{"id":12456,"date":"2026-04-07T16:28:29","date_gmt":"2026-04-07T16:28:29","guid":{"rendered":"https:\/\/www.klaus-heidegger.at\/?p=12456"},"modified":"2026-04-08T11:15:52","modified_gmt":"2026-04-08T11:15:52","slug":"ueber-die-auferstehung-jesu-einen-rationalen-diskurs-wagen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.klaus-heidegger.at\/?p=12456","title":{"rendered":"\u00dcber die Auferstehung Jesu einen rationalen Diskurs wagen: Pete Hegseth oder Peter Trummer"},"content":{"rendered":"\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><a href=\"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/Ostern-Ei-rot-scaled.jpg\"><img loading=\"lazy\" width=\"768\" height=\"1024\" src=\"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/Ostern-Ei-rot-768x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-10056\" srcset=\"https:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/Ostern-Ei-rot-768x1024.jpg 768w, https:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/Ostern-Ei-rot-225x300.jpg 225w, https:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/Ostern-Ei-rot-1152x1536.jpg 1152w, https:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/Ostern-Ei-rot-1536x2048.jpg 1536w, https:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/Ostern-Ei-rot-scaled.jpg 1920w\" sizes=\"(max-width: 768px) 100vw, 768px\" \/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<p><strong>Reden wir \u00fcber den Glauben an Auferstehung!<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Verbunden mit dem Osterfest rede und schreibe ich gerne \u00fcber den Glauben an Auferstehung. Erzbischof Gr\u00fcnwidl aus Wien hat in seiner Ostermontagpredigt mit Bezug auf die Perikope von den Emmausj\u00fcngern (Lukas 24) die Bedeutsamkeit des Redens \u00fcber den Glauben als ersten Punkt herausgehoben. So wie die Emmausj\u00fcnger es taten, so sollten es auch wir tun. Reden wir \u00fcber unsere \u00f6sterlichen Fragen und Erfahrungen! Ich schreibe dar\u00fcber und poste meine Gedanken auf meinem Blog \u2013 und manchmal gelingt es mir, mich in Gespr\u00e4chen \u00fcber die allt\u00e4glichen Themen hinaus sowie \u00fcber konkrete Befindlichkeiten und von den Medien ins Rampenlicht gebrachte Inhalte hinweg \u00fcber den zentralsten Glaubensinhalt auszutauschen. Wird solcher Dialog gef\u00fchrt, f\u00fchrt das aber gerade nicht weg von den konkreten Befindlichkeiten, sondern setzt sie in einen neuen religi\u00f6sen Zusammenhang. Zwischen konkretem Leben und religi\u00f6sen Wahrheiten gibt es stets eine dialektische Beziehung, die nie aufgel\u00f6st werden darf. So kann ich auch meinen Glauben an Auferstehung nicht l\u00f6sen von meinen konkreten Lebenserfahrungen oder auch den politischen Vorg\u00e4ngen in der Welt. Mit \u00f6sterlichen Augen versuche ich mein Leben und die Welt zu verstehen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Die fundamentalistisch-kriegerische Interpretation von Auferstehung<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Der US-amerikanische Kriegsminister Pete Hegseth gab unmittelbar nach Ostern seine eigene Interpretation. Er verglich den US-Kampfpiloten, der nach einem Abschuss in einer Gebirgsregion des Iran von Spezialeinheiten des US-Milit\u00e4rs gerettet worden war, mit Tod und Auferstehung Jesu. Die martialische Rhetorik von Hegseth ist durchsetzt mit christlich-fundamentalistischer Interpretation des Glaubens. \u201eDeus vult\u201c \u2013 Gott will es \u2013 bedeute den Kampf gegen die Feinde \u2013 in diesem Fall konkret: gegen den Iran.&nbsp; Wenngleich nicht in dieser Sch\u00e4rfe, so zieht sich doch ein gef\u00e4hrlicher Umgang mit den biblischen Texten durch all die kriegsbereite Interpretation: Erstens werden die biblischen Texte ohne jedes Verst\u00e4ndnis ihrer Eigenart gelesen. Bibelexegese, historisch-kritische Forschung und literaturwissenschaftliche Erkenntnisse sind den evangelikalen Fundis v\u00f6llig fremd. Als Hegseth noch f\u00fcr Fox News arbeitete, war er Regisseur f\u00fcr eine Dokumentation \u00fcber das Leben Jesu. Dort werden die neutestamentlichen Berichte als historische Tatsachen gesehen, auf deren Spuren sich Hegseth mit seinem Kamerateam macht. Auferstehungsberichte werden in fundamentalistischen Kreisen &nbsp;gelesen, als seien es historische Berichte. Zweitens werden zugleich auf gef\u00e4hrliche Weise all die gewaltfreien Aspekte aus dem Evangelium gestrichen, die so konstitutiv f\u00fcr Leben und Lehre von Jesus Christus sind. Die religi\u00f6se Opfer- und S\u00fchnetheologie fundamentalistischer Kreise n\u00e4hrt die s\u00e4kularen Varianten von Opferideologien.<\/p>\n\n\n\n<p>Auf einer weniger gef\u00e4hrlicheren Ebene finden wir diese Vermischung von Bibelfundamentalismus und religi\u00f6ser Legitimierung von Kriegen auch in bestimmten Kreisen des rechts-konservativen Katholizismus in \u00d6sterreich. Ihr Sprachrohr ist beispielsweise Pater Karl Wallner vom Stift Heiligenkreuz. Bibelfundamentalistismus, vorkonziliare Dogmatik, S\u00fchnetheologie und wortw\u00f6rtliche Auferstehungsdeutung sind sich erg\u00e4nzende Puzzlest\u00fccke. Daraus resultiert dann auch eine Legitimierung von Kriegen. Wallner widerspricht in einer TV-Sendung selbst dem Papst und nennt den Krieg gegen den Iran als gerechtfertigt.<\/p>\n\n\n\n<p>Das freilich ist nicht die Linie, die Papst Leo XIV. von Beginn an vorgab. Bereits in seiner ersten Botschaft als Papst sprach er vom \u201eunbewaffneten und entwaffnenden Frieden\u201c, den unsere Welt brauche. Mit klaren Worten verurteilte er dann den v\u00f6lkerrechtswidrigen US-israelischen Angriffskrieg gegen den Iran und sprach so sein \u201edeus non vult\u201c. Zahlreiche Bisch\u00f6fe forderten in ihren Osterbotschaften dazu auf, den Krieg sofort zu beenden, sich nicht an diesem Krieg zu beteiligen und Wege der Diplomatie zu suchen.<\/p>\n\n\n\n<p>Fundamentalistische Lesearten kommen gut an, weil sie auch leicht verst\u00e4ndlich sind. Einer der erfolgreichsten Interpreten ist der Showmaster Johannes Hartl. In seinen Shows werden die Auferstehungsgeschichten wie reale historische Berichte behandelt. Die Berichte vom \u201eleeren Grab\u201c&nbsp; sind f\u00fcr ihn nicht Bildgeschichten, sondern Tatsachen, die letztlich die Auferstehung Jesu beweisen w\u00fcrden.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Lassen wir den Leichnam Jesu endlich im Grab!<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Immer weniger Menschen w\u00fcrden an Auferstehung glauben. So zeigen es die j\u00e4hrlichen Umfragen rund um das Osterfest mit ihren meist suggestiven Fragestellungen, die ein Ergebnis schon vorwegnehmen. Das freilich ist kritisch zu hinterfragen: An welche Form der Auferstehung glauben die Menschen nicht mehr? An ein g\u00f6ttlich-gewirktes Hokuspokus, bei dem sich der Leichnam Jesu wegverwandelt und Jesus in einer physisch-greifbaren Existenzform dem Grab entsteigt, um dann als Auferstandener noch mit seinen J\u00fcngern nach Ostern zusammenzusitzen und am See Genesareth eine Grillparty mit frischem Fisch zu schmei\u00dfen: daran glaube ich wahrlich auch nicht. Das entspricht auch nicht den Auferstehungsformeln und Auferstehungsberichten in der Bibel.<\/p>\n\n\n\n<p>Peter Trummer hat in seinem Buch \u00fcber Auferstehung (<em>Peter Trummer: Auferstehung jetzt \u2013 Ostern als Aufstand. Theologische Provokationen \u2013 Neuausgabe, Verlag Herder, 1. Auflage 2023<\/em>) jene Aspekte bibelwissenschaftlich und literarkritisch herausgearbeitet, die einen rationalen Zugang zu den Auferstehungsberichten darstellen. Erstens, so Trummer, sei Auferstehung kein konkreter Zeitpunkt und kein singul\u00e4res Ereignis. Sie geschieht immer schon im Leben Jesu. Zweitens spricht Trummer von Auferstehung als \u201eAufstand\u201c. Dies bedeutet, sich in jeder Situation gegen die t\u00f6dlichen und gewaltsamen Versuchungen zu stellen. Es bedeutet im Geiste Jesu Widerstand zu leisten gegen all das, was die Lebensm\u00f6glichkeiten von Menschen einschr\u00e4nkt oder zerst\u00f6rt. Drittens sind f\u00fcr Trummer vor allem die Auferstehungsberichte mit ihren zentralen Bildern Symbolgeschichten, die mit den Glaubenserfahrungen der ersten J\u00fcngerinnen und J\u00fcnger zu tun haben. Trummer schreibt: \u201e(\u2026) Aber die k\u00f6rperliche Auferstehung aus dem Grab heraus ist sinnlos. Die Ostererz\u00e4hlungen der Evangelien verwenden eine starke, aussagekr\u00e4ftige Bildsprache. Sie sind keine historischen Berichte. Diese Unterscheidung muss man im Hintergrund haben, sonst liest man die Ostererz\u00e4hlungen der Evangelien v\u00f6llig falsch.\u201c Der Apostel Paulus identifiziert den Auferstandenen nicht als aus dem Grab entsprungene Leiche, sondern will seine innere Erfahrung benennen, die f\u00fcr ihn im Festhalten an der Botschaft Jesu und einer bleibenden Beziehung zu Jesus zu finden ist.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr mich argumentiert jedenfalls Peter Trummer nicht mit einer \u201eHolzhammermethode\u201c und \u201esaloppen Formulierungen\u201c (Kritik von Jozef Niewiadomski in den Kirchenzeitungen zu Ostern), sondern aus der Perspektive eines Bibelwissenschaftlers, der ein ganzes Leben an diesen Fragen geforscht hat, sich aber zugleich nicht dogmatischen Vorformulierungen beugt, sondern es wagt, diese dort zu hinterfragen, wo sie dem neutestamentlichen Befund nicht entsprechen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Auferstehungszweifel als kritische Anfrage an die Vernunft<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Karl Rahner, jener Theologe, der mehr als jeder andere die theologische Fakult\u00e4t pr\u00e4gte, an der ich studieren durfte, schrieb vor vielen Jahrzehnten: \u201eWir verfehlen von vornherein den Sinn von Auferstehung im Allgemeinen und auch bei Jesus, wenn wir uns urspr\u00fcnglich an der Vorstellung einer Wiederbelebung eines physisch-materiellen Leibes orientieren.\u201c F\u00fcr mein Denken \u00fcber Auferstehung ist es das Leitzitat.<\/p>\n\n\n\n<p>Manchmal werde ich von Menschen, die ihre Bindung an eine der Kirchen verloren haben, mit der kritischen Bemerkung konfrontiert, dass Auferstehung doch mit der Vernunft nicht begriffen werden k\u00f6nne, dass all die Geschichten in der Bibel dar\u00fcber doch nicht wahr seien, dass das doch ein frommer Glaube ohne realen Gehalt sei.<\/p>\n\n\n\n<p>Es sind wohl mehrere Gr\u00fcnde, die zu solchem kritischen Hinterfragen des Auferstehungsglaubens f\u00fchren, wobei die Gr\u00fcnde sich wechselseitig bedingen und verst\u00e4rken. Ein wesentlicher Grund f\u00fcr die Zweifel liegt darin, die symbolische Sprache der biblischen Auferstehungsberichte fundamentalistisch-wortw\u00f6rtlich zu lesen. Wenn die Mitte des christlichen Glaubens nicht mehr verstanden wird, werden sich mehr und mehr kritische Menschen von den Kirchen entfernen. Als Religionslehrer konnte ich im Unterricht die bildhaft-symbolischen Auferstehungsgeschichten decodieren. Im ersten Moment war es dann f\u00fcr viele meiner Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler eine heilsame Ent-T\u00e4uschung. Von Kindergartentagen an bis in die 5. Klasse eines Oberstufengymnasiums lebten sie mehr oder weniger mit der Vorstellung: Was in den Evangelien beschrieben wird, will historisches Faktum sein. In diese Richtung gehen auch die erw\u00e4hnten fundamentalistischen Interpretationen aus evangelikalen Kreisen, die mit ihrer Finanz- und Medienmacht  &#8211; z.B. \u00fcber Fox News &#8211; enorm viel Einfluss haben. Zugleich konnte ich im Unterricht die Zweifel aufgreifen, dass es doch mit der Auferstehung nicht so gewesen sein k\u00f6nne, dass ein Mensch, der zuvor grausam hingerichtet worden war, nun pl\u00f6tzlich durch geschlossene T\u00fcren gehen k\u00f6nnte, die J\u00fcnger und J\u00fcngerinnen anspricht und mit ihnen zusammen isst. Wenn der besondere Charakter dieser Erz\u00e4hlungen nicht klar gemacht wird, f\u00fchrt es dazu, dass die biblischen Geschichten generell als M\u00e4rchen oder gar als L\u00fcgengeschichten abgetan werden, was zu einer weiteren Distanzierung vom christlichen Glauben beitr\u00e4gt.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Historisch \u2013 doch in welchem Sinne?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Zugleich will ich auch die Historizit\u00e4t der Evangelienberichte nicht leugnen und dem Narrativ widersprechen, das den biblischen Auferstehungsgeschichten jedwede Historizit\u00e4t abspricht und sie nur als fromme Geschichten abtut. Es wird behauptet, man d\u00fcrfe doch die Auferstehungsberichte nicht historisch lesen, sondern nur spirituell deuten. Die Historizit\u00e4t liegt aber auf einer anderen Ebene. Historisches Fakt ist, dass sich die Jesusbewegung nach der Hinrichtung nicht einsch\u00fcchtern lie\u00df, sondern die Sache Jesu weiterf\u00fchrte. In diesem Sinne ist das Faktum der Auferstehung durchaus historisch. Ist es nicht auch leiblich, wenn die urkirchlichen Gemeinden nach der Hinrichtung Jesu begannen, das, was sie hatten, miteinander zu teilen (Apg. 2,4), wenn so niemand mehr unter ihnen Not litt? In diesem Sinne ist Auferstehung durchaus materiell begreifbar und nicht rein spirituell. In diesem Sinne \u2013 und nur in diesem Sinne \u2013 ist Jesus physisch und leiblich auferstanden. Das ist zugleich weit mehr als jede Spekulation \u00fcber ein zombieartiges Fleisch-und-Blutwerden Jesu, wie es so oft in den K\u00f6pfen der Menschen herumspukt. Die evangelische Theologin Dorothee S\u00f6lle brachte es pr\u00e4gnant auf den Punkt: \u201eW\u00e4re Jesus nicht in unseren Herzen und Werken auferstanden, so w\u00e4re er noch immer im Grab!\u201c Weil aber dies ein irrealer Aussagesatz ist, d\u00fcrfen wir Auferstehung Jesu feiern. Wenn Ostern lediglich verstanden wird als Ereignis, das vor 2000 Jahren war, dann wird es bedeutungslos. Und noch einmal sei Dorothee S\u00f6lle zitiert: \u201eOstern ist entweder existentiell, oder es sagt \u00fcberhaupt nichts und wird mit Recht vermarktet.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Auferstehung ins Jetzt hinein<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die g\u00e4ngigste Voreingenommenheit mit Blick auf Auferstehung lautet, dass es ein Ereignis w\u00e4re, das mit einem Jenseits bzw. mit einem Leben nach dem physischen Tod zu tun habe. Wer die KI befragt oder eine Antwort \u201egoogelt\u201c, wird zu solchem Verst\u00e4ndnis gef\u00fchrt. So lautet der erste und zugleich leicht in die Irre f\u00fchrende Satz bei Wikipedia unter dem Stichwort \u201eAuferstehung\u201c: \u201eAls&nbsp;Auferstehung&nbsp;wird die Erweckung Verstorbener zu einem ewigen Leben nach oder aus dem Tod&nbsp;bezeichnet.\u201c Gedacht wird in einer Zeitstrecke: Ein irdisches Leben, das mit dem Tod endet und nach dem Sterben in einem jenseitigen Zustand nach der Auferstehung weitergeht. Dominik Schafferer, mein Nachfolger als Vorsitzender der Katholischen Aktion der Di\u00f6zese Innsbruck, bringt ein anderes Zeitverst\u00e4ndnis ins Spiel, wenn er in einem Kommentar zum Auferstehungsbericht in der Tiroler Tageszeitung schrieb: \u201e\u00d6sterliches Leben beginnt dort, wo Menschen sich nicht vorverurteilen, blo\u00dfstellen, festnageln, diskriminieren oder einander den Tod w\u00fcnschen, sondern sich auf die Suche nach einer Kultur des Lebens machen: Sie verzeihen, schlichten Streit, tr\u00f6sten einander, grenzen nicht aus, nehmen sich einander an \u2026 In diesen Momenten wird Auferstehung schon jetzt erfahrbar und der Himmel ber\u00fchrt die Erde.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Gott ist im Spiel \u2013 doch welche g\u00f6ttliche Kraft?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Eine pr\u00e4sentische Auferstehungssicht kann auch an Hand des Begriffes \u201eAuferweckung\u201c verdeutlicht werden. Wer ist es, der Jesus aus dem Totenhaus auferweckt? Die theologische Standard-Antwort kommt schnell: \u201eGott hat Jesus von den Toten auferweckt.\u201c Wir k\u00f6nnen dabei jedoch nicht stehen bleiben, sondern m\u00fcssen auch die Gottesfrage stellen: \u201eWer und wie ist Gott?\u201c Schlie\u00dflich wird in einer inkarnatorischen Theologie festgehalten, dass Gott im und durch das Handeln der Menschen wirkt und dass der Geist Gottes im Tun der Menschen lebendig werden kann. Somit sind es wir Menschen, die als Werkzeuge Gottes und beseelt von g\u00f6ttlichem Geist Jesus zum Leben erwecken k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Johannes beschreibt in der Erscheinungserz\u00e4hlung&nbsp; im 20. Kapitel seines Evangeliums diese Auferstehungswirklichkeit eindrucksvoll: Maria Magdalena spielt die Schl\u00fcsselrolle, weil sie die Liebe verk\u00f6rpert, mit der sich Jesus und seine J\u00fcngerin begegnen konnten. Es ist eine Liebe, die mit dem Tod nicht aufh\u00f6rt, sondern gerade eine Situation des Todes \u00fcberwinden l\u00e4sst. Deswegen w\u00fcrde es auch nicht passen, die Worte des Auferstandenen mit \u201enoli me tangere\u201c (\u201eber\u00fchre mich nicht\u201c) zu \u00fcbersetzen, sondern \u2013 wie es im griechischen Original hei\u00dft, mit \u201ehalte mich nicht fest\u201c. Es ist eine Liebe, die auch freilassen kann, gerade weil sie aber auch die liebend-z\u00e4rtliche Ber\u00fchrung miteinschlie\u00dfen darf.<\/p>\n\n\n\n<p>Wie wurde Auferstehung Jesu weiterhin historisch fassbar? Dass sich Maria Magdalena und mit ihr die anderen J\u00fcngerinnen und J\u00fcnger angesichts der brutalen Hinrichtung ihres Meisters nicht geschlagen geben, dass sie so ganz in seinem Sinne weitermachen, hinausgehen, heilen und die Botschaft Jesu weitertragen. Jesus lebt in den Herzen und H\u00e4nden jener Menschen, Gruppen und Gemeinden weiter, die von seinem Geist angesteckt worden sind. In dem Film \u201eJesus von Montreal\u201c aus den 80er-Jahren wird dieser Gedanke so ganz anders als in der Hollywood-Magdalana-Verfilmung umgesetzt. Als der Schauspieler Daniel, der im Passionstheater die Rolle von Jesus spielt, stirbt, werden seine Organe entnommen. Sein Spenderherz schl\u00e4gt in einem anderen Menschen, seine Augen machen eine Blinde sehend. So k\u00f6nnen wir Auferstehung auch verstehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn wir die Wirklichkeit der Auferstehung begreifen wollen, nehmen wir zun\u00e4chst die neutestamentlichen \u201eBerichte\u201c von Auferstehung \u2013 die freilich immer auch schon Interpretationen und Bilder einer bestimmten Erfahrung von Auferstehung sind. Zum anderen aber ist es nicht weniger bedeutsam, die eigenen Auferstehungs-Erfahrungen nicht weniger ernst zu nehmen und beides wiederum in eine Verbindung zu setzen. Zwischen beiden Erfahrungsebenen besteht eine positive Dialektik. Je besser es mir gelingt, Auferstehungs-Erfahrungen in meinem eigenen Leben wahrzunehmen, desto besser kann ich die neutestamentlichen Berichte verstehen. Je mehr ich mich auf die neutestamentlichen Auferstehungsberichte einlassen kann, desto besser werde ich auch in meinem eigenen Leben Auferstehungserlebnisse begreifen k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Historisch-kritische Aspekte zu den neutestamentlichen Auferstehungserz\u00e4hlungen am Beispiel der Emmaus-Erz\u00e4hlung<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die vier Evangelisten Matth\u00e4us, Markus, Lukas und Johannes berichten unterschiedlich von der Auferstehung. Sie stimmen dar\u00fcber \u00fcberein, dass Jesus wirklich gestorben ist. Aber dann gehen die Berichte auseinander. Markus erz\u00e4hlt, dass die Frauen ein leeres Grab gefunden haben und dann erschrocken weggelaufen sind und niemandem davon erz\u00e4hlt haben. In den Auferstehungserz\u00e4hlungen bei Matth\u00e4us und Lukas erfahren wir schon mehr \u00fcber die Art und Weise, wie Jesus nach dem Osterereignis seinen J\u00fcngerinnen und J\u00fcngern erschienen ist. Bei Johannes wiederum lesen wir von einem Jesus, der Thomas seine Wunden zeigte, mit den J\u00fcngerinnen und J\u00fcngern am Ufer Fische a\u00df und auch sonst sich als Auferstandener mehrfach zeigte. Die Evangelisten haben unterschiedliche Berichte, weil sie zeigten, dass bereits viele Jahrzehnte nach dem Tod Jesu Ostern sich existenziell ganz unterschiedlich ereignet hatte. Johannes Hartl kann und muss widersprochen werden, wenn er nur von geringf\u00fcgigen Unterschieden zwischen den Evangelisten widerspricht.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Emmausperikope aus dem Lukasevangelium, die am Ostermontag in den Kirchen gelesen wird, zeigt uns, wie wir die Auferstehung Jesu Christi in einer Weise verstehen m\u00fcssen, dass sie nicht l\u00e4nger als Gegensatz zum wissenschaftlichen Denken konstruiert wird. Eine Dekonstruktion fundamentalistisch-buchst\u00e4blicher Interpretationen ist notwendig. Damit einher geht die Konstruktion eines kritischen Auferstehungsbildes, das dem Charakter der Evangelien gerecht wird.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Emmaus-Perikope finden wir nur im Lukas-Evangelium. Eindeutig ist sie also lukanisches \u201eSondergut\u201c, in dem sich die Erfahrungs- bzw. Auferstehungswirklichkeit der lukanischen Gemeinde widerspiegelt. Der Text d\u00fcrfte um das Jahr 90 n. Chr. entstanden sein. Redaktionsgeschichlich z\u00e4hlt die Emmaus-Erz\u00e4hlung zu der Gattung der \u201eErscheinungserz\u00e4hlungen\u201c, mit denen die vier Evangelien abschlie\u00dfen und die die j\u00fcngsten Schichten der jeweiligen Evangelien bilden. Exegetisch ist somit klar, dass es bei diesen Erz\u00e4hlungen nicht darum geht, einen historischen Bericht \u00fcber die Auferstehung zu bringen, sondern bildhaft zu beschreiben, was Auferstehung bedeutet. Die Emmausgeschichte entspricht der lukanischen \u201eWegetheologie\u201c. Christliche Existenz realisiert sich im Unterwegssein. Der Auferstandene ist Begleiter.<\/p>\n\n\n\n<p>&nbsp;(1) Sich auf den Weg machen<\/p>\n\n\n\n<p>Es hei\u00dft zu Beginn: \u201e\u2026 und siehe, zwei von ihnen wanderten an diesem Tag \u2026\u201c (Vers 13) Die beiden Emmausj\u00fcnger machen sich nach der Passion Jesu Christi auf den Weg. Wir k\u00f6nnen uns historisch in sie hineinf\u00fchlen. Sie mussten miterleben, dass dieser Jesus von Nazareth, der f\u00fcr sie Hoffnung auf Befreiung bedeutet hatte, von den politisch M\u00e4chtigen kaltbl\u00fctig und bestialisch hingerichtet worden war. Wie soll nun ohne ihren Rabbi die Sache der Befreiung und des Reiches Gottes weitergehen? Ist ihr Projekt nicht gescheitert? Jedenfalls gehen sie weg von jener Stadt, die f\u00fcr sie zu einer Stadt des Grauens geworden ist. Vielleicht gehen sie mit der Angst weg, dass es auch ihnen, den Jesus-Anh\u00e4ngern, an den Kragen gehen k\u00f6nnte. Weg also von der Stadt, die voll von r\u00f6mischen Besatzungssoldaten und Tempelwachen, voll von den G\u00fcnstlingen der r\u00f6mischen Besatzungsmacht und heimischen Kollaborateuren war. <\/p>\n\n\n\n<p>Heute k\u00f6nnten wir uns auf \u00e4hnlich Weise fragen: Ist das Projekt Jesu Christi nicht gescheitert, wenn wir die gegenw\u00e4rtige Lage in der Welt betrachten angesichts der andauernden Kriege und neuen Kriegsvorbereitungen, angesichts von so viel Armut und Elend in der Welt, &nbsp;der fortdauernden Erhitzung der Erde, der Ausbeutung von Ressourcen oder den andauernden Kriegen. Sind wir Couch-Potatoes, wenn wir h\u00f6ren und lesen von den Abermillionen Menschen, die chronisch unterern\u00e4hrt sind und Hunger leiden? Oder machen wir uns auf den Weg, raus aus Krieg, Ungerechtigkeit, Naturzerst\u00f6rung, selbst wenn wir noch nicht wissen, wohin der Weg uns f\u00fchren wird? Der Weg, der beschritten werden muss, ist vielfach ein Weg der Umkehr. Dies wird sehr konkret sein: Fix ist &#8211; es ist ein Weg ohne milit\u00e4rische Aufr\u00fcstung, aber mit einer Hinwendung zu einer anderen Friedenspolitik mit gewaltfreier und nicht-milit\u00e4rischer Ausrichtung. Es ist ein Weg, in dem Kriege sofort beendet werden und Wege der Diplomatie beschritten werden. Angesichts der Erderhitzung mit all ihren katastrophalen Folgen ist es auch ein Weg, in dem nicht l\u00e4nger auf die fossilen Energietr\u00e4ger gesetzt wird und jeder und jede herausgefordert ist, seinen oder ihren Ressourcenverbrauch klein zu halten.<\/p>\n\n\n\n<p>(2) Miteinander unterwegs sein<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eUnd siehe, zwei von ihnen \u2026\u201c (Vers 13) Die Emmausgeschichte ist eine Geschichte von Zweien. Man kann sich das gut erkl\u00e4ren: Zu zweit haben sie mehr Mut, zu zweit f\u00fchlen sie sich etwas sicherer in dieser f\u00fcr sie bedrohlichen Zeit. Einer kann den anderen korrigieren. Zu zweit, das hatten sie bereits von ihrem Meister gelernt, der die J\u00fcnger und J\u00fcngerinnen zu zweit ausgeschickt hatte. (Lk 10,1) Die beiden haben sich auf ein Ziel geeinigt, das einen konkreten Namen hat: Emmaus. Sie haben sich kein gro\u00dfes Ziel gesetzt, keine weite Wegstrecke. Es sind nur 60 Stadien, das sind 12 km von Jerusalem nach Emmaus. Sie \u00fcberfordern sich nicht.<\/p>\n\n\n\n<p>In dieser Paarkonstruktion wird zugleich Raum f\u00fcr Kommunikation geschaffen. F\u00fcr heute stellt sich die Frage: Mit wem bin ich unterwegs, um offen zu sein f\u00fcr die Auferstehungswirklichkeiten? Wo bin ich allein mit meinen Tr\u00e4umen von einer besseren Welt und wo kann ich sie mit jemandem teilen? Ein Sprichwort trifft diese Auferstehungswirklichkeit des Miteinanders punktgenau: \u201eWenn einer alleine tr\u00e4umt, ist es nur ein Traum. Wenn viele tr\u00e4umen, ist es der Beginn einer neuen Wirklichkeit.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Freilich sind es in der Emmaus-Geschichte zun\u00e4chst nur zwei! Darin liegt auch eine Hoffnung. Auch damals, am ersten Ostermorgen und dann auf dem Gang nach Emmaus, waren es noch nicht viele. Auch die zarten Ans\u00e4tze eines anderen Lebens sind heute nur klein und bestimmen nicht die Politik dieser Welt, doch liegt darin schon der Keim einer anderen Welt. Das gibt Mut.<\/p>\n\n\n\n<p>(3) Miteinander reden<\/p>\n\n\n\n<p>\u201e\u2026 und sie redeten miteinander \u00fcber all diese Ereignisse.\u201c (V 15) \u201eAls sie miteinander redeten und nachdachten \u2026\u201c Die kommunikative Grundstruktur des Glaubens an Auferstehung wird gleich zu Beginn der Erz\u00e4hlung deutlich. Zwei Menschen sind im Dialog. Sie reden nicht aneinander vorbei; sie f\u00fchren keine Monologe; sie quatschen einander nicht voll; sie tauschen keine Belanglosigkeiten aus; nicht einer versucht den anderen zu \u00fcberzeugen. Nein: Sie reden miteinander, hei\u00dft es ausdr\u00fccklich. Ihre Worte sind auch gepr\u00e4gt von einem \u201eNachdenken\u201c. Ich kann mir vorstellen, wie sie Pausen machen, um die Worte des jeweils anderen zu erw\u00e4gen, und sich dabei auch in die Augen schauen. Wenn Dialog so stattfindet, wenn Kommunikation in dieser Weise gelingt, dann geschieht es, dass sich Jesus dazugesellt. Wo sind meine Gespr\u00e4chspartnerinnen und Gespr\u00e4chspartner, mit denen ich \u00fcber die \u201eEreignisse\u201c vom Leben und Sterben und Auferstehen Jesu reden kann? Wo ist Kleopas \u2013 so wird einer der beiden Emmausj\u00fcnger namentlich genannnt \u2013 &nbsp;an meiner Seite?<\/p>\n\n\n\n<p>(4) Jesus n\u00e4hert sich<\/p>\n\n\n\n<p>\u201e\u2026 da n\u00e4herte sich Jesus selbst und ging ein St\u00fcck Weg mit ihnen\u2026\u201c (Vers 15b) Jesus dr\u00e4ngt sich nicht auf. Dieses N\u00e4hern hat etwas Z\u00e4rtliches und etwas Vorsichtiges an sich. Er erschreckt die beiden nicht. Er dirigiert nicht. Jesus bestimmt nicht, wo es lang gehen soll. Er geht einfach mit. Er passt sich den beiden an. Auch davon k\u00f6nnen wir von Jesus lernen. Wie oft bin ich geneigt, anderen meinen Weg aufzudr\u00e4ngen, statt mit den anderen unterwegs zu sein?<\/p>\n\n\n\n<p>(5) Verzweiflung, Niedergeschlagenheit und Trauer<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eUnd sie blieben niedergeschlagen stehen.\u201c (Vers 17) Die beiden J\u00fcnger gestehen sich ihre Niedergeschlagenheit und Trauer ein. Sie sind nicht Prototypen einer Keep-Smiling-Gesellschaft, haben nicht jenes Dauergrinsen von M\u00e4chtigen in Politik und Wirtschaft, das Zeichen f\u00fcr ihre Art des Erfolgs ist. Die beiden haben den Mut, ins Dunkle zu blicken und auch die Abgr\u00fcnde des Lebens anzunehmen. Typisch f\u00fcr diesen Jesus ist, dass er sich gerade den Menschen in ihrer Niedergeschlagenheit zuwendet. Es klingt an, was er gesagt hatte: \u201eKommt alle zu mir, die ihr m\u00fchselig und beladen seid.\u201c Diese Botschaft bleibt. Auch heute kann die Erfahrung gemacht werden: Wir k\u00f6nnen uns dem Dunklen und Schweren in unserem Leben stellen, weil gerade darin Begegnung mit dem Auferstandenen m\u00f6glich werden kann. Wir k\u00f6nnen und m\u00fcssen alle Gef\u00fchle des Schmerzes, der Entt\u00e4uschung, der Mutlosigkeit und der Zerbrochenheit radikal ernst nehmen.<\/p>\n\n\n\n<p>(6) Erkennen beim Brotbrechen<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eAls er mit ihnen zu Tische lag, nahm er das Brot, dankte; brach es und gab es ihnen.\u201c Die beiden J\u00fcnger machten eine eucharistische Grunderfahrung. Oder besser gesagt: Die lukanische Gemeinde machte die eucharistische Grunderfahrung und kleidete sie in die Geschichte der Emmaus-J\u00fcnger. Martina Kraml beschreibt in ihrem Buch \u201eVerwandlung auf das Leben hin\u201c, dass Essen und Trinken Orte der \u201eBer\u00fchrung Gottes\u201c sein k\u00f6nnen und damit die erfahrbare Grundstruktur bieten, die wir ekklesiologisch die eucharistische Gemeinschaft nennen. Eucharistisches Erleben ist nicht auf katholisch-kirchliches Tun beschr\u00e4nkt bzw. vom sakramentalen Handeln eines Priesters abh\u00e4ngig. W\u00fcrde die Emmaus-Erfahrung auf diese Form von Eucharistie reduziert, w\u00fcrde sie somit eingeengt auf eine katholische Messfeier, die f\u00fcr viele nicht mehr eine Emmaus-Erfahrung ist, bei der ihnen \u201edie Augen aufgehen\u201c. Wo sind meine Orte des g\u00f6ttlichen Brotbrechens? In den br\u00fcchigen und ambivalenten Erfahrungen des Miteinanderessens im Familienkreis, im Freundeskreis, in den vielen zwischenmenschlichen Begegnungen?<\/p>\n\n\n\n<p>(7)&nbsp; Jesus Christus als Verborgener<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eDa wurden ihre Augen aufgetan, und sie erkannten ihn.\u201c (Vers 30f) Der Auferstandene bleibt zun\u00e4chst unerkannt. Erst schrittweise gehen die Augen auf. In der Auferstehungsgeschichte bei Johannes verwechselte Maria Magdalena den Auferstandenen mit einem G\u00e4rtner (Joh 20,1.11-18). Bei der Erscheinung im Abendmahlsaal (Joh 20,19-23) oder bei den Erscheinungen am See (Joh 21,1-4) wiederholt sich dieses literarische Muster: &nbsp;die Gestalt der Erscheinung wird erst in weiterer Folge mit der Person Jesu identifiziert.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Emmausj\u00fcnger \u201etr\u00e4umen\u201c in der Begegnung mit dem Fremden und in der auch au\u00dferpsychisch objektiv erfahrbaren Wirklichkeit vom auferstandenen Jesus. Betont wird in der Erz\u00e4hlung das visuelle Element der \u201eaufgegangenen Augen\u201c. Die Auferstehung spielt sich somit nicht nur im tr\u00e4umenden Bewusstsein ab wie bei einem Schlaftraum, sondern hat einen sichtbaren Anhaltspunkt.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Wert dieser Sichtweise f\u00fchrt uns weg von den Orten Emmaus, Jerusalem oder dem See von Galil\u00e4a hin zu den Orten, in denen wir leben. Wir k\u00f6nnen die Emmaus-Erfahrungen an unseren konkreten Orten und in unserer Zeit machen. Die neutestamentliche Emmauserz\u00e4hlung soll uns ermutigen, den Visionen und Tr\u00e4umen in unserem Leben mehr Raum zu geben, ja vielleicht mehr noch, uns von ihnen bestimmen zu lassen. W\u00e4ren die Tr\u00e4ume an der Macht, so w\u00e4re diese Welt wohl eine bessere! Die Evangelisten hatten den Mut, die Jesus-Geschichte nach seinem Tod mit Visionen von der Auferstehung fortzuschreiben. Sie ermutigen dazu, im Bewusstsein, dass wir an einen sich in der Geschichte stets offenbarenden Gott glauben, unsere Auferstehungs-Visionen selbst wahrzunehmen und sie zu einer Wirklichkeit werden zu lassen.<\/p>\n\n\n\n<p>(8) Mut zu Umkehr und Neubeginn<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eund kehrten nach Jerusalem zur\u00fcck.\u201c (Vers 33) Obwohl es bereits Abend wurde, blieben nun die beiden J\u00fcnger nicht bequem in ihrer Emmaus-Herberge. Ihr Herz brannte. Sie waren begeistert; sie wollten zu den anderen J\u00fcngern. Diese Erfahrung von Auferstehung wollten sie nicht f\u00fcr sich behalten. Die Auferstehungsgemeinschaft w\u00e4chst, wenn wir im Text weiterlesen, denn auch die Elf und ihre Gef\u00e4hrten und Gef\u00e4hrtinnen hatten Auferstehungserlebnisse. So wurde Kirche der Auferstehung. Tr\u00e4ume und Visionen werden geteilt. F\u00fcr die Christen und Christinnen der Urkirche galten wohl die Worte von Faust, die er beim Osterspaziergang aussprach: \u201eSie feiern die Auferstehung des Herrn, denn sie sind selbst auferstanden.\u201c Und Goethe l\u00e4sst auch deutlich werden, wie diese Auferstehung konkret und materiell geschieht, als Befreiung von Unterdr\u00fcckung und Lebensverst\u00fcmmelung:<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eAus niedriger H\u00e4user dumpfen Gem\u00e4chern\/<br>Aus Handwerks- und Gewerbesbanden\/<br>aus dem Druck von Giebeln und D\u00e4chern\/<br>Aus den Stra\u00dfen quetschender Enge\/<br>Aus den Kirchen ehrw\u00fcrdiger Nacht\/<br>sind sie alle ans Licht gebracht.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>In diesem Faust\u2019schen Ausruf wird h\u00f6rbar, was Auferstehung vor allem in einem politischen Sinne bedeutet. Dazu freilich ist es notwendig, den alten Goethe mit heutigen Wirklichkeiten in Verbindung zu setzen.<\/p>\n\n\n\n<p>Klaus Heidegger, Ostern 2026<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><img src='http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/Ostern-Ei-rot-768x1024.jpg' class='thumbnail' \/>Reden wir \u00fcber den Glauben an Auferstehung! Verbunden mit dem Osterfest rede und schreibe ich gerne \u00fcber den Glauben an Auferstehung. Erzbischof Gr\u00fcnwidl aus Wien hat in seiner Ostermontagpredigt mit Bezug auf die Perikope von den Emmausj\u00fcngern (Lukas 24) die Bedeutsamkeit des Redens \u00fcber den Glauben als ersten Punkt herausgehoben. 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