{"id":8651,"date":"2023-02-07T06:04:43","date_gmt":"2023-02-07T06:04:43","guid":{"rendered":"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/?p=8651"},"modified":"2026-02-03T08:12:14","modified_gmt":"2026-02-03T08:12:14","slug":"klimakleben-in-innsbruck","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/?p=8651","title":{"rendered":"Klimakleben in Innsbruck"},"content":{"rendered":"\n<p>Anfang Februar 2023. Halb acht Uhr morgens. Eisige Temperaturen. Selbst der nahe Inn dampft. Viel mehr aber \u201edampfen\u201c die Autos. Ich rieche die Abgase in der Stadt zwar nicht mehr, weil ich es gewohnt bin, zugleich wei\u00df ich davon. Ich bin stark genug, um daran nicht zu erkranken, auch wenn ich merke, dass dann, wenn ich in den Bergen bin, meine Lungen besch\u00e4ftigt sind, den Dreck wieder heraus zu husten. Die Virologin Prof. von Laer, die mit ihrem Hund neben mir steht, k\u00f6nnte es mir medizinisch genauer erkl\u00e4ren, was sich da an Giftstoffen in meinen Lungen jeden Tag festfrisst. In der K\u00e4lte puffen die Motoren noch mehr Emissionen heraus. Am Zebrastreifen von der Innbr\u00fccke hin\u00fcber in die Altstadt haben sich acht Klimaaktivistinnen und Klimaaktivisten der Letzten Generation bereits f\u00fcr ihre Aktion vorbereitet. Orang-leuchtende Warnwesten, Kleber. Strategische Planung steht im Hintergrund. Niemand soll gef\u00e4hrdet werden. Beim Gr\u00fcn der Fu\u00dfg\u00e4ngerampel setzen sich die Aktivistinnen und Aktivisten auf den Zebrastreifen vor die bei Rot wartenden Autos. Die B 171, die an dieser Stelle Herzog-Otto-Stra\u00dfe genannt wird, ist im morgendlichen Fr\u00fchverkehr nun gesperrt. Selbst ohne diese Sperre gibt es an diesem Punkt zu vielen Tageszeiten einen Stau. Und auf der 161 Kilometer langen Bundesstra\u00dfe 171 zwischen Kufstein und Flirsch wird es an diesem Morgen noch viele Staus geben \u2013 selbst ohne Blockadeaktionen. Im Morgenverkehr blockieren sich die Autofahrenden aufgrund ihrer Masse ohnehin meist selber. Zur\u00fcck nach Innsbruck. Ein paar Autofahrende hupen nerv\u00f6s. Ein Passant beschimpft unfl\u00e4tig den Mann, der sich vor mir auf den Zebrastreifen geklebt hat. \u201eDu \u2026 geh heim \u2026\u201c Der Klimaaktivist bleibt ruhig. Er verweist sachlich auf die Menschengruppe, die sich wie eine Schutzwand hinter die Angeklebten der Letzten Generation gestellt hat. Es sind die \u201eScientists for Future Tirol\u201c. Die Professoren k\u00f6nnten genau erkl\u00e4ren, was sie t\u00e4glich neu in ihren Forschungen feststellen, in den H\u00f6rs\u00e4len lehren oder in Fachmagazinen publizieren. In \u201eScience\u201c hat einer der Wissenschaftler erst vor ein paar Tagen ver\u00f6ffentlicht, dass die Welt in Richtung +3 Grad Celsius Klimaerw\u00e4rmung steuert. Es w\u00fcrde bedeuten, dass 75 Prozent der Gletscher bis 2100 verschwunden w\u00e4ren. Jedes Zehntelgrad weniger z\u00e4hlt, um das Abschmelzen einzud\u00e4mmen, so ihre Botschaft. Deswegen sind einige von ihnen an diesem Morgen auch hier und geben R\u00fcckendeckung f\u00fcr die \u201eLetzte Generation\u201c. Deswegen bin auch ich hier. Auf der Innbr\u00fccke ist das sch\u00f6ne Rudi-Wach-Kruzifix und auch Jesus gibt symbolische R\u00fcckendeckung. Aber wahrscheinlich ist sein Widerstandsgeist ohnehin bei den Aktivistinnen und Aktivisten, die vor mir auf der Stra\u00dfe kleben. Ich rede mit Josef Aigner, Professor em. f\u00fcr Psychoanalyse an der Uni Innsbruck. Er spricht von der gro\u00dfen Verdr\u00e4ngung, was die schleichende Klimakatastrophe betrifft. Ingomar Glatz von den Scientists for Future Tirol spricht von der Vergeblichkeit, mit der die Wissenschaft seit 50 Jahren auf die H\u00f6lle der Klimaver\u00e4nderung hinweist und nennt das apokalyptische Bild vom \u201ebrennenden Haus\u201c. Wilhelm Guggenberger vom Institut f\u00fcr Systematische Theologie der Uni k\u00f6nnte es theologisch exakt begr\u00fcnden, warum er hier steht. &nbsp;Hans St\u00f6tter, Professor f\u00fcr Geographie an der Uni, sieht die Notwendigkeit f\u00fcr drastischere Ma\u00dfnahmen. Schwester Notburga demonstriert in ihrer Ordenstracht in franziskanischem Geist. Meine Dankbarkeit gilt vor allem den Aktivistinnen und Aktivisten, die mehr als eine Stunde mit einer Hand auf der eiskalten Stra\u00dfe kleben. Darunter Katharina Geistlinger, Mutter von drei Kindern, die es vor allem ihrer drei noch kleinen Kinder wegen macht. Die Polizei reagiert h\u00f6chst achtsam. \u201eDarf ich Ihre Personalien aufnehmen \u2026\u201c, fragt h\u00f6flich ein Beamter. Ein anderer mahnt die aggressive Fahrerin, die b\u00f6sartig hinter dem Steuer sitzt, hektisch telefoniert und hupt. Anwesend sind auch viele Vertreterinnen und Vertreter der Medien. Die Botschaft wird hinausgehen: Wir k\u00f6nne nicht weitermachen wie bisher. Das Haus brennt. Mit der Forderung nach Tempolimits 80\/100 sind wir schon vor mehr als 30 Jahren auf die Stra\u00dfe gegangen. Wahrscheinlich waren unsere Aktionen damals aber zu harmlos und haben Flugbl\u00e4tter und Pickerl zu wenig bewirkt.<\/p>\n\n\n\n<p>Klaus Heidegger<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Anfang Februar 2023. Halb acht Uhr morgens. Eisige Temperaturen. Selbst der nahe Inn dampft. Viel mehr aber \u201edampfen\u201c die Autos. Ich rieche die Abgase in der Stadt zwar nicht mehr, weil ich es gewohnt bin, zugleich wei\u00df ich davon. 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