{"id":9553,"date":"2023-10-10T20:35:00","date_gmt":"2023-10-10T20:35:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/?p=9553"},"modified":"2023-10-13T04:55:16","modified_gmt":"2023-10-13T04:55:16","slug":"herbstfarben-am-hohen-riffler-3168-m","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/?p=9553","title":{"rendered":"Herbstfarben am Hohen Riffler (3168 m)"},"content":{"rendered":"\n<p><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><a href=\"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/hr-2-scaled.jpg\"><img loading=\"lazy\" width=\"768\" height=\"1024\" src=\"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/hr-2-768x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-9554\" srcset=\"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/hr-2-768x1024.jpg 768w, http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/hr-2-225x300.jpg 225w, http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/hr-2-1152x1536.jpg 1152w, http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/hr-2-1536x2048.jpg 1536w, http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/hr-2-scaled.jpg 1920w\" sizes=\"(max-width: 768px) 100vw, 768px\" \/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<p>Zuerst ein dunkles Nachtschwarz im Stanzertal, in das ich getaucht bin. Die Scheinwerfer des Linienbusses beleuchten die Stra\u00dfe und die Betonw\u00e4nde links und rechts reflektieren das Licht wider. Strahlend wei\u00dfhell leuchten die Venus und der Sichelmond am Himmel. In Pettneu wird es dann Morgen und der Himmel wird tiefblau. Wettersorgen muss ich mir keine machen. Und dennoch macht mir die W\u00e4rme der letzten Wochen Angst. Auf den w\u00e4rmsten September der Messgeschichte folgen die w\u00e4rmsten Tage im Oktober. In Landeck werden die Menschen bei Temperaturen um die 25 Grad wie im Sommer unterwegs sein k\u00f6nnen. Pettneu ist ist Ausgangspunkt der Tour auf den Hohen Riffler, dem Hausberg von Landeck, der majest\u00e4tisch \u00fcber dem Stanzertal hervorragt. 1900 H\u00f6henmeter warten vom Tal aus bis zur Spitze des h\u00f6chsten Berges der Verwallgruppe.<\/p>\n\n\n\n<p>Braun-grau ist der Schotterweg hinein ins Malfontal. Die Strecke l\u00e4sst sich gut mit Mountainbike befahren. Etwas s\u00fcdlich von der Malfon-Alm zweigt der Steig dann links ab. Gelbe Wegweiser zeigen: \u201eEdmund-Graf-H\u00fctte\u201c. Ein kleiner Wasserfall. Ein Kletterfelsen. Und vor allem: Bergh\u00e4nge, die zu brennen scheinen vom Rot der Bl\u00e4tter der Heidel- und Preiselbeerenstr\u00e4ucher.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Edmund-Graf-H\u00fctte ist  im Winterschlaf und leuchtet im Rot der Morgensonne \u00fcber den roten Bergh\u00e4ngen und dahinter sind tiefschwarz die Gipfelberge rund um den Hohen Riffler. Um diese Jahreszeit ist es sehr ruhig.  Ich h\u00f6re den Wind und manchmal das Pl\u00e4tschern eines silbrigen Baches \u00fcber schwarzen Felsen. Nichts lenkt den Wandernden ab von seinen Tr\u00e4umen und seinem Philosophieren.<\/p>\n\n\n\n<p>Graubraun ist der Gletscher, der oben am Joch links liegen gelassen wird. Steil f\u00e4llt er die Flanke hinunter. Eigentlich sind es zwei Gletscher, die sich noch am Riffler halten k\u00f6nnen. Der Flirscher und der Pettneuer Gletscher. K\u00fcrzlich war ein Bericht in der Tiroler Tageszeitung. Eine touristische Kunstinitiative plant eine Aktion. Oberhalb von Landeck soll es im Freien eine Kinobestuhlung geben. Mann k\u00f6nne von dieser Position aus das &#8222;Sterben eines Gletschers\u201c wie in einem Film ansehen.  In 15 Jahren werden dies Gletscherreste an den Abh\u00e4ngen des Rifflers Geschichte sein.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00dcber Blockgel\u00e4nde aus Gneis-Gestein geht es zum Gipfel. Dreieinhalb Stunden waren es vom Tal bis zum Gipfel. Das Kreuz steht wenige Meter davon entfernt auf einem exponierten Vorgipfel. Saharastaub von den Wirbelst\u00fcrmen in Mali liegt in der Luft und schafft ganz neue Wahrnehmungsqualit\u00e4ten von den unz\u00e4hligen Bergketten ringsum. <\/p>\n\n\n\n<p>Wie der Saharastaub aus einer fernen Weltgegend mich heute begleitet in einsamer Bergwelt, so sind es die Gedanken und Gef\u00fchle f\u00fcr die Menschen in Israel, in Pal\u00e4stina und im Gazastreifen. Rauscher schrieb heute in seiner STANDARD-Glosse von der Dummheit der &#8222;Hamas-Versteher&#8220;. Mit solchem Vorwurf bin ich mitgemeint. W\u00e4hrend des Gehens in kontrastreicher Farbenlandschaft kann ich die anderen Farben in der Welt nicht ausschalten: Das Blut der Menschen, das Olivgr\u00fcn der Panzer, die hellorangen Rauchwolken aus zerbombten Wohnh\u00e4usern. Der Wind, der sich \u00fcber 3000 Meter eiskalt anf\u00fchlt und unten als warmer F\u00f6hn bl\u00e4st, trocknet Tr\u00e4nen \u00fcber den Zustand der Welt. Meine Seele sieht aber auch die anderen, die ermutigenden Farben: Ein Blau in den Augen von Menschen, die Mut geben, so blau wie der Himmel, ein kr\u00e4ftiges Braun wie die Erde, die tr\u00e4gt, oder die Farbe von Haaren, wie so manche Pflanze in herbstlichen Tagen. <\/p>\n\n\n\n<p>Beim Abstieg lasse ich mich noch verleiten, den sterbenden Gletscher zu ber\u00fchren, der sich unweit vom Steig bis auf das Joch zwischen Kleinem und Gro\u00dfem Riffler hinaufzieht. Noch. Auf dem eiskalten Wei\u00df liegt grauer Staub. Wohl auch aus Mali. Weiter unten, nach den steilen Ger\u00f6llhalden, verlockt ein kleiner See mit tiefgr\u00fcnen Algen zu einer Abk\u00fchlung. Ein Spiel von K\u00e4lte und W\u00e4rme. Und immer wieder pfl\u00fccke ich w\u00e4hrend des Gehens zwischendrin eine Beere aus dem rot-gelb-orangen Teppich von Heidekrautgew\u00e4chsen, wechsle ab zwischen tiefvioletten Moosbeeren und knallroten Granten. Einmal h\u00fcpft ein kleiner braun-grauer Frosch \u00fcber den braun-grauen Steig. Von vielen anderen Farben und Wahrnehmungen k\u00f6nnte ich noch schreiben \u2013 doch das ist Stoff f\u00fcr eine andere Geschichte, die anderswo geschrieben wird.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><img src='http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/hr-2-768x1024.jpg' class='thumbnail' \/>Zuerst ein dunkles Nachtschwarz im Stanzertal, in das ich getaucht bin. 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