{"id":11428,"date":"2025-08-04T15:12:27","date_gmt":"2025-08-04T15:12:27","guid":{"rendered":"https:\/\/www.klaus-heidegger.at\/?p=11428"},"modified":"2025-08-05T08:09:10","modified_gmt":"2025-08-05T08:09:10","slug":"durch-pfuetzen-durch-das-pfitschtal-kulturerleben-folgt-naturerleben","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.klaus-heidegger.at\/?p=11428","title":{"rendered":"Durch Pf\u00fctzen durch das Pfitschtal: Kulturerleben folgt Naturerleben"},"content":{"rendered":"\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><a href=\"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/ac-9-scaled.jpg\"><img loading=\"lazy\" width=\"768\" height=\"1024\" src=\"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/ac-9-768x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-11429\" srcset=\"https:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/ac-9-768x1024.jpg 768w, https:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/ac-9-225x300.jpg 225w, https:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/ac-9-1152x1536.jpg 1152w, https:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/ac-9-1536x2048.jpg 1536w, https:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/ac-9-scaled.jpg 1920w\" sizes=\"(max-width: 768px) 100vw, 768px\" \/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<p><strong>Natur: Pfitsch wie Pf\u00fctze<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Samstag, der 2. August 2025. Der Wetterbericht hatte kr\u00e4ftigen Regen vorhergesagt. So ist es auch. Bergsport hei\u00dft f\u00fcr mich nicht, mich vom Regenwetter abhalten zu lassen. Anfangs geht es mit unseren Mountainbikes vom Pfitscherjoch-Haus noch regenfrei den gut ausgebauten Karrenweg ins Pfitschtal hinunter. Eine spontane Regenerationspause legt sich beim Dorfwirt in St. Jakob nahe. Der Name Pfitsch soll sich von Pf\u00fctze herleiten. Das passt zur Weiterfahrt. Selbst die Gore-Tex-Kleidung h\u00e4lt mit der Zeit nicht das ganze Wasser ab, das von oben kommt, um dann von den Mountainbike-Reifen von vorne und hinten font\u00e4nenartig \u00fcber dich nochmals ausgegossen zu werden. Den Plan, bei diesem Wetter \u00fcber das Pfundererjoch nach Brixen zu fahren, haben wir l\u00e4ngst aufgegeben. In Sterzing steigen wir durchn\u00e4sst in den Zug nach Brixen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Kultur: Michael Gaismair im Kellergew\u00f6lbe der Brixner Hofburg<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Wir haben eine \u00dcbernachtungsm\u00f6glichkeit mit besonderer Atmosph\u00e4re im Priesterseminar. Geschichte und Kultur umgeben uns. Verdichtete Kultur wird sichtbar gemacht in der Hofburg in Brixen. R\u00e4ume, die mit ihren Kunstwerken S\u00fcdtiroler Volksreligiosit\u00e4t anschaulich machen \u2013 vom Mittelalter bis in die Gegenwart; R\u00e4ume, die von der Herrschaftsgeschichte erz\u00e4hlen. Besonders ist jetzt im Gaismair-Jahr in den Kellergew\u00f6lben die tempor\u00e4re Sonderausstellung, die von der Widerstandsgeschichte von Michael Gaismair erz\u00e4hlt. Sie wurde anl\u00e4sslich des 500-j\u00e4hrigen Jubil\u00e4umsjahres der Bauernkriege geschaffen.<\/p>\n\n\n\n<p>Michael Gaismair hat mich seit vielen Jahren besch\u00e4ftigt. In meinem Unterrichten geh\u00f6rten die Bauernkriege von 1525 zum Pflichtprogramm. Michael Gaismair steht f\u00fcr die Fragen: Wie gehen wir mit Strukturen und Machtsystemen um, in denen es Herrschende auf der einen Seite und Ausgebeutete auf der anderen Seite gibt? Gaismair hat Position bezogen und daf\u00fcr alle Konsequenzen auf sich genommen. Wie k\u00f6nnen sich die Verarmten befreien? Gaismair setzte anders als Jakob Huter auf den gewaltsamen Aufstand. Wie kann eine Gesellschaft aussehen, in der Freiheit, Gleichheit und Geschwisterlichkeit bestimmend sind. Gaismair schrieb eine demokratische Grundordnung, die von der Gleichheit aller Menschen ausging und daher den Adel und den Klerus abschaffen wollte. Es sollte selbst eine Kirche sein, in der Pfarrer vom Volk in das Amt gew\u00e4hlt werden. Auf welcher Seite steht die Kirche? Die Ausstellung in den Kellergew\u00f6lben gibt nicht Antworten, sondern stellt die Fragen, die zu Antworten f\u00fchren k\u00f6nnten.<\/p>\n\n\n\n<p>Eine Antwort finde ich beim Durchgang durch die Ausstellungsr\u00e4ume. In einer Vitrine in einem der Prunkr\u00e4ume werden Pontifikalschuhe aus Brokatstoffen mit Goldf\u00e4den und seidene Handschuhe zur Schau gestellt. Solche hatte wohl auch der F\u00fcrstbischof, bei dem Gaismair als Sekret\u00e4r t\u00e4tig war. Die Kirche war damals nicht auf Seite der Bauern. Sie stand auf Seite der M\u00e4chtigen. Gaismair glaubte, dass sich eine \u00c4nderung des damaligen Feudalsystems nur mit einem gewaltsamen Aufstand erreichen lie\u00dfe \u2013 und selbst die Werkzeuge der Bauern wie Heugabeln und Dreschflegel wurden zu Waffen umfunktioniert. Der Blick auf Gaismair und seinen Einsatz f\u00fcr soziale Gerechtigkeit und Demokratie kann eine Ermutigung sein, auf Situationen der Ungerechtigkeit im Heute zu blicken. Die aktuelle Gaismair-Ausstellung bringt keine Verherrlichung dieser Person. Sie macht nicht einfach einen Helden oder Anti-Helden aus ihm. Er wird nicht als ein Andreas Hofer des 16. Jahrhunderts stilisiert. In den drei kleinen R\u00e4umen bleibt vieles offen. Unerw\u00e4hnt bleibt Magdalena, die Frau von Michael Gaismair. Wie es ihr wohl ergangen ist mit ihren vier gemeinsamen Kindern? Ich habe Zeit und gehe ein zweites Mal durch die R\u00e4ume der Hofburg, jetzt aus dem Blickwinkel von Gaismair. In den kaiserlichen R\u00e4umen der Hofburg wird begreifbar, warum die Herrschenden mit Pacht und Steuern die Existenzgrundlagen eines Gro\u00dfteils der Bev\u00f6lkerung raubten. Habsburger im Pakt mit der Kirche lebten ein Luxusleben und hatten ein System der Herrschaft etabliert, das sich nur mit \u00e4u\u00dferster Gewalt aufrecht erhalten lie\u00df. Aufst\u00e4ndische wurde hingerichtet. Auch Michael Gaismair erlag letztlich den vom Kaiser gedungenen Auftragsm\u00f6rdern.<\/p>\n\n\n\n<p>Am nahen Domplatz von Brixen freuen sich Menschen \u00fcber den nun blauen Himmel mit den wei\u00dfen Wolken und die Sonnenstrahlen, die etwas die K\u00fchle der vergangenen Tage nehmen. Die Welt w\u00e4re viel mehr ein sch\u00f6ner und guter Ort des Lebens, w\u00fcrden die Menschen endlich aus den Fehlern der Vergangenheit lernen und nie wieder Kriege f\u00fchren und nie wieder Ungerechtigkeiten produzieren und aufrecht erhalten. Die Welt w\u00e4re ein guter Ort des Lebens f\u00fcr alle, wenn nicht wenige durch narzisstische Eitelkeiten das Leben der vielen gef\u00e4hrden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><img src='http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/ac-9-768x1024.jpg' class='thumbnail' \/>Natur: Pfitsch wie Pf\u00fctze Samstag, der 2. August 2025. Der Wetterbericht hatte kr\u00e4ftigen Regen vorhergesagt. So ist es auch. 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