{"id":12482,"date":"2026-04-13T11:54:19","date_gmt":"2026-04-13T11:54:19","guid":{"rendered":"https:\/\/www.klaus-heidegger.at\/?p=12482"},"modified":"2026-04-13T11:54:19","modified_gmt":"2026-04-13T11:54:19","slug":"auferstehung-jesu-erfahren-und-rational-verstehen-am-beispiel-vom-apostel-thomas","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.klaus-heidegger.at\/?p=12482","title":{"rendered":"Auferstehung Jesu erfahren und rational verstehen am Beispiel vom Apostel Thomas"},"content":{"rendered":"\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><a href=\"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/hand-hunger-1.jpg\"><img loading=\"lazy\" width=\"768\" height=\"1024\" src=\"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/hand-hunger-1-768x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-12484\" srcset=\"https:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/hand-hunger-1-768x1023.jpg 768w, https:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/hand-hunger-1-225x300.jpg 225w, https:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/hand-hunger-1-1153x1536.jpg 1153w, https:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/hand-hunger-1.jpg 1200w\" sizes=\"(max-width: 768px) 100vw, 768px\" \/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<p><strong>Lieblingsstelle aus der Bibel<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>\u201eWas ist Deine Lieblingsstelle in der Bibel?\u201c Diese Frage wurde mir w\u00e4hrend meiner vielen Lehrjahre \u2013 die stets zugleich Lernjahre waren \u2013 in meinem schulischen Sein immer wieder gestellt. Meine Antwort war stets die gleiche: Die Lieblingsstelle ist jeweils eine andere, stets neu, stets aktuell angepasst, meist jene, die gerade als Sonntagsevangelium im Liturgieplan vorgesehen ist, weil wir uns dar\u00fcber dann oft in unserer kleinen eucharistischen Liturgiegemeinschaft austauschen. Dann wird genau diese Stelle auch eine Antwort auf das, was sowohl in der gro\u00dfen weiten Welt als auch in meinem kleinen Leben vor sich geht, dann verbindet sich die Bibelstelle mit den Erfahrungen in diesen miteinander verwobenen Welten und den Fragen und Antworten, die sich darin auftun.<\/p>\n\n\n\n<p>Am \u201eWei\u00dfen&nbsp; Sonntag\u201c, dem ersten Sonntag nach dem westlichen Osterfest, wird &nbsp;die Auferstehungserz\u00e4hlung aus dem Johannesevangelium gelesen, in der der Auferstandene dem Apostel Thomas erscheint.(Joh 20,19-29). Viel habe ich dazu schon geschrieben. In Google dr\u00e4ngt sich unter der Suche \u201eThomas\/Klaus Heidegger\/Auferstehung\u201c bereits die KI vor und zeigt tats\u00e4chlich relativ exakt auf, was ich mir dazu denke. Es schadet also nicht, wenn ich meine Website entsprechend weiter f\u00fcttere, um ein Gegengewicht zu all den fundamentalistischen Interpretationen zu bilden.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Nicht der \u201eungl\u00e4ubige Thomas\u201c, sondern der pr\u00fcfend gl\u00e4ubige Thomas<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>In der Evangeliumsperikope wird Thomas nie als \u201eungl\u00e4ubig\u201c bezeichnet. Es hei\u00dft zun\u00e4chst, dass er \u201ezweifelt\u201c. In diesem Zweifel steckt zugleich, dass in Thomas auch der Glaube ist, der nach einer Bewahrheitung sucht, nach einer Begr\u00fcndung, nach einer Sicherheit. Thomas will pr\u00fcfen, ob sein Glaube wahr ist, ob sein Glaube sich mit der Realit\u00e4t vereinbaren l\u00e4sst. Thomas geht wie ein Wissenschaftler vor, der nicht auf Fakenews hereinfallen will. Thomas tut das, was Paulus in einem seiner Briefe sinngem\u00e4\u00df schrieb, \u201epr\u00fcfe alles und behalte das Wahre\u201c. Jesu selbst sagt dann am Ende der Begegnung mit Thomas: \u201ezweifle nicht l\u00e4nger, sondern glaube\u201c. Eine wohl treffendere \u00dcbersetzung w\u00e4re: \u201ewerde nicht ungl\u00e4ubig, sondern gl\u00e4ubig\u201c. Wichtig ist aber: Das Evangelium spricht nicht davon, dass Thomas ungl\u00e4ubig gewesen sei. Genau genommen d\u00fcrften wir also nicht vom \u201eungl\u00e4ubigen\u201c Thomas sprechen. Dieses Attribut wird Thomas nicht gerecht, entspricht aber einer Geisteshaltung, in der Zweifel mit Unglauben gleichgesetzt wird bzw. in der eine rationale Begr\u00fcndung von Glauben, die sich an Fakten orientiert, als negativ gewertet wird. In einem Kommentar zum Sonntagsevangelium der Di\u00f6zese Innsbruck hei\u00dft es daher nicht richtig, dass Thomas nicht an die Auferstehung glaube. Damit wird wieder das Narrativ vom \u201eungl\u00e4ubigen Thomas\u201c wiederholt. Karl Rahner wird dabei als Kronzeuge zitiert, der von der \u201eUnbegreiflichkeit Gottes\u201c geschrieben habe. In der ganzen Jesusgeschichte \u2013 von seinem Leben bis zu den nach\u00f6sterlichen Berichten \u2013 geht es aber gerade darum, dass Gott \u201eber\u00fchrbar\u201c geworden ist, begreifbar, sei es im Teilen des Brotes oder in den vielen Heilungserfahrungen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Thomas ist Didymos, der Zwilling<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Eugen Drewermann hat in einem seiner Kommentare zur Auferstehungserz\u00e4hlung von Thomas eine psychoanalytische Deutung gemacht. Wenn Thomas Didymos, der Zwilling, genannt wird, so stehe es auch daf\u00fcr, dass er sich seiner ganzen Identit\u00e4t noch nicht sicher sei. Ein Zwilling sei in besonderer Weise herausgefordert zu entdecken, wer er eigentlich sei \u2013 in Abgrenzung zu seinem fast identisch wirkenden Bruder \u2013 oder Schwester. Thomas ist in der Gemeinschaft der anderen 10 Apostel jener, der nicht einfach sich einem Gruppendruck hingibt, sondern sich selbst eine Antwort geben will. Er wagt es zu zweifeln, w\u00e4hrend die anderen noch glauben. Er geht seinen eigenen Weg, um zu sich und dem Glauben zu finden.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr mich bedeutet es, dass ich auch mir die Frage und die Freir\u00e4ume erlaube, dem eigenen Gewissen zu folgen, nicht hinterherzulaufen, sondern eigene Wege auszuloten, selbst wenn sie \u2013 bis in den privaten Bereich hinein \u2013 dann auf Widerspruch sto\u00dfen. Es bedeutet, nicht an jenen Dogmen festzuhalten, die sich rational nicht begr\u00fcnden lassen oder offensichtlich einem historisch-kritischen Befund der Bibel widersprechen. Es bedeutet, kirchliche Strukturen oder liturgische Vorgaben zu hinterfragen, wenn sie offensichtlich dem Evangelium nicht entsprechen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Auferstehung als \u00d6ffnen von geschlossenen T\u00fcren<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Bezeichnend in den 16 neutestamentlichen Auferstehungserz\u00e4hlungen ist der Hinweis, dass sich bis zum Pfingstfest die J\u00fcngerinnen und J\u00fcnger \u201ehinter verschlossenen T\u00fcren\u201c aufhielten. Bezeichnend f\u00fcr den Charakter der Auferstehung ist zugleich, dass die g\u00f6ttliche Macht sich von verschlossenen T\u00fcren nicht aufhalten l\u00e4sst. Der Auferstandene kann durch verschlossene T\u00fcren gehen \u2013 und vielfach ist wohl auch nur so Auferstehung m\u00f6glich.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein Blick in unser aller Leben zeigt die vielen \u201everschlossenen T\u00fcren\u201c: die Verh\u00e4rtungen in famili\u00e4ren Streitsituationen, wo es keine Begegnung mehr gibt; der Nachbar, der keinen Gru\u00df \u00fcber seine Lippen bringt; ein WhatsApp, das nicht mehr beantwortet wird. Die Liste ist lang.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Auferstehung als Betrachten von Wunden<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die Thomas-Auferstehungserz\u00e4hlung, die so typisch ist f\u00fcr das Johannesevangelium und sich bei den Synoptikern nicht findet, ist reich an Symbolen. Eines davon ist besonders augenf\u00e4llig und wurde im Laufe der Jahrhunderte in hunderten Bildern festgehalten. In einem Bild von Caravaggio h\u00e4lt Jesus dem Thomas seinen Wunden dramatisch entgegen.<\/p>\n\n\n\n<p>Heute f\u00e4llt es nicht schwer, dieses Symbol wirkm\u00e4chtig zu interpretieren. Wie die nach\u00f6sterliche Gemeinde des Johannes sind wir herausgefordert, Jesus dort zu entdecken, wo die Wunden zu finden sind. Ich denke an die Abertausenden in den Kriegsgebieten des Iran oder der Ukraine, an die verst\u00fcmmelten Soldaten aller Kriegsparteien, an die Menschen in den Fl\u00fcchtlingslagern, an die Gefolterten in den Gef\u00e4ngnissen. Das Evangelium sagt uns: Auferstehung wird dort erfahren, wo wir nicht blind sind f\u00fcr die Wunden, sondern diese uns zum Handeln motivieren \u2013 gegen die Kriege und die Kriegsherren, gegen jene, die mit ihrer Politik psychisches und k\u00f6rperliches Leid zulassen und schaffen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Auferstehung als Begegnungserfahrung<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Alle Auferstehungserz\u00e4hlungen sind Beziehungs- bzw. Begegnungsgeschichten. Dabei ist jede dieser Erz\u00e4hlungen wieder besonders. Die Erscheinung vor Maria Magdalena am Ostermorgen hat ihren spezifischen Charakter, der die z\u00e4rtliche Beziehung zwischen Maria Magdalena und Jesus zum Thema hat. In der Emmausgeschichte von Lukas werden wir hineingezogen in eine Weggeschichte mit einer abschlie\u00dfenden eucharistischen Grunderfahrung und hier bei Thomas eben wird Ber\u00fchren von Wunden und Begreifen von Auferstehung miteinander in Beziehung gesetz.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Auferstehung als z\u00e4rtliche Ber\u00fchrung<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Thomas sucht nach einer Ber\u00fchrung, um Auferstehung zu verstehen. Das geh\u00f6rt wesentlich zu unserem christlichen Glauben, der immer mit K\u00f6rperlichkeit zu tun hat. Deswegen lautet einer der zentralsten Glaubensartikel, dass Gott Mensch wird. Unser Glaube ist inkarnatorisch, will sich \u201everk\u00f6rpern\u201c, will ein konkretes Gesicht haben.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Auferstehung als rational begr\u00fcndbares Ereignis<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Wenn das Johannesevangelium mit der Erscheinungserz\u00e4hlung von Thomas endet, so kann dies durchaus programmatisch gewertet werden. Wir k\u00f6nnen und sollen wie Thomas Zweifelnde sein, weil wir unseren Glauben stets neu begr\u00fcnden m\u00fcssen mit jenen Erfahrungen auch, die wir in unseren pers\u00f6nlichen und politischen Welten erfahren. Ein \u201eblinder Glaube\u201c ist gef\u00e4hrlich. Wo Glaube und Rationalit\u00e4t voneinander getrennt werden, wird es brandgef\u00e4hrlich. Das erlebt die Welt gegenw\u00e4rtig an den fundamentalistisch orientierten Weltenherrschern und ihren irrationalen Bibelinterpretationen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Auferstehung als g\u00f6ttliche Grunderfahrungen<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Der Ausruf von Thomas \u201emein Herr und mein Gott\u201c wird fundamentalistisch verk\u00fcrzt, wenn daraus ein Beweis f\u00fcr die Gottessohnschaft Jesu gemacht wird und sie darauf reduziert wird. Die Erfahrung des G\u00f6ttlichen sind letztlich aber genau jene Kernelemente, auf die ich zuvor hingewiesen habe: G\u00f6ttliche Grunderfahrungen ereignen sich im zweifelnden Glauben, im \u00d6ffnen von geschlossenen T\u00fcren, im Betrachten von Wunden und in achtsamen Beziehungsweisen. So geschieht Auferstehung.<\/p>\n\n\n\n<p>Klaus Heidegger, Wei\u00dfer Sonntag 2026, 12.4.2026<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><img src='http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/hand-hunger-1-768x1024.jpg' class='thumbnail' \/>Lieblingsstelle aus der Bibel \u201eWas ist Deine Lieblingsstelle in der Bibel?\u201c Diese Frage wurde mir w\u00e4hrend meiner vielen Lehrjahre \u2013 die stets zugleich Lernjahre waren \u2013 in meinem schulischen Sein immer wieder gestellt. Meine Antwort war stets die gleiche: Die Lieblingsstelle ist jeweils eine andere, stets neu, stets aktuell angepasst, meist jene, die gerade als&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":12484,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[183],"tags":[2317,899,2315,2316,2314],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.klaus-heidegger.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/12482"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.klaus-heidegger.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.klaus-heidegger.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.klaus-heidegger.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.klaus-heidegger.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=12482"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/www.klaus-heidegger.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/12482\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":12485,"href":"https:\/\/www.klaus-heidegger.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/12482\/revisions\/12485"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.klaus-heidegger.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/12484"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.klaus-heidegger.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=12482"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.klaus-heidegger.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=12482"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.klaus-heidegger.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=12482"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}