{"id":8808,"date":"2023-03-27T20:01:11","date_gmt":"2023-03-27T20:01:11","guid":{"rendered":"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/?p=8808"},"modified":"2023-03-27T20:55:52","modified_gmt":"2023-03-27T20:55:52","slug":"lizumer-skitourenrunde-in-spaetmaerztagen","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/?p=8808","title":{"rendered":"Lizumer-Skitourenrunde in Sp\u00e4tm\u00e4rztagen"},"content":{"rendered":"\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><a href=\"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/Liz-01-scaled.jpg\"><img loading=\"lazy\" width=\"768\" height=\"1024\" src=\"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/Liz-01-768x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-8809\" srcset=\"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/Liz-01-768x1024.jpg 768w, http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/Liz-01-225x300.jpg 225w, http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/Liz-01-1152x1536.jpg 1152w, http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/Liz-01-1536x2048.jpg 1536w, http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/Liz-01-scaled.jpg 1920w\" sizes=\"(max-width: 768px) 100vw, 768px\" \/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<p>Kein Bericht soll es wieder werden, an dem man sich orientierte, um Zeiten und H\u00f6henmeter und Routen zu studieren. Zum Gl\u00fcck gibt es \u00fcber das Skitourenparadies Wattener Lizum schon viel zu lesen. Und es gibt auch jene, die anders als ich die Mulden und Grate und H\u00e4nge und Gipfel genauestens kennen, sommers wie winters. F\u00fcr mich, obwohl begeisterter Skitourengeher, waren die Gipfel westlich und \u00f6stlich und s\u00fcdlich der Lizumer H\u00fctte neu. Mag sein, dass es f\u00fcr meine pazifistische Seele bislang fast ein Tabu war, in einem Gebiet, das als Hochgebirgstruppen\u00fcbungsfeld ausgewiesen ist, unterwegs zu sein. Erfahrenes wiederzugeben, das ist allerdings mein Sinn \u2013 Berge mit politischen und philosophischen und existenziellen Gedanken zu verkn\u00fcpfen, das ist mein Anliegen.<\/p>\n\n\n\n<p>Der M\u00e4rz wird bald dem April die Staffel \u00fcbergeben. Der Winter mit seinem klimatisch bedingten Schnee- und Wassermangel geht seinem Ende zu. In den letzten Tagen hat es noch bis in Gipfelregionen hinauf geregnet. Das von der Klimaver\u00e4nderung ver\u00e4nderte Wetter spielt sp\u00fcrbar verr\u00fcckt. Es ist, als weinte der Himmel angesichts der Zerst\u00f6rungen, die die Menschen der Sch\u00f6pfung antun. Die Felder im Inntal sind l\u00e4ngst gr\u00fcn geworden, die Folien \u00fcber die Gem\u00fcsefelder ausgebreitet und die unn\u00fctzen Forsythienstauden strahlen ihr Neongelb wieder und die viel n\u00fctzlicheren sanftgelben Bl\u00fcten vom Dirndlstrauch locken die Bienen und Hummeln an. Wenn ich auf den dramatisch niederen Pegelstand des Inns schaue, dann freue ich mich \u00fcber die Wetterprognosen, die f\u00fcr die n\u00e4chsten Tage endlich Niederschl\u00e4ge vorhersagen, auch wenn dies als Widerspruch zum Skitourenwochenende des Haller Alpenvereins stehen k\u00f6nnte.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich bin froh, dass sich die verantwortliche Tourenf\u00fchrerin von den Wetteraussichten nicht abhalten lie\u00df, das Projekt umzusetzen. Ihr vertraue ich auch, dass die beiden Tage gelingen werden. Mehr und mehr habe ich in den letzten beiden Jahren die gemeinsamen AV-Touren zu sch\u00e4tzen gelernt. Das bedeutet vor allem: Stressfrei neue Gipfel kennen zu lernen, die ich mir alleine nicht zutrauen w\u00fcrde, weder technisch noch orientierungsm\u00e4\u00dfig. In einer Gemeinschaft ist dies m\u00f6glich. Allein, so beginne ich zu philosophieren, kann manches nicht erreicht werden, was gemeinsam bzw. durch die Erfahrung von anderen gelingen kann. Diesmal sind wir eine gro\u00dfe Gruppe geworden \u2013 11 Personen und zwei Tourenf\u00fchrerinnen. Die meisten von ihnen sind mir schon von fr\u00fcheren Touren vertraut geworden.<\/p>\n\n\n\n<p>Fest Mari\u00e4 Verk\u00fcndigung. 25. M\u00e4rz. Als Theologe und Religionslehrer ist mir dieses Datum wichtig geworden. Irgendwie ist ein Gegr\u00fc\u00dft-seist-du-Maria heute auf den Lippen. Viel habe ich \u00fcber die Bedeutung des Festes und die entsprechende Bibelstelle bereits geschrieben und in der Schule und in Vortr\u00e4gen dazu gearbeitet. Meine Gedanken sind auch heute bei diesem Fest, w\u00e4hrend wir zum ersten Ziel, der Eiskarspitze, aufsteigen. Nur kurz mussten wir vom Lager Walchen (1410 m) auf dem Fu\u00dfweg Richtung Lizumer H\u00fctte und entlang vom Lizumerbach die Ski tragen. Den Aufstieg links zur Grafennspitze kannte ich von fr\u00fcheren Touren. Nun geht es weiter s\u00fcdlich hinein und dann \u00fcber H\u00e4nge und Mulden hinauf ins Joch zwischen Torspitze und Eiskarspitze. Der Wind vertreibt immer wieder die Wolken und l\u00e4sst die Sonne zwischendurch scheinen. Die Schneedecke ist besonders. Man wei\u00df eigentlich nie, ob man knietief im nassen Schnee versinkt, \u00fcber dem eine d\u00fcnne Neuschneeschicht liegt. Lawinenwarnstufe 3 erfordern eine entsprechende Routenwahl und Sicherheitsregeln einzuhalten. Au\u00dfer uns ist niemand unterwegs. Ich zieh mir f\u00fcr die Passage vom Skidepot beim Eiskarjoch bis zum Gipfel dann lieber die Steigeisen an. Die steilen Abschnitte im Mix von Gras und Schnee \u00fcber den Abgr\u00fcnden mag ich einfach nicht. Der Gipfel (2611 m) mit dem Kreuz auf den Felst\u00fcrmen ist gerade gro\u00df genug, um uns als Gruppe fassen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Problemlos geht es dann von der Mulde beim Eiskarjoch mit den Ski den abgeblasenen breiten Nordgrat hinauf zum 2. Gipfel, der Torspitze mit dem orangenfarbenen Vermessungszeichen und Platz f\u00fcr einige hundert Menschen. Aber wir sind die einzigen heute. Die Abfahrt \u00fcber den Bruchharschdeckel hinunter in die Lizum ist spannend. Bei jedem Schwung schwingt die Frage mit: H\u00e4lt der Deckel? Die beste Technik ist in diesem Fall, das Gewicht so nach hinten zu verlagern, dass die Ski vorne nicht in das fette Schneenass eintauchen.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr mich ist es noch zu fr\u00fch, um gem\u00fctlich in der H\u00fctte zu sein. Allein steige ich \u00fcber die Almen westlich die H\u00e4nge auf ein Joch. Die Gegend ist mir nicht bekannt. Welches Joch ist das, denke ich mir, und bin froh, als ich oben eine Tafel sehe. Auf der verwitterten Schrift steht etwas, das wie eine Ironie zu sein scheint: \u201eUnbenannte Scharte\u201c. Die H\u00fctte ist voll belegt, das Personal auf der H\u00fctte ist sehr freundlich, das Essen schmeckt super mit Riesenkn\u00f6deln und bestem dunklen Bier und die Nacht im Bergf\u00fchrerzimmer angenehm.<\/p>\n\n\n\n<p>Geplant sind f\u00fcr den Sonntag die Berge im S\u00fcd-West-Verlauf der Lizum. Ausgehend von 2000 Meter sind es nicht mehr so viele H\u00f6henmeter. Es hat abgek\u00fchlt und die Schneedecke unter dem neuen Schnee ist gefroren. Die Route auf die Geierspitze (2857 m) ist problemlos. Es f\u00fchrt an diesem Tag noch keine Spur hinauf. Statt eines Kreuzes ist eine Geierfigur am Gipfel. Obwohl so oft \u2013 auch diesen Winter \u2013 gesehen, beeindruckt mich immer wieder das Meer von Gipfeln der Tuxer, Stubaier und Zillertaler Alpen rundherum. Im Westen ziehen sich immer wieder dicke Unwetterwolken zusammen. Wie lange wird der Wind noch die schwarzen Wolken zur\u00fcckhalten k\u00f6nnen? Mit dieser Frage im Hinterkopf, verzichten wir auf die geplante Besteigung des Lizumer Reckner, der ein felsiger Nachbargipfel vom Geier ist und zugleich der h\u00f6chste der Tuxer Alpen.<\/p>\n\n\n\n<p>An den Abh\u00e4ngen von Lizumer und Naviser Reckner entlang \u2013 f\u00fcr mich sehr fordernd die steilen Schnee-Gras-H\u00e4nge \u00fcber den Abgr\u00fcnden und meinem mangelnden Vertrauen auf die Kanten (da tat der Zuspruch schon sehr gut!) \u2013 in ein weites Talbecken mit dem Namen Knappenkuchl nochmals auffellen und auf die M\u00f6lser Sonnenspitze (2496 m) und dann in gutem Schnee aber sehr schlechter Sicht hinunter ins M\u00f6lstal, wo weit oben das Milit\u00e4r ein Lager errichtet hat.<\/p>\n\n\n\n<p>Es hat zu schneien begonnen. Dicke Schneeflocken. Ein Unfall d\u00e4mpft unsere Stimmung. Dankbar bin ich der Bergrettung, die die Verunfallte abholt. Entlang des Weges l\u00e4sst sich vom M\u00f6sl-Hochlager fast bis zum Lager Walchen auf der Milit\u00e4rstra\u00dfe hinunterfahren. Gelangweilt lesend sitzt ein Soldat in seinem Posten. Die rot-wei\u00df-rote Flagge ist aufgezogen. Milit\u00e4rgebiet. Auf dem Weg habe ich tats\u00e4chlich einen Blindg\u00e4nger gefunden. Unwissend, wie man mit Munition umgeht, werfe ich ihn in den Schnee. Wenn es nur so einfach ginge: Alle Soldaten werfen ihre Munition weg. Alle. Es w\u00e4re endlich Frieden auf dieser Erde. Warum nicht in der Wattener Lizum damit beginnen?<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><img src='http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/Liz-01-768x1024.jpg' class='thumbnail' \/>Kein Bericht soll es wieder werden, an dem man sich orientierte, um Zeiten und H\u00f6henmeter und Routen zu studieren. Zum Gl\u00fcck gibt es \u00fcber das Skitourenparadies Wattener Lizum schon viel zu lesen. Und es gibt auch jene, die anders als ich die Mulden und Grate und H\u00e4nge und Gipfel genauestens kennen, sommers wie winters. F\u00fcr&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":8809,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[1],"tags":[1465,1467,1466,1464,1106],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/8808"}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=8808"}],"version-history":[{"count":2,"href":"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/8808\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":8811,"href":"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/8808\/revisions\/8811"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/8809"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=8808"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=8808"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=8808"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}