{"id":8853,"date":"2023-04-07T11:44:16","date_gmt":"2023-04-07T11:44:16","guid":{"rendered":"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/?p=8853"},"modified":"2023-04-07T11:44:16","modified_gmt":"2023-04-07T11:44:16","slug":"die-zischgeles-an-einem-gruendonnerstag-und-am-oesterreichischen-welterschoepfungstag","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/?p=8853","title":{"rendered":"Die Zischgeles an einem Gr\u00fcndonnerstag und am \u00f6sterreichischen Weltersch\u00f6pfungstag"},"content":{"rendered":"\n<p><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><a href=\"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/zisch-kl.jpg\"><img loading=\"lazy\" width=\"1024\" height=\"768\" src=\"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/zisch-kl-1024x768.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-8854\" srcset=\"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/zisch-kl-1024x768.jpg 1024w, http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/zisch-kl-300x225.jpg 300w, http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/zisch-kl-768x576.jpg 768w, http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/zisch-kl-1536x1152.jpg 1536w, http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/zisch-kl.jpg 2048w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<p>\u201eZischgeles\u201c klingt wirklich wie einer Tiroler Dialektwort. Ist es auch. \u201eZischka\u201c \u2013 so hei\u00dft \u201eFranziskus\u201c im Tiroler Idiom, schreibt der Sellrainer Bergexperte Lukas Ruetz in seinem Blog. Zischgeles \u2013 also der \u201eFranziskusberg\u201c. Die Zischgeles als Skitourenklassiker geh\u00f6rt f\u00fcr mich irgendwie zu jedem Winter. Diesmal passen auch die Bedingungen. Lange hatte es bisher zu wenig Schnee und als es geschneit hatte, war lawinenbedingt ein Aufstieg nicht ratsam. An diesem Gr\u00fcndonnerstag passt skitourenm\u00e4\u00dfig einfach alles: Heute ist Lawinenwarnstufe 2. Das Wetter ist optimal: Kalt. Der Neuschnee der letzten Tage ist pulvrig. Ein tiefes Himmelblau. Eine motivierende Begleitung. Wir sind die ersten, die von Praxmar (1689 m) losgehen. Der Gipfel auf 3004 m l\u00e4sst sich von unten schon erkennen. Bachstelzen zwitschern. Nur eine Person ist vor uns. Manchmal ziehe ich meine eigene Spur durch den feinen Pulverschnee.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Gehen in der Gebirgswelt ist meist zugleich auch ein inneres Gehen durch eigene Gedanken- und Gef\u00fchlswelt mit all den H\u00f6hen und Tiefen. Ich denke an den heutigen Gr\u00fcndonnerstag und dabei an das, was damit religi\u00f6s verbunden ist. Gedankenschritte in die Theologie und ihrer Vererdung in Erfahrungen. Am Gr\u00fcndonnerstag geht es um die Erfahrung des F\u00fc\u00dfewaschens, das mit Mahlerfahrungen untrennbar verkn\u00fcpft ist. Dann, wenn einander nicht sprichw\u00f6rtlich \u201edie K\u00f6pfe gewaschen\u201c werden, dann, wenn bedingungslos einander \u201egedient\u201c wird, dann wird auch das gemeinsame Essen und Trinken zur erf\u00fcllenden Erfahrung. Gedanklich und gef\u00fchlsm\u00e4\u00dfig bin ich schon beim Karfreitag in der Erfahrungswelt vieler Menschen, die lautet: Du bist nicht gut genug, du musst weg, du passt mir nicht. Das Abendmahl-Erlebnis, das in einer Erfahrung von Gemeinschaft liegt, wo niemand Angst haben muss, nicht zu gen\u00fcgen, wo f\u00fcreinander gesorgt wird und niemand mehr gezwungen ist, sich allein selber abzusichern, wo es kein Fallen in die Tiefe gibt, sondern ein Aufeinanderschauen, weil man sich mag und jeder und jede F\u00e4higkeiten und St\u00e4rken einbringen kann, wo Schw\u00e4chen nicht zynisch kommentiert werden und niemand mit dem Finger darauf zeigt, wo Konkurrenzverh\u00e4ltnisse gar nicht aufkommen in der Gnade wechselseitiger liebender Annahme.<\/p>\n\n\n\n<p>Der steile Hang hinauf zum R\u00fccken ist heute optimal zum Gehen. Man braucht gerade keine Harscheisen. F\u00fcr den Gipfelaufbau am Ostgrat ziehe ich aber die Steigeisen an und kann meiner steigeisenlosen Begleitung bei manchen Tritten am exponierten Grat etwas Absicherung geben. Die kurze Eisenkette ist praktisch, um auf einer Felsplatte nicht wegzurutschen. Der Schnee ist allerdings griffig. Wir sind allein am Gipfel mit dem Edelwei\u00dfkreuz. Bei diesen Sichtbedingungen tut sich wieder die F\u00fclle von Gipfeln und T\u00e4lern rundherum auf. Ich konzentriere mich auf ein paar wenige: im Nordwesten der Zwieselbacher Rosskogel, auf dem ich erst gestern war, im S\u00fcdwesten schaut die Wildspitze neben der Grubenwand hervor, die sich heute mit dem Neuschnee ganz besonders sch\u00f6n pr\u00e4sentiert, der L\u00fcsener Fernerkogel beherrscht mit seinen Nordflanken den Blick in den S\u00fcden. Im Osten die Tuxer Alpen. Ich bin dankbar f\u00fcr die vielen Touren, die ich in meiner Sabbatical-Saison schon gehen konnte.<\/p>\n\n\n\n<p>Vom Gipfel bis fast zum Parkplatz k\u00f6nnen wir traumhafte Schw\u00fcnge im Pulver \u2013 und ganz unten dann im sanften Firn \u2013 ziehen. Nur der letzte Hang ist dann grob verspurt. W\u00e4hrend wir abfahren, sind nun schon viele andere im Aufstieg unterwegs. Der Tag ist noch lang: f\u00fcr ein Greinen, das mit einem Hoffen und Glauben an Auferstehung verkn\u00fcpft ist. Glauben und Hoffen allerdings sind immer die Frucht von einer Erfahrung von Liebe, denke ich mir beim Blick in das unendliche Blau des Himmels.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><img src='http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/zisch-kl-1024x768.jpg' class='thumbnail' \/>\u201eZischgeles\u201c klingt wirklich wie einer Tiroler Dialektwort. Ist es auch. \u201eZischka\u201c \u2013 so hei\u00dft \u201eFranziskus\u201c im Tiroler Idiom, schreibt der Sellrainer Bergexperte Lukas Ruetz in seinem Blog. Zischgeles \u2013 also der \u201eFranziskusberg\u201c. Die Zischgeles als Skitourenklassiker geh\u00f6rt f\u00fcr mich irgendwie zu jedem Winter. Diesmal passen auch die Bedingungen. Lange hatte es bisher zu wenig Schnee&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":8854,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[1],"tags":[488,1106,1142],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/8853"}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=8853"}],"version-history":[{"count":1,"href":"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/8853\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":8855,"href":"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/8853\/revisions\/8855"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/8854"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=8853"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=8853"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=8853"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}