026) &nbsp;Soll ich nach Spanien fahren? Gestern war es so weit. Vormittags ging ich wieder zum Bahnhof. Die Flixbus-Variante hatte ich schon verworfen. Bei der einen T\u00fcr hinein, dann wieder hinaus. Ohne Interrail-Karte. So war es schon in der Woche zuvor. Wieder in der Wohnung, arbeitete es in meiner Gef\u00fchlswelt. Ein Freund ermutigte mich: \u201eKlaus, fahr doch! Nimm dir die Zeit. Du hast sie. Daf\u00fcr ist ein Sabbatical ja da, dass man unterwegs ist.\u201c Menschen, die mir nahe sind, formulierten es \u00e4hnlich die Tage zuvor, so als m\u00fcssten sie einem lahmen Gaul Mut zusprechen. Aber letztlich gibt es nur einen wirklichen Grund, dass ich nun aufbreche. Andreas, mein Erasmus-Sohn. F\u00fcr ihn w\u00fcrde ich wohl auch um die halbe Welt fahren. (\u2026)<\/p>\n\n\n\n<p>Wieder ging ich vor der Kaufentscheidung alles durch: Ich mag eigentlich keine gro\u00dfen St\u00e4dte, keine Orte, wo die Hunderttausenden sind, ich mag die Natur und die Berge und ihre stillen Orte. Und jetzt kommt der Schnee und mit ihm die Spuren, die ich darin ziehen k\u00f6nnte. Und wie kann ich mein Reisen mit meinem Ziel, m\u00f6glichst nachhaltig zu leben, verkn\u00fcpfen? Muss nicht wirklich alles getan werden, um selbst so zu leben, dass die bei der COP27 gescheiterten Klimaziele zumindest im eigenen Verhalten sich spiegeln.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eWenn du denkst, dass ein Abenteuer gef\u00e4hrlich ist, erw\u00e4ge, dass die Routine t\u00f6dlich ist \u2026\u201c, bekam ich von einer Frau als Gedankenimpuls von Paolo Coelho mit auf den Entscheidungsweg. Nicht ganz ungef\u00e4hrlich, denke ich mir.<br><br><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><a href=\"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/20221122_113832-2-scaled.jpg\"><img loading=\"lazy\" width=\"768\" height=\"1024\" src=\"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/20221122_113832-2-768x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-8272\" srcset=\"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/20221122_113832-2-768x1024.jpg 768w, http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/20221122_113832-2-225x300.jpg 225w, http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/20221122_113832-2-1152x1536.jpg 1152w, http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/20221122_113832-2-1536x2048.jpg 1536w, http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/20221122_113832-2-scaled.jpg 1920w\" sizes=\"(max-width: 768px) 100vw, 768px\" \/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<p><strong>Innsbruck \u2013 Z\u00fcrich mit Railjet<\/strong><strong><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die Christkindlmarktaufbauten in der Marien-Theresien-Stra\u00dfe wirken im d\u00fcsteren Morgen wie Ruinen einer Geisterstadt.&nbsp; Das Licht von Sternen leuchtet auf den regennassen Platz vor dem Landhaus. Ich wollte, ich k\u00f6nnte einen Stern aufheben, der mich w\u00e4rmte und mir Zuversicht schenkte. Kein Mensch h\u00e4lt mich momentan in dieser Stadt fest. Keine Arbeit, die Sinn gibt, wartet auf mich, denke ich mir, als ich die hunderten Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler sehe, die in ihre Schulen unterwegs sind. Ich vermisse meine Arbeit in der Schule. Um 7:46 Uhr ist die Abfahrt des Railjet nach Z\u00fcrich. Immer, wenn ich mit dem Zug unterwegs bin, steige ich ganz vorne ein, wenn es in den Westen geht, oder ganz hinten, wenn es in den Osten geht. Da finde ich meist einen Platz, um ungest\u00f6rt zu \u201earbeiten\u201c, was f\u00fcr mich vor allem bedeutet: zu schreiben. Wer mich suchte, w\u00fcrde mich also hier finden. Mich suchen? Ich habe fast den ganzen Wagon f\u00fcr mich. Fast unbegrenzt kann ich mit dem Inter-Rail-Ticket nun in Europa mit den Z\u00fcgen herumfahren. Die Grenzen werden mir gesetzt durch die Schienen. Welche Z\u00fcge ich darauf nehmen kann, wird sich noch zeigen, weil ich noch ohne Reservierungen f\u00fcr die Superz\u00fcge bin. Das konnten sie mir im Innsbrucker Bahnhof nicht machen.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich habe leichtes Halsweh, das mich an meine Angst vor einer Covid-Infektion erinnert, die zu meinen Argumenten z\u00e4hlte, nicht loszufahren. Die Pandemie ist nicht vorbei und angesichts dessen sind Menschenansammlungen und enges Aufeinanderhocken in Z\u00fcgen nicht das, was gesundheitsm\u00e4\u00dfig sinnvoll ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Bei der Fahrt bis Feldkirch denke ich immer wieder an bestimmte Orte und an Stopps. Dreimal fuhr ich allein letzten Sommer diese Strecke mit dem Rennrad. Die Weiterfahrt von der \u00f6sterreichisch-schweizerischen Grenze bis Z\u00fcrich z\u00e4hlt wohl zu einer der besonderen Panoramfahrten. Links und rechts sind Felsw\u00e4nde, die bis in Taln\u00e4he und in die sp\u00e4therbstlich-bunten Laubw\u00e4lder hinein mit etwas frischem Schnee \u00fcberzogen sind. K\u00fche grasen auf den gr\u00fcnen Feldern. Und dann beginnen die beiden langgestreckten Seen. Am Z\u00fcrcher See fuhr ich zuletzt auf der Rennradfahrt nach Paris mit Eli entlang. Da war ich nicht allein. Da war jeder Meter L\u00e4nge und jeder H\u00f6henmeter sp\u00fcrbar. Es war ein hei\u00dfer Sonntag mittags, als wir in Z\u00fcrich ankamen, so hei\u00df, dass Menschen in der Limmat Abk\u00fchlung suchten. Wir fuhren zum Bahnhof f\u00fcr dringende \u201eGesch\u00e4fte\u201c, deckten uns mit Wasser ein und radelten dann gleich nach Basel weiter.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><a href=\"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/20221122_123207-scaled.jpg\"><img loading=\"lazy\" width=\"768\" height=\"1024\" src=\"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/20221122_123207-768x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-8273\" srcset=\"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/20221122_123207-768x1024.jpg 768w, http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/20221122_123207-225x300.jpg 225w, http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/20221122_123207-1152x1536.jpg 1152w, http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/20221122_123207-1536x2048.jpg 1536w, http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/20221122_123207-scaled.jpg 1920w\" sizes=\"(max-width: 768px) 100vw, 768px\" \/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<p><strong><em>Raumerfahrungen<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><em>mehr als R\u00e4ume<br>die von gestern erz\u00e4hlen<br><br>im Gestern<br>finde ich ein Heute<\/em> und mich selbst<\/p>\n\n\n\n<p><em>mehr als Geschichten<br>die von gestern erz\u00e4hlen<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>in Geschichten von gestern<br>finde ich wieder die Welt von heute und mich selbst<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Z\u00fcrich, 22. 11. 2022<\/em><strong><br><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>In Z\u00fcrich auf den Spuren von Zwingli<\/strong><strong><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Halb zw\u00f6lf. Die TGV-Zuschl\u00e4ge habe ich im Bahnhof schneller als erwartet bekommen. Nicht erwartet hatte ich aber, dass ich eine Nacht in Avignon verbringen muss. Nun aber Z\u00fcrich.<\/p>\n\n\n\n<p>Ganz anders als Mitte Juli ist das Wetter. K\u00fchl-nass. Langsam spaziere ich der Limmat entlang ins Zentrum der Altstadt. Zum Reisen an solch touristische Orte ist jetzt wohl die beste Zeit, weil nur wenig Sehensw\u00fcrdigkeitensammelnde unterwegs sind. Der Doppelturm vom Gro\u00dfm\u00fcnster und die anderen zwei gr\u00fcnen, spitzen T\u00fcrme vom Frauenm\u00fcnster und St. Peter weisen den Weg. Ich denke an Zwingli und die deutsch-schweizerische Reformation. \u201eEine evangelische Kirche ist genug \u2026\u201c, dieses Papstzitat f\u00e4llt mir gerade ein. Papst Franziskus sagte es k\u00fcrzlich beim Ad-Limina-Besuch an die deutschen Bisch\u00f6fe, die mit Reformbem\u00fchungen im Rahmen des synodalen Prozesses besch\u00e4ftigt sind. So sehr ich Franziskus mit seinen politischen \u00c4u\u00dferungen und vor allem seinem einfachen Lebensstil sch\u00e4tze, so sehr bin ich dann auch wieder entt\u00e4uscht, wenn mit Blick auf notwendige strukturelle Reformen in meiner Kirche nichts weitergeht. Da war Huldrych Zwingli in manchen Aspekten vor 500 Jahren viel weiter.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Gro\u00dfm\u00fcnster<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Mein erstes Ziel ist das das Gro\u00dfm\u00fcnster. Ich denke an Huldrych Zwingli und die Reformation in der Schweiz, die hier seinen H\u00f6hepunkt hatte und eine ganz besondere Pr\u00e4gung erfuhr. Die Wurzeln dieser Kirche liegen \u2013 so die Legende \u2013 aber bei den beiden Stadtpatronen Felix und Regula, deren Gr\u00e4ber sich hier befinden sollen. Ich verkn\u00fcpfe diese Orte mit meinem Glauben heute und dem, was meiner Kirche und der Welt so nott\u00e4te. Nottun \u2013 ein sch\u00f6ner, ein passender Begriff<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><a href=\"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/20221122_141415-scaled.jpg\"><img loading=\"lazy\" width=\"768\" height=\"1024\" src=\"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/20221122_141415-768x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-8274\" srcset=\"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/20221122_141415-768x1024.jpg 768w, http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/20221122_141415-225x300.jpg 225w, http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/20221122_141415-1152x1536.jpg 1152w, http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/20221122_141415-1536x2048.jpg 1536w, http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/20221122_141415-scaled.jpg 1920w\" sizes=\"(max-width: 768px) 100vw, 768px\" \/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<p>Die Kirche ist aufgeladen mit den wichtigsten Daten der europ\u00e4ischen Kirchengeschichte. Der Legende nach soll Karl der Gro\u00dfe an der heutigen Stelle des Gro\u00dfm\u00fcnsters die Gr\u00e4ber der Stadtheiligen Felix und Regula gefunden haben, worauf er hier eine erste Kirche als Chorherrenstift errichten lie\u00df. Schwertbewaffnet steht eine spr\u00f6de gewordene Statue von ihm in der Krypta. Abgestellt. Karl der Gro\u00dfe, der sich auf sein Schwert st\u00fctzt, wie abgestellt. \u00a0Die eigenartigen gro\u00dfen Doppelt\u00fcrme des Gro\u00dfm\u00fcnster \u2013 manche nennen die Spitzen auch liebevoll Zitronenpressen \u2013 sind das markanteste Wahrzeichen von Z\u00fcrich. Ich stelle den Rucksack neben mich auf eine Kirchenbank \u2013 Knieb\u00e4nke gibt es da ja seit Zwingli nicht mehr \u2013 und \u00a0lasse den romanischen Raum auf mich wirken. Im Zentrum stehen die Kanzel und der gro\u00dfe Taufstein, der zugleich als Abendmahlstisch dient. Die &#8222;modernen Glasfenster sind ganz besonders, weil sie sich einer eindeutigen Deutung entziehen und vor allem ein Spiel mit Licht und Farben sind&#8220;, lese ich in einer Beschreibung. Auf zwei Pfeilerkapitellen sind noch Skulpturen aus der alten Kirche erhalten geblieben. Auf einem wird Karl dargestellt, dessen Pferd in die Knie geht, als er der Legende nach zu den Gr\u00e4bern der Stadtheiligen Felix und Regula kommt. Der kriegerische Karl kniet nieder. Ein wohl \u00e4hnlich pazifistisches Motiv greift gegen\u00fcber eine andere Skulptur auf. Ein b\u00e4rtiger Mann packt einen anderen, der gerade sein Schwert z\u00fcckt, um sich zu verteidigen.  <\/p>\n\n\n\n<p><strong>Das Frauenm\u00fcnster und Chagall<\/strong><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><a href=\"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/20221122_132454-scaled.jpg\"><img loading=\"lazy\" width=\"768\" height=\"1024\" src=\"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/20221122_132454-768x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-8285\" srcset=\"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/20221122_132454-768x1024.jpg 768w, http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/20221122_132454-225x300.jpg 225w, http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/20221122_132454-1152x1536.jpg 1152w, http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/20221122_132454-1536x2048.jpg 1536w, http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/20221122_132454-scaled.jpg 1920w\" sizes=\"(max-width: 768px) 100vw, 768px\" \/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<p>Am l\u00e4ngsten verweile ich im Frauenm\u00fcnster, einer der \u00e4ltesten und wohl sch\u00f6nsten Kirchen Z\u00fcrichs mit den weltber\u00fchmten Glasfenstern von Marc Chagall. Es sind kaum Menschen da. Eine Zeitlang bin ich sogar alleine im gotischen Chorraum mit den f\u00fcnf hohen Glasfenstern von Chagall, ein beeindruckendes, berauschendes Fest von Licht und Farben, in denen der damals bereits 80-J\u00e4hrige Chagall die Bibel neu entstehen lie\u00df. \u201eIch las die Bibel nicht, ich ertr\u00e4umte sie \u2026\u201c, ist eines der Zitate, das ich mir von Chagall merkte. Auch ich ertr\u00e4ume mir die Szenen, die Chagall hier in Farbe und Licht so wunderbar wiedergibt. Ich ertr\u00e4ume mir das feurige Rot f\u00fcr diese Welt, das Prophetinnen und Propheten aufsteigen l\u00e4sst, damit unsere Welt gerettet wird. Das w\u00e4re wohl ein symbolisch passender Ort f\u00fcr eine Klebe-Kunst-Aktion der \u201eLetzten Generation\u201c. Im Blau des Jakobsfensters ertr\u00e4ume auch ich mir, dass eine Leiter vom Himmel zu mir kommt, dass ein Engel mit mir ringt und mir eine Zusage gibt und dass Vers\u00f6hnungen geschehen k\u00f6nnen. In einer kleinen, tiefblauen Rosette stellte Chagall die Sch\u00f6pfung dar. Es ist, als w\u00e4re es eine tiefblaue Uhr, die sich im Kreis dreht. Die Mitte dieser Uhr stellt die Arche Noah dar. Diese Welt wurde einmal gerettet \u2013 wird sie es wieder?<\/p>\n\n\n\n<p>Im Frauenm\u00fcnster wird die Reformation unter Zwingli lebendig. Auch hier konnte Zwingli predigen. Die Reformation hat die Kirche ver\u00e4ndert. Die Bilder sind verschwunden. Die Alt\u00e4re sind verschwunden. Nicht einmal ein Kreuz l\u00e4sst sich finden. Daf\u00fcr ist die Kanzel ganz besonders. Sie ist das Zentrum. Sie ist sehr gro\u00df und auf Steinst\u00fctzen gestellt. In der Mitte steht auch der gro\u00dfe Taufstein. Reformatorische Kirchenarchitektur, wie ich sie auch im Gro\u00dfm\u00fcnster davor sah.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Geschichte des Frauenm\u00fcnsters zeigt vor der Reformation &#8211; es geht bis auf das Jahr 800 zur\u00fcck, welche gro\u00dfe und auch m\u00e4chtige Stellen die \u00c4btissinnen im Laufe der Kirchengeschichte hatten. Sie sollen selbst wie F\u00fcrstinnen die Stadt Z\u00fcrich geleitet haben. &#8222;KARLA* DIE GROSSE&#8220;, nannte sich ein Kaffee in der Altstadt, um eine bestimmte Botschaft zu vermitteln.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Reformationskirche St. Peter<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Abschlie\u00dfend ist noch Zeit f\u00fcr die dritte der Altstadtkirchen, die die Silhouette von Z\u00fcrich pr\u00e4gen und reformatorische Geschichte analog ersp\u00fcren lassen. Das Innere der Reformationskirche ist wie ein Musterbeispiel reformatorischer Kirchenarchitektur. Sie gleicht weniger einer Kirche und mehr einem Saal, in dem sich alles auf die Kanzel in der Mitte und das Taufbecken davor konzentriert. Vor der Kirche ist eine moderne Zwingli-Statue. Sie stellt den Reformator dar, der in seiner Hand eine Kugel voller Zivilisationsm\u00fcll h\u00e4lt. &#8222;Klima-Zwingli&#8220; wird er genannt. Heute w\u00fcrde Zwingli in den Kirchen wohl auch von der Klimakatastrophe predigen und von Wegen, wie die Menschheit gerettet werden k\u00f6nnte.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Von Z\u00fcrich nach Mulhouse<\/strong><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><a href=\"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/sp-0-scaled.jpg\"><img loading=\"lazy\" width=\"768\" height=\"1024\" src=\"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/sp-0-768x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-8282\" srcset=\"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/sp-0-768x1024.jpg 768w, http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/sp-0-225x300.jpg 225w, http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/sp-0-1152x1536.jpg 1152w, http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/sp-0-1536x2048.jpg 1536w, http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/sp-0-scaled.jpg 1920w\" sizes=\"(max-width: 768px) 100vw, 768px\" \/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<p>Vor der Abfahrt stellte ich mich noch unter die gro\u00dfe Engelskulptur von Niki de Saint Phalle. Sie stellt Raffael dar \u2013 oder wohl besser Rafaele \u2013 die g\u00f6ttliche Begleitkraft, stark, bunt, kr\u00e4ftig, voll Sexualit\u00e4t und Vitalit\u00e4t. 15:23 Uhr. Sie bleibt Skulptur heute \u2013 so als w\u00e4re sie nicht mehr Teil meiner Geschichte.<\/p>\n\n\n\n<p>Die TGV-Reservierungen im Bahnhof in Z\u00fcrich machten noch dreimal 20 Euro. Das ist viel \u2013 relativ zum Gesamtpreis vom Inter-Rail-Ticket. Aber das Geld bek\u00fcmmert mich nicht. Au\u00dferdem bin ich froh, dass das mit den Reservierungen \u00fcberhaupt funktioniert hat. Kein Wunder, dass Flixbus so viel Erfolg hat, wenn das Bahnfahren so kompliziert geworden ist. Ich muss jetzt noch schauen, wo und wie ich in Avignon die ungeplante Nacht verbringen werde. Im Bahnhof in Z\u00fcrich mache ich eine Bookingcom-Reservierung bei einem Espresso, der hier im Bahnhofslokal 5 Franken kostet. Allerdings ist dort nur bis 21.00 Uhr Eincheckm\u00f6glichkeit. Also wieder eine Unsicherheit. (\u2026)<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Von Mulhouse nach Avignon<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>17.00 Uhr. Nun nochmals vier Stunden mit dem TGV bis Avignon. Den h\u00e4sslichen Bahnhof von Mulhouse kenne ich von den vielen Fahrten, die ich mit Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fclern nach Taiz\u00e9 machte. Hier sind wir meistens umgestiegen und haben auf Anschlussz\u00fcge gewartet. Ja, viel Zeit habe ich mit solchen Fahrten und Exkursionen verbracht. Und wieder sp\u00fcre ich meine Einsamkeit. Jetzt ist der TGV voll. Es ist eng. Hochgeschwindigkeitszug, Aush\u00e4ngeschild von franz\u00f6sischer Industrienation, aber das Wasser in der Toilette funktioniert nicht. Man hockt fast aufeinander. Ich habe die Maske auf. Einige andere auch. Ein wenig Halsweh bleibt. Im Hotel rief ich an. Ich soll den Namen \u201eKlaus\u201c irgendwo eingeben, dann w\u00fcrde ich auch nach Rezeptionsschluss hineinkommen. Ob das funktioniert? Werde ich diesen Ort \u00fcberhaupt so einfach finden? Ich denke an Menschen, die ich gerne mag, (\u2026)<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>Ich bin froh um mein Notebook. So kann ich schreibend und lesend die Zeit n\u00fctzen. Gegend anschauen geht um diese Jahreszeit nicht, in der es schon um 17.00 Uhr dunkel ist. Das Wissen, dass ich mit Atomstrom unterwegs bin, l\u00e4sst etwas an schlechtem Gef\u00fchl bei mir aufkommen. Der Zug f\u00e4hrt mit 300 km\/h. Es ist, als fl\u00f6ge er \u00fcber die Landschaft.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Eine Nacht in Avignon<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Der TGV-Bahnhof liegt au\u00dferhalb jener Stadt mit dem Namen, der nach so viel Geschichte klingt. Ohne Booking.com h\u00e4tte ich keine Buchung. Ohne Navigation w\u00e4re ich an diesem Ort verloren. Es ist gut einen Kilometer vom Bahnhof bis zum Hotel, berechnet mir Google-Maps. Ein Kilometer im menschenleeren Dunkel kann sehr weit sein. Gro\u00dfe Parkpl\u00e4tze, sp\u00e4rlich beleuchtet, eine Riesentankstelle im Nirgendwo, irgendwelche Industriegeb\u00e4ude &#8211; und vor allem viele Stra\u00dfen ohne Menschen. Ich k\u00f6nnte niemanden nach einer Richtung fragen. Die Sprachnavigation leitet mich hin. Die Gegend ist &#8222;spooky&#8220; &#8211; w\u00fcrde man es in der Jugendsprache formulieren. Es w\u00e4re wohl nichts f\u00fcr eine Frau. Und dann stehe ich in der Rezeption vor einem Automaten, den ich zun\u00e4chst gar nicht gefunden hatte. Mehrmals versuche ich, bei diesem Ger\u00e4t erfolgreich zu sein. Mit HEIDEGGER erkennt die Maschine meine Buchung. Dann will sie aber noch einen Fr\u00fchst\u00fccksbeitrag und die Kreditkarte. Wieder probiere ich herum. Endlich Erfolg. Eine magnetische Karte f\u00fcr Nummer 2 wird ausgespuckt. Mir gen\u00fcgt es, ein Bett zu haben, mich auf&#8217;s Bett zu legen, Tag 1: gelebt, erlebt, \u00fcberlebt!<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img alt=\"\"\/><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img alt=\"\"\/><\/figure>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><img src='http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/20221122_132144-2-768x1024.jpg' class='thumbnail' \/>auf Schienen der K\u00f6rper ist auf Schienendie Seele ist entgleist der Zug wei\u00df wohindie Seele sucht ihr Ziel der K\u00f6rper ist auf Schienendie Seele ruft nach Halt klaus 22.11.22 Tag 1: Dienstag, 22. 11. 22 Von einer nicht leichten Entscheidung Ich mag es, wenn ich mich klar entscheiden kann, wenn ein Ja nicht mit vielen&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":8270,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[1],"tags":[1371],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/8268"}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=8268"}],"version-history":[{"count":14,"href":"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/8268\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":11459,"href":"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/8268\/revisions\/11459"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/8270"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=8268"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=8268"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=8268"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}