{"id":9539,"date":"2023-10-05T16:46:30","date_gmt":"2023-10-05T16:46:30","guid":{"rendered":"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/?p=9539"},"modified":"2023-10-06T06:31:48","modified_gmt":"2023-10-06T06:31:48","slug":"glaub-nicht-an-ein-politisches-glaubensbekenntnis-der-anderen-art","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/?p=9539","title":{"rendered":"Glaub\u2018 nicht an: Ein politisches Glaubensbekenntnis der anderen Art"},"content":{"rendered":"\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><a href=\"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/peace-scaled.jpg\"><img loading=\"lazy\" width=\"1024\" height=\"768\" src=\"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/peace-1024x768.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-9542\" srcset=\"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/peace-1024x768.jpg 1024w, http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/peace-300x225.jpg 300w, http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/peace-768x576.jpg 768w, http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/peace-1536x1152.jpg 1536w, http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/peace-2048x1536.jpg 2048w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<p>Ich glaube nicht, dass Kinder in Armutsverh\u00e4ltnissen hierzulande <strong><em>\u2013 eine Viertelmillion sind es<\/em><\/strong><em> \u2013<\/em> mit einem ungesunden Billig-Burger abgespeist werden sollen, sondern dass alle Kinder das Recht auf eine ausgewogene und gute Ern\u00e4hrung haben. Es ist genug f\u00fcr alle da, wenn es nur gerecht und fair verteilt wird.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich glaube nicht, dass die meisten Frauen in Teilzeit \u2013 <strong><em>Dreiviertel aller weiblichen Besch\u00e4ftigten sind es<\/em><\/strong><em> \u2013<\/em> aus Bequemlichkeit weniger Lohnarbeit machen, sondern dass sie ihre Zeit in Kinder- und unbezahlte Carearbeit investieren. Die Care- und Familien- und Kinderarbeit muss zwischen den Geschlechtern gerecht verteilt werden. Eine Arbeitszeitverk\u00fcrzung k\u00f6nnte das Problem entsch\u00e4rfen.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich glaube nicht, dass die Autofahrenden das Recht haben, durch schnelles Fahren Leib und Seele der Menschen zu gef\u00e4hrden und dabei die Treibhausgasemissionen fahrl\u00e4ssig in die H\u00f6he treiben \u2013 <strong><em>ein Drittel aller Treibhausgasemissionen in \u00d6sterreich geht auf den Verkehr zur\u00fcck<\/em><\/strong>, sondern dass Tempolimits von 30\/80\/100 das Gebot in Zeiten des Klimanotstands sind.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich glaube nicht, dass im kurzfristigen Interesse von Wirtschaftsunternehmungen und zum Ausbau von Stra\u00dfenprojekten in \u00d6sterreich weiterhin die B\u00f6den versiegelt werden sollen \u2013 <strong><em>rund 12 Hektar pro Tag sind es derzeit, s<\/em><\/strong>ondern dass die bestehenden Leerst\u00e4nde gef\u00fcllt werden k\u00f6nnen, dass die vorhandenen Verkaufsfl\u00e4chen l\u00e4ngst gen\u00fcgen, Parkplatzausbau ein Anachronismus aus dem fossilen Zeitalter ist und Stra\u00dfen r\u00fcckgebaut statt ausgebaut werden sollen.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich glaube nicht, dass mit noch mehr Waffengewalt Kriege gestoppt werden k\u00f6nnen <strong><em>\u2013 mehr als 300.000 Get\u00f6tete im Krieg in der Ukraine, hunderttausende Verletzte an Leib und Seele, vollkommen zerst\u00f6rte St\u00e4dte und Landstriche nach 20 Monaten Krieg und milit\u00e4rischer Verteidigung<\/em><\/strong>, sondern ich glaube, dass der Weg zum Frieden in gewaltfreien Mitteln \u00fcber Waffenruhe, Diplomatie, vertrauensbildende Ma\u00dfnahmen, Vermittlung durch internationale Organisationen und Vertr\u00e4gen funktionieren kann. Ein Blutfleck kann nicht mit Blut weggewischt werden. Aug um Aug macht die Welt blind.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich glaube nicht, dass eine Aufr\u00fcstung des Bundesheers und eine gewaltige Erh\u00f6hung des Milit\u00e4rbudgets \u2013 <strong><em>zus\u00e4tzliche 16 Milliarden in den n\u00e4chsten 10 Jahren f\u00fcr neue Waffen und Waffensysteme<\/em><\/strong> \u2013 Sicherheit bringen w\u00fcrde, sondern ich glaube, dass \u00d6sterreich beispielhaft auf eine nationale milit\u00e4rische Verteidigung verzichten k\u00f6nnte und dadurch zugleich mehr Augenmerk auf eine aktive Neutralit\u00e4tspolitik setzen und selbst Konzepte einer sozialen Verteidigung umsetzen k\u00f6nnte.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich glaube nicht, dass mit Mauern, Frontex und Pushbacks und einem populistischen Ruf nach der \u201eFestung Europa\u201c die Asyl- und Migrationskrisen sich menschengerecht l\u00f6sen lie\u00dfen <strong><em>\u2013 allein in diesem Jahr sind im Mittelmeer schon 2500 Fl\u00fcchtende ertrunken<\/em><\/strong>, sondern dass das Recht auf Asyl nicht ausgeh\u00f6hlt werden darf und dass humanit\u00e4re Korridore ein Fl\u00fcchtlingssterben stoppen k\u00f6nnte. Wer bei den Push-Faktoren ansetzt, wird sich gegen Kriegsmaterialienexporte in vielen L\u00e4ndern des S\u00fcdens sowie f\u00fcr wirklich greifende Klimaschutzma\u00dfnahmen engagieren. Kriege, klimabedingte Unwetterkatastrophen und damit Hunger und Elend sind die Hauptfaktoren f\u00fcr Flucht und Migration.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich glaube nicht, dass die Erderhitzung und ihre katastrophalen Folgen unabwendbar sind \u2013 <strong><em>allein im vergangenen September war die Temperatur in Tirol um 3,5 Grad w\u00e4rmer als in den Jahren davor<\/em><\/strong>, sondern ich glaube, dass eine \u00f6kologische Wende in einer Verbindung von politischen Ma\u00dfnahmen und individuellem Verhalten das Erreichen der Kipppunkte verhindern k\u00f6nnte. Auf die mahnenden Aktionen von Extinction Rebellion, Fridays for Future oder Letzter Generation ist hinzuh\u00f6ren und die verharmlosenden Verschw\u00f6rungsgeschichten der Rechtspopulisten sind zu ignorieren.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich glaube nicht, dass es eine Koalition mit einer Partei geben kann, deren Chef und dessen Jugendorganisation mit rechtsextremen Versatzst\u00fccken operieren \u2013 <strong><em>das Narrativ vom \u201eVolkskanzler\u201c gegen den \u201eSystemkanzler\u201c, die fackelschwingenden Jung-FP\u00d6-ler mit verkl\u00e4rtem Blick zum Hitlerbalkon \u2026,<\/em><\/strong> sondern dass es klare Abgrenzung und keine Verharmlosung braucht.<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em><u>Erkl\u00e4rung:<\/u><\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><em>Burger-Fan und Bundeskanzler Nehammer hat die Wahlkampf-Kampagne \u201eGlaub\u2018 an \u00d6sterreich\u201c gestartet. Dieser suggestive Imperativ verst\u00f6rt mich gleich mehrfach: &nbsp;&nbsp;&nbsp;<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Erstens zucke ich zusammen, wenn ich verordnet bekomme, was ich zu glauben habe. Glauben hat f\u00fcr mich zun\u00e4chst immer eine subjektive Dimension, die verbunden ist mit inneren Einstellungen, mit eigenen \u00dcberzeugungen. Selbst das zentrale Glaubensbekenntnis der christlichen Kirchen beginnt daher mit einem: \u201eIch glaube \u2026\u201c Was ich zu glauben habe, lasse ich mir nicht vorschreiben.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Zweitens irritiert es, wenn der m\u00e4chtigste Politiker \u00d6sterreichs auf Ratschlag von Spindoktoren und Werbegurus bewusst eines der wichtigsten religi\u00f6sen Grundvokabel als zentrales Reizwort f\u00fcr seine Politik nimmt und damit eine religi\u00f6se Sanktionierung seiner doch nicht gerade christlichen Politik intendiert \u2013 siehe Burger-Sager!<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Drittens schlie\u00dflich nehme ich Nehammers Bekenntniswort als Ansporn, mir selbst Gedanken zu machen: An was glaube ich \u2013 in Abgrenzung zum Populismus rechter und rechtsextremer Parteien \u2013 bzw. an was glaube ich nicht.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Klaus Heidegger, 5. Oktober 2023<br>(Vorsitzender der Katholischen Aktion der Di\u00f6zese Innsbruck)<br>(Bild: Stra\u00dfenunterf\u00fchrung in Hall\/Unterer Stadtplatz &#8211; gemalt von Mittelschule Hall)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><img src='http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/peace-1024x768.jpg' class='thumbnail' \/>Ich glaube nicht, dass Kinder in Armutsverh\u00e4ltnissen hierzulande \u2013 eine Viertelmillion sind es \u2013 mit einem ungesunden Billig-Burger abgespeist werden sollen, sondern dass alle Kinder das Recht auf eine ausgewogene und gute Ern\u00e4hrung haben. Es ist genug f\u00fcr alle da, wenn es nur gerecht und fair verteilt wird. 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