{"id":11512,"date":"2025-09-04T18:02:43","date_gmt":"2025-09-04T18:02:43","guid":{"rendered":"https:\/\/www.klaus-heidegger.at\/?p=11512"},"modified":"2025-09-07T17:38:34","modified_gmt":"2025-09-07T17:38:34","slug":"habicht-ein-maechtiger-gipfel-ueber-dystopischen-weltbefindlichkeiten-und-ihnen-doch-nahe","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.klaus-heidegger.at\/?p=11512","title":{"rendered":"Habicht \u2013 ein m\u00e4chtiger Gipfel \u00fcber dystopischen Weltbefindlichkeiten und ihnen doch nahe"},"content":{"rendered":"\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><a href=\"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/hab-0-scaled.jpg\"><img loading=\"lazy\" width=\"768\" height=\"1024\" src=\"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/hab-0-768x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-11513\" srcset=\"https:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/hab-0-768x1024.jpg 768w, https:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/hab-0-225x300.jpg 225w, https:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/hab-0-1152x1536.jpg 1152w, https:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/hab-0-1536x2048.jpg 1536w, https:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/hab-0-scaled.jpg 1920w\" sizes=\"(max-width: 768px) 100vw, 768px\" \/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<p>Als wir um 6.00 Uhr vom Gasthof Feuerstein im hinteren Gschnitztal starten, d\u00e4mmert die Nacht in den Tag hinein. Es geht zun\u00e4chst \u00fcber den Gschnitzbach und im Dunkeln lassen sich die Umrisse eines verlassenen alten Bauernhofes erahnen. Ein Gelbschild zeigt: Innsbrucker H\u00fctte 3 Stunden. Z\u00fcgig gewinnen wir auf dem alten Sch\u00e4fersteig an H\u00f6he. Es riecht intensiv nach den braun-schwarzen H\u00fcgelchen, die die Schafe am liebsten auf dem schmalen Steig hinterlassen. Die Tritte finden Halt auf rutschig-lettigem Terrain. Auf halber H\u00f6he Richtung Innsbrucker H\u00fctte streicheln uns dann die Sonnenstrahlen. Das Gschnitztal unter uns ist noch wie mit einem kuscheligen Federbett von einer wei\u00df-flaumigen Wolkenschicht bedeckt. Meine Gedanken kreisen um die dystopischen Bilder, die ich wieder und wieder aus den Medien ertragen muss und \u00fcber die ich so oft schreibe: Bilder des Krieges und der Zerst\u00f6rung, Bilder der Hybris und der Unvernunft, politische wie private Geschichten der Irrationalit\u00e4t. Dann erscheint mir die Wolkendecke, durch die wir gesto\u00dfen sind, wie ein Gebilde aus all den Tr\u00e4nen angesichts des grenzenlosen Leids, das Menschen erfahren.<\/p>\n\n\n\n<p>Schnell sind wir in eineinhalb Stunden auf der Innsbrucker H\u00fctte (2377 m). &nbsp;Stolz liegt sie auf einem Felsen hoch \u00fcber den steilen H\u00e4ngen und Almwiesen. Auf der H\u00fctte sind die \u00dcbernachtungsg\u00e4ste teils noch beim Fr\u00fchst\u00fcck. Unser heutiges Bergziel gehen wir nun zu viert an. Wir sind von Beginn an ein sich mehrfach und auf viele Weisen st\u00e4rkendes Team \u2013 was wohl die bedeutendste Erfahrung auch an diesem Bergtag bleiben soll. Der Habicht ist mir vertraut aus vielen Blickwinkeln, da er weit herum mit seinen Ausma\u00dfen und seiner H\u00f6he die Gegend dominiert. Mit ihm verbinde ich auch verschiedene Aufstiegsbegegnungen aus fr\u00fcheren Jahren, die nun wieder im Herz und Hirn lebendig werden. An diesem sch\u00f6nen Herbsttag sind wir nicht allein unterwegs zu diesem prominenten Gipfel. Oft geht es \u00fcber Blockwerk, dann wieder Steige im Schrofengel\u00e4nde, dann entlang von st\u00e4hlernen Seilen und an manchen Stellen gibt es auch leichte ungesicherte Klettereien. Dort hei\u00dft es, Tritte und Griffe stets gut zu pr\u00fcfen. Auf der Schwierigkeitsskale der schwarzen Bergwege liegt er bei 4 von 6. Verschwunden ist l\u00e4ngst der Firnfeldgletscher, \u00fcber den fr\u00fcher gestiegen werden musste. Gute Markierungen weisen nun den Weg entlang vom Grat auf einen kleinen Vorgipfel hinauf.<\/p>\n\n\n\n<p>Die 360-Grad-Aussicht nach 2000 H\u00f6henmeter-Aufstieg am Habichtgipfel auf 3277 H\u00f6henmetern rechtfertigt die k\u00f6nigliche Prominenz des Gipfels. Um uns: der Serles-Kamm mit der Kirchdachspitze, auf der ich vor ein paar Tagen war. Die unz\u00e4hligen Gipfel der Stubaier- und Tuxer-Alpen, der Blick im S\u00fcden mit den imposanten Gipfeln der Tribulaun-Kette und weit im Norden die Ketten oberhalb von Innsbruck. Man blickt vom Habicht \u2013 wie ein Habicht wohl die Landschaften stets stolz von oben ersp\u00fcren kann, wobei ich wei\u00df, dass der Name des Gipfels nichts mit dem gleichnamigen Raubvogel zu tun hat, sondern mit Haogar \u2013 dem M\u00e4hen einer Bergwiese, oder dem Dialektwort Haogar, was m\u00e4chtig und stark bedeuten soll. Alle drei etymologischen Ableitungen m\u00f6gen jedenfalls ihre Berechtigung haben. Abstiegsrast dann nochmals auf der Terrasse der Innsbrucker H\u00fctte mit Kurzbesuch beim nahen H\u00fcttensee, der zugleich das Trinkwasserreservoir ist \u2013 also nichts f\u00fcr eine k\u00fchle Abk\u00fchlung.<\/p>\n\n\n\n<p>Ins Gschnitztal hinunter w\u00e4hlen wir wieder den kurzen steilen Anstiegsweg. Wegen Steinschlag ist der fr\u00fcher meist begangene Panoramasteig entlang der Kalkwand hinunter nach Gschnitz inzwischen gesperrt. Zur\u00fcck im Gschnitztal wird das Ausma\u00df der Zerst\u00f6rung sichtbar, das ein Unwetter vor einigen Wochen angerichtet hat. Wo einst das M\u00fchlendorf war unterhalb des Wasserfalles, planieren jetzt Raupen und Bagger eine Schotterfl\u00e4che. Es sind auch die klimatischen Bedingungen, die zu solchen Verw\u00fcstungen f\u00fchren. Damit fallen sie nicht einfach vom Himmel, sondern sind menschengemacht, sind Resultat des destruktiven \u00f6kologischen Verhaltens so vieler, die nicht daf\u00fcr bezahlen, dass sie anderen die Lebensbedingungen kaputt machen. Leider aber fehlt f\u00fcr solche Einsicht \u00f6kologische Vernunft, Solidarit\u00e4t sowie individuelle wie kollektive Verzichtsf\u00e4higkeit.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><img src='http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/hab-0-768x1024.jpg' class='thumbnail' \/>Als wir um 6.00 Uhr vom Gasthof Feuerstein im hinteren Gschnitztal starten, d\u00e4mmert die Nacht in den Tag hinein. Es geht zun\u00e4chst \u00fcber den Gschnitzbach und im Dunkeln lassen sich die Umrisse eines verlassenen alten Bauernhofes erahnen. Ein Gelbschild zeigt: Innsbrucker H\u00fctte 3 Stunden. Z\u00fcgig gewinnen wir auf dem alten Sch\u00e4fersteig an H\u00f6he. 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