{"id":8360,"date":"2022-12-03T20:06:39","date_gmt":"2022-12-03T20:06:39","guid":{"rendered":"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/?p=8360"},"modified":"2022-12-03T20:38:31","modified_gmt":"2022-12-03T20:38:31","slug":"san-sebastian-donostia","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/?p=8360","title":{"rendered":"San Sebasti\u00e1n \u2013 Donostia"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Donostia und das Baskische<\/strong><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><a href=\"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/20221201_122339-scaled.jpg\"><img loading=\"lazy\" width=\"1024\" height=\"768\" src=\"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/20221201_122339-1024x768.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-8368\" srcset=\"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/20221201_122339-1024x768.jpg 1024w, http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/20221201_122339-300x225.jpg 300w, http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/20221201_122339-768x576.jpg 768w, http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/20221201_122339-1536x1152.jpg 1536w, http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/20221201_122339-2048x1536.jpg 2048w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<p>Eine Besonderheit der Stadt beginnt gleich beim Namen. Vertraut ist sie mir mit dem Namen San Sebasti\u00e1n. Den baskischen Namen Donostia \u2013 der eine abgek\u00fcrzte Form f\u00fcr Heiliger Sebastian ist \u2013 hatte ich selbst daf\u00fcr noch nie verwendet, was wohl damit zusammenh\u00e4ngt, dass wir eher den Herrschaftsblick internalisiert haben als die kulturellen Unterschiedenheiten. Bei meinen ausgedehnten Spazierg\u00e4ngen nehme ich nun mehr das Baskische wahr, die Zweisprachigkeit, die mir \u00fcberall begegnet oder die Graffiti, die Reminiszenzen an die Geschichte der ETA und ihre Autonomiebestrebungen sind. In den Museen achte ich darauf, was sie mir von baskischer Geschichte erz\u00e4hlen. Eines ist jedenfalls deutlich: Zum Frieden in dieser Region ist es nicht durch eine neue Staatenbildung gekommen, nicht durch Separatismus, sondern durch Dialog und Verhandlungen, an deren Ende dann Autonomieregelungen standen. Das k\u00f6nnte auch der Weg f\u00fcr die Ukraine sein, denke ich mir \u00f6fters.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Stra\u00dfen und Pl\u00e4tze und die Altstadt<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die prachtvollen H\u00e4userreihen entlang des Flusses und der Strandbuchten erinnern mich mit ihrer Architektur an Wien oder an andere mitteleurop\u00e4ische Gro\u00dfst\u00e4dte. Man merkt, dass hier einst die spanischen K\u00f6nige \u2013 und eine K\u00f6nigin aus tu felix Austria \u2013 in den Sommermonaten ihre Zeit verbrachten. W\u00e4re da nicht das Meer an der sch\u00f6nen Seite der Gro\u00dfstadt, k\u00f6nnte ich gar nicht meinen, in Spanien zu sein. Manche der prunkvollen H\u00e4user sind im Jugendstil wie irgendwo in der Wienzeile. Feuchte K\u00e4lte zieht durch die jetzt im Sp\u00e4therbst dunkel wirkenden Stra\u00dfen der Altstadt. Die Weihnachtsbeleuchtungen werden erst am Freitag eingeschalten. Trotz Primaloftjacke und Pullover ist mir meist zu kalt und selbst in den Kaffees und Restaurants ziehe ich mich \u2013 wie viele andere auch \u2013 nicht aus. Da ist es eigentlich auch nicht viel w\u00e4rmer. Wenn die Sonne herauskommt, w\u00e4rmt sie nicht und in die Stra\u00dfenschluchten kommt sie gar nicht hinein. Zum Gl\u00fcck regnet es nicht. Auf einem kleinen Platz in der Altstadt wurde eine Krippe mit Hunderten einmetergro\u00dfen Figuren aufgestellt, In einer Nebenstra\u00dfe wecken politische Graffiti an geschlossenen Gesch\u00e4ften mein Interesse.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Buchten und Meer und K\u00fcstenh\u00fcgel<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Zwei gro\u00dfe und eine kleine Bucht sind die Besonderheit von San Sebasti\u00e1n. In der einen Bucht spielen Surfer mit den Wellen und es ist ein zun\u00e4chst merkw\u00fcrdiger Anblick, wenn jetzt in der Novemberk\u00e4lteirgendein Mann \u2013 manchmal auch eine Frau \u2013 mit einem Surfbrett unter dem Arm und Neoprenanzug in einer Stra\u00dfe vor der K\u00fcste auftaucht und zum Strand l\u00e4uft, fast so wie wenn ich mit dem Fahrrad und aufgebundenen Ski durch Innsbruck fahre. Ich k\u00f6nnte ihrem Spiel mit den Wellen lange zusehen. Der Fluss Urumeu schl\u00e4ngelt sich zuerst durch die Stadt, gerade so, als zierte er sich am Ende doch, ins weite Meer zu flie\u00dfen. In der gr\u00f6\u00dferen halbkreisf\u00f6rmigen Strandbucht, die den Namen \u201eMuschel\u201c verdient, gibt es noch einige wenige, die zumindest kurz ein Bad im Meer nehmen. Am besten kann ich von einem der H\u00fcgel oberhalb der Stadt auf das Meer und die Stadt blicken. Auf dem Urgull war ich gleich zweimal. Bei Sonnenuntergang und dann nochmals mittags. Dort oben steht \u00fcber den gruselig wirkenden milit\u00e4rischen Befestigungsanlagen aus dem 18 Jahrhundert eine kolossale Christusstatus. Christus, der Herr, der segnend seine Hand \u00fcber Donostia h\u00e4lt, fast wie eine Vorlage f\u00fcr die Christusstatue in Rio. Am Tag zuvor nahm ich mir Zeit, um einen weiteren Lauf auf einen anderen H\u00fcgel zu machen. Komoot gab mir eine Strecke vor, die zuerst im Zickzack durch einen \u00e4u\u00dferen Teil f\u00fchrte, dann irgendwo Trailstrecken hinauf \u2013 habe eine Hundebegegnung mit etwas Angst gut \u00fcberstanden, etwas wieder Natur gesp\u00fcrt mit Blicken aufs Meer und die K\u00fcstenberge hin\u00fcber nach Frankreich, das nur 20 Kilometer entfernt ist.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Kirchen in San Sebasti\u00e1n<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Kathedralen, Kirchen und Kapellen sind Monumente, in denen ich vor allem versuche heraus zu sp\u00fcren: Was und wie glaubten die Menschen im Laufe von Jahrhunderten? Was pr\u00e4gte ihre Religiosit\u00e4t und wie spiegelt sich das in den Kunstwerken wider. In solchen Raumbegegnungen entdecke ich dann immer wieder auch: Wie sieht mein Glaube aus? Manchmal kommt in den Kirchen mein eigener Glaube zum Schwingen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Kathedrale zum Guten Hirten ist die gr\u00f6\u00dfte unter den f\u00fcnf Kirchen. Sie wurde nach der alten Vorl\u00e4uferkirche wieder neu im gotischen Stil erbaut \u2013 mit hohen S\u00e4ulen, Rosetten und ganz vorne in der Apsis eine Darstellung vom Guten Hirten. Die gef\u00e4llt mir. So ganz ohne Schn\u00f6rkel und Leidensdramatik. Am anderen Ende einer langen Stra\u00dfe, dort, wo der H\u00fcgel dann beginnt, steht die Basilika Santa Maria mit ihrer typischen Barockarchitektur. Es zieht mich durch das Portal der Rokoko-Fassade. Der Heilige Sebastian ist Patron dieser Kirche. Interessant ist die Art und Weise, wie er in einer modernen Skulptur dargestellt wird: Eine silberne S\u00e4ule aus Metall, in die stilisierte Pfeile gesteckt sind. Unten in der Altstadt schon ganz in der N\u00e4he vom Meer steht die \u00e4lteste der Kirche: eine gotische Kathedrale. Die vierte Kirche besuche ich in der N\u00e4he vom Ort, wo mein Sohn seine Studentenbude hat. Ein neugotisches Bauwerk, das an die Geschichte der Jesuiten erinnert. Loyola mit dem Geburtsort von Ignatius liegt nicht weit von San Sebasti\u00e1n entfernt und mein Sohn studiert an einer Jesuitenuniversit\u00e4t ganz in der N\u00e4he. Am heutigen Tag war es besonders, nicht allein an diesen Orten zu sein.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Durch Museen streifen<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>San Telmo ist das gr\u00f6\u00dfte Museum. Ein wesentlicher Teil davon ist ein altes Kloster mit einer Kirche. Dort sind eigenartige riesige Wandgem\u00e4lde. Am meisten haben mich aber die Exponate interessiert, die die Geschichte des Baskenlandes wiedergeben. Erinnerungen an den Spanischen B\u00fcrgerkrieg, der im Baskenland besonders grausam war \u2013 Guernica liegt nicht weit von hier entfernt, an die Rolle der katholischen Kirche, die so oft in Kriege verstrickt war, an die Versuche der Menschen, immer wieder neu das Beste aus oft miserablen Umst\u00e4nden zu machen und so zu einer Gr\u00f6\u00dfe heranzuwachsen. Es sind wenige, aber ausdrucksstarke Objekte, die viel Geschichte erz\u00e4hlen: Etwa, dass die Jesuiten die ersten waren, die ein Lexikon Baskisch-Spanisch herausbrachten. IND\u00c9SIRABLES hei\u00dft die Ausstellung, die im Museum noch zu finden ist. Es geht darum, das Schicksal der \u201eUnerw\u00fcnschten\u201c mit Kunst ins Bild zu bringen, von Menschen, die Opfer von Krieg, Verfolgung und Vertreibung geworden sind. Auf einer Anordnung von Kampfdrohnen steht jeweils als Flugobjektbeschreibung \u201eCOWARDICE\u201c. Eine Frau wird in einer Videodauerschleife von dem Kanonenrohr eines Panzers verfolgt. Jedenfalls ist die Besch\u00e4ftigung mit der baskischen Geschichte und auch mit der Aufarbeitung der Fl\u00fcchtlingstrag\u00f6dien, die meist in Kriegen ihren Ursprung haben, eine gute Vorbereitung f\u00fcr den Online-Vortrag am Abend.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Im Hostel leben<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Ich suchte bereits in Barcelona mit booking.com ein Hostel, das m\u00f6glichst nahe am Bahnhof liegt. Das war dann auch so. 20 Minuten und knapp 2 Kilometer sind eine ertr\u00e4gliche Zeitstrecke. Allerdings war die Lage grenzwertig. An einer Ausfallsstra\u00dfe entlang, unter Autobahnbr\u00fccken durch, weit abseits der Altstadt.&nbsp; Auf den ersten Blick f\u00fchlte ich mich dann dort nicht wohl. Allerdings lernte ich einige Haltepunkte kennen: Ich konnte in einem Zimmer schlafen, das nur schwach belegt war und in dem auch die junge Frau schlief, die sich um das Hostel k\u00fcmmerte. Sie hatte ein \u00fcberaus freundliches Gem\u00fct und ihre Gegenwart tat einfach wohl unter all den jungen M\u00e4nnern, viele von ihnen Arabisch sprechend. Ein anderer junger Mann sprach etwas Englisch und ich hatte immer das Gef\u00fchl, dass er auf meiner Seite steht. Er war so etwas wie das Alpha-Tier unter den Bewohnern. Beeindruckt war ich vor allem von den Muslimen, wie sie zu den Gebetszeiten im kleinen Gemeinschaftsraum ihren Teppich ausbreiteten, um ihre Gebete zu verrichten. Die Sauberkeit in der K\u00fcche war schon sehr grenzwertig, dennoch war es wieder angenehm, sich selbst das Essen zubereiten zu k\u00f6nnen. Mein \u00d6ko-Herz blutete etwas, wenn ich sah, dass die Ventilatoren im Dauereinsatz waren und die M\u00fclltrennung nicht einmal ann\u00e4hernd funktionierte.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Vom Wichtigsten (\u2026) vom Hauptgrund meiner Reise \u2026<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><img src='http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/20221201_122339-1024x768.jpg' class='thumbnail' \/>Donostia und das Baskische Eine Besonderheit der Stadt beginnt gleich beim Namen. Vertraut ist sie mir mit dem Namen San Sebasti\u00e1n. 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