{"id":9832,"date":"2024-01-19T19:36:38","date_gmt":"2024-01-19T19:36:38","guid":{"rendered":"https:\/\/www.klaus-heidegger.at\/?p=9832"},"modified":"2024-01-19T19:36:38","modified_gmt":"2024-01-19T19:36:38","slug":"gipfel-und-schulkreuze-und-ihre-bedeutsamkeit","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/?p=9832","title":{"rendered":"Gipfel- und Schulkreuze und ihre Bedeutsamkeit"},"content":{"rendered":"\n<p>Vortrag in Wattens, 16. J\u00e4nner 2023<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><a href=\"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/kl-gil-1-scaled.jpg\"><img loading=\"lazy\" width=\"768\" height=\"1024\" src=\"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/kl-gil-1-768x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-9833\" srcset=\"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/kl-gil-1-768x1024.jpg 768w, http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/kl-gil-1-225x300.jpg 225w, http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/kl-gil-1-1152x1536.jpg 1152w, http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/kl-gil-1-1536x2048.jpg 1536w, http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/kl-gil-1-scaled.jpg 1920w\" sizes=\"(max-width: 768px) 100vw, 768px\" \/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<ul><li><u><strong>Ein ganz bewusstes \u201eGr\u00fc\u00df Gott\u201c zu Beginn<\/strong><\/u><\/li><\/ul>\n\n\n\n<p>Es wiederholte sich wie so oft in den vergangenen Jahren, letzte Woche, am 10.1., bei einem Fernsehinterview. Martin Th\u00fcr begr\u00fc\u00dfte im ZIB-2-Gespr\u00e4ch den FP\u00d6-Parteichef Herbert Kickl mit \u201eSch\u00f6nen Guten Abend\u201c. Kickl antwortete: \u201eGr\u00fc\u00df Gott!\u201c. \u00c4hnliches hatten wir am Sonntag in der ORF-Pressestunde. Manfred Weber, Vorsitzender der EVP-Fraktion im EU-Parlament, wurde von Hans B\u00fcrger mit einem \u201eherzlich willkommen\u201c begr\u00fc\u00dft. Der Politiker erwiderte ganz bewusst: \u201eEin bayrisches Gr\u00fc\u00df Gott!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Ich wei\u00df, es geht in meinem Vortrag nicht um die \u00f6sterreichischen Gru\u00dfformeln \u2013 und doch ist das Bewusstmachen ebendieser auch erhellend, wie es mit dem Zeichen bzw. Symbol des Kreuzes in unserer Gesellschaft heute steht.<\/p>\n\n\n\n<p>Erstens werden solche Gepflogenheiten mit religi\u00f6sem Inhalt gar nicht mehr als ausdr\u00fccklich religi\u00f6s wahrgenommen oder in ihrer Tiefe bewusst gemacht. Wer denkt noch daran, dass ein \u201eGr\u00fc\u00df Gott\u201c eigentlich ein Segensspruch ist. Gott m\u00f6ge dich gr\u00fc\u00dfen, so die Bedeutung, und nicht eine Aufforderung, du sollst Gott gr\u00fc\u00dfen. Deutlicher ist dies ja mit einem \u201ePfiati\u201c. Gott beh\u00fcte dich! Manche lehnen das Gr\u00fc\u00df-Gott ab, weil sie damit ein bestimmtes Gottesbild im Blick haben, weil sie f\u00fcr sich beanspruchen, atheistisch zu sein, weil mit Gott eine ganz bestimmte Assoziation verbunden wird. Wenn Gott* Liebe ist, wenn Liebe Gott* ist und Vers\u00f6hnung, Barmherzigkeit, Friede \u2013 so wie es die heiligen Schriften kundtun, dann bekommt ein \u201eGr\u00fc\u00df Gott\u201c eine andere Bedeutung, als wenn damit ein ferner, allm\u00e4chtiger Himmelgott verbunden wird. &nbsp;Auch die Wahrnehmung des Kreuzes geschieht meist beil\u00e4ufig, nicht bewusst oder wird mit Verst\u00e4ndnissen verkn\u00fcpft, die dem tiefen Wesen der Religion letztlich widersprechen.<\/p>\n\n\n\n<p>Warum bestimmte Parteien und ihre Politiker sowohl das Kreuz als auch ein Gr\u00fc\u00df-Gott bewusst ben\u00fctzen, hat populistische Gr\u00fcnde, die mehr als fragw\u00fcrdig sind. Ein Parteichef, der das Interview mit einem Gr\u00fc\u00df-Gott beginnt und dessen Worte dann zutiefst menschenverachtend sind, der politische Gegner \u201ekompostieren\u201c will und sich selbst von den widerlichen Konzepten der Remigration nicht abgrenzt, betreibt Blasphemie. Ich sage dies ganz bewusst auch in einer Gemeinde, in der die FP\u00d6 bei der letzten Landtagswahl ein Viertel der W\u00e4hlerstimmen hatte und auch im Gemeinderat die zweitst\u00e4rkste Fraktion stellt.<\/p>\n\n\n\n<ul><li><strong>Gipfelkreuze als Heilszeichen oder als \u201eHumbug\u201c<\/strong><\/li><\/ul>\n\n\n\n<p>Anfang Sommer 2023 hatte Reinhold Messner erneut davon gesprochen, Kreuze auf Gipfeln seien ein \u201eHumbug\u201c. Damit w\u00fcrden die Gipfel f\u00fcr religi\u00f6se Zwecke missbraucht. Die Berge geh\u00f6rten der ganzen Welt. Deswegen forderte er symbolfreie Gipfel. &nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Der Brauch, auf den Alpengipfeln Kreuze zu errichten, ist nicht alt. Das erste von heute rund 4000 Kreuzen auf heimischen Gipfeln wurde erst 1799 auf dem Kleinglockner errichtet. Rund 95 Prozent der heimischen Kreuze wurden in der Zeit zwischen 1900 und 1955 aufgestellt. Ob Kreuze Humbug oder Heilszeichen sind, h\u00e4ngt letztlich von der theologischen Deutung und Wahrnehmung ab, die wir diesem Symbol beimessen.<\/p>\n\n\n\n<ul><li>Von einem fragw\u00fcrdigen Antrag zur Abschaffung des Kreuzes in den Klassenzimmern<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p>Vor fast genau einem Jahr, im Februar 2023, hat das Sch\u00fclerInnenparlament Tirols einen Antrag an den Tiroler Landtag gerichtet mit dem Titel \u201eRaus mit den Kreuzen aus den Klassenzimmern\u201c. Propagiert wurde dieser Antrag vor allem von den JUNOS. In den vergangenen Jahren ist es immer wieder vorgekommen, dass das Thema \u201eKreuz in den Klassen\u201c als populistisches Profilierungsthema aufgebracht wurde und eine entsprechende Diskussion schnell verschwunden ist. Ich denke beispielsweise an den Vorsto\u00df der damaligen Bildungsministerin Sonja Hammerschmid aus dem Jahr 2016 \u2013 da ist die gegenw\u00e4rtige Sch\u00fclervertretung ja noch in der Volksschule gewesen. Allerdings hat sich die damalige Landessch\u00fclervertretung gegen die Bildungsministerin gestellt und explizit f\u00fcr Kreuze in den Klassenzimmern eine offizielle Stellungnahme herausgegeben. (5. November 2016)<\/p>\n\n\n\n<p>Schon die aggressive \u00dcberschrift des Antrags des Sch\u00fclerInnenparlaments \u201eRaus damit, Kruzifix nochmal!\u201c verr\u00e4t eine Geisteshaltung, die wenig Sensibilit\u00e4t mit religi\u00f6sen Symbolen erkennen l\u00e4sst. Meist h\u00e4ngt in den Klassen ohnehin kein Kruzifix \u2013 ein Kreuz mit dem gemarterten Jesus darauf \u2013 sondern ein schlichtes Kreuz ohne Korpus. Das ist gut so. Ich glaube auch, dass ein Kruzifix tats\u00e4chlich weniger in eine Klasse passt als ein schlichtes Kreuz. Das \u201eKruzifix nochmal\u201c in der Headline kann zugleich im Sinne von einem Schimpfwort missverstanden werden \u2013 und wird wohl auch meist so verwendet. Vor allem aber das fundamentalistische \u201eRaus damit!\u201c ist ein gef\u00e4hrlich populistischer Schlachtruf. W\u00f6rtlich hei\u00dft es im Antrag: \u201eNageln wir die Schule nicht ans Kreuz, sondern schaffen wir eine faire Lernumgebung.\u201c Bedeutet ein Kreuz in der Klasse eine \u201eunfaire\u201c Lernumgebung? Nebenbei bemerkt k\u00f6nnte dieser Sager von der Diktion her aus der ber\u00fcchtigten Kickl-Spr\u00fcche-Werkstatt stammen.<\/p>\n\n\n\n<p>Gerade als Theologe und nach jahrzehntelanger interreligi\u00f6ser Besch\u00e4ftigung verstehe ich den Satz nicht, der als Begr\u00fcndung genannt wird: \u201eZu einer neutralen und ausgeglichenen Schule geh\u00f6rt auch eine neutrale Klasse, in der alle Religionen gleich wertgesch\u00e4tzt werden.\u201c Bedeutet es wirklich weniger Wertsch\u00e4tzung den nichtchristlichen Religionen gegen\u00fcber, wenn ein Kreuz im Klassenzimmer h\u00e4ngt?<\/p>\n\n\n\n<p>Mit dem Stichwort \u201eneutrales Klassenzimmer\u201c kann ich wenig anfangen. In jedem Klassenraum wimmelt es nur so von Symbolen, von angebissenen \u00c4pfeln auf den digitalen Ger\u00e4ten \u00fcber die Logos der Kleidermarken, von religi\u00f6sen Symbolen auf Halsketten oder als Tattoos. Soll den traditionell gekleideten islamischen M\u00e4dchen das Kopftuch verboten werden, damit das Klassenzimmer \u201eneutral\u201c ist?<\/p>\n\n\n\n<p>Im Fach Geschichte und Politische Bildung erfahren Sch\u00fclerInnen, wie gef\u00e4hrlich es wird, wenn religi\u00f6se Symbole verboten wurden oder werden. Ein Kreuzchen um den Hals in den von den Taliban regierten Gebieten Afghanistans oder Pakistans k\u00f6nnte ein Todesurteil sein. Auch hierzulande gab es eine Zeit, als das Kreuz verboten wurde und mit dem schrecklichsten aller Schreckenskreuze ersetzt wurde.<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn das Kreuz als Symbol f\u00fcr das Christentum genommen wird \u2013 also f\u00fcr die Botschaft und das Leben des Jesus von Nazareth \u2013 dann ist es ein Symbol, das f\u00fcr eine radikale Offenheit gegen\u00fcber anderen Religionen steht, f\u00fcr Gewaltfreiheit und Gewaltverzicht, f\u00fcr Barmherzigkeit und N\u00e4chstenliebe. Ein Dalai Lama h\u00e4tte kein Problem damit. Ich denke an den j\u00fcdischen Maler Marc Chagall: Wie oft hat er gerade auch mit Blick auf die Shoah das Kreuz als wichtiges Symbol ins Bild gebracht!<\/p>\n\n\n\n<p>Der Antrag des Sch\u00fclerInnenparlaments ist auch aus demokratischer und organisatorischer Sicht v\u00f6llig unausgegoren. Verlangt wird n\u00e4mlich ein Einstimmigkeitsprinzip, mit dem \u00fcber das Kreuz in den Klassenzimmern abgestimmt wird. Wie soll dies aussehen? 1. Klasse Volksschule, Klassenlehrerin fragt die Kinder: Stimmen wir nun \u00fcber das Kreuz ab? 6. Klasse Oberstufe: Ein Sch\u00fcler schl\u00e4gt vor, ein Nudelsieb aufzuh\u00e4ngen. Alle finden das lustig. Das Kreuz wird abgenommen, weil es keine Mehrheit hat. Nun h\u00e4ngt ein Nudelsieb dort f\u00fcr die Kirche des Fliegenden Spaghettimonsters.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Bereich der H\u00f6heren Schulen ist es jedenfalls so, dass in wichtigen Fragen auch nicht nur im Klassenzimmer abgestimmt wird. Alle Schulpartner \u2013 Lehrpersonen, Sch\u00fclerInnenvertretung, Eltern \u2013 sind einzubinden. Daher l\u00e4ge eine entsprechende Entscheidungsgewalt im Schulgemeinschaftsausschuss, an dem drittelparit\u00e4tisch Lehrpersonen, Sch\u00fcler- und Sch\u00fclerinnen sowie Eltern vertreten sind.<\/p>\n\n\n\n<ul><li><strong>Das Kreuz als universal positives Zeichen<\/strong><\/li><\/ul>\n\n\n\n<p>Zu Beginn eines Schuljahres ging ich mit einer neuen Oberstufenklasse in den Wald. Unser Thema war: Das Kreuz in ihrer Klasse. Wir sa\u00dfen im Kreis an einem Waldrand. Die Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler sollten zun\u00e4chst herausfinden, was das Symbol Kreuz in ihrem bisherigen Leben bedeutet hat. Eine 15-J\u00e4hrige hatte ein kleines silbernes Schmuckkreuz an ihrer Halskette. \u201eMeine Oma hat es mir vor langer Zeit geschenkt. Es besch\u00fctzt mich \u2026\u201c, erkl\u00e4rte sie, \u201eaber eigentlich ist es die Oma, die immer f\u00fcr mich da ist\u201c. Ein Kreuz als Symbol f\u00fcr Schutz nicht im Sinne von Magie, sondern von existenzieller Lebenserfahrung einer Jugendlichen. Ein Sch\u00fcler spielte nachdenklich mit den Rindenresten, die sich von einem Baum gel\u00f6st hatten, und bildete aus zwei von ihnen ein Kreuz mit einem L\u00e4ngs- und einem Querbalken. Die Rinde sch\u00fctzt den Baum. \u201eWir k\u00f6nnten dieses Rindenkreuz in die Klasse h\u00e4ngen\u201c, meinte der Sch\u00fcler. Dort hing es dann das ganze Schuljahr, links neben der Tafel, oberhalb der Uhr, rechts vom Lautsprecher und ich bin \u00fcberzeugt: Es war ein Symbol der Dankbarkeit f\u00fcr jede sch\u00fctzende Begleitung, die die Jugendlichen erfahren.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Kreuz ist ein Hoffnungszeichen, weil es an Jesus und seine gelebte Botschaft des Gewaltverzichts erinnern kann. \u201eAber islamische Sch\u00fcler:innen, die in der Klasse sitzen, w\u00fcrden doch nicht an Jesus glauben!\u201c, lautet dann der Einwand. Und man d\u00fcrfe ihnen doch nicht ein christliches Symbol aufdr\u00e4ngen. Nuri, ein islamischer Sch\u00fcler in der Runde, widerspricht: \u201eF\u00fcr mich ist es kein Problem. Im Gegenteil. Isa ibn Maryam, Jesus, der Sohn Marias, ist ja auch ein Prophet f\u00fcr uns. \u201eJesus war ein cooler Typ\u201c, erg\u00e4nzte ein anderer, der selbst keiner Konfession oder Religionsgemeinschaft angeh\u00f6rt. Und: Jesus war Jude! S\u00e4\u00dfe ein Hindu in der Runde, w\u00fcrde er vielleicht sagen: \u201eWie eine Inkarnation Krishnas.\u201c Jedenfalls hat der Hindu Gandhi Jesus als gr\u00f6\u00dften Lehrer der Gewaltfreiheit bezeichnet. Und: \u201eJesus und Buddha seien Br\u00fcder.\u201c Wir reden dann \u00fcber L\u00e4nder, in denen zwar der Muezzin lautstark mehrmals am Tag vom Minarett ruft, in denen Frauen verfolgt werden, wenn sie die strengen Bekleidungsvorschriften nicht exakt einhalten, w\u00e4hrend zugleich Kreuze verboten sind und selbst individuell ein Kreuzchen an der Halskette Verfolgung bedeuten w\u00fcrde. Dankbar k\u00f6nnen wir sein, dass ein Kreuz in \u00f6ffentlichen R\u00e4umen auch als Ausdruck von Religionsfreiheit sein darf. In all dem Reden und Nachdenken wird deutlich, dass das Kreuz in Klassenzimmern nicht ein kirchliches Herrschaftszeichen ist, sondern vielmehr universales Symbol mit vielfach positiver Bedeutsamkeit.<\/p>\n\n\n\n<p>Als Lehrperson wei\u00df ich, nat\u00fcrlich von einer bestimmten Sichtweise aus, was in den Schulen hierzulande geschieht und was Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fclern bzw. ihren Vertreterinnen und Vertretern wichtig ist. In meiner Rolle als Religionslehrer oder als Klassenvorstand konnte ich immer wieder mit Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fclern \u00fcber das Kreuz in den Klassen reden. Nie habe ich bis jetzt geh\u00f6rt, dass ein Kreuz eine Sch\u00fclerin oder einen Sch\u00fcler gest\u00f6rt h\u00e4tte. Im Gegenteil. Manch ein Sch\u00fcler mag bei einer schwierigen Schularbeit doch gerne auf das Kreuz blicken und \u2013 wie ein Fu\u00dfballspieler vor einem wichtigen Match \u2013 sich mental von daher noch St\u00e4rke holen. Andere wiederum sehen im Kreuz ein St\u00fcck religi\u00f6ser Heimat. Wenn mehr Reflexion geschieht, dann wird dieses Kreuz dankbar auch als Zeichen von Religionsfreiheit gewertet. In einem guten Unterricht schlie\u00dflich kann auch die universale Bedeutung des Kreuzes verdeutlicht werden \u2013 die nicht aus-, sondern einschlie\u00dft. Warum soll daher dieses Pluszeichen aus den Schulen verschwinden? Die Ablehnung des Kreuzes in Form eines k\u00e4mpferischen Atheismus wurde bislang meist von au\u00dfen in die Schulen hineingetragen \u2013 sozusagen als Diskussion aufgezwungen.<\/p>\n\n\n\n<ul><li><strong>Von der Theologie des Kreuzes<\/strong><\/li><\/ul>\n\n\n\n<p>Das Nachdenken \u00fcber das Kreuz \u2013 auf den Gipfeln oder in \u00f6ffentlichen R\u00e4umen wie der Schule \u2013 kann im besten Fall ein Anlass sein, um im Gespr\u00e4ch mit anderen und im Kontext der gesellschaftlichen Rahmenbedingungen zu existenziellen Herausforderungen Antworten zu finden. Dabei kann auch die ganze Ambivalenz sichtbar werden, die mit der Symbolik des Kreuzes verbunden wird. Welches Gottesbild steht hinter dem Kreuz und welche Implikationen hat es f\u00fcr eine Gesellschaft?<\/p>\n\n\n\n<p>Goethe schreibt in \u201eWilhelm Meisters Lehrjahre\u201c: <em>\u201ees war mir auch eine Bibelwahrheit, dass das Blut Jesu Christi uns von allen S\u00fcnden reinige. Nun aber bemerkte ich erst, dass ich diesen so oft wiederholten Spruch noch nie verstanden habe. Die Fragen, was hei\u00dft das, wie soll das zugehen, arbeiteten Tag und Nacht in mir durch.\u201c<\/em> &nbsp;Mit Goethe m\u00fcssen wir uns der Frage stellen: Steht das Kreuz f\u00fcr ein Gottesbild, in dem Gottes Sohn von seinem Vater geopfert wird, um uns von unseren S\u00fcnden zu erl\u00f6sen. In der klassischen Religionskritik wird solches Bild radikal kritisiert. Nietzsche schon schrieb: <em>\u201eGott gab seinen Sohn zur Vergebung der S\u00fcnden als Opfer. Wie war es mit einem Mal zu Ende mit dem Evangelium. Das Schuldopfer und zwar in seiner widerlichsten, barbarischsten Form, und zwar das Opfer des Unschuldigen f\u00fcr die S\u00fcnden der Schuldigen. Welch schauderhaftes Heidentum.\u201c<\/em> In seinem Buch \u201eGottesvergiftung\u201c hat Tilman Moser eine Sicht scharf kritisiert, in der Gott als sadistischer Gott gesehen wird, der seinen Sohn opfert und damit letztlich auch Schuldgef\u00fchle gegen\u00fcber allen Menschen projiziert, die sich schuldig f\u00fchlen m\u00fcssen, weil Jesus f\u00fcr sie gestorben sei.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Blick in die Bibel und auf das eigene Leben zeigt jedoch eine andere theologische und existenzielle Wirklichkeit. Der JHWH-Gott ist eine Kraft der unbedingten Liebe \u2013 keine k\u00e4ufliche Liebe. Gott* braucht kein Opfer, mit dem er vers\u00f6hnt werden m\u00fcsste, schon gar kein blutiges Menschenopfer. Menschen haben Jesus get\u00f6tet, doch Gott* hat ihn auferweckt. Das ist die Kurzformel. Jesus ist Opfer in einem doppelten Sinn: Als \u201evictim\u201c \u2013 jemand der den M\u00e4chtigen dieser Welt zum Opfer f\u00e4llt, also in einem passiven Sinn, und als \u201eoffering\u201c, jemand, der sein Leben bis zur letzten Konsequenz hingibt. In diesem Sinne ist das Kreuz ein Zeichen des Widerspruchs und der g\u00f6ttlichen Liebe.<\/p>\n\n\n\n<p>Gerade mit Blick auf unsere kriegsgebeutelte Welt braucht es dieses Zeichen des Widerspruchs. Auf den Gipfel stehen nicht Kanonenrohre, sondern das Kreuz als Zeichen des Gewaltverzichts. Es geht bei der Symbolik des Kreuzes also nie um eine \u201eVerkl\u00e4rung\u201c des Leidens \u2013 im Gegenteil: Es ist Protest gegen jedes Leid. Das Heil kommt nicht vom Kreuz, sondern Heil geschieht in liebender Begegnung.<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn ich auf einem Gipfel dankbar bei einem Kreuz stehe \u2013 und das kommt bei mir oft vor \u2013 dann denke ich an die liebende Hingabe Jesu, die sich vor allem in seinem Leben \u00e4u\u00dferte, genauso aber auch an die vielen Menschen in unserer Zeit, deren Engagement tin vielen L\u00e4ndern dieser Welt zu Verfolgung f\u00fchrt. Ich denke heute beispielsweise an die Friedensnobelpreistr\u00e4gerin Narges Mohammadi, die gestern vom iranischen Revolutionsgericht zu weiteren 15 Monaten Haft verurteilt worden ist. Der Hintergrund ihrer Verurteilung ist ihr Kampf gegen den Kopftuchzwang und die Todesstrafe.<\/p>\n\n\n\n<ul><li><strong>Kreuzfr\u00f6mmigkeit \u2013 ein Gedicht zum Abschluss<\/strong><\/li><\/ul>\n\n\n\n<p><strong>Kreuzfr\u00f6mmigkeit<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Kreuzf\u00f6rmig will ich leben<br>mit offenen Armen in der Horizontalen<br>weit ausgestreckt<br>um Leben zu ber\u00fchren<br>um ber\u00fchrt zu werden vom Leben<br>offen sein und zugleich verletzlich.<\/p>\n\n\n\n<p>Kreuzf\u00f6rmig will ich leben<br>eingespannt in der Vertikale<br>fest den Boden unten sp\u00fcrend<br>angezogen vom Himmel oben<br>dynamischer Austausch zweier Wirklichkeiten<br>Immanenz und Transzendenz in der Mitte verbunden.<\/p>\n\n\n\n<p>Kreuzf\u00f6rmig will ich leben<br>mich ber\u00fchren lassen vom Leid<br>nicht mehr wegschauen<br>nicht verdr\u00e4ngen<br>keine faulen Ausreden mehr<br>Solidarit\u00e4t und Engagement sind gefordert.<\/p>\n\n\n\n<p>Kreuzf\u00f6rmig will ich leben<br>Jesus als Vorbild,<br>weit ausgestreckt seine H\u00e4nde<br>verbunden mit Gott im Himmel<br>mit beiden Beinen auf der Erde<br>so kann Leben gelingen.<\/p>\n\n\n\n<p>Kreuzf\u00f6rmig will ich leben<br>sehnend und k\u00e4mpfend mit Hoffnung<br>Auferstehung will kommen<br>der Aufstand hat begonnen<br>Menschen beginnen neu zu leben<br>im Hier und im Heute.<br><em><br>Klaus Heidegger<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><img src='http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/kl-gil-1-768x1024.jpg' class='thumbnail' \/>Vortrag in Wattens, 16. J\u00e4nner 2023 Ein ganz bewusstes \u201eGr\u00fc\u00df Gott\u201c zu Beginn Es wiederholte sich wie so oft in den vergangenen Jahren, letzte Woche, am 10.1., bei einem Fernsehinterview. Martin Th\u00fcr begr\u00fc\u00dfte im ZIB-2-Gespr\u00e4ch den FP\u00d6-Parteichef Herbert Kickl mit \u201eSch\u00f6nen Guten Abend\u201c. Kickl antwortete: \u201eGr\u00fc\u00df Gott!\u201c. \u00c4hnliches hatten wir am Sonntag in der ORF-Pressestunde&#8230;.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":9833,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[183],"tags":[1779,1781,1780,1782],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/9832"}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=9832"}],"version-history":[{"count":1,"href":"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/9832\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":9834,"href":"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/9832\/revisions\/9834"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/9833"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=9832"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=9832"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=9832"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}