{"id":11247,"date":"2025-05-20T19:54:57","date_gmt":"2025-05-20T19:54:57","guid":{"rendered":"https:\/\/www.klaus-heidegger.at\/?p=11247"},"modified":"2025-05-20T20:00:26","modified_gmt":"2025-05-20T20:00:26","slug":"rationalitaet-als-denkstruktur-statt-hysterie-nachgedanken-zum-esc-in-basel","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.klaus-heidegger.at\/?p=11247","title":{"rendered":"Rationalit\u00e4t als Denkstruktur statt Hysterie: Nachgedanken zum ESC in Basel"},"content":{"rendered":"\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><a href=\"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/Wurm-Wien-1-scaled.jpg\"><img loading=\"lazy\" width=\"768\" height=\"1024\" src=\"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/Wurm-Wien-1-768x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-11249\" srcset=\"https:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/Wurm-Wien-1-768x1024.jpg 768w, https:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/Wurm-Wien-1-225x300.jpg 225w, https:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/Wurm-Wien-1-1152x1536.jpg 1152w, https:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/Wurm-Wien-1-1536x2048.jpg 1536w, https:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/Wurm-Wien-1-scaled.jpg 1920w\" sizes=\"(max-width: 768px) 100vw, 768px\" \/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<p>Mein literarischer Impuls zu dem aktuellen nationalen Pathos \u00fcber den Sieg von JJ beim Eurovisions-Song-Contest ist auf Zustimmung und Widerspruch gesto\u00dfen. Als Fan einer diskursiven Ethik in der Tradition von J\u00fcrgen Habermas sch\u00e4tze ich Widerspruch, weil uns im Sinne von Hegel das dialektische Denken im Wechselspiel von These-Antithese-Synthese in der Wahrheitssuche weiterbringen kann. \u00a0Wenn ich bestimmte bestimmende Ereignisse im gro\u00dfen weltlichen Getriebe beobachte und analysiere, helfen mir solche rationalen Denkstrukturen der modernen Philosophie.<\/p>\n\n\n\n<p>Erstens galt meine Kritik \u2013 und Kritik sollte seit Kant nie als Schimpfwort gesehen werden \u2013 nicht der Leistung des opernhaften S\u00e4ngers mit dem K\u00fcnstlernamen JJ. Er und sein Team legten eine gro\u00dfartige Leistung hin \u2013 an Gesang und Inszenierung. Was mich \u00fcberraschte, war vielmehr, dass dieser \u201eSieg\u201c zum Sager des heimischen Kulturministers f\u00fchrte, nun sei \u00d6sterreich eine \u201eKulturnation\u201c.&nbsp; Was mich st\u00f6rte, war diese Identifikation von Kultur mit Show; was mich irritierte und fast be\u00e4ngstigte, waren die &nbsp;nationalen hysterischen Reaktionen, die jede Rationalit\u00e4t wegfegten.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein zweiter Blickwinkel au\u00dferhalb der ganzen Show-Perspektive k\u00f6nnte auch in einem positiven Sinne interpretiert werden. Der ESC ist nicht erst seit JJ zu einem safe-haven bzw. zur B\u00fchne f\u00fcr Diversit\u00e4t und unterschiedliche Geschlechtsidentit\u00e4ten geworden. Hier darf Queerness nicht nur sein, sondern wird fast schon zum Erfolgsfaktor und entsprechend inszeniert. Nemo konnte mit seinem Song beim ESC 2024 den ersten Preis gewinnen. Bewusst hat er sich dabei als non-bin\u00e4re Person ins Spiel gebracht, als Person, die sich von seinem Geschlecht her weder als m\u00e4nnlich noch weiblich sieht und letztlich mit dem eigenen K\u00f6rper nicht klarkommt. JJ wiederum hat seine Homosexualit\u00e4t bewusst auch zum Thema gemacht.&nbsp; In einer Zeit, in der unter dem Kampfbegriff \u201eAnti-Wokeness\u201c rechtspopulistische Parteien Oberhand gewinnen und die Anliegen der LGTBQA+-Bewegung als Humbug kritisieren, braucht es daher ESC, wo identit\u00e4re Vielf\u00e4ltigkeit zelebriert wird. Hier kann wohl auch an \u201ePhoenix\u201c von Conchita Wurst erinnert werden oder an die serbische Gewinnerin, die bewusst ihre lesbische Orientierung vortrug oder die finnische Gewinnerin, die ihren Song n\u00fctzte, um f\u00fcr eine Ehe f\u00fcr alle einzutreten.<\/p>\n\n\n\n<p>Doch noch einmal zur\u00fcck zu einem Denken in der Tradition der Aufkl\u00e4rung, die nicht mit Wokeness verwechselt werden darf. In all die Hysterie heute br\u00e4uchte es einen aufgekl\u00e4rten und rationalen Blick auf die Inhalte und Inszenierungen. Grenzen die Lyrics von \u201eWasted Love\u201c bzw. noch mehr das dazugeh\u00f6rende Video mit dem im Liebesfrust im Ozean fast ertrinkenden JJ nicht scharf an suizidale Denkmuster in der Tradition von \u201edie Leiden des jungen Werther\u201c? Der heurige Auftritt von Nemo in Basel als non-bin\u00e4re Person endet letztlich in einem psychischen und somatischen Zusammenbruch. Kurzum: In einer Welt, in der gef\u00e4hrliche Emotionalit\u00e4ten die privaten wie politischen Geschehnisse bestimmen, br\u00e4uchte es so viel mehr Logik und Rationalit\u00e4t, die nicht im Widerspruch zur Emotionalit\u00e4t stehen.<\/p>\n\n\n\n<p>klaus.heidegger<br>(&#8222;Skulptur&#8220; die ich k\u00fcrzlich bei einer Ausstellung in der Albertina Modern in Wien sah)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><img src='http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/Wurm-Wien-1-768x1024.jpg' class='thumbnail' \/>Mein literarischer Impuls zu dem aktuellen nationalen Pathos \u00fcber den Sieg von JJ beim Eurovisions-Song-Contest ist auf Zustimmung und Widerspruch gesto\u00dfen. 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