{"id":10114,"date":"2024-04-22T18:03:33","date_gmt":"2024-04-22T18:03:33","guid":{"rendered":"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/?p=10114"},"modified":"2024-04-22T18:30:41","modified_gmt":"2024-04-22T18:30:41","slug":"mit-immanuel-kant-vernuenftig-vom-ewigen-frieden-traeumen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.klaus-heidegger.at\/?p=10114","title":{"rendered":"Mit Immanuel Kant vern\u00fcnftig vom ewigen Frieden tr\u00e4umen"},"content":{"rendered":"\n<p><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><a href=\"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/ewiger-Friede-2.jpg\"><img loading=\"lazy\" width=\"250\" height=\"385\" src=\"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/ewiger-Friede-2.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-10115\" srcset=\"https:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/ewiger-Friede-2.jpg 250w, https:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/ewiger-Friede-2-195x300.jpg 195w\" sizes=\"(max-width: 250px) 100vw, 250px\" \/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<p>Geehrter Herr Professor aus K\u00f6nigsberg!<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img alt=\"\"\/><\/figure>\n\n\n\n<p>22. April 2024. 300 Jahre sind Sie nun alt und Ihre Gedanken bleiben so modern und zeitlos g\u00fcltig, wie sie vor weit mehr als 200 Jahren schon waren, als Sie schrieben ein grundlegendes Werk nach dem anderen, als Sie begr\u00fcndeten ein Denken, das eine Freiheit des Denkens erm\u00f6glicht und die Vernunft als Ma\u00dfstab des Handelns nimmt. Wie sch\u00f6n, dass Sie geboren sind, am 22. April 1724. In meinen ersten vier Semestern des philosophischen Studiums, der Metaphysik und der Erkenntnislehre, sind Sie mir oft begegnet, bauten doch all die gro\u00dfen Philosophinnen und Philosophien der n\u00e4chsten Jahrzehnte irgendwie auf ihren Schriften auf. Eine kleine davon nehme ich an Ihrem Jubil\u00e4umstag zur Hand. Erschienen ist das B\u00fcchlein jetzt als gelbes Klassiker-Reclamheft. &nbsp;Sie liebten ja die Farbe gelb. Farbe passt also zum Autor. Rund 60 Seiten ist es schmal. Es ist viel leichter zu lesen als Ihre Grundlagenwerke wie die \u201eKritik der reinen Vernunft\u201c. Die Schrift, um die es mir heute geht, haben Sie nach einem Landgasthaus benannt: \u201eZum ewigen Frieden\u201c. Der gro\u00dfe Denker hat Sinn f\u00fcr Humor und geniale Metaphern zugleich. Der gro\u00dfe Frieden in all den Staaten und zwischen den Staaten hat wohl auch mit Dorfkneipen und Stammtischen zu tun. 1795, also sechs Jahre nach der Franz\u00f6sischen Revolution, ist es erschienen. Da waren Sie schon ein altbekannter Mann. Da hat die Welt schon erfahren vom ambivalenten Charakter der Revolution, von Robespierre und seinem Terror auf der einen Seite und vom b\u00fcrgerlichen Aufbegehren gegen imperiales Staatsgehabe andererseits. <\/p>\n\n\n\n<p>Nur drei der Gedanken aus Ihrer Schrift \u201eZum Ewigen Frieden\u201c greife ich nun auf. Sie zeigen schmerzlich, wie wahr Ihre Friedensphilosophie doch ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Erstens tr\u00e4umten Sie davon, dass \u201estehende Heere mit der Zeit ganz aufh\u00f6ren sollen\u201c. Sie stellten immer eine Bedrohung f\u00fcr den Nachbarstaat dar und je gr\u00f6\u00dfer und st\u00e4rker sie sind, des gr\u00f6\u00dfer auch die Bedrohung, desto gr\u00f6\u00dfer der Anreiz und die Versuchung, die milit\u00e4rischen Mittel tats\u00e4chlich anzuwenden. Der Blick auf unsere heutige kriegerische Welt zeigt, dass diese Argumentation durchaus zutrifft. Es sind die st\u00e4rksten milit\u00e4rischen Nationen der Welt, die in Kriege verwickelt sind. Es war die milit\u00e4rische Macht Russlands, die zur Invasion in der Ukraine wesentlich beitrug. Es waren die Bedrohungs\u00e4ngste Russlands angesichts der NATO-Erweiterung, die vorher schon einen Stimulus f\u00fcr das Vorgehen Russlands bildeten. Wenn Frieden entstehen soll, dann gilt mit Kant bis heute: Raus aus der milit\u00e4rischen Logik von stehenden Heeren \u2013 hinein in eine andere Logik, die der Vernunft folgt.<\/p>\n\n\n\n<p>Zweitens haben Sie in Ihrer Schrift \u201eZum ewigen Frieden\u201c auch eindr\u00fccklich davor gewarnt, dass im Kriegsfalle Mittel eingesetzt werden k\u00f6nnten, die letztlich einen dauerhaften Frieden v\u00f6llig zerst\u00f6ren k\u00f6nnten. Terror darf nicht sein. Bewusste Aktionen, die einen Gegner nur ver\u00e4chtlich machen, w\u00e4ren einem k\u00fcnftigen Frieden abtr\u00e4glich. Ein Vernichtungskrieg bringt keinen Frieden mit sich. Es gilt die Probleme zu l\u00f6sen. Der Mensch darf nie nur Mittel zum Zweck sein, sondern hat in sich einen unbedingten Wert. T\u00f6ten von Menschen ist demgegen\u00fcber ein Widerspruch. Soldaten d\u00fcrfen nie als Mittel in Staatsapparaten gesehen werden. Die Personw\u00fcrde der Menschen verbietet es, zu t\u00f6ten und get\u00f6tet zu werden. Solches Denken passt zu Ihrer gro\u00dfartigen Formel vom Kategorischen Imperativ. H\u00e4tten die Staaten und Menschen diesen KI in ihren Genen, so w\u00e4re der Ewige Frieden nicht l\u00e4nger nur Utopie.<\/p>\n\n\n\n<p>Drittens schlie\u00dflich haben Sie aufgezeigt, dass Demokratie und Frieden untrennbar miteinander verbunden sind. Wo Menschen ihre Interessen auf demokratischem Weg in staatliches Geschehen einbringen, dort, so haben Sie formuliert, werde es weniger leicht zum Krieg kommen. Heute leben wir in einer Zeit, in der von rechtsradikaler Seite die Demokratie wieder infrage gestellt wird. Es t\u00e4te uns gut, mit Blick auf die Geschichte und die Gegenwart Ihre Gedanken weiterhin anzuwenden.<\/p>\n\n\n\n<p>Danke, Immanuel Kant, Sie st\u00e4rken mich weiterhin daran zu glauben und mich daf\u00fcr einzusetzen, dass milit\u00e4rische Potenziale nicht immer noch weiter die Welt beherrschen werden, sondern dass es Alternativen jenseits unserer Kriegswelt gibt, die auf Gewaltfreiheit und Vernunft aufbauen.<\/p>\n\n\n\n<p>Klaus Heidegger<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><img src='http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/ewiger-Friede-2.jpg' class='thumbnail' \/>Geehrter Herr Professor aus K\u00f6nigsberg! 22. 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