{"id":10798,"date":"2024-10-23T12:43:39","date_gmt":"2024-10-23T12:43:39","guid":{"rendered":"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/?p=10798"},"modified":"2026-02-03T07:14:14","modified_gmt":"2026-02-03T07:14:14","slug":"die-weiber-sollen-schweigen-oder-die-juengerinnen-jesu","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.klaus-heidegger.at\/?p=10798","title":{"rendered":"Die Weiber sollen schweigen oder: die J\u00fcngerinnen Jesu"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Ein Blick in die biblischen Schriften<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Es ist der 22. Oktober 2024. Wie soll ich in diesen letzten Tagen der zweiten Runde der Weltsynode meine Gedanken beginnen? Wie kann unsere Reaktion auf das soeben erfolgte r\u00f6mische \u201eNo,basta\u201c zum Diakonat der Frauen und damit auch zum Priester- und Bischofsamt f\u00fcr Frauen sein?<\/p>\n\n\n\n<p>Ich k\u00f6nnte beginnen mit einem Blick in die Hl. Schrift und jene vielzitierte Passage aus dem 1. Korintherbrief nehmen. Dort hei\u00dft es: \u201eEure Frauen sollen in den Gemeinden schweigen; denn es ist ihnen nicht gestattet zu reden, sondern sie sollen sich unterordnen, wie es auch das Gesetz sagt.&nbsp;Wenn sie aber etwas lernen wollen, so sollen sie daheim ihre eigenen M\u00e4nner fragen, denn es ist f\u00fcr Frauen sch\u00e4ndlich, in der Gemeinde zu reden. &#8222;(1 Kor 14,34f)<\/p>\n\n\n\n<p>Jedes Lesen der biblischen Texte \u2013 besonders wenn es schwierige Passagen sind \u2013 muss sich die M\u00fche machen, diese im Licht der Exegese historisch-kritisch und literarkritisch zu begreifen. Nur so wird das Lesen zum Verstehen und vermeidet Missverst\u00e4ndnisse. Erstens, so sagt uns die Exegese, ist der zitierte Text aus den Pastoralbriefen. Diese sind sogenannte \u201eunechte\u201c Paulusbriefe, weil sie erst sekund\u00e4r unter die Autorit\u00e4t des Paulus gestellt worden sind. Zweitens ist selbst diese restriktive Passage erst sp\u00e4ter hinzugef\u00fcgt worden. Drei Kapitel davor hei\u00dft es im Korintherbrief beispielsweise, dass Frauen den Auftrag zum prophetischen Reden in den Gottesdiensten haben. Drittens aber k\u00f6nnen wir gerade in den Paulusbriefen die hervorragende Stellung herauslesen, die Frauen in den ersten christlichen Gemeinden hatten. Paulus nennt immer wieder Frauen, die Diakoninnen und selbst Bisch\u00f6finnen waren und in den Gemeinden verk\u00fcndeten und tauften.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>J\u00fcngerinnen Jesu<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Es ist der 22. Oktober. Ich schreibe meine Zeilen am Gedenktag der Heiligen Salome von Galil\u00e4a. Im Sonntagsevangelium dieser Woche h\u00f6rten wir von ihren S\u00f6hnen Jakobus und Johannes, wie sie Jesus baten, im Himmelreich rechts und links von ihm sitzen zu d\u00fcrfen. Von Salome lesen wir, dass sie in einer Frauengruppe als J\u00fcngerin Jesus begleitet hatte. Sie stand dann am Kreuz, als Jesus hingerichtet wurde, sie begleitete laut Markusevangelium mit dem messianischen Zeichen der Salbe zwei andere Frauen, als sie am Ostermorgen zum Grab Jesu gingen. Somit z\u00e4hlt Salome mit Maria Magdalena auch als erste Zeugin der Auferstehung. Die Worte aus dem Korintherbrief m\u00f6chte ich daher erg\u00e4nzen mit jenen aus dem Markusevangelium: \u201e<sup>40<\/sup>Und es waren auch Frauen da, die von ferne zuschauten, unter ihnen Maria Magdalena und Maria, die Mutter Jakobus des Kleinen und des Joses, und Salome,&nbsp;<sup>41<\/sup>&nbsp;die ihm nachgefolgt waren, als er in Galil\u00e4a war, und ihm gedient hatten, und viele andere Frauen, die mit ihm hinauf nach Jerusalem gegangen waren.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Die Weltsynode in Rom und unsere Entt\u00e4uschungen und Hoffnungen<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Seit dem Fr\u00fchjahr 2020 treffen wir uns in der Initiative \u201eMaria Magdalena &amp; Co\u201c regelm\u00e4\u00dfig an einem 22. eines Kalendermonats, um f\u00fcr die Gleichstellung von Frauen und M\u00e4nnern in der r\u00f6misch-katholischen Kirche und f\u00fcr die Weiterentwicklung des Amtes ein Zeichen zu setzen. Wir bitten im Gebet und beim anschlie\u00dfenden symbolisch aussagekr\u00e4ftigen Gang zum Dom, dem Sitz unseres Bischofs, um den g\u00f6ttlichen Geist f\u00fcr die Kirche zu bitten und um die Kirchenleitung nicht aus der Verantwortung zu nehmen, wenn es um Gleichberechtigung in der Kirche geht.<\/p>\n\n\n\n<p>Erst zwei Tage ist es her, dass Papst Franziskus Elena Guerra als Heilige \u2013 und damit als Vorbild \u2013 f\u00fcr die Kirche auserw\u00e4hlt hat. Die Ordensschwester hat zu Beginn des 20. Jahrhunderts Papst Leo XIII. ermutigt, die Kirche dem Wirken des Hl. Geistes zu \u00fcberantworten und so zu ver\u00e4ndern. Diese Heilige kann auch f\u00fcr unsere Initiative Maria Magdalena &amp; Co als ermutigende Person gesehen werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Katholische Frauenbewegung \u00d6sterreichs hat schon die 1. Sitzungsperiode der Weltsynode mit t\u00e4glichen Gebeten im Oktober 2023 begleitet. Am 2. Oktober 2024 wurde wieder die Gebetsinitiative via Sozialer Medien gestartet. Im Gebet von Regina Illemann \u2013 die m\u00e4nnlichen Gottesbegriffe habe ich nachtr\u00e4glich gegendert \u2013 wird die trinitarische Gegenw\u00e4rtigkeit angesprochen:<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Du LEBENDIGE<br><\/strong>Ins Leben hast du uns gerufen,<br>Kraft und F\u00e4higkeiten hast du uns gegeben.<br>Wir wollen, um die Kirche aufzubauen und der Welt zu dienen,<br>alles wirksam werden lassen, was in uns dein Antlitz spiegelt.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Jesus, unser Bruder,<br><\/strong>du hast kein Geschlecht gering geachtet<br>und hast kein Geschlecht bevorzugt.<br>Lass nicht zu,<br>dass deine Kirche dies entgegen deinem Beispiel weiter tut.<br>Erweise dich heute als Lehrmeister deiner Kirche.<\/p>\n\n\n\n<p><br><strong>Heilige Geistkraft, unsere Mitte,<br><\/strong>die Gaben, die du schenkst, sind viel zu kostbar, um sie zu vergraben!<br>St\u00e4rke alle, mit Treue und Geduld, die noch gehindert werden, deinem Ruf zum geistlichen Amt zu folgen.<br>F\u00fchre die zur Einsicht, die sie hindern, und dadurch der Kirche diese Gaben vorenthalten.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Wir blicken nach Rom<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Am Montag, dem 21. Oktober 2024, die Schlagzeilen aus dem Vatikan \u2013 die f\u00fcr alle von uns, die wir f\u00fcr Gendergerechtigkeit in der r\u00f6misch-katholischen Kirche eintreten \u2013 wie ein Schlag in die Magengrube sind. Die Schlagzeilen lauten: \u201ePapst schlie\u00dft Weihe von Diakoninnen aus.\u201c \u201ePapst Franziskus hat der Weihe von Frauen zu Diakoninnen oder Priesterinnen in der r\u00f6misch-katholischen Kirche eine klare Absage erteilt.\u201c Die Begr\u00fcndung: &#8222;\u2026 zum jetzigen Zeitpunkt sei die Frage des weiblichen Diakonats noch nicht ausgereift.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Braucht es aber wirklich noch mehr biblische Forschung, noch mehr theologische Vergewisserung, um zu wissen, ob auch Frauen gleichberechtigt mit den M\u00e4nnern in der \u00c4mterfrage werden k\u00f6nnen? Liegen nicht all die Fakten seit Jahrzehnten schon l\u00e4ngst gut fundiert und wissenschaftlich abgesichert auf dem Tisch?<\/p>\n\n\n\n<p>Einerseits wird gesagt, dass dem Papst die Rolle der Frauen in der Kirche ein &#8222;sehr wichtiges Anliegen&#8220; sei. Er habe schon fr\u00fchzeitig das Glaubensdikasterium damit beauftragt. Zugleich wurde das Frauenthema aber aus den Beratungen der Weltsynode ausgelagert und als Aufgabe f\u00fcr eine Sondergruppe definiert.<\/p>\n\n\n\n<p>Nat\u00fcrlich gibt es auch die Hoffnungnszeichen. So sprach sich der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Georg B\u00e4tzing, f\u00fcr das Frauendiakonat aus. Es reiche nicht aus, Frauen auf allen kirchlichen Ebenen in Entscheidungsstrukturen einzubinden. Es brauche auch eine \u00d6ffnung f\u00fcr das sakramentale Amt. B\u00e4tzing w\u00f6rtlich: \u201e<em>F\u00fcr den Kulturraum, aus dem ich komme, wird eine Antwort dar\u00fcber entscheiden, ob Frauen weiterhin ihre Heimat in der Kirche suchen werden und finden k\u00f6nnen.\u201c<\/em> Von einem anderen Kulturraum sprach der Synodenbischof aus Lateinamerika. Leonardo Steiner meinte: \u201eViele unserer Frauen sind heute schon Diakoninnen.\u201c Zwar sei das nicht offiziell, aber es gebe schlicht keine andere Bezeichnung f\u00fcr ihre Rolle, so der Erzbischof von Manaus am Dienstag im Vatikan.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Diakonat ohne Weihe und die Gefahr der Klerikalisierung<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Ist allerdings die zeitgleich mit der Weltsynode erfolgte Weihe von Diakoninnen und Priesterinnen auf einem Schiff im Tiber eine notwendige Provokation? Ist die Forderung nach Weihe und damit der 1:1- \u00dcbernahme des Ritus einer Priesterweihe wirklich die L\u00f6sung? K\u00f6nnte nicht, wie es die Initiative Maria Magdalena &amp; Co vorgibt, die L\u00f6sung darin liegen, das Amt weiterzudenken? Meines Erachtens braucht es auch den lutherischen Mut, den Ordo \u2013 das Sakrament der Weihe in seiner derzeitigen Form \u2013 kritisch zu \u00fcberpr\u00fcfen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Biblische Vorgaben<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Ma\u00dfst\u00e4be f\u00fcr das Streben nach Gendergerechtigkeit in der Kirche sind die Menschenrechte, die human- und sozialwissenschaftlichen Grundlagen sowie die biblischen Vorgaben und eine R\u00fcckbesinnung auf die Anf\u00e4nge des Christentums. Wie k\u00f6nnen auf Phoebe blicken. Sie lebte im 1. Jahrhundert in Korinth und wird von Paulus ausdr\u00fccklich als Diakonin (diakonas) bezeichnet. Auch Beistand (prostatis) wird sie von Paulus genannt. Weiters Junia wurde l\u00e4ngst schon mehr entdeckt \u2013 und es war kein Junius. Sie lebte um 50 nach Christus in Rom, wo sie wie eine Apostelin den Glauben verk\u00fcndete. Sie hat gelehrt und getauft. Auch Priska war eine Mitarbeiterin des Paulus. Priska soll wie Paulus eine Zeltmacherin gewesen sein. Die Theklagestalt zeigt, wie dann im 2. Jahrhundert die Tradition der leitenden Frauen in den christlichen Gemeinden weitergetragen worden ist. Weniger bekannt sind die fr\u00fchchristlichen prophetischen Frauen, die teils namentlich bekannt sind, wie Maximila, Priscilla, Quintilla oder Sophia von Rom. Von Beginn an waren Frauen jedenfalls an der Ausbreitung und Gestaltung des christlichen Glaubens beteiligt. Salome und Elena Guerra, Phoebe und Junia, Thekla und Priska und all die anderen Frauen als Diakoninnen, Prophetinnen und Bisch\u00f6finnen. Dieser Blick ermutigt und bekr\u00e4ftigt.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Wir wollen uns bekr\u00e4ftigen!<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>In einer Kirche will ich leben, in der alle Geschlechter die gleichen Rechte haben, M\u00e4nner wie Frauen und auch solche, die sich beiden Geschlechtern nicht zuordnen k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Eine Kirche soll es werden, in der nicht M\u00e4nner nur werden zu h\u00f6heren Diensten berufen, sondern in der Frauen nicht weniger d\u00fcrfen als M\u00e4nner. Nicht l\u00e4nger werden Frauen von bestimmten \u00c4mtern ausgeschlossen.<\/p>\n\n\n\n<p>Eine Kirche soll es wohl sein, die den Mut aufbringt, das Weihesakrament als solches einer kritischen Pr\u00fcfung zu unterziehen, wie weit es nicht zu einer grunds\u00e4tzlichen Spaltung der Kirche in Kleriker und Laien f\u00fchrt, die nicht der Gleichheit aller Gl\u00e4ubigen entspricht.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr eine Kirche wollen wir k\u00e4mpfen, in der hierarchisch-klerikale Strukturen \u00fcberwunden sind.<\/p>\n\n\n\n<p>Eine Kirche soll es sein, die authentisch vorangeht, die sexistischen Strukturen und Verhaltensweisen in unserer Gesellschaft zu \u00fcberwinden.<\/p>\n\n\n\n<p>Eine Kirche soll es sein, in denen M\u00e4nner sich nicht sch\u00e4men m\u00fcssen, Mann zu sein, weil strukturelle Ungleichbehandlungen \u00fcberwunden sind.<\/p>\n\n\n\n<p>Eine Kirche soll es sein, in der sexistische Rollenbilder und Stereotype \u00fcberwunden sind, in der Frauen wie M\u00e4nner auch stark sein d\u00fcrfen.<\/p>\n\n\n\n<p>Eine Kirche soll es sein, in der alle keine Angst haben, f\u00fcr ihre Rechte einzutreten, in der wir alle den Mut haben, gegen Ungerechtigkeiten aufzutreten.<\/p>\n\n\n\n<p>Klaus Heidegger<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein Blick in die biblischen Schriften Es ist der 22. 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