{"id":12509,"date":"2026-04-20T21:20:22","date_gmt":"2026-04-20T21:20:22","guid":{"rendered":"https:\/\/www.klaus-heidegger.at\/?p=12509"},"modified":"2026-04-21T11:31:05","modified_gmt":"2026-04-21T11:31:05","slug":"die-botschaft-von-einem-roten-lichtkreuz-und-mein-nachdenken-ueber-kirchesein","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.klaus-heidegger.at\/?p=12509","title":{"rendered":"Die Botschaft von einem roten Lichtkreuz, einem Tetraeder-Altar und einer Kirche in Ver\u00e4nderung"},"content":{"rendered":"\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><a href=\"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/Canisius-scaled.jpg\"><img loading=\"lazy\" width=\"768\" height=\"1024\" src=\"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/Canisius-768x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-12510\" srcset=\"https:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/Canisius-768x1024.jpg 768w, https:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/Canisius-225x300.jpg 225w, https:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/Canisius-1152x1536.jpg 1152w, https:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/Canisius-1536x2048.jpg 1536w, https:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/Canisius-scaled.jpg 1920w\" sizes=\"(max-width: 768px) 100vw, 768px\" \/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<p>Noch h\u00e4ngt das gro\u00dfe Kreuz von der Kassettendecke der Pfarrkirche Petrus Canisius. Es wird aus vielen roten dreieckigen Plexi-Scheiben und Glas gebildet. Blutrot wie das Leben sind die Plexi-Scheiben. Im Kreuz ist das Licht. Noch steht darunter der massive Altar, geformt nach einem Tetraeder, die das kreisf\u00f6rmige Altarblatt tragen. Das Kreuz schwebt \u00fcber dem geerdeten Altar. Kreuz und Altar bilden die Einheit \u2013 bilden ein Oben und Unten, eine Begegnung von Himmel und Erde. Leicht Schwebendes und schwer Verankertes sind im harmonischen Spiel zueinander. Die christliche Botschaft verdichtet und konkretisiert sich im geteilten eucharistischen Brot, das Menschen und Welt verwandeln kann. So wie das jesuanische Markenzeichen die solidarischen Gastm\u00e4hler waren &#8211; und nicht ein Opfertod &#8211; so dr\u00fcckt es der Altar aus, um den sich eine Gemeinde versammeln k\u00f6nnte. Eucharistie und Gemeindemessen werden in der Pfarrkirche Petrus Canisius nicht mehr gefeiert werden. Die Kirche wurde umgewidmet. Der Erhalt der Kirche w\u00e4re zu teuer. Es rechnet sich nicht mehr angesichts der kleinen Schar von Gl\u00e4ubigen, die auch von der Nachbargemeinde im Sinne des Seelsorgeraumkonzeptes beheimatet sein k\u00f6nnen. Die Katholikenzahl in Innsbruck ist auf 37 Prozent gerutscht. Von denen ist wohl auch der gr\u00f6\u00dfere Teil der Kirche entfremdet. Die Kirchenb\u00e4nke ringsherum sind entfernt worden. Am abgen\u00fctzten Teppichboden sieht man noch die Umrisse. Es brennt kein Ewiges Licht mehr. Die beweglichen sakralen Gegenst\u00e4nde sind verschwunden. Lichthell von der mitt\u00e4glichen Fr\u00fchlingssonne ist der Innenraum \u2013 und die Lichtw\u00e4nde wirken nun schmutzig. Nochmals bin ich die steilen Stufen zur Kirche hinaufgegangen. Bald wird hier die Boulderhalle errichtet sein. Es w\u00e4re wohl unpassend, Altar und Kreuz noch zu belassen. Sollen sich die Kletternden auf den Altar setzen, w\u00e4hrend sie ringsherum die Boulderm\u00f6glichkeiten begutachten und einander anfeuern? Auch das Kreuz w\u00fcrde irritieren. Noch reflektiert es das Licht, das von oben und von den seitlichen Lichtfl\u00e4chen kommt. <\/p>\n\n\n\n<p>Mein derzeitiges Zuhause ist gleich neben der denkmalgesch\u00fctzten Kirche und dem Pfarrzentrum und dem gro\u00dfz\u00fcgigen Au\u00dfenbereich. All dies liegt am Inn und gegen\u00fcber der Universit\u00e4t und hat so aufgrund der Lage einen besonders hohen Wert. Nun soll die Kirche zur Boulderhalle werden. Die Einwohnerzahl in der H\u00f6ttinger Au ist seit 1968, als im Geist des Zweiten Vatikanischen Konzils die Kirche Petrus Canisius und das dazugeh\u00f6rende Pfarrzentrum erbaut worden sind, um ein Vielfaches gewachsen. Die Beteiligung an Gottesdiensten ist um ein Vielfaches geschrumpft. <\/p>\n\n\n\n<p>Kirchlich sozialisiert bin ich weiterhin ein Anh\u00e4nger von pfarrlichen Wohnortgemeinden und nicht von gro\u00dfen Pfarrzusammenschl\u00fcssen. Wo liegen die Ursachen, dass in einer Pfarrgemeinde mit rund 1200 Mitgliedern sich bei der Sonntagsmesse durchschnittlich nur 25 Leute treffen? Warum sind es vor allem junge Menschen, die sich immer weniger in den kirchlichen Strukturen beheimatet f\u00fchlen? Ja, die Kirche hat ein gro\u00dfes Imageproblem, solange Frauen und M\u00e4nner in der \u00c4mterstruktur nicht die gleichen Rechte haben. Warum darf die engagierte Pastoralassistentin dieser Pfarre Taufgespr\u00e4che f\u00fchren, nicht aber selber taufen oder vielleicht sogar einer Eucharistiefeier vorstehen? Solche Fragen m\u00fcssten gestellt werden. Seit meiner Zeit als Alumne im Priesterseminar &#8211; und das ist viele Jahrzehnte her &#8211; tr\u00e4ume ich von einer Kirche, in der gem\u00e4\u00df der fr\u00fchen Tradition der Kirche Frauen wie M\u00e4nner die gleichen Rechte haben, in der die Sakramentenspendung nicht l\u00e4nger an z\u00f6libat\u00e4re klerikale M\u00e4nner gebunden ist. Eine authentische, glaubw\u00fcrdige, vor Ort beheimatete Kirche k\u00f6nnte dazu beitragen, dass nicht noch mehr Menschen die Kirche verlassen und Ausgetretene wieder in die Kirche zur\u00fcckfinden und dass junge Menschen auch ohne Boulderw\u00e4nde eine Kirche cool erleben k\u00f6nnten.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich sitze in der Kirche und denke \u00fcber die Kirche nach, \u00fcber eine Kirche und ihre Liturgieformen, von denen ich mich gel\u00f6st habe, und \u00fcber ein Kirchesein, das meinem Glauben entspricht. Vieles ist daraus ausger\u00e4umt worden \u2013 wie in der Pfarrkirche Petrus Canisius &#8211; und das Ausger\u00e4umte macht mich frei, mein Kirchesein neu zu finden. Geblieben ist die Sehnsucht nach dem Lichtkreuz von oben und der starken Verankerung unten, wo das Brot geteilt und das Leben miteinander gefeiert wird. In meiner gegenw\u00e4rtig erlebten physischen Gebrechlichkeit f\u00fchle ich mich hinein in das, was eine christliche Gemeinde sein k\u00f6nnte: Dass man einander hilft \u2013 selbst wenn es sich nur um ein gebrochenes Bein handelt und die Unf\u00e4higkeit, dadurch einkaufen zu k\u00f6nnen. Die Menschen hier in diesem Stadtteil br\u00e4uchten einander \u2013 und es w\u00e4re sch\u00f6n, wenn Gemeinschaft und Solidarit\u00e4t oder ein Auf-einander-Schauen realisiert werden w\u00fcrde.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><img src='http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/Canisius-768x1024.jpg' class='thumbnail' \/>Noch h\u00e4ngt das gro\u00dfe Kreuz von der Kassettendecke der Pfarrkirche Petrus Canisius. Es wird aus vielen roten dreieckigen Plexi-Scheiben und Glas gebildet. Blutrot wie das Leben sind die Plexi-Scheiben. Im Kreuz ist das Licht. 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