{"id":11301,"date":"2025-06-25T07:10:16","date_gmt":"2025-06-25T07:10:16","guid":{"rendered":"https:\/\/www.klaus-heidegger.at\/?p=11301"},"modified":"2025-07-21T11:44:00","modified_gmt":"2025-07-21T11:44:00","slug":"nachhaltig-radeln-ueber-alpenpaesse-und-um-seen-in-zeiten-der-klimakrise-und-der-kriege","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.klaus-heidegger.at\/?p=11301","title":{"rendered":"Nachhaltig radeln \u00fcber Alpenp\u00e4sse und um Seen in Zeiten der Klimakrise und der Kriege"},"content":{"rendered":"\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><a href=\"https:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/20250614_153329-scaled.jpg\"><img loading=\"lazy\" width=\"768\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/20250614_153329-768x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-11303\" srcset=\"https:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/20250614_153329-768x1024.jpg 768w, https:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/20250614_153329-225x300.jpg 225w, https:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/20250614_153329-1152x1536.jpg 1152w, https:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/20250614_153329-1536x2048.jpg 1536w, https:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/20250614_153329-scaled.jpg 1920w\" sizes=\"(max-width: 768px) 100vw, 768px\" \/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<p><strong>Tag 1: Samstag, 14. Juni 2025: Von Innsbruck \u00fcber K\u00fchtai, \u00d6tz, Sautens, Imst, Pillersattel nach Prutz<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die gestrige Fahrraddemonstration durch die Stra\u00dfen von Innsbruck und dann ein St\u00fcck der Autobahn entlang ist mir noch bekr\u00e4ftigend im Herzen. Ich bin nicht allein im Widerspruch gegen eine Mobilit\u00e4tspolitik und massenhaftes \u00f6kologisches Fehlverhalten, das die Lebensqualit\u00e4t von Tausenden zerst\u00f6rt und die Klimakrise anheizt. Ich k\u00f6nnte mein Tun auch im Sinne des j\u00fcngsten vatikanischen Dokuments verstehen, das mit Bezug auf das \u201eHeilige Jahr\u201c von der Notwendigkeit einer \u201e\u00f6kologischen Bekehrung\u201c spricht.<\/p>\n\n\n\n<p>Von der eigenen Haust\u00fcre an mit R\u00e4dern unterwegs zu sein, um die Sch\u00f6nheit der Natur und der Kultur zu entdecken, um sich zu \u00f6ffnen f\u00fcr neue Begegnungen und Erfahrungen ist mir ein besonderes Privileg. Radfahren ist mir mehr als Sport \u2013 es ist auch ein politisches Statement f\u00fcr eine andere Welt jenseits des fossilen Wahnsinns. Eigentlich gibt es diesmal gar kein bestimmtes Ziel, weil der Weg schon das Ziel ist und sich so dieses Ziel stets neu an den Weg anpassen wird.<\/p>\n\n\n\n<p>Die fr\u00fchen Morgenstunden sind die besten, um mit dem Rad loszufahren. Die Luft ist noch frisch, der Himmel klar, die Farben sind intensiv und die Freude, einen ganzen Tag ohne Eile vor sich zu haben: all dies spricht f\u00fcr einen fr\u00fchen Aufbruch. Vor allem aber ist auf den Stra\u00dfen noch wenig los. Unsere Reise wird viel entlang von Fl\u00fcssen und B\u00e4chen gehen, die die T\u00e4ler geformt haben und den Ortschaften dann R\u00e4ume gaben.<\/p>\n\n\n\n<p>Die heutige Strecke ist mir vertraut. Heimatstrecke. Der Inn wird uns bei der geplanten Runde immer wieder begleiten. Bei Kematen beginnen dann die Steigungen hinein ins Sellraintal. Die Mellach rauscht. Achtsame Menschen haben an einer Stelle Froschz\u00e4une hin zur Stra\u00dfe gemacht. Die Luft duftet nach Bergwiesen und Kuhfladen, die sich in regelm\u00e4\u00dfigen Abst\u00e4nden auf der Stra\u00dfe befinden. Knackig ist ein Anstieg hinter St. Sigmund mit bis zu 18 Prozent. Die Galerien hinaufzufahren ist leicht beklemmend, obwohl um diese Tageszeit noch wenig Verkehr ist. Am heutigen \u201eTop-of-the-tour\u201c sind wir auf 2020 Metern. Die Liftanlagen und Hotels am Sattel wirken in den Sommermonaten geisterhaft. Ich denke an den letzten Winter und meine Schneeerfahrungen. Auf der anderen Seite der Passh\u00f6he, bei der 3-Seen-Bahn, veranstaltet die TIWAG einen \u201eTag der offenen Baustelle\u201c. Seit etlichen Jahren baut die TIWAG mit enormem Aufwand ein neues Pumpspeicherkraftwerk und einen neuen Speichersee, der auch mit Zufl\u00fcssen aus dem Stubaital und dem mittleren \u00d6tztal gef\u00fcllt werden wird. Sensible Bergnatur wird mit Megaprojekten umgebaut, um den uners\u00e4ttlichen Energiehunger der Menschen zu stillen. Etliche Rennradfahrende kommen aus dem Westen die Serpentinen von \u00d6tz und Ochsengarten hinauf. Wir sausen hinunter. Der Nederbach linksseitig der K\u00fchtaistra\u00dfe und die W\u00e4lder sind angenehm k\u00fchlend an diesem hei\u00dfen Tag.<\/p>\n\n\n\n<p>Im \u00d6tztal unten angekommen plumpsen wir in eine andere Wirklichkeit: Eine Auto- und Motorradschlange w\u00e4lzt sich durch die D\u00f6rfer. Wir sind froh, bald in die kleine Ortschaft Sautens abzubiegen, und ich entdecke dabei eine sch\u00f6ne neue Strecke durch das Forchet, ein kleines Naturschutzgebiet. Ein schmaler asphaltierter Weg f\u00fchrt durch den F\u00f6hrenwald hinunter zur Bundesstra\u00dfe. Auf dem Inntalradweg geht es durch die Imster Schlucht; von Imst hinein nach Wenns, wo die Pillerstra\u00dfe beginnt. Der Weiher bei der Ortschaft Piller mit dem k\u00fchlenden Wasser ist an diesem hei\u00dfen Tag besonders wertvoll. Ich schwimme in dem tr\u00fcb-braunen Moorwasser zwischen den anmutigen Karpfen. Sie scheinen es gut zu akzeptieren. Bei der Pillerh\u00f6he auf 1559 m beginnen dann die Tiefblicke hinunter ins Inntal und sp\u00e4ter ins Kaunertal, nach Prutz und zu meinen famili\u00e4ren Bindungen. Wir beeilen uns, weil sich im Norden bereits Gewitterwolken bemerkbar machen. Am Ende der Fahrt zeigt die Sportuhr nicht ganz 100 Kilometer und 2600 H\u00f6henmeter.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><a href=\"https:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/20250615_152453-scaled.jpg\"><img loading=\"lazy\" width=\"768\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/20250615_152453-768x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-11304\" srcset=\"https:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/20250615_152453-768x1024.jpg 768w, https:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/20250615_152453-225x300.jpg 225w, https:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/20250615_152453-1152x1536.jpg 1152w, https:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/20250615_152453-1536x2048.jpg 1536w, https:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/20250615_152453-scaled.jpg 1920w\" sizes=\"(max-width: 768px) 100vw, 768px\" \/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<p><strong>Tag 2: Sonntag, 15. Juni 2025: Dem Inn entlang ins Engadin zum Malojapass und hinunter ins Bergell<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Auch die Strecke des zweiten Radtages ist mir vertraut. Der s\u00fcdwestlichste Teil Tirols ist meine Alt-Heimat, wo das Inntal eng zwischen den Bergen des Kaunergrats und des Glockturmkamms im S\u00fcden und der Samnauner Gruppe im Norden ist, wo die alten D\u00f6rfer klein geblieben sind und im Kern noch bestimmt sind von alten steinernen H\u00e4usern. Unser Weg geht \u00fcber die alte Stra\u00dfe \u2013 Ried-T\u00f6sens-Pfunds. Bei der Grenze in die Schweiz, wo das Unterengadin beginnt, wird es dann eng. Der Inn flie\u00dft durch eine Schlucht. Martina ist der Grenzort. Es beginnt die lange flache Steigung hinauf nach St. Moritz und den Malojapass. Noch hat der sommerliche Hauptreiseverkehr nicht eingesetzt. Wir bleiben auf der Stra\u00dfe. Im teils starken Gegenwind wechseln wir uns mit Windschatten ab. Der Radweg im Engadin ist f\u00fcr Rennr\u00e4der nicht geeignet. Es ist Sonntag \u2013 so fahren auch keine Lastkraftwagen. Die kleinen D\u00f6rfer sind verschlafen. In einem davon, in Lavin kurz nach Scuol, machen wir am Dorfplatz bei einem der wenigen Gasth\u00e4user Halt. Es ist nach dem Piz Linard benannt, dem bekanntesten der Gipfel im Norden. Seit Scuol f\u00e4hrt nun auf vielen Viadukten die Rh\u00e4tische Bahn zu unserer Rechten. Manchmal ist starker Gegenwind. Ich kenne dieses Tal schon, das sich trotz seiner Sch\u00f6nheit sehr lange anf\u00fchlt. Wann kommt endlich St. Moritz? Die mond\u00e4ne Ortschaft lassen wir aber zu unserer Rechten, bevor es zu den Hochseen am Maloja hinaufgeht, wo sich Kite-Surfer austoben k\u00f6nnen. Die Unterkunft haben wir in Casacia, der ersten Ortschaft unterhalb der Kehren zum Maloja-Pass, gebucht. Es ist ein vierhundert Jahre altes Hotel, das inzwischen zu einem einfachen \u201eBasecamp\u201c \u2013 so die Selbstbezeichnung \u2013 umfunktioniert worden ist. Wir k\u00f6nnen dort mit Nudeln und Pesto und einem frischen Salat unsere Kalorienspeicher f\u00fcllen. Das kleine Bergeller Bergdorf ist von einer einzigartigen Sch\u00f6nheit. Im S\u00fcden und Osten sind die steilen Granitflanken. Fast bedrohlich liegt der Albigna Stausee hoch \u00fcber dem Tal. Ich denke zur\u00fcck zu dem Bergsturz, der in dieser Gegend vor einigen Jahren schon eine Ortschaft weiter unterhalb versch\u00fcttet hat. Ich denke an den Klimawandel und das Auftauen des Permafrostes, was erst j\u00fcngst wieder zu einer Katastrophe in einem anderen Gebiet der Schweiz f\u00fchrte. Tourdaten: 134 Kilometer und 1549 H\u00f6henmeter im Anstieg.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><a href=\"https:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/20250616_102635-scaled.jpg\"><img loading=\"lazy\" width=\"768\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/20250616_102635-768x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-11305\" srcset=\"https:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/20250616_102635-768x1024.jpg 768w, https:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/20250616_102635-225x300.jpg 225w, https:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/20250616_102635-1152x1536.jpg 1152w, https:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/20250616_102635-1536x2048.jpg 1536w, https:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/20250616_102635-scaled.jpg 1920w\" sizes=\"(max-width: 768px) 100vw, 768px\" \/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<p><strong>Tag 3: Montag, 16. Juni, Durch das Bergell zum Comer See<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Wir nehmen uns Zeit, um in die alten Bergd\u00f6rfer hineinzufahren, alte Kirchen zu besichtigen, die auf uralten Kultst\u00e4dten errichtet wurden \u2013 und dann in Chiavenna, der gro\u00dfen malerischen Stadt am Ausgang des Bergells zu verweilen. Wir lassen uns Zeit im Bergell, so als wollten wir diese einzigartige Natur- und Kulturlandschaft nicht zu schnell zu verlassen. Die D\u00e4cher der alten Steinh\u00e4user sind mit Granitplatten belegt. Die Stra\u00dfen zwischen den Steinh\u00e4usern sind mit kleinen runden Steinen gepflastert.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir fahren \u00fcber eine Steinbr\u00fccke \u00fcber den Fluss Maira von der Hauptstra\u00dfe weg. In einem der Bergd\u00f6rfer steht der Palazzo Castelmur, wo der K\u00fcnstler Alberto Giacometti sein Zuhause hatte. Auf einer H\u00fcgelkuppe bei La Mota steht die reformierte Kirche San Pietro mit einem Gem\u00e4lde von Giacometti. Es zeigt ganz zart die Auferstehung. Giacomotto soll hier oft gemalt haben und nannte diesen Flecken Erde wohl zurecht &#8222;das Paradies&#8220;. Weiter flussabw\u00e4rts bei einem Engpass in Castegna verlockt ein weiteres Kirchlein, das Rad auf eine felsige Anh\u00f6he zu schieben. Ein sakrales christliches Heiligtum steht dort seit dem fr\u00fchen Mittelalter. Daneben ist noch ein alter Turm des ehmaligen Kastells erhalten. <\/p>\n\n\n\n<p>Ab Chiavenna beginnt dann ein anderes Leben und die Fahrt entlang der Seen. Meist passt es gut mit den Stra\u00dfen, zum Teil gibt es auch Radwege. Ein kleines St\u00fcck vor Lecco geht es durch einen Tunnel, der in eine vierspurige Stra\u00dfe \u00fcbergeht, was dann aber doch stressig wird, und wir atmen durch, als wir Lecco \u2013 das dritte Etappenziel am Comer See \u2013 vor uns sehen. Innerhalb eines Radtages sind wir von einem einsamen Bergdorf unterhalb des Malojapasses zu einem touristischen Bade- und Industrieort am Comer See gekommen, von einem einfachen selbstfabrizierten Abendessen zu einem Restaurant-Besuch auf einem der Pl\u00e4tze von Lecco. Tourdaten \u00e4u\u00dferlich: Rund 100 Kilometer und rund 500 H\u00f6henmeter im Anstieg. Noch etwas weiter s\u00fcdlich, genau dort wo zwei Fl\u00fcsse zusammenflie\u00dfen, ist die Kirche San Martino mit resken aus dem 12. Jahrhundert. <\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><a href=\"https:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/20250616_151659-scaled.jpg\"><img loading=\"lazy\" width=\"768\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/20250616_151659-768x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-11306\" srcset=\"https:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/20250616_151659-768x1024.jpg 768w, https:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/20250616_151659-225x300.jpg 225w, https:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/20250616_151659-1152x1536.jpg 1152w, https:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/20250616_151659-1536x2048.jpg 1536w, https:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/20250616_151659-scaled.jpg 1920w\" sizes=\"(max-width: 768px) 100vw, 768px\" \/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<p><strong>Tag 4: Dienstag, 17. Juni, rund um den Comer See<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>An der Hauptpromenade von Lecco, wo ich gestern abends im See badete, steht ein monstr\u00f6ses, h\u00e4ssliches Kriegerdenkmal. W\u00fcrden doch die Krieger heute zum Denken beginnen, g\u00e4be es keine der furchtbaren Kriege mehr! W\u00fcrden sie nicht den narzisstischen Autokraten Gehorsam leisten, die Welt w\u00e4re im Frieden!<\/p>\n\n\n\n<p>Wir entschieden uns, den direkten Weg nach Como zu nehmen, also nicht die ganzen Y-f\u00f6rmigen Arme des Comer Sees auszufahren. Como \u00fcberrascht mit seiner Renaissance-Architektur und vor allem dem imposanten Dom. Die Stra\u00dfen der Stadt sind voll von touristischen Menschen, die sich entlang der noblen Gesch\u00e4fte schieben.<\/p>\n\n\n\n<p>Uns locken die kleinen malerischen D\u00f6rfer entlang der Westk\u00fcste des Comer Sees. Ein Traumblick auf den dunkelgr\u00fcnen See und die D\u00f6rfer und illustre Pal\u00e4ste und Villen folgt dem n\u00e4chsten. Verst\u00e4ndlich, dass weltbekannte Celebrities wie George Clooney, Madonna oder Versace hier ihre Prunkh\u00e4user besitzen. Meist gibt es kaum befahrene Nebenstra\u00dfen. Rast machen wir bei einer kleinen mittelalterlichen Jakobs-Kirche. Am Nordufer wird es dann wieder industrieller. Ein Bier und eine Pizza in einem der Caf\u00e9s an der Strandpromenade von Domaso f\u00fcllt die Kr\u00e4fte auf, bevor es in das Valtellina-Tal hineingeht. Ein imposantes altes mehrst\u00f6ckiges Steinhaus steht als B&amp;B hoch \u00fcber dem Adda-Tal \u2013 gerade so, als w\u00fcrde es auf uns warten. Rund 100 Kilometer und 1000 H\u00f6henmeter.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><a href=\"https:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/20250617_115505-scaled.jpg\"><img loading=\"lazy\" width=\"768\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/20250617_115505-768x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-11307\" srcset=\"https:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/20250617_115505-768x1024.jpg 768w, https:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/20250617_115505-225x300.jpg 225w, https:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/20250617_115505-1152x1536.jpg 1152w, https:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/20250617_115505-1536x2048.jpg 1536w, https:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/20250617_115505-scaled.jpg 1920w\" sizes=\"(max-width: 768px) 100vw, 768px\" \/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<p><strong>Tag 5: Mittwoch, 18. Juni: Durch das Veltlin und \u00fcber gebirgige Nebenstra\u00dfen auf den Alpaca-Pass<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Der Tag ist wieder gef\u00fcllt mit Sonne. Die Kraft f\u00fcr neue Radkilometer und Radh\u00f6henmeter ist l\u00e4ngst zur\u00fcck. Die Pizzen von gestern warten darauf, in Vorw\u00e4rtsenergie umgebaut zu werden. Anfangs flie\u00dft die Adda durch das noch flache Valtellina-Tal. Da gibt es auch Radwege jenseits der Nationalstra\u00dfe. Nicht immer aber l\u00e4sst sich diese vermeiden. Um die bedrohlichen Schwerlaster vorbeizulassen, gilt es die Technik anzuwenden, die eigene Geschwindigkeit zu drosseln. Nach ca 30 Kilometern kommen wir in die gr\u00f6\u00dfere Stadt Sondrio. Hier ist st\u00e4dtisches Leben und Kultur. Pal\u00e4ste, Kirchen, M\u00e4rkte. Typisch f\u00fcr diese Gegend sind verschiedene K\u00e4sesorten. Komoot hat uns eine Strecke vorgegeben, die nach dem Stadterleben auf einsamen Stra\u00dfen weit in die Bergd\u00f6rfer hinauff\u00fchrt, bevor es dann zum Aprica-Pass geht. Dieser Ort ist an diesem Tag gleichzeitig der Etappenort der TRANS Alp 2025 und entsprechend gepr\u00e4gt von Rennradfahrenden und den entsprechenden Begleiterscheinungen von einem der spektakul\u00e4rsten Rennradevents in den Alpen. Lieber sind wir zu zweit ohne Stress und ohne dem doch relativ un\u00f6kologischen Drumherum eines solchen Events unterwegs. Vom Aprica-Pass ist es bis zum 5. Etappenort, Vezza d\u2019Oglio, nicht mehr weit. Dennoch: Wieder 100 Kilometer und 1800 H\u00f6henmeter machen sich angenehm bemerkbar. Vor allem aber ist die Seele gef\u00fcllt mit einer F\u00fclle an neuen Eindr\u00fccken, von einsamen Bergstr\u00e4\u00dfchen durch k\u00fchlende W\u00e4lder, von lebendigen St\u00e4dten und leider auch von unangenehmen Stra\u00dfenabschnitten mit donnerndem Verkehr. Letzteres aber war wieder die Ausnahme. In einem der wenigen Gasth\u00e4user in Vezza gibt es traditionelle K\u00fcche. Im S\u00fcden sind die hohen Gipfel des Adamello-Presanella-Gebirges sichtbar. Im Hotel sind wir mit einer Ausnahme die einzigen G\u00e4ste.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><a href=\"https:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/20250619_151401-scaled.jpg\"><img loading=\"lazy\" width=\"768\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/20250619_151401-768x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-11308\" srcset=\"https:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/20250619_151401-768x1024.jpg 768w, https:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/20250619_151401-225x300.jpg 225w, https:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/20250619_151401-1152x1536.jpg 1152w, https:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/20250619_151401-1536x2048.jpg 1536w, https:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/20250619_151401-scaled.jpg 1920w\" sizes=\"(max-width: 768px) 100vw, 768px\" \/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<p><strong>Tag 6: Donnerstag, 19. Juni: Tonale-Pass, Val di Sol und Nonstal<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Gut ausgeruht geht es dann zu einem klassischen und legend\u00e4ren Giro d\u2019Italia-Pass hinauf: Der Tofana-Pass. W\u00e4ren da nicht im S\u00fcden die Gletscher der Adamello-Presanella-Gruppe, so g\u00e4be es hier allerdings nur wenig Gebirgsfeeling. Auf der Passh\u00f6he stehen schon die Motorr\u00e4der, von denen sich gelenksstarr Zweif\u00fc\u00dfige hinunter qu\u00e4len, so als m\u00fcssten sie sich direkt von ihren eisernen und dr\u00f6hnenden Monstermaschinen l\u00f6sen. Gruselig ist das Denkmal f\u00fcr die Gefallenen des Ersten Weltkriegs. \u00dcber einer Kapelle schl\u00e4gt ein Engel eine Trommel. Darunter ist die Kapelle mit einem Altar, unter dem wiederum zwei gro\u00dfe Granaten platziert sind. Wird hier das T\u00f6ten von Menschen verherrlicht? Ich denke an die Granaten, die in diesen Tagen wieder in ukrainische St\u00e4dte und auf russische Stellungen, in iranische und israelische St\u00e4dte abgefeuert werden und mit denen seit Monaten die Bev\u00f6lkerung von Gaza leben muss. Unterhalb der Passh\u00f6he verf\u00e4llt eine kleine mittelalterliche Kirche. Als ich ein wenig die angelehnte T\u00fcr des Bartholom\u00e4uskirchleins aufmache, schrecken die V\u00f6gel auf, die darin hausen. Vor dem Eingang liegt M\u00fcll. Etwas entfernt davon sind drei \u00fcberdimensionale Holtelburgen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die lange Abfahrt ins Val di Sole beginnt. Tats\u00e4chlich ist dieser Tag und dieses Tal wieder gef\u00fcllt mit sehr viel Sonne. Unterhalb der Passstra\u00dfe ist ein sch\u00f6ner Radweg meist entlang vom Fluss Noce. Ich lasse mich mit Komoot navigieren. Der Tag ist hei\u00df. Ein anderer Rennfahrer k\u00fchlt sich auf eine besondere Weise. An einem Brunnen steigt er mit seinen Radschuhen in das kalte Wasser und k\u00fchlt sich ab. Bei Pellizano lockt eine sp\u00e4tmittelalterliche Kirche ins Innere. Die Steigungen folgen dann hinauf nach Fondo. Davor aber machen wir nochmals Pause mit einem Panoramablick auf den Lago di Santa Giustina. Die Landschaft unterhalb der W\u00e4lder ist gepr\u00e4gt von Apfelplantagen soweit das Auge reicht. Sankt Felix im Nonstal hei\u00dft der 6. Etappenort nach knapp 1800 H\u00f6henmetern und 90 Kilometern.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><a href=\"https:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/20250620_115606-scaled.jpg\"><img loading=\"lazy\" width=\"768\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/20250620_115606-768x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-11309\" srcset=\"https:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/20250620_115606-768x1024.jpg 768w, https:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/20250620_115606-225x300.jpg 225w, https:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/20250620_115606-1152x1536.jpg 1152w, https:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/20250620_115606-1536x2048.jpg 1536w, https:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/20250620_115606-scaled.jpg 1920w\" sizes=\"(max-width: 768px) 100vw, 768px\" \/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<p><strong>Tag 7: Freitag, 20. Juni, St. Maria im Walde, Gampenpass, St. Hippolyt und am Etschradweg von Lana bis Mals<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Der Etappenort St. Felix lag bereits auf \u00fcber 1000 Meter Seeh\u00f6he. Verw\u00f6hnt von einem ausreichenden Fr\u00fchst\u00fcck genie\u00dfen wir erholt die neuen H\u00f6henmeter. Die Ortschaft \u201eUnsere Liebe Frau im Walde\u201c zieht mich an. Tats\u00e4chlich ist es ein besonderer Ort. Die Wallfahrtskirche mit ihrem romanischen Turm und dem Kirchenschiff im gotischen Stil aus dem 15. Jahrhundert verdient eine Pause. Sie liegt nicht, wie die meisten alten Kirchen, auf einer erh\u00f6hten Stelle, sondern bewusst im sumpfigen Grund. So soll auch die Marienstatue, die in dem vergoldeten Schrein auf dem Hochalter die Blicke auf sich zieht, aus Lehm geformt worden. Vor der Kirche steht eine steinerne Stele. \u201eDie Tiere des Waldes huldigen unserer lieben Frau im Walde\u201c, steht darauf.<\/p>\n\n\n\n<p>Bei der langen Abfahrt vom Gampenpass halten wir auf halber H\u00f6he inne. Das H\u00f6henkirchlein St. Hippolyt verlockt zu einem Abzweigen, auch wenn sich der Weg dort hinauf nicht befahren l\u00e4sst. Mit Rennradschuhen geht es schiebend einen Schotterweg hinauf. Doch es lohnte sich. Der Ausblick vom Hippolyth\u00fcgel ins Etschtal und weit hin\u00fcber zu den Dolomiten ist wundersch\u00f6n. Man k\u00f6nnte von hier aus auf 40 Burgen blicken. Kein Wunder, dass auf dem Hippolyth\u00fcgel die \u00e4ltesten Spuren der Besiedelung dieser Gegend zu finden sind. Bereits 4000 Jahre vor der Christianisierung war hier ein Brandopferplatz. Das Kirchlein selbst ist romanischen Ursprungs. Hippolyt von Rom gilt als Wetterpatron. Angesichts der durch die Klimaver\u00e4nderung immer wieder auftretenden Wetterextreme hat dieser Patron wohl eine ganz besondere Aufgabe bekommen. Der \u201eb\u00f6se Segen\u201c, von dem in einer Hinweistafel bei der Kirche die Rede ist, kommt von den Menschen und ihrem umweltsch\u00e4dlichen Verhalten. Hl. Hippolyt, hilf! Vom romanischen Turm l\u00e4uten die Mittagsglocken, so als h\u00e4tte ich sie durch mein Gebet herbeigerufen. Sie l\u00e4uten an gegen den Motorrad-L\u00e4rm auf der Gampenpassstra\u00dfe.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Etschtal radeln wir der Via Claudia Augusta aufw\u00e4rts. Dieser Radweg ist einer der beliebtesten von Europa \u2013 so sind wir auch nicht allein trotz der Hitze des Tages. In Lana zeigt das Thermometer bei einer Apotheke 36 Grad. Meran haben wir weit rechts von uns gelassen. Wenn wir etwas vom Spr\u00fchregen der Beregnungsanlagen der Apfelplantagen abbekommen, sind wir dankbar.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><a href=\"https:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/20250621_103121-scaled.jpg\"><img loading=\"lazy\" width=\"768\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/20250621_103121-768x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-11310\" srcset=\"https:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/20250621_103121-768x1024.jpg 768w, https:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/20250621_103121-225x300.jpg 225w, https:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/20250621_103121-1152x1536.jpg 1152w, https:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/20250621_103121-1536x2048.jpg 1536w, https:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/20250621_103121-scaled.jpg 1920w\" sizes=\"(max-width: 768px) 100vw, 768px\" \/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<p><strong>Tag 8: Samstag, 21. Juni &#8211; Stilfser Joch und Umbrailpass<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Eine Fahrt auf das Stilfser Joch ist f\u00fcr unterschiedliche Verkehrsteilnehmende ein absoluter H\u00f6hepunkt: F\u00fcr Rennradler:innen, die die legend\u00e4re Strecke mit den weit mehr als 48 Spitzkehren bis auf 2757 m besonders sch\u00e4tzen, weil sie sich mit einer Rundtour \u00fcber den Umbrailpass optimal verbinden l\u00e4sst; allerdings sind auch die Motorsportler im wahrsten Sinn des Wortes hei\u00df auf diese Strecke. F\u00fcr diese war die Strecke heute zum Gl\u00fcck gesperrt. Daf\u00fcr war heute die Stilfserjoch-Oldtimer-Traktortour. Ungl\u00fccklicherweise war ihr Startpunkt um 8.30 Uhr fast gleichzeitig mit uns. Daher gerieten wir in den L\u00e4rm und den Gestank von rund 300 Traktoren, die bis Trafoi in einem Konvoi fuhren. Erst ab dort br\u00f6selten sich die Traktoren auf und ich konnte mich so lange ungest\u00f6rt die Kehren hinaufwinden, bis wieder so ein knatternd-ratterndes-stinkendes Traktorenvehikel \u00fcberholte. Da tr\u00f6stete mich der Gedanke, dass heute zumindest bis zur Aufhebung der Sperre keine Motorr\u00e4der fuhren. Dennoch: Der Widerspruch k\u00f6nnte nicht gr\u00f6\u00dfer sein. Inmitten einer Bergwelt mit schmelzenden Gletschern \u2013 majest\u00e4tisch strahlten Ortler und Cevedale \u2013 und inmitten des Nationalparks Stilfersjoch findet ein solches Event statt. Diese Veranstaltung war jedenfalls f\u00fcr uns f\u00fchl- und riechbar ein absoluter Widerspruch zu allen Klimapl\u00e4nen und den Verpflichtungen, die bzgl. eines Nationalparks eingehalten werden sollten. Allerdings gibt es wohl auch gen\u00fcgend Rennradlerinnen und Rennradler, die oftmals Hunderte von Kilometern fahren, um dann ihre R\u00e4der aus den Autos zu nehmen und einen Pass hochzufahren. Ich bin froh, anders unterwegs sein zu k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Gemengelage von Motorr\u00e4dern und ihren Rittern in dicken Leder- und Kunststoffdressen, von Oldtimer-Traktoren und den M\u00e4nnern in Lederhosen, die Frauen wie Beute-St\u00fccke auf ihren Sitzen platziert haben, von Rennradler:innen, die alle irgendwie stolz sind, den h\u00f6chsten Alpenpass erreicht zu haben, sei es von Bormio oder von Prado aus, von Souvenirgesch\u00e4ften mit Stelvio-Kitsch und von W\u00fcrststandln, die ihren Duft verstreuen \u2013 das Sauerkraut konnte man schon vor der letzten Kehre riechen. Nochmals blicke ich lieber zum Ortler hin\u00fcber und bin froh \u00fcber die Abfahrt mit dem kurzen Gegenanstieg auf den Umbrailpass und dann hinunter ins schweizerische Val M\u00fcstair. Selbst auf der engen Stra\u00dfe lassen sich die nun verstreuten Traktoren gut \u00fcberholen \u2013 und ich entdecke in mir Schadenfreude, dass die Sportwagenfahrer \u2013 da muss nicht gegendert werden! \u2013 ebendies nicht k\u00f6nnen. Als ich zuletzt vor zwei Jahren beim Dreil\u00e4nder-Giro diese Strecke fuhr, war keine Zeit zu einem Besuch der romanischen Kapellen, die entlang der Strecke liegen. Das l\u00e4sst sich nun gut nachholen.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><a href=\"https:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/D9-Re-1-scaled.jpg\"><img loading=\"lazy\" width=\"768\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/D9-Re-1-768x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-11311\" srcset=\"https:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/D9-Re-1-768x1024.jpg 768w, https:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/D9-Re-1-225x300.jpg 225w, https:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/D9-Re-1-1152x1536.jpg 1152w, https:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/D9-Re-1-1536x2048.jpg 1536w, https:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/D9-Re-1-scaled.jpg 1920w\" sizes=\"(max-width: 768px) 100vw, 768px\" \/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<p><strong>Tag 9: Sonntag, 22. Juni &#8211; Der Etsch entlang hinauf zu den Seen am Reschenpass und hinunter ins Obere Inntal<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Sonntagsstimmung. Der letzte Tag des selbstgestrickten Giros durch Alpenlandschaften Tirols, Graub\u00fcndens, der Lombardei und des Trentinos. Zum letzten Mal werden die Satteltaschen montiert. Mehr brauchen wir nicht, als darin Platz findet. So kann wieder erfahren werden, wie wenig es wirklich braucht, um unterwegs zu sein \u2013 ja, dass gerade die Wenigkeit wichtig und wertvoll ist.<\/p>\n\n\n\n<p>In Mals weist ein Transparent auf eine Besonderheit hin. \u201ePestizidfreies Mals\u201c steht darauf. Zuf\u00e4llig treffe ich dann auch Werner Kr\u00e4utler, der diese Umweltinitiative mitbegr\u00fcndet hat. Die kleinen und uralten D\u00f6rfer am Rande der Malser Heide sind mit rot-wei\u00dfen Fahnen geschm\u00fcckt. An den Kircht\u00fcrmen flattern die gelbwei\u00dfen katholischen Fahnen. \u00dcberall werden in S\u00fcdtirol an diesem Sonntag nach Sonnwend die Prozessionen abgehalten. Eine Musikkapelle geht durch eine enge Gasse von Burgeis, oben in Reschen halten wir inne, als das Allerheiligste unter dem Himmel an uns vorbezieht. Wir begegnen einer religi\u00f6sen Tradition, die Gemeinschaft schenkt und bereit ist, ihren Glauben nach au\u00dfen zu tragen. Jesus wird symbolisch in der Monstranz durch die Gassen und \u00fcber die Felder getragen. Unsere Zeit hat die jesuanischen Gedanken des Gewaltverzichts, der Feindesliebe, der Barmherzigkeit, der Vers\u00f6hnung und gnadenhaften Geliebtseins so n\u00f6tig!<\/p>\n\n\n\n<p>Zuvor h\u00f6rte ich die Nachricht, dass Donald Trump den Iran mit Kampfflugzeugen angreifen lie\u00dfe. Das ist so das Gegenteil von der jesuanischen Botschaft der Gewaltfreiheit und des Gewaltverzichts. Ich sp\u00fcre trotz der Sch\u00f6nheit der Natur und Kultur, die mir beim Radfahren begegnen, die politische Verzweiflung in mir. Da passen dann wohl auch die narzisstischen Motorradger\u00e4usche dazu, die auf der Reschenstra\u00dfe irgendwelche Rennen abzuhalten scheinen. \u201eGelobt sei das allerheiligste Sakrament des Altars\u2026\u201c steht auf einigen gestickten Decken, die Einheimische anl\u00e4sslich der Prozessionen aus den Fenstern h\u00e4ngten.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Radweg geht in steilen Rampen oder sanften Steigungen zu den Seen am Reschenpass hinauf. Rechts davon flie\u00dft nun die Etsch als kleiner Bach. Ich denke an viele Orte, die entlang dieses zweitl\u00e4ngsten Flusses Italiens liegen, an Orte, durch die wir vor zwei Tagen fuhren oder die mir bedeutsam sind: an Lana, an Bozen, an Kurtatsch, an Trient, an Verona und dann \u2013 gut 400 Kilometer flussabw\u00e4rts \u2013 an Chioggia an der Adria. Die strahlendwei\u00dfen Gletscherh\u00e4nge am Ortler sind weit im Hintergrund. Dabei denke ich wieder an den Dokumentarfilm \u201eRequiem in Wei\u00df \u2013 vom w\u00fcrdelosen Sterben der Gletscher\u201c von Harry Putz. Die Masse von Motorr\u00e4dern und Autos, die sich an diesem Sonntag \u00fcber die Alpenp\u00e4sse w\u00e4lzt, tr\u00e4gt zum Sterben bei.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Kreis des Giros schlie\u00dft sich. Die Abfahrt von Nauders durch die Galerien und Tunnels der Reschenstra\u00dfe ist teils nervig und f\u00fcr Radfahrende nicht so ratsam. So sind wir froh, bei &nbsp;Pfunds wieder heil dem Massenverkehr zu entkommen, und radeln entspannt die letzten Kilometer entlang des Inns hinunter. Bei Prutz gibt es noch die letzte St\u00e4rkung bei der Sauerbrunnquelle.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich sp\u00fcre Dankbarkeit f\u00fcr jeden der 765 Kilometer und 13.308 H\u00f6henmeter und all das, was mir dabei begegnet ist, was sich ereignete \u2013 und vor allem auch der Teamgeist, der dies m\u00f6glich gemacht hat.<strong><\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><img src='https:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/20250614_153329-768x1024.jpg' class='thumbnail' \/>Tag 1: Samstag, 14. Juni 2025: Von Innsbruck \u00fcber K\u00fchtai, \u00d6tz, Sautens, Imst, Pillersattel nach Prutz Die gestrige Fahrraddemonstration durch die Stra\u00dfen von Innsbruck und dann ein St\u00fcck der Autobahn entlang ist mir noch bekr\u00e4ftigend im Herzen. 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