{"id":12418,"date":"2026-03-26T16:10:38","date_gmt":"2026-03-26T16:10:38","guid":{"rendered":"https:\/\/www.klaus-heidegger.at\/?p=12418"},"modified":"2026-03-26T16:10:38","modified_gmt":"2026-03-26T16:10:38","slug":"vom-mut-dem-militaerischen-wahnsinn-mit-einem-gewissen-nein-zu-begegnen-ein-theaterstueck-ueber-pater-franz-reinisch","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.klaus-heidegger.at\/?p=12418","title":{"rendered":"Vom Mut, dem milit\u00e4rischen Wahnsinn mit einem Gewissen-Nein zu begegnen: Ein Theaterst\u00fcck \u00fcber Pater Franz Reinisch"},"content":{"rendered":"\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><a href=\"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/20260321_214848-scaled.jpg\"><img loading=\"lazy\" width=\"768\" height=\"1024\" src=\"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/20260321_214848-768x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-12419\" srcset=\"https:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/20260321_214848-768x1024.jpg 768w, https:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/20260321_214848-225x300.jpg 225w, https:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/20260321_214848-1152x1536.jpg 1152w, https:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/20260321_214848-1536x2048.jpg 1536w, https:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/20260321_214848-scaled.jpg 1920w\" sizes=\"(max-width: 768px) 100vw, 768px\" \/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<p>Hoffentlich wird sich das Theaterst\u00fcck der Gefahr entziehen, den Pallottiner-Pater Franz Reinisch als M\u00e4rtyrer darzustellen, der heldenhaft mit christlichem Pathos sein Leben hingibt. In der Gegenwart der Gotteskrieger auf allen Seiten gibt es viel zu viele, die als M\u00e4rtyrer einer kriegerischen Sache dienen \u2013 bzw. wo der heldenhafte Tod eine h\u00f6chste Auszeichnung darstellt. Mit solchen Gedanken suche ich den versteckten Eingang ins Westbahntheater im Innsbrucker Stadtteil Wilten. Meine Antwort auf die zuvor genannte Bef\u00fcrchtung sei gleich genannt: Nein, der Regisseur Bernhard James Lang, der das St\u00fcck selbst geschrieben hat, vermeidet ein verkl\u00e4rtes M\u00e4rtyrerpathos. Die letzten Tage im Leben des Mannes, der als einziger Priester bei seiner Einberufung zur Wehrmacht den Fahneneid auf Hitler verweigert hatte, werden vor allem als innerer Dialog in seiner Gef\u00e4ngniszelle inszeniert, den Reinisch mit einem als Frau dargestellten Gewissen und verschiedenen Vertretern der Kirchenwirklichkeit zur Zeit des Nationalsozialismus f\u00fchrt. Freilich h\u00e4tte ich Bernhard Lang gerne gefragt, warum das Gewissen als kindlich agierende Frau dargestellt wird, die mit Kuscheltier auftritt. Dem Gewissen als Instanz der Vernunft tut dies nicht gut. Reinisch wird als Person dargestellt, der sich in Abw\u00e4gung aller Argumente nicht dem Diktat der Masse beugen will, sondern seine Subjektivit\u00e4t \u2013 so w\u00fcrde es Habermas nennen \u2013 ernst nimmt und bereit ist, den Fahneneid nicht zu leisten mit all der Konsequenz, die dies letztlich f\u00fcr ihn bedeutet. Reinisch beugt sich auch nicht dem Druck, den er von seinen Ordensoberen erf\u00e4hrt. Reinisch ist die ambivalente Haltung seiner Kirche zum Nationalsozialismus und zum Krieg der Wehrmacht bewusst. Im St\u00fcck treten auch jene kirchlichen Vertreter auf, deren Bandbreite von einer Bef\u00fcrwortung des Hitlerkrieges bis zu einer stillen Anpassung reicht. Ber\u00fchrend ist am Ende des St\u00fcckes die Passage, in der Reinisch einen Dialog mit seinem Scharfrichter f\u00fchrt, dem er letztlich schon verzeiht, bevor er von ihm get\u00f6tet werden wird. 1942 wurde Reinisch hingerichtet. 84 Jahre sp\u00e4ter ermutigt er noch heute, sich nicht von einem Kriegsgeheul anstecken zu lassen, sondern aus einem eigenen Gewissen heraus ein Nein zu jeder Kriegsbeteiligung zu leben. Im kleinen Westbahntheater, wo die Zusehenden fast auf der B\u00fchne sitzen, wird man noch mehr herausgefordert, sich selbst zu positionieren. Ungel\u00f6st bleibt f\u00fcr mich die Dechiffrierung des Titels \u201evom Altar in die Arena\u201c. Vor allem aber bleibt f\u00fcr mich am Ende des St\u00fcckes sehr viel Dankbarkeit f\u00fcr dieses Vorbild an Geradlinigkeit. Reinisch bekr\u00e4ftigt mich, \u00a0das eigene gebildete Gewissen als Ma\u00dfstab f\u00fcr das Verhalten zu nehmen und sich nicht von einer Massenmeinung beeinflussen zu lassen, auch wenn dies bedeutet, manchmal zwischen den St\u00fchlen zu sitzen, nicht verstanden oder gar bek\u00e4mpft zu werden.<\/p>\n\n\n\n<p>klaus.heidegger<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><img src='http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/20260321_214848-768x1024.jpg' class='thumbnail' \/>Hoffentlich wird sich das Theaterst\u00fcck der Gefahr entziehen, den Pallottiner-Pater Franz Reinisch als M\u00e4rtyrer darzustellen, der heldenhaft mit christlichem Pathos sein Leben hingibt. In der Gegenwart der Gotteskrieger auf allen Seiten gibt es viel zu viele, die als M\u00e4rtyrer einer kriegerischen Sache dienen \u2013 bzw. wo der heldenhafte Tod eine h\u00f6chste Auszeichnung darstellt. 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