{"id":9311,"date":"2023-08-04T10:18:32","date_gmt":"2023-08-04T10:18:32","guid":{"rendered":"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/?p=9311"},"modified":"2023-08-05T05:39:15","modified_gmt":"2023-08-05T05:39:15","slug":"brentatag-1-unterwegssein-in-einem-einzigartigen-gebirge-eine-durchquerung-der-brentagruppe","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/?p=9311","title":{"rendered":"Brenta-Tag 1: Unterwegssein in einem einzigartigen Gebirge: eine Durchquerung der Brentagruppe"},"content":{"rendered":"\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><a href=\"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2023\/08\/b-m-26-2.jpg\"><img loading=\"lazy\" width=\"577\" height=\"1024\" src=\"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2023\/08\/b-m-26-2-577x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-9315\" srcset=\"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2023\/08\/b-m-26-2-577x1024.jpg 577w, http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2023\/08\/b-m-26-2-169x300.jpg 169w, http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2023\/08\/b-m-26-2-768x1364.jpg 768w, http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2023\/08\/b-m-26-2-865x1536.jpg 865w, http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2023\/08\/b-m-26-2.jpg 901w\" sizes=\"(max-width: 577px) 100vw, 577px\" \/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<p><strong>Klimabewusste Anfahrt<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Montag, 31. Juli 2023. Weil ich Berge und vor allem die noch verbliebenen Gletscher sch\u00e4tze, weil ich m\u00f6chte, dass Menschen vor den drohenden und bereits stattfindenden Umweltkatastrophen gesch\u00fctzt werden, weil ich betroffen bin von den schon stattfindenden Unwetterverh\u00e4ltnissen in so vielen Teilen der Welt, in denen Hab und Gut von Hunderttausenden vernichtet wird, weil die Biodiversit\u00e4t allerorten verschwindet, weil meine Unterst\u00fctzung der Scientists for Future und der Letzten Generation im eigenen Verhalten sich widerspiegeln sollte, weil eine Anreise mit \u00d6ffentlichen Verkehrsmitteln zu den Ausgangspunkten von Bergtouren meist leicht m\u00f6glich ist und wesentlich entspannender als mit Auto ist, weil eine Kaskade an Kipppunkten bald erreicht sein wird, wie die letzten Wochen im w\u00e4rmsten Juli der Menschheitsgeschichte und angesichts der vielen Waldbr\u00e4nde zeigen, w\u00e4hlten auch wir als An- und Abreisem\u00f6glichkeit die \u00d6ffi-Variante: Zug bis Trient und von dort mit Bus nach Madonna di Campiglio. Das ist unkompliziert. Am Fahrkartenschalter in Innsbruck l\u00e4sst sich ein Euregioticket ausdrucken, mit dem zwei Personen um 39 Euro einen ganzen Tag lang alle \u00f6ffentlichen Verkehrsmittel im Euregiogebiet Trentino-S\u00fcdtirol-Tirol n\u00fctzen k\u00f6nnen. Leider ist dies noch viel zu wenig bekannt und wird \u00f6ffentlich kaum propagiert. Manche Bergsteigende studieren auch lieber die Bergkarten als Anfahrtsm\u00f6glichkeiten mit \u00f6ffentlichen Verkehrsmitteln.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Eisack f\u00fchrt braunes Hochwasser. Im Pustertal soll es heftige Unwetter gegeben haben. Blicke auf die Autobahn, die durch das Etschtal f\u00fchrt, offenbaren einen z\u00e4hen Blechwurm in beide Fahrtrichtungen. Bahnreisende gibt es wenig. Die Autostazione in Trient ist in unmittelbarer N\u00e4he zum Bahnhof. Von meinen Rennradfahrten kenne ich die eindrucksvolle Schluchtenwelt, in die der Bus sich durch Tunnels und enge Kurven hinaufwindet. Zwei Stunden dauert die Fahrt von Trient bis Campiglio auf 1.550 Meter. Das deutsche Exonym St. Maria im Pein f\u00fcr Campiglio \u2013 wie die Einheimischen es kurz nennen \u2013 gibt etwas mehr die Geschichte des Ortes wieder, mit dem heute einer der bekanntesten Wintersportorte Italiens assoziiert wird. Es war der Habsburgeradel und das reiche B\u00fcrgerturm, die Campiglio zu einem mond\u00e4nen Ort werden lie\u00dfen. &nbsp;Ein Hotel reiht sich an das andere \u2013 eine Stimmung wie in Ischgl. Auf beiden Seiten gehen Liftanlagen hinauf. Wir nehmen die Grost\u00e8-Kabinenbahn zu unserem Ausgangspunkt. So schweben wir \u00fcber die planierten B\u00f6den hinauf. Links und rechts davon sind die Beschneiungsanlagen. Auf den k\u00fcnstlich wirkenden gr\u00fcnen Pisten wurde teils Heu gestreut. Dass Skifahren auf Kunstschnee nicht umweltfreundlich ist, wird jetzt im Sommer mit aller Deutlichkeit sichtbar. Der technische Aufwand, dass Menschen hier im Winter auf wei\u00dfen B\u00e4ndern hinunterfahren k\u00f6nnen, ist enorm. Das Megaskiresort Madonna di Campiglio wirkt f\u00fcr mich wie eine anachronistische Zeiterscheinung aus den Tagen, als Klimawandel kein Thema war.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Von der Grost\u00e8 Bergstation zum Rifguio Tuckett \u00fcber Benini- und Dellagiacoma Klettersteig<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Gleich unweit der Bergstation Paso del Grost\u00e8 (2444 m) beginnt die Wegkette des \u201eSentiereo delle Bochette\u201c, die \u00fcber eine Ansammlung von Klettersteigen \u00fcber den zentralen Teil der Brentagruppe f\u00fchrt. Wolken und Nebelfetzen ziehen um die beeindruckenden Felsformationen. Laut Wetterberichten soll es heute aber weder Regen noch Gewitter geben. Die Tour ist mit rund 600 H\u00f6henmeter Anstieg und 800 H\u00f6henmeter Abstieg verteilt auf 6 Kilometer nicht lang und wir k\u00f6nnen bereits mittags losgehen. Diese Ferrata soll auch der einfachste Teil am Bochette-Weg sein. Die Angaben bewegen sich zwischen A und B \u2013 was nicht angef\u00fchrt wird, ist allerdings die Tatsache, dass es immer wieder auch leichtes Klettergel\u00e4nde und viele ungesicherte Passagen an ausgesetzten Felsb\u00e4ndern gibt. Das gemeinsame Unterwegssein hilft mir dann, wenn ich mich unsicher f\u00fchle und meinen Tritten manchmal zu wenig traue. Dann schau ich halt auf den luftigen Felsb\u00e4ndern weniger in die Tiefen hinunter \u2013 und die sind gewaltig \u2013 und konzentriere ich mich rein auf den jeweils n\u00e4chsten Griff und Tritt. Jedenfalls komme ich aus dem Staunen \u00fcber die so besondere Gebirgswelt nicht hinaus. Der h\u00f6chste Punkt unserer heutigen Tour ist knapp \u00fcber 2900 m. Die Wolken- und Nebelstimmung ist besonders \u2013 zwischendrin kommt immer wieder tiefblauer Himmel durch. Laut Beschreibungen soll dieser Steig stark frequentiert sein. Heute ist es nicht so. Nur ein paar Mal \u00fcberholen wir Gruppen, die etwas langsamer vor uns unterwegs sind. Gipfelambitionen haben wir keine \u2013 bin eigentlich nur froh dar\u00fcber, keine Extraklettereien hinzuzuf\u00fcgen. Bei einer Abzweigung w\u00e4hlen wir dann den Klettersteig Dellagiacoma hinunter zu den beiden Tuckett-Schutzh\u00fctten. Sie &#8211; Tucket und Sellah\u00fctte &#8211;  stehen nebeneinander auf einem breiten felsigen Joch, das umrahmt ist von Steilw\u00e4nden. Zwei H\u00fctten nebeneinander? Vor mehr als hundert Jahren, als die H\u00fctten gebaut wurden, war der nationalistische Streit zwischen den italienischen Trentinern und habsburgerisch-deutsch-\u00f6sterreichischen Machtinteressen manifest. So bauten sich die Trentiner Alpinisten die Sellah\u00fctte, w\u00e4hrend sich die deutsch-\u00f6sterreichischen Vereine gleich daneben die Tucketth\u00fctte erbauen lie\u00dfen. In diesen nationalistischen Streit waren auch die Gipfelersteigungen. Wessen Fahne sollte als erstes auf einem Gipfel wehen? Die Brentagruppe verdient es jedenfalls, als UNESCO Welterbe anerkannt worden zu sein. Von einem &nbsp;einstmals wohl m\u00e4chtigen Gletscher ist nur mehr weit hinten ein kl\u00e4glicher Rest eines Firnfeldes \u00fcbrig geblieben. Bald werden fast alle Gletscher im Brentagebirge verschwunden sein. Klimawandel ist sichtbar. Die verbliebenen Gletscherreste sind teils mit Ger\u00f6ll bedeckt und aufgrund von Blankeis gef\u00e4hrlich geworden. Manche Zustiege zu den Klettersteigen sollen daher nicht mehr einfach sein.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich sp\u00fcre die Dankbarkeit, gemeinsam dieses Panorama erleben zu k\u00f6nnen, habe viel Zeit, die W\u00e4nde zu bestaunen, im S\u00fcdosten ragen die Felsw\u00e4nde der Cima Brenta hinauf und gleich hinter den beiden H\u00fctten gibt der typische Brenta-Nebel immer wieder den Blick auf zwei Kletterer frei, die eine f\u00fcr mich unerreichbare Dimension des Kletterns im r\u00f6tlich-schwarzen Brentafels verk\u00f6rpern. Freundlich werden wir in der H\u00fctte bewirtet und finden Rast in einem Sechserzimmer. Eine erste Nacht im Herzen der Brenta.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><img src='http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2023\/08\/b-m-26-2-577x1024.jpg' class='thumbnail' \/>Klimabewusste Anfahrt Montag, 31. Juli 2023. 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