{"id":12338,"date":"2026-02-16T17:57:47","date_gmt":"2026-02-16T17:57:47","guid":{"rendered":"https:\/\/www.klaus-heidegger.at\/?p=12338"},"modified":"2026-02-16T18:01:53","modified_gmt":"2026-02-16T18:01:53","slug":"vom-bergglueck-in-finsteren-zeiten-skitour-mit-bertold-brecht-auf-die-heidelberger-huette-im-fimbatal","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.klaus-heidegger.at\/?p=12338","title":{"rendered":"Vom Berggl\u00fcck in \u201efinsteren Zeiten\u201c &#8211; Skitour mit Bertold Brecht auf die Heidelberger H\u00fctte im Fimbatal"},"content":{"rendered":"\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><a href=\"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/heid-6-scaled.jpg\"><img loading=\"lazy\" width=\"768\" height=\"1024\" src=\"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/heid-6-768x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-12340\" srcset=\"https:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/heid-6-768x1024.jpg 768w, https:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/heid-6-225x300.jpg 225w, https:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/heid-6-1152x1536.jpg 1152w, https:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/heid-6-1536x2048.jpg 1536w, https:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/heid-6-scaled.jpg 1920w\" sizes=\"(max-width: 768px) 100vw, 768px\" \/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<p>Ich denke an ein Gedicht von Bertold Brecht und h\u00f6re meine Skifelle auf der Spur kratzen. Tiefblauer Himmel und darin Wolken so schneewei\u00df wie die Schneelandschaft ringsherum. Nur k\u00e4rglich bedeckt der Schnee in diesem Winter das Fimbatal mit seinen Gipfelh\u00e4ngen. An manchen Stellen schaut die sanft pl\u00e4tschernde Fimba zwischen windgepressten Schnee-Eisgebilden heraus. Der Fichtenwald auf den steilen Abh\u00e4ngen hinunter ins Paznaun ist l\u00e4ngst hinter uns. Auch die L\u00e4rchen und selbst die Zirben wachsen dort, wo die Felle der Ski auf der Spur nun achtsam gleiten, nicht mehr. Mein stilles Berggl\u00fcck vermischt sich mit Versen von Brecht:<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img alt=\"\"\/><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img alt=\"\"\/><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img alt=\"\"\/><\/figure>\n\n\n\n<p><em>\u201eWas sind das f\u00fcr Zeiten, wo<br>Ein Gespr\u00e4ch \u00fcber B\u00e4ume fast ein Verbrechen ist.<br>Weil es ein Schweigen \u00fcber so viele Untaten einschlie\u00dft!<br>Der dort ruhig \u00fcber die Stra\u00dfe geht<br>Ist wohl nicht mehr erreichbar f\u00fcr seine Freunde<br>Die in Not sind?\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>K\u00fchler Wind weht mir vom S\u00fcden her ins Gesicht. Gerade sind wir \u00fcber die unsichtbare Grenze zwischen \u00d6sterreich und der Schweiz gegangen. Die Bergwelt ist grenzenlos. Es sind die Kriegsherren, die Grenzen ziehen und dann um Territorien blutig k\u00e4mpfen. Es wird Abend. Die Sonne verschwindet auf den H\u00e4ngen der Engadiner Berge. Im Tal noch h\u00f6rte ich die Dauerschleifen von Nachrichten \u00fcber die Kriege, \u00fcber die Zerst\u00f6rung des Planeten durch Klimakrise verursacht durch die Ignoranz, den Egoismus und die Dummheit der Massen. Auch wenn es jetzt kalt ist, soll 2026 der hei\u00dfeste Sommer der Messgeschichte werden. Der Abn\u00fctzungskrieg \u2013 welch schreckliches Wort! \u2013 geht mit zwei Millionen Toten und Verst\u00fcmmelten in sein f\u00fcnftes Jahr. Auf der M\u00fcnchner Sicherheitskonferenz beraten die m\u00e4chtigsten Politiker nicht \u00fcber Auswege aus den Kriegen, sondern wie sie selbst mit Atomwaffen gef\u00fchrt werden k\u00f6nnten. Mein Manifest gegen die Wehrdienstzeitverl\u00e4ngerung blieb vor dem Aufbruch unfertig. Die Berge sind mir wie ein Exil auf der Flucht vor den dystopischen Abgr\u00fcnden. Bertold Brecht fl\u00fcchtete ins Exil und schrieb:<\/p>\n\n\n\n<p><em>\u201eIn den alten B\u00fcchern steht, was weise ist:<br>Sich aus dem Streit der Welt halten und die kurze Zeit<br>Ohne Furcht verbringen.<br>Auch ohne Gewalt auskommen,<br>B\u00f6ses mit Gutem vergelten<br>Seine W\u00fcnsche nicht erf\u00fcllen, sondern vergessen,<br>Gilt f\u00fcr weise.<br>Alles das kann ich nicht:<br>Wirklich, ich lebe in finsteren Zeiten!\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Sp\u00e4tnachmittags kommen wir auf der Heidelberger H\u00fctte an. Sie umf\u00e4ngt den Gefl\u00fcchteten mit W\u00e4rme und Nahrung. Der H\u00fcttenwirt und sein Team sind wie immer sehr gastfreundlich. Das Essen ist reichlich und wird liebevoll zubereitet. L\u00e4ngst ist mein Handy auf Flugmodus geschalten. Die andere Welt ist weit weg. Das LVS-Ger\u00e4t ist ausgeschalten. Eine Umarmung zeigt: Wir sind f\u00fcreinander da. Und f\u00fcr einen Augenblick des Seins wird erfahrbar, was Brecht am Ende seines Gedichtes schreibt. Die Utopie einer Welt, in der Menschen nicht l\u00e4nger ausbeuten und zerst\u00f6ren, sondern achtsam f\u00fcreinander da sind.<\/p>\n\n\n\n<p><em>\u201eIhr aber, wenn es so weit sein wird<br>Dass der Mensch dem Menschen ein Helfer ist<br>Gedenkt unserer<br>Mit Nachsicht.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>klaus.heidegger, 14.2.2026<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><img src='http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/heid-6-768x1024.jpg' class='thumbnail' \/>Ich denke an ein Gedicht von Bertold Brecht und h\u00f6re meine Skifelle auf der Spur kratzen. Tiefblauer Himmel und darin Wolken so schneewei\u00df wie die Schneelandschaft ringsherum. Nur k\u00e4rglich bedeckt der Schnee in diesem Winter das Fimbatal mit seinen Gipfelh\u00e4ngen. An manchen Stellen schaut die sanft pl\u00e4tschernde Fimba zwischen windgepressten Schnee-Eisgebilden heraus. 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