{"id":11121,"date":"2025-04-01T13:48:22","date_gmt":"2025-04-01T13:48:22","guid":{"rendered":"https:\/\/www.klaus-heidegger.at\/?p=11121"},"modified":"2025-04-02T05:04:28","modified_gmt":"2025-04-02T05:04:28","slug":"grenzenlos-fuehlen-in-andersorten-pendeleien-zwischen-fimbatal-und-silvretta-skiarena","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.klaus-heidegger.at\/?p=11121","title":{"rendered":"Grenzenlos f\u00fchlen in Andersorten \u2013 Pendeleien zwischen Fimbatal und Silvretta Skiarena"},"content":{"rendered":"\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><a href=\"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/heidel-6-scaled.jpg\"><img loading=\"lazy\" width=\"768\" height=\"1024\" src=\"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/heidel-6-768x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-11124\" srcset=\"https:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/heidel-6-768x1024.jpg 768w, https:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/heidel-6-225x300.jpg 225w, https:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/heidel-6-1152x1536.jpg 1152w, https:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/heidel-6-1536x2048.jpg 1536w, https:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/heidel-6-scaled.jpg 1920w\" sizes=\"(max-width: 768px) 100vw, 768px\" \/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<p><strong>Grenzerfahrungen<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>An manchen Orten und zu manchen Zeiten l\u00f6sen sich unn\u00f6tige Grenzen, die Menschen willk\u00fcrlich zogen, um sich abzugrenzen von anderen, um ihre Besitzt\u00fcmer zu sichern, damit M\u00e4chtige ihre Macht erhalten k\u00f6nnen. Um solche Grenzen werden heute noch anderswo blutige Kriege gef\u00fchrt. Es tut gut, Orte zu f\u00fchlen, wo sich Grenzen l\u00f6sen, damit Menschen und V\u00f6lker zueinander finden k\u00f6nnen. In manchen Beziehungen l\u00f6sen sich Grenzen, die gezogen wurden, um sich zu sch\u00fctzen aus Angst, in der Seele verletzt zu werden, aus Angst, nicht zu gen\u00fcgen. Ein Angenommensein schenkt Orientierung gerade dort, wo sich kein Weg mehr zeigt.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Fimbatal<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die m\u00e4chtige Welt des Kapitals und der Technokratie befindet sich auf der anderen Seite des langen Hochtales, das Graub\u00fcndnerland und Tirolerland miteinander verbindet. Mein Tag beginnt im Schneegest\u00f6ber auf der Heidelberger H\u00fctte weit hinten im Fimbatal. Der im Winter hei\u00df ersehnte kalte Schnee kommt jetzt in F\u00fclle im Fr\u00fchling. Endlich bekommt die ausgetrocknete Landschaft wieder Feuchtigkeit vom Himmel geschenkt. Das frische Wei\u00df f\u00fchlt sich locker und leicht an. Manchmal ist der Nebel beim meditativen Hinausgleiten aus dem Tal so dicht, dass die Sinne nicht mehr zwischen Oben und Unten und einem Links und Rechts unterscheiden k\u00f6nnen, es ist nur mehr ein Eintauchen ins Wei\u00df. Manchmal ist am Wegrand die Spur eines Hasen oder eines Schneehuhnes. Ich f\u00fchle mich geborgen in der F\u00fclle an Wei\u00df. Wie ein K\u00fcnstler haben Schneefall und Wind auf die Steine im Bach der Fimba wei\u00dfe H\u00fctchen gezaubert. Der Wind ist wie ein Konzert, das den Ohren und der Seele schmeichelt. <\/p>\n\n\n\n<p><strong>Ski-Arena<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Von der einen Welt der Skifahrindustrie kamen wir gestern. Vor zwei Tagen erst wurde in \u00d6sterreich der \u201eErdersch\u00f6fungstag\u201c als mahnende Markierung angegeben. Mit Stahl und Beton haben in der Silvretta Skirarena Tourismusmanager und Technokraten die Natur erobert f\u00fcr die Massen. Die Welt des Konsums, des Verbrauchens, des energieintensiven Mitteleinsatzes, der Entfremdung von Mensch-Natur hat diesen Teil der Alpen l\u00e4ngst zurecht gerichtet und in Besitz genommen. Was mache ich hier, frage ich mich? Ich f\u00fchle mich oft wie ein Fremdk\u00f6rper und werde doch Teil dieser Welt, die nicht jene meiner Seele ist. Mein Freizeitticket \u00f6ffnet die Sperren und gibt mich jedem Lift preis. Fast apokalyptisch erscheint mir die Armada von tonnenschweren Ratracs, die t\u00e4glich neu die Pisten walzen. Die Konsumwelt der St\u00e4dte wurde auf die Idalpe gesp\u00fclt, wo sternenf\u00f6rmig in drei Himmelsrichtungen fast ein halbes Dutzend Lifte zusammenkommen, ein verwirrendes Wirrwarr von Sesselliften und Seilbahnen. In einem der Restaurants spielt zur Bespa\u00dfung eine Tiroler Blasmusikband Polkas. Man schunkelt und gr\u00f6lt dazu. Partystimmung bereits zur Mittagszeit. Wird innere Leere mit \u00e4u\u00dferem L\u00e4rm zugedr\u00f6hnt? Sportgesch\u00e4fte, Snackbars und Restaurants, Pizzeria und \u2013 fast wundert es mich, dass es auf der Idalpe noch kein McDonalds und kein Lidl gibt. Die Stehtische vor den Bars sind Werbefl\u00e4chen f\u00fcr Red Bull \u2013 das passt jedenfalls ins Gesamtbild. Die Sitzfl\u00e4chen der modernen Sessellifte sind geheizt. Auf F\u00f6rderb\u00e4nden werden die \u00c4rsche der Menschen darauf geschoben, die sich nicht mehr dagegen wehren k\u00f6nnen, dass sich die B\u00fcgel automatisch schlie\u00dfen. Es ist ein Bef\u00f6rdertwerden, dem auch ich mich ergebe, um dann H\u00e4nge au\u00dferhalb der Pisten zu erkunden. So spiele ich mit, bin Nutznie\u00dfer und suche mir m\u00f6glichst abseits des Plattgewalzten meine Spur im frischen Pulver. Der CO-2-Verbrauch eines Skitages in Ischgl, so hat es die Umweltschutzgruppe POW berechnet, entspricht pro Person einer Autofahrt von 40 Kilometer. Das klingt fast tr\u00f6stend f\u00fcr eine klimabewusste Seele.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Heidelberger H\u00fctte<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Zur Heidelberger H\u00fctte (2264 m) wurde die Route \u00fcber Piz Val Gronda gew\u00e4hlt. Markierungen mit St\u00f6cken geben die 800 HM-Abfahrt vor. Die Berge der Samnaun- und Silvrettagruppe sind frisch verschneit und so noch einmal formsch\u00f6ner. Im weitl\u00e4ufigen Tal liegt die H\u00fctte. Besonders freundlich ist der H\u00fcttenwirt mit seinem Team. Das dreig\u00e4ngige Men\u00fc schmeckt ausgezeichnet und als Aufmerksamkeit spendiert uns der Wirt auch einen Zirbeler.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Ischgl<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Riesige Hotelkomplexe stehen am Ende der Abfahrt \u2013 rund 11 Kilometer und 1200 H\u00f6henmeter von der Bergstation am Pardatschgrat bis nach Ischgl. An diesem Tag staut es sich nirgends, nicht einmal auf den Wegen, in denen flaschenf\u00f6rmig sonst die Massen sich begegnen. Mir erscheint der Ort wie ein menschenfressender Moloch. Nur schnell weg, denkt und f\u00fchlt es sich in mir. Ischgl ist einer der Orte mit der h\u00f6chsten Konzentration an Vier- und F\u00fcnfsterne-Hotels gemessen an der Gr\u00f6\u00dfe und Einwohnerzahl, mit Haubenlokalen \u2013 und jenen Apres-Ski-Destinationen wie Kitzloch, die seit dem Winter 2020 als europ\u00e4ischer Kristallisationspunkt f\u00fcr den Ausbruch der Corona-Pandemie gelten. Als ich geboren wurde, gab es in Ischgl noch keinen Lift und und der Ort hatte knapp 400 Einwohner. Inzwischen ist Ischgl eine der reichsten Gemeinden \u00d6sterreichs geworden. Das riesige mehrst\u00f6ckige Parkhaus und die neu errichtete Therme erz\u00e4hlen davon. Eine andere Geschichte erz\u00e4hlen die alten Bauernh\u00e4user und Heustadel im engen Paznauntal. W\u00e4hrend der Fahrt hinaus durch das fr\u00fchlingshaft-gr\u00fcne Tal ist meine Seele noch im Fimbatal und jenen utopischen Andersorten, in denen sich falsche Grenzen l\u00f6sen, um sich zu begegnen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><img src='http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/heidel-6-768x1024.jpg' class='thumbnail' \/>Grenzerfahrungen An manchen Orten und zu manchen Zeiten l\u00f6sen sich unn\u00f6tige Grenzen, die Menschen willk\u00fcrlich zogen, um sich abzugrenzen von anderen, um ihre Besitzt\u00fcmer zu sichern, damit M\u00e4chtige ihre Macht erhalten k\u00f6nnen. Um solche Grenzen werden heute noch anderswo blutige Kriege gef\u00fchrt. 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