{"id":9209,"date":"2023-07-06T19:29:28","date_gmt":"2023-07-06T19:29:28","guid":{"rendered":"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/?p=9209"},"modified":"2023-07-06T19:29:52","modified_gmt":"2023-07-06T19:29:52","slug":"stimmungsbilder-aus-der-daenischen-hauptstadt-kopenhagen-an-einem-ersten-sonntag-im-juli-und-hygge-zeit","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/?p=9209","title":{"rendered":"Stimmungsbilder aus der d\u00e4nischen Hauptstadt: Kopenhagen an einem ersten Sonntag im Juli und Hygge-Zeit"},"content":{"rendered":"\n<p><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><a href=\"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2023\/07\/Koph-1-scaled.jpg\"><img loading=\"lazy\" width=\"768\" height=\"1024\" src=\"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2023\/07\/Koph-1-768x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-9210\" srcset=\"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2023\/07\/Koph-1-768x1024.jpg 768w, http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2023\/07\/Koph-1-225x300.jpg 225w, http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2023\/07\/Koph-1-1152x1536.jpg 1152w, http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2023\/07\/Koph-1-1536x2048.jpg 1536w, http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2023\/07\/Koph-1-scaled.jpg 1920w\" sizes=\"(max-width: 768px) 100vw, 768px\" \/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<p>Nach sieben Tagen Non-Stop-Radeln von Innsbruck nach Kopenhagen ist nun Pause angesagt \u2013 \u201eHygge\u201c k\u00f6nnte man es auf D\u00e4nisch sagen. \u201eGem\u00fctlichkeit\u201c. Unser Quartier entspricht dem Hostel-Lifestyle des 21. Jahrhunderts. Alles ist funktional durchdacht. Die Schlafkojen im Viererzimmer bieten trotz der Kleinheit des Zimmers gen\u00fcgend intime und ger\u00e4uschreduzierte R\u00fcckzugsm\u00f6glichkeit. Im Parterre findet sich alles, was Reisende \u2013 und es sind vor allem junge \u2013 brauchen: Bars und Restaurants mit einfachem Essen, sogar ein Fitnessstudio und eine Turnhalle und viele Sitzbereiche, um sich zu treffen und zu kommunizieren. Im Hostel entfaltet sich ein lebendiges organisiertes Gewusel, wo man sich letztlich schnell zurechtfindet.&nbsp;&nbsp; Die Funktionalit\u00e4t f\u00fchrt dazu, dass eine gro\u00dfe Zahl von Reisenden zu einer einfachen und preisg\u00fcnstigen Bleibe findet. Zwei Reisende mit ihrem Radoutfit w\u00fcrden ohnehin nicht in eines der Hotels passen.<\/p>\n\n\n\n<p>Kopenhagen ist Hafenstadt und an Wasser gebaut. Einige der H\u00e4userreihen mit hochmodernen Glashochh\u00e4usern oder den traditionellen Backsteinbauten liegen an Kan\u00e4len, die mit dem Meer verbunden sind. Wie alle Gro\u00dfst\u00e4dte dieser Welt ist auch die d\u00e4nische Hauptstadt von Gegens\u00e4tzen gepr\u00e4gt: In den Panzerglasscheiben der Luxuspal\u00e4ste spiegeln sich die Fassaden der Gem\u00e4uer von der Freistadt Christiania. Wir spazieren zu fr\u00fcher Morgenstunde durch dieses Projekt alternativen Lebens. Die H\u00e4user wirken heruntergekommen und die Graffitis k\u00f6nnen nicht das Zerbr\u00f6ckelnde verdecken. Viel Abfall liegt herum. Am auff\u00e4lligsten sind Menschen, die sich hier finden, um einen Joint zu rauchen. Es riecht danach an jeder Ecke. Beim Spaziergang durch Christiania \u2013 das so viel kleiner wirkt als in meinen bisherigen Vorstellungen \u2013 wird mir jedenfalls klar: Das Leben hier ist keine Alternative zum Leben jenseits der Grenze von dieser Freistadt, auch wenn das Leben auf der anderen Seite in vieler Hinsicht Welt und Menschen kaputt macht.<\/p>\n\n\n\n<p>Einige der touristischen Orte liegen auf unserem Spaziergang durch Kopenhagen. Auf einen 90 Meter hohen Turm f\u00fchrt eine Wendeltreppe \u2013 zun\u00e4chst \u00fcber Holzstiegen im Inneren dann in einer Spirale im \u00e4u\u00dferen Bereich. Die kupfernen Treppen werden immer enger bis zur Spitze des Turmes. Von dort oben l\u00e4sst sich Kopenhagen gut erfassen: Der Blick auf die alten H\u00e4userreihen im Backziegelbautenstil, auf Glast\u00fcrme der Gegenwart, auf die Kan\u00e4le und das Meer im Hintergrund. Auf unserem Weg lasse ich mich durch Kunstwerke inspirieren: Eine \u00fcberdimensional stilisierte Waschmaschine in gr\u00fcner Farbe steht an einem der Kan\u00e4le und symbolisiert die Gefahr des \u201eGreenwashing\u201c und macht auf die SDGs aufmerksam. \u201eInfinite Space\u201c hei\u00dft ein begehbares Objekt, in dessem Inneren sich ein Mensch in einer Spiegellandschaft vorfindet, die keinen Anfang und kein Ende kennt. Vor dem Au\u00dfenministerium steht eine Skulptur, die einen Block darstellt, der zackig in der Mitte zerbrochen ist und Licht durchscheinen l\u00e4sst. Am Nyhavn, der farbenpr\u00e4chtige H\u00e4userfront am Kanal am Eingang zu historischen Stadt, sind dann schon wieder Touristenmassen und \u2013 man glaubt kaum, dass Sonntag ist \u2013 in der kilometerlangen Einkaufsstra\u00dfe wird dem Konsum gehuldigt. Wir kommen am k\u00f6niglichen Palast vorbei mit dem gro\u00dfen Platz davor und machen dann einen touristischen Pflichtbesuch bei der ber\u00fchmtesten Frau von Kopenhagen \u2013 ber\u00fchmter noch als K\u00f6nigin Margareta II. Die kleine Statue der Meerjungfrau ist auch an diesem verregneten Tag Ziel von einer Schlange von Touristen und wie k\u00f6nnte es anders sein, als dass ich von einem japanischen Paar gefragt werde, ob ich von ihnen in Foto mache mit der Meerjungfrau im Hintergrund. Haben sie diese wirklich gesehen? Ein paar Minuten sitze ich etwas abseits der Masse direkt am Meer vor der bronzenen zierlichen Sch\u00f6nheit, die f\u00fcr die Ur-Sehnsucht einer Verbindung von Meer und Land, von Traumwesen und Wirklicht steht, einer Existenz zugleich, die sich an der Grenze findet und ein Hier und Dort verbindet. Wahrscheinlich ist es das, was zumindest unbewusst die Meerjungfrau zum wirklichen Wahrzeichen von Kopenhagen gemacht hat \u2013 und es ist gut so, dass nicht eine der kriegerischen Reiterstatuen der Fokus des Interesses ist. Um etwas besser die Geschichte D\u00e4nemarks zu verstehen, lassen wir uns ins Nationalmuseum verleiten. Allerdinges ist dieser renommierte Ort in vieler Hinsicht entt\u00e4uschend. Die Ausstellungsr\u00e4ume haben teilweise den Charakter von einem \u00fcberf\u00fcllten Tr\u00f6delladen. In der sich wiederholenden F\u00fclle von Objekten geht die Einzigartigkeit verloren. Meine Sinne und mein Geist orientieren sich dann an einzelnen Objekten und ich staune dann, wie gro\u00df das nachgestellte Wikingerschiff war. In der Wikingerausstellung wird v\u00f6llig unkritisch dargestellt, wie die christliche Missionierung den Glauben an die alten Gottheiten verdr\u00e4ngte, ganz der Ideologie vom Sieg des Christentums \u00fcber die Heiden getragen. Die ethnographischen Abteilungen gleichen der Pr\u00e4sentation eines Beutezuges aus den damaligen d\u00e4nischen Kolonien. Kritische Aufarbeitung? Nein! Ich tr\u00f6ste mich mit ein paar kostbaren mittelalterlichen Kunstwerken, die wenig wertsch\u00e4tzend abgestellt in Nebenr\u00e4umen von fast allen Besucherinnen und Besuchern unbeachtet bleiben. Als Bild nehme ich die Hl. Margareta mit, die liebevoll den Drachen in ihrem Arm tr\u00e4gt. Ein vers\u00f6hnliches Bild.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><img src='http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2023\/07\/Koph-1-768x1024.jpg' class='thumbnail' \/>Nach sieben Tagen Non-Stop-Radeln von Innsbruck nach Kopenhagen ist nun Pause angesagt \u2013 \u201eHygge\u201c k\u00f6nnte man es auf D\u00e4nisch sagen. \u201eGem\u00fctlichkeit\u201c. Unser Quartier entspricht dem Hostel-Lifestyle des 21. Jahrhunderts. Alles ist funktional durchdacht. 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