{"id":9502,"date":"2023-09-25T19:42:29","date_gmt":"2023-09-25T19:42:29","guid":{"rendered":"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/?p=9502"},"modified":"2026-02-03T07:50:50","modified_gmt":"2026-02-03T07:50:50","slug":"bruder-klaus-von-fluee-asketisch-mystisch-radikal","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/?p=9502","title":{"rendered":"Bruder Klaus von Fl\u00fce: Asketisch, mystisch, radikal"},"content":{"rendered":"\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>Die Eckdaten des Schweizer Nationalheiligen, der nicht zuf\u00e4llig mein Namenspatron wurde, lassen sich stichwortartig wie folgt wiedergeben: Niklaus von Fl\u00fce ist 1417 in der Mittelschweiz geboren, war Bergbauer, Politiker, Richter und Soldat und vor allem aber Vater von 10 Kindern und Ehemann von Dorothee. Mit 50 Jahren zog er sich im Einverst\u00e4ndnis mit seiner Frau in eine Einsiedelei wenige Minuten von seinem Hof entfernt zur\u00fcck. Die B\u00fccher schreiben davon, dass er w\u00e4hrend der n\u00e4chsten 20 Jahre nichts a\u00df. 1487 ist er gestorben. Bruder Klaus gilt seither als DER Nationalheilige der Schweiz. F\u00fcr mich sind vier seiner Werthaltungen eine bleibende Herausforderung und Ermutigung f\u00fcr ein Leben, das bereit ist auch anzuecken.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Erstens \u2013 die relative Bedeutsamkeit des Materiellen<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Das Gl\u00fcck und Heil der Welt und des pers\u00f6nlichen Lebens liegen nicht in der F\u00fclle an materiellen Dingen, sondern im Freisein von ihnen. Diese im Leben des Heiligen Klaus verdichtete Botschaft gilt heute genauso wie damals im 15. Jahrhundert f\u00fcr unsere Gesellschaft und Wirtschaft, in der Konsumismus zur Zerst\u00f6rung des Planeten beitr\u00e4gt. Der Mystiker aus der Schweiz lebte nach dem Grundsatz der Theresa von Avila: Solo dios basta \u2013 Gott allein gen\u00fcgt. Eines seiner Gebete begleitet mich seit Kindestagen: \u201eMein Herr und mein Gott, nimm alles von mir, was mich hindert zu dir. Mein Herr und mein Gott,&nbsp;gib alles mir, was mich f\u00f6rdert zu dir. Mein Herr und mein Gott, nimm mich mir und gib mich ganz zu eigen dir.\u201c Bruder Klaus konnte seinen ganzen Besitz loslassen, weil er das Gl\u00fcck in Gott finden konnte.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Zweitens \u2013 kein ferner, transzendenter Gott<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Dieser Gott darf freilich nicht als der ferne, allm\u00e4chtige, \u00fcberirdische, transzendente Gott verstanden werden. Gott wird auch f\u00fcr den Mann Klaus aus Fl\u00fce erfahrbar geworden sein in seiner Liebesbeziehung mit Dorothee, in der Liebe zu den Kindern, in den Freundschaften im Dorf sowie in dem b\u00e4uerlichen Eingebundensein in die Natur. Ein solcher Gott gibt Kraft und ist keine billige Vertr\u00f6stung. Auf diesen Gott kann man sich, wie es im Bruder Klaus-Gebet formuliert wird, ganz einlassen. Dazu braucht es freilich sowohl ein befreiendes Loslassen von materiellen Dingen wie ein Einlassen auf die g\u00f6ttlichen Dimensionen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Drittens \u2013 der Einsatz f\u00fcr den Frieden<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Der politische Friede kommt nicht durch Bomben und Aufr\u00fcstung. Vom Klaus von der Fl\u00fce hie\u00df es, dass er sich w\u00e4hrend des Krieges lieber in die B\u00fcsche zum Gebet schlug als zu k\u00e4mpfen. Ihm gelang es dann, durch Verhandlungen einen langandauernden Friedensvertrag zu schmieden, der ihn zum Friedenspatron und zum Landespatron der Schweiz werden lie\u00df. Gegen eine Welt voll Krieg und Kriegsvorbereitungen verk\u00f6rpert Bruder Klaus die pazifistische Option.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Viertens \u2013 und alles mit Vernunft<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Das gr\u00f6\u00dfte Geschenk Gottes sei die Vernunft, sagte damals schon im ausgehenden Mittelalter der Einsiedler Klaus. Vernunft und tiefer Glaube sind kein Gegensatz, sondern brauchen einander. Wo der Glaube ohne Vernunft ist, wird es gef\u00e4hrlich. Da sind wir bei den vielen destruktiven religi\u00f6sen und politischen Fundamentalismen und bei den Phobien gegen Fremde oder Menschen, die anders als der Mainstream sind. Wo Glaube und Vernunft getrennt sind, sind wir bei Gesetzen, die v\u00f6llig unvern\u00fcnftig sind, aber als Produkte von \u00c4ngsten und Voreingenommenheiten doch gestaltende Macht besitzen. Wo die Vernunft verschwindet, sind wir bei den Verschw\u00f6rungstheorien. Zugleich braucht die Vernunft auch den Glauben. Denn was manchen oft f\u00fcr vern\u00fcnftig erscheinen mag, erweist sich im Glauben an das G\u00f6ttliche, der stets auf Erfahrung ruht, als egoistische Verirrung oder teuflische Versuchung zur Gewalt.<\/p>\n\n\n\n<p>Bruder Klaus aus Fl\u00fceli ist Botschafter f\u00fcr ein einfaches Lebens, f\u00fcr die Immanenz des G\u00f6ttlichen, f\u00fcr die Befreiung von Gewalt und f\u00fcr die Verbindung von Vernunft und Glaube.<\/p>\n\n\n\n<p>Klaus Heidegger, 25.9.2023<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Eckdaten des Schweizer Nationalheiligen, der nicht zuf\u00e4llig mein Namenspatron wurde, lassen sich stichwortartig wie folgt wiedergeben: Niklaus von Fl\u00fce ist 1417 in der Mittelschweiz geboren, war Bergbauer, Politiker, Richter und Soldat und vor allem aber Vater von 10 Kindern und Ehemann von Dorothee. 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