{"id":9952,"date":"2024-03-02T18:09:06","date_gmt":"2024-03-02T18:09:06","guid":{"rendered":"https:\/\/www.klaus-heidegger.at\/?p=9952"},"modified":"2024-03-04T14:07:39","modified_gmt":"2024-03-04T14:07:39","slug":"kriege-beenden-nicht-fortfuehren","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/?p=9952","title":{"rendered":"Kriege beenden, nicht fortf\u00fchren!"},"content":{"rendered":"\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><a href=\"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/20240302_145857-scaled.jpg\"><img loading=\"lazy\" width=\"768\" height=\"1024\" src=\"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/20240302_145857-768x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-9953\" srcset=\"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/20240302_145857-768x1024.jpg 768w, http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/20240302_145857-225x300.jpg 225w, http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/20240302_145857-1152x1536.jpg 1152w, http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/20240302_145857-1536x2048.jpg 1536w, http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/20240302_145857-scaled.jpg 1920w\" sizes=\"(max-width: 768px) 100vw, 768px\" \/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<p><strong>\u2026 und Kriege werden fortgef\u00fchrt<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Nun schon seit mehr als zwei Jahren sind wir Zeitzeuginnen und Zeitzeugen f\u00fcr eine Zeit, in der ein neuer Krieg in Europa legitimiert, gef\u00fchrt und immer noch mehr angefacht wird. Im Fernsehen d\u00fcrfen hierzulande vornehmlich jene M\u00e4nner Kriege erkl\u00e4ren, manche von ihnen in Kampfuniform, die sich in der Logik des Kriegsf\u00fchrens auskennen. Wir werden zu Expertinnen und Experten von Waffengattungen; wir kennen inzwischen die Unterschiede zwischen Marder- und Leokampfpanzer; wir wissen, welche Reichweite eine Taurus-Rakete hat und warum selbst F-16-Kampfjets f\u00fcr das Kriegsgeschehen in der Ukraine Bedeutsamkeit erlangen k\u00f6nnten. Die Erkenntnisse der Sozialwissenschaften und der Friedensforschung bleiben dagegen unbeachtet und bedeutungslos f\u00fcr das Weltgeschehen. Das Hinblicken auf die Kriegsursachen \u2013 geht es allein um einen autorit\u00e4ren Despoten in Moskau?, &nbsp;w\u00e4re kriegsst\u00f6rend und es w\u00fcrde die so profitablen Gesch\u00e4fte der Kriegsmaterialienproduzenten, ihrer Aktion\u00e4re sowie der Waffenschieber in Frage stellen. Die f\u00fchrenden Politikerinnen und Politiker \u00d6sterreichs sekundieren dem milit\u00e4rischen Treiben und noch mehr Waffenlieferungen an die Ukraine werden als alleinige Strategie hochgelobt. \u201eMasters of war\u201c \u2013 so lautet ein Titel eines Liedes des Literaturnobelpreistr\u00e4gers Bob Dylan, in dem er schon vor einem halben Jahrhundert die perverse Logik des Krieges in poetischer Sprache aufdeckte. Die \u201eMasters of war\u201c treiben heute mehr als zur Zeit des Kalten Krieges die Welt einem Abgrund entgegen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>\u2026 und eskalieren bis zur gegenseitigen Ausl\u00f6schung<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Kriegerische Rationalit\u00e4t f\u00fchrt zu stets neuen Eskalationsstufen. Von mir aus liegt Wien so weit entfernt wie Wien von der Ukraine. Dort fliegen die Bomben und Raketen seit der v\u00f6lkerrechtswidrigen Invasion (sic) des russischen Regimes; dort wird unermessliches Leid produziert, sterben Menschen, werden K\u00f6rper zerfetzt, verlieren Kinder ihr V\u00e4ter, die zu Soldaten gemacht wurden, werden St\u00e4dte und \u00c4cker und Felder zerst\u00f6rt, werden Minen gelegt und Menschen zu Kr\u00fcppeln geschossen. Auch rund um den zweiten Jahrestag haben westliche Staatenlenker an der Spirale des R\u00fcstens und Aufr\u00fcstens weitergedreht. Im Sp\u00e4tabendprogramm wird ein so genannter \u201eSicherheitsberater\u201c interviewt. Als w\u00fcrde er wie ein Sportreporter von einem L\u00e4nderspiel sprechen, meinte er: Der Westen m\u00fcsse alles tun, um die Russen zu \u201eschlagen\u201c. Er forderte daher: Noch mehr Munition f\u00fcr die Ukraine, noch bessere Waffen, auch die Taurus-Raketen m\u00fcssten endlich geliefert werden und die Kampfjets sollten auch nicht ausgespart werden. Und auch die NATO-Staaten m\u00fcssten milit\u00e4risch viel st\u00e4rker werden. Ein CDU-Politiker spricht am gleichen Tag davon: Der Westen m\u00fcsse mit einer weiteren Eskalation gegen\u00fcber Russland reagieren. Der russische Pr\u00e4sident antwortet wie gewohnt: Auf jeden Aufr\u00fcstungsschritt des Westens reagiert er mit neuen Aufr\u00fcstungspl\u00e4nen und Bedrohungsszenarien. Er droht nun nicht mehr nur mit dem Einsatz taktischer Atomwaffen, sondern auch mit dem strategischen Atomwaffenarsenal. Der thermonukleare Krieg sei eine \u201ereale Gefahr\u201c und w\u00fcrde zugleich die \u201eAusl\u00f6schung der Zivilisation\u201c bedeuten. In Putins Analyse ist es der Westen, der Russland zu einer strategischen Niederlage zwingen m\u00f6chte und sein Land in einen R\u00fcstungswettlauf hineinzieht.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>\u2026 und will \u201ekriegsf\u00e4hig\u201c und \u201ekriegst\u00fcchtig\u201c werden<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Begriffe als Absichtserkl\u00e4rungen, die noch vor ein paar Jahren v\u00f6llig ausgeschlossen gewesen w\u00e4ren, werden nun von h\u00f6chster politischer Stelle offen ausgesprochen. Der deutsche Verteidigungsminister spricht davon, dass Deutschland \u201ekriegst\u00fcchtig\u201c gemacht werden sollte und in \u00d6sterreich nennt die Verteidigungsministerin als Ziel f\u00fcr das heimische Heer die \u201eKriegsf\u00e4higkeit\u201c. So wird freudestrahlend von Claudia Tanner angek\u00fcndigt, dass das Heer bald 250 neue Kampfpanzer plus entsprechender Raketentechnologie mit Boden-Luft-Raketen ankaufen werde. 11 Milliarden mehr an milit\u00e4rischen Verteidigungsausgaben wird es in n\u00e4chster Zeit in \u00d6sterreich geben. Auch das milit\u00e4rische Jahres-Budget klettert permanent nach oben. Im gro\u00dfen Ma\u00dfstab geschieht die Aufr\u00fcstung in allen NATO-Staaten. Sondermilliarden werden auf einmal aus den Budgets herausgesch\u00e4lt. 110 Milliarden will allein Deutschland an Sonderausgaben f\u00fcr das Milit\u00e4r locker machen. Die Verteidigungsetats werden hinaufgehoben. Dabei geben die europ\u00e4ischen Staaten mit rund 400 Milliarden Euro bereits ein x-faches f\u00fcr Milit\u00e4r und R\u00fcstung aus als Russland. Allerorten l\u00e4uft die Kriegsmaterialienproduktion auf Hochtouren.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>\u2026 die nichtmilit\u00e4rische und politische Rationalit\u00e4t des Friedens<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die Politikwissenschaften und die Friedensforschung aber auch ein Blick in die Geschichte der Kriege w\u00fcrden eine andere Logik vorschlagen, die mit Vernunft, Empathie und wirklicher Logik zu tun hat.<\/p>\n\n\n\n<p>Als erster Schritt br\u00e4uchte es zun\u00e4chst \u2013 so Gerhard Mangott \u2013 eine <strong>Waffenruhe<\/strong>, die dann zu Friedensverhandlungen gen\u00fctzt werden k\u00f6nnte. Das Sterben, das Verst\u00fcmmeln, das Zerst\u00f6ren muss ein sofortiges Ende haben. Auf milit\u00e4rischem Weg l\u00e4sst sich f\u00fcr keine Seite auf absehbare Zeit ein Sieg erringen. Dies wird auch von Experten aus dem Milit\u00e4r best\u00e4tigt. Der ehemalige NATO-General Harald Kujat etwa sagt: Es gibt nur einen Weg zum Frieden: den Weg der Verhandlungen. Der echte Sieg k\u00f6nne nur ein Verhandlungssieg sein.Es gilt, sich die Frage zu stellen: Was k\u00f6nnten beide Seiten an Forderungen in die Verhandlungen mitnehmen? <\/p>\n\n\n\n<p>Man w\u00fcrde es mit Blick auf die Ursachen des Krieges zweitens wagen, auf Wissenschaftler wie John Mearsheimer zu h\u00f6ren. Er ortet die Ursache des Krieges vorrangig darin, dass durch die <strong>NATO-Expansion<\/strong> Russland sich in seinem Sicherheitsbed\u00fcrfnis gegen\u00fcber den westlichen M\u00e4chten bedroht f\u00fchle. &nbsp;Die Konsequenz aus diesem Blickwinkel w\u00e4re dann, die NATO nicht noch mehr an den Grenzen Russlands zur Stellung zu bringen, sondern ihre Erweiterung zumindest f\u00fcr die n\u00e4chste Zeit zu stoppen. Der krankhafte Revanchismus und Revisionismus von Putin, seine Kr\u00e4nkung und despotische Politik sind wie eine Rechtfertigung f\u00fcr die westliche Politik in den letzten Jahrzehnten. Wer Kritik an der NATO-Erweiterung \u00fcbt, ist nicht mit einem Putin-Bef\u00fcrworter gleichzusetzen. Putin war und ist ein gemeingef\u00e4hrlicher Autokrat, der \u00fcber Leichen geht. Gerade um ihn aber zu stoppen und nicht st\u00e4ndig neu zu kr\u00e4nken und zu reizen, braucht es auch die Bereitschaft, die Sicherheitsinteressen Russlands nicht einfach zu ignorieren. <\/p>\n\n\n\n<p>Man w\u00fcrde drittens dann nicht mehr von Eskalation, sondern von <strong>Deeskalation <\/strong>sprechen, von Schritten, die \u00fcber eine Feuerpause, einen Waffenstillstand und Friedensvertr\u00e4ge zu einem friedlichen Zusammenleben f\u00fchren k\u00f6nnten. Dazu br\u00e4uchte es internationale Vermittler, internationale Konferenzen und das Einbinden jener Organisationen wie die  UNO oder die OSZE, die als Plattformen f\u00fcr Friedensgespr\u00e4che dienen k\u00f6nnten. \u00d6sterreich k\u00f6nnte als Vermittler dienen. Dazu braucht es freilich mehr als Solidarit\u00e4tsbekundungen mit der Ukraine, mehr als das demonstrative Beflaggen von Amtsgeb\u00e4uden hierzulande mit den gelb-blauen ukrainischen Nationalfarben. Mit Waffenlieferungen wird das Sterben bestimmt nicht beendet, sondern fortgesetzt. Die Friedensformel lautet: Nicht Waffen, sondern Verhandlungen. Das k\u00f6nnte zun\u00e4chst bedeuten, dass die heutigen Grenzziehungen eingefroren werden und nicht weitergek\u00e4mpft wird, bis die von Russland annektierten Gebiete mit einem hohen Blutzoll wieder zur\u00fcckerobert werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Kriege stoppen, das w\u00fcrde viertens auch bedeuten, den im Granatennebel verlorenen Blick wieder freizubekommen f\u00fcr das, was die Menschheit bedroht: der menschengemachte <strong>Klimawandel<\/strong>, die Erhitzung des Planeten Erde, das multiple Aufschaukeln von Katastrophen, wenn die Kipppunkte erreicht werden. Die wichtigste Klimaschutzma\u00dfnahme liegt in der Friedens- und Abr\u00fcstungspolitik. In keinem anderen Bereich wird der Klimawandel so negativ bef\u00f6rdert wie im F\u00fchren von Kriegen und der Vergeudung von Ressourcen f\u00fcr milit\u00e4rische Ma\u00dfnahmen.<\/p>\n\n\n\n<p>Meine Hoffnung lautet, dass es vor allem die Kirchen sind, die gem\u00e4\u00df des Auftrags ihres Gr\u00fcnders \u201eFriedensstifterinnen\u201c sein sollten und dem Weg des Gewaltverzichts verpflichtet sind. Wo aber sind die Repr\u00e4sentanten der Kirche, die der Kriegstreiberei widersprechen, die dem Aufr\u00fcstungswahn ihre andere Botschaft entgegenhalten, die Anw\u00e4ltinnen f\u00fcr eine gewaltfreie Strategie der Konfliktintervention und des Friedensaufbaus sind?<\/p>\n\n\n\n<p>Klaus Heidegger, 3. M\u00e4rz 2024 <br>(Foto: Kreuzweginstallation in der Jesuitenkirche in Innsbruck von Hans Seifert)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><img src='http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/20240302_145857-768x1024.jpg' class='thumbnail' \/>\u2026 und Kriege werden fortgef\u00fchrt Nun schon seit mehr als zwei Jahren sind wir Zeitzeuginnen und Zeitzeugen f\u00fcr eine Zeit, in der ein neuer Krieg in Europa legitimiert, gef\u00fchrt und immer noch mehr angefacht wird. 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