{"id":10820,"date":"2024-11-03T21:21:44","date_gmt":"2024-11-03T21:21:44","guid":{"rendered":"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/?p=10820"},"modified":"2024-11-03T21:22:41","modified_gmt":"2024-11-03T21:22:41","slug":"vom-verharren-des-patriarchats-in-der-katholischen-kirche-nach-der-weltsynode","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.klaus-heidegger.at\/?p=10820","title":{"rendered":"Vom Verharren des Patriarchats in der katholischen Kirche nach der Weltsynode"},"content":{"rendered":"\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><a href=\"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/za-k-1-scaled.jpg\"><img loading=\"lazy\" width=\"768\" height=\"1024\" src=\"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/za-k-1-768x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-10821\" srcset=\"https:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/za-k-1-768x1024.jpg 768w, https:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/za-k-1-225x300.jpg 225w, https:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/za-k-1-1152x1536.jpg 1152w, https:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/za-k-1-1536x2048.jpg 1536w, https:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/za-k-1-scaled.jpg 1920w\" sizes=\"(max-width: 768px) 100vw, 768px\" \/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<p>Der Ende Oktober 2024 beendete Prozess der Weltsynode wird in kirchlichen Kreisen mit folgender Erz\u00e4hlung als Message Control ausgegeben: Die bereits 2021 gestartete Weltsynode m\u00fcsse als gro\u00dfer Fortschritt in der katholischen Kirche gewertet werden. Erstmals h\u00e4tten im Vatikan nicht nur Bisch\u00f6fe, sondern auch Laien und darunter auch einige Frauen \u00fcber Glaubens- und Kirchenfragen miteinander in einem offenen Dialog gesprochen. Der Papst habe das synodale Schreiben nicht mehr mit einem eigenen Dokument erg\u00e4nzt oder kommentiert, sondern sich quasi hinter dieses gemeinsam erarbeitete f\u00fcnfzigseitige Synodenpapier gestellt und damit auf sein absolutistisches Machtprimat verzichtet.<\/p>\n\n\n\n<p>In den brennenden innerkirchlichen Fragen wie strukturelle Gleichberechtigung zwischen den Geschlechtern und Abschaffung des Z\u00f6libats ist freilich die Synode nicht einmal einen kleinen Schritt weitergekommen. Das Frauenthema ist schon im Vorfeld der Synode aus den gemeinsamen Beratungen genommen und in eine Arbeitsgruppe abgeschoben worden. Bisch\u00f6fe warnten in Pressekonferenzen vor der Klerikalisierung der Kirche, wenn Frauen die Weihe offenstehen w\u00fcrde. Das sagen gerade jene M\u00e4nner, die selbst Kleriker sind und auch keine Scheu haben, bewusst klerikal zu wirken mit ihren Gew\u00e4ndern und ihrem Gehabe. Es ist schon ein Hohn, wenn Kleriker vor einer Klerikalisierung warnen. Die Argumentation erinnert an Kardinal Ratzinger, den sp\u00e4teren Papst Benedikt XVI., der vor dem Machtstreben der Frauen warnte, w\u00e4hrend er selbst im Vollbesitz der Macht war.<\/p>\n\n\n\n<p>Es geht in der Gleichstellung der Geschlechter um weit mehr, als f\u00fcr Frauen die Weihe zur Diakonin, Priesterin und Bisch\u00f6fin zu \u00f6ffnen. Es geht viel grunds\u00e4tzlicher darum, dass die patriarchalen Strukturen angesprochen und ver\u00e4ndert werden m\u00fcssen. Mit Blick auf die Kirche in den L\u00e4ndern des S\u00fcdens wurde argumentiert, dass Bisch\u00f6fe aus Afrika oder Asien \u201enoch nicht so weit\u201c seien und dass es \u00fcberhaupt viel wesentlichere Dinge zu besprechen gebe: Ist Gendergerechtigkeit in der Kirche aber etwas, das verhandelbar oder unwesentlich ist? Ist der Ma\u00dfstab f\u00fcr eine egalit\u00e4re Kirche die Befindlichkeit konservativer Bisch\u00f6fe und Kardin\u00e4le, auf die R\u00fccksicht genommen werden m\u00fcsste? Wer nimmt R\u00fccksicht auf die Frauen, die die Mehrheit der Kirchenmitglieder sind? Wer nimmt R\u00fccksicht auf die M\u00e4nner, die in stereotype Rollenbilder gedr\u00e4ngt werden, in denen dann die Kombination von Z\u00f6libat, Macht, propagiertem heiligm\u00e4\u00dfigem Status und fragw\u00fcrdiger Sexualmoral zu einem gef\u00e4hrlichen Mix werden kann? Auch f\u00fcr die Kirche sollte der Artikel I der Menschenrechtsdeklaration als Kriterium gelten. \u201eAlle Menschen sind frei und gleich an W\u00fcrde und Rechten geboren.\u201c Die festgestellte Gleichw\u00fcrdigkeit w\u00fcrde bedeuten, die unheilvollen patriarchalen Strukturen bzw. die sexistisch motivierten Diskriminierungen endg\u00fcltig aufzuheben. Diese sind ein Vergehen an der Gleichwertigkeit der Menschen, f\u00fcr das es letztlich keine Rechtfertigung geben darf. Die verheerenden Auswirkungen des Patriarchats sind l\u00e4ngst erforscht und beschrieben und allerorten immer noch sichtbar. In einem hierarchischen System werden M\u00e4nner \u00fcber Frauen gestellt, werden Menschen \u00fcber die Natur gestellt und eine Gottheit \u00fcber die Menschen. Damit wird Machtmissbrauch die T\u00fcr ge\u00f6ffnet.<\/p>\n\n\n\n<p>Eine Kirche der Zukunft kann sich Jesus von Nazareth als Vorbild nehmen, der durchaus patriarchatskritisch gelebt und gelehrt hat. So konnten in der Jesusbewegung und in der fr\u00fchen Kirchen Frauen und M\u00e4nner gleichberechtigt das Evangelium verk\u00fcnden und die Kirche gestalten. Eine Kirche der Zukunft w\u00fcrde nicht l\u00e4nger in der \u00f6ffentlichen Wahrnehmung als Bastion des Patriarchats erscheinen. Wenn in einer j\u00fcngsten Umfrage die Kirche im Vertrauensindex an zweitletzter Stelle genannt wird, wenn Abertausende Entt\u00e4uschte die Kirche verlassen, wenn die Gottesdienste immer sp\u00e4rlicher besucht werden, dann sind das Indikatoren, die zeigen, dass es auch Strukturver\u00e4nderungen in Richtung Gleichberechtigung br\u00e4uchte. Der Pflichtz\u00f6libat w\u00e4re dann endg\u00fcltig Vergangenheit, die Macht in der Kirche auf alle Geschlechter verteilt, das Volk Gottes nicht mehr zweigeteilt in Kleriker und Laien, homosexuelle Menschen m\u00fcssten sich nicht l\u00e4nger als letztlich s\u00fcndhaft f\u00fchlen. Weil die Weltsynode in diesen wichtigen Fragen keine wirklichen Ergebnisse brachte, bin ich entt\u00e4uscht. Was bleibt, ist dennoch die Hoffnung, dass nun die Bisch\u00f6fe und alle Gl\u00e4ubigen vor Ort die Worte des Papstes sich zu eigen machen und selbst mutig aufbrechen und nicht auf den patriarchalen Strukturen sitzen bleiben. Werde ich dies ganz konkret in meiner Di\u00f6zese erleben?<\/p>\n\n\n\n<p>Klaus Heidegger<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><img src='http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/za-k-1-768x1024.jpg' class='thumbnail' \/>Der Ende Oktober 2024 beendete Prozess der Weltsynode wird in kirchlichen Kreisen mit folgender Erz\u00e4hlung als Message Control ausgegeben: Die bereits 2021 gestartete Weltsynode m\u00fcsse als gro\u00dfer Fortschritt in der katholischen Kirche gewertet werden. 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