{"id":12519,"date":"2026-04-25T13:07:51","date_gmt":"2026-04-25T13:07:51","guid":{"rendered":"https:\/\/www.klaus-heidegger.at\/?p=12519"},"modified":"2026-04-25T13:21:10","modified_gmt":"2026-04-25T13:21:10","slug":"barmherzigkeit-will-ich-nicht-opfer-matthaeus-913","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.klaus-heidegger.at\/?p=12519","title":{"rendered":"\u201eBarmherzigkeit will ich, nicht Opfer&#8220;     (Matth\u00e4us 9,13) &#8211; vom Zusammenhang zwischen Kriegst\u00fcchtigkeit und Opfertheologie"},"content":{"rendered":"\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><a href=\"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/sarg-lamm.jpg\"><img loading=\"lazy\" width=\"1024\" height=\"597\" src=\"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/sarg-lamm-1024x597.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-12522\" srcset=\"https:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/sarg-lamm-1024x597.jpg 1024w, https:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/sarg-lamm-300x175.jpg 300w, https:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/sarg-lamm-768x448.jpg 768w, https:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/sarg-lamm.jpg 1376w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<ul><li><strong>Vom politischen Opferkult unserer Tage<\/strong><\/li><\/ul>\n\n\n\n<p>Die ritualisierte \u00dcberstellung von Soldaten, die im Kriegseinsatz get\u00f6tet wurden, sieht in allen kriegsf\u00fchrenden L\u00e4ndern \u00e4hnlich aus. Besonders dramatisch wird dies in den USA inszeniert. Die S\u00e4rge sind bedeckt mit dem Sternenbanner. Soldaten stehen stramm. US-Pr\u00e4sident und Kriegsminister salutieren und blicken ernst. Die Nation ehrt ihre \u201eOpfer\u201c, die heldenhaften M\u00e4nner, die im Kampfeinsatz ihr Leben \u201ehingegeben\u201c haben. Die Milit\u00e4rmusik spielt nicht das Lied \u201eNein, meine S\u00f6hne geb\u2018 ich nicht\u201c von Reinhard Mey, sondern martialisch wird die Nationalhymne gespielt. Der Text dieser Hymne ist ein einziges Schlachtlied. In der dritten Strophe hei\u00dft es, dass das Blut der Soldaten die stinkenden Fu\u00dfabdr\u00fccke der Feinde wegwischen wird.&nbsp; In der Zeitung lese ich gerade von der Taktik der Ukrainer, dass sie mit ihrer Drohnenf\u00fclle jeden Tag so viele russische Soldaten t\u00f6ten wollen, dass Putin und sein Regime gar nicht mehr mit der Rekrutierung nachkommen sollen. 35.000 Soldaten und Soldatinnen sollen allein im Monat M\u00e4rz get\u00f6tet oder schwer verwundet worden sein. Jeder Kriegsherr ist bereit, das Wertvollste f\u00fcr den Sieg seiner Nation zu opfern. Das Wertvollste sind die Menschen. Das Mullah-Regime im Iran, das v\u00f6lkerrechtswidrig angegriffen wurde, steckt nicht zur\u00fcck: Sie k\u00f6nnen noch Abertausende Kriegsverpflichtete opfern, die dann als M\u00e4rtyrer gepriesen werden. Das israelische Kriegsregime begeht einen Genozid, bombardiert gnadenlos und zerst\u00f6rt die Lebensgrundlagen des pal\u00e4stinensischen Volkes. Kollateralschaden ist ein anderes Wort f\u00fcr Opfer. Ein Krieg funktioniert nur mit Opfer. Ohne Opfer gibt es keinen Krieg. Also: Schaffen wir die Opfer ab!<\/p>\n\n\n\n<p>Denke ich an all die Opfer, die es im Kleinen wie im Gro\u00dfen gibt, so muss ich mich selbst davor h\u00fcten, nicht in eine Depression zu fallen. Menschen opfern die Umwelt, opfern das Klima, opfern die Biodiversit\u00e4t, opfern das \u00dcberleben k\u00fcnftiger Generationen, um selbst kurzfristigen Spa\u00df im Leben zu haben, konsumieren mit dumm-dreister Miene die Ressourcen in F\u00fclle, ohne auf die Zerst\u00f6rung des Planeten zu achten.<\/p>\n\n\n\n<p>Schreibe ich dar\u00fcber, so werde ich als Spa\u00dfverderber gesehen. Rede ich dar\u00fcber, so werde ich ausgegrenzt. MAN will es nicht h\u00f6ren, weil das eigene Gewissen dadurch angesto\u00dfen wird. Es gibt noch einen anderen Blickwinkel, der tiefer f\u00fchrt. Welches Bild von Religion haben jene Kriegsherren? Ich muss noch genauer fragen: Welche Sicht von Erl\u00f6sung und Kreuzestod Jesu haben ein Peter Thiel, einem ma\u00dfgeblichen Strippenzieher der US-Regierung, haben die erzkonservativen katholischen Kreise um J.D.Vance oder vor allem die evangelikalen Kr\u00e4fte rund um Donald Trump? Eine Besch\u00e4ftigung mit den gegenw\u00e4rtigen Kriegen muss auch theologische Fragen stellen.<\/p>\n\n\n\n<ul><li><strong>Ann\u00e4herung an den Hingabegedanken<\/strong><\/li><\/ul>\n\n\n\n<p>Kalendarisch liegt der Karfreitag schon lange zur\u00fcck. Gedanklich habe ich an diesem Tag begonnen, mich so intensiv mit der Bedeutung und den Deutungen zu dem Kreuzestod Jesu zu besch\u00e4ftigen, dass mein Suchen und Forschen und Nachdenken und Schreiben an kein Ende zu kommen scheint.<\/p>\n\n\n\n<p>Hat Jesus sein Leben \u201ehingegeben\u201c oder sein Leben eingesetzt? Meine theologische Suche nach einem vernunftgeleiteten und erfahrungsbezogenen Verst\u00e4ndnis von Tod und Auferstehung Jesu geht weiter.<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn man die KI suchen l\u00e4sst, was Hingabe Jesu bedeutet, so hei\u00dft es gleich zu Beginn: \u201eDie Hingabe Jesu bezeichnet im christlichen Glauben die&nbsp;r\u00fcckhaltlose Selbstaufopferung Jesu am Kreuz f\u00fcr die Menschheit \u2026\u201c Die KI ben\u00fctzt das, was sie findet, womit die Websites gespeist werden, welche Artikel ver\u00f6ffentlicht wurden, welche Podcasts es gibt. So geschieht dieses prim\u00e4re Framing in der Theologie: Hingabe habe mit Selbstaufopferung zu tun. Hingabe und Opfer werden zu Synonymen. L\u00e4ngst h\u00f6ren mehr Menschen Podcasts zu einem bestimmten Thema, als dass Fachartikel oder gar B\u00fccher gelesen w\u00fcrden. Zu jedem Thema. Auch zum Themenbereich Hingabe, Opfer und Tod Jesu. Vor allem in evangelikalen Kreisen wird gerne von Hingabe und Opfer gesprochen, davon, dass sich Jesus unserer S\u00fcnden wegen geopfert habe, dass wir Jesus so dankbar sein sollten, weil er f\u00fcr unsere S\u00fcnden gestorben ist. Konservativ-katholische Kreise, die am liebsten die Messe wieder in Latein lesen w\u00fcrden \u2013 oder wie ihr Sprachrohr aus Heiligkreuz Pater Karl Wallner auch tun \u2013 zelebrieren diesen eucharistischen Opferkult leidenschaftlich. Das S\u00fchnetod-Konstrukt eines Anselm von Canterbury lebt fort. Jesus habe sich hingegeben, sich geopfert, damit ein zorniger Vatergott mit uns s\u00fcndigen Menschen vers\u00f6hnt werden k\u00f6nnte. Jesus als blutiges Opfer f\u00fcr unsere S\u00fcnden. In der Sprache der Liturgie h\u00e4lt sich dieses Wording. Man spricht weiterhin vom Messopfer. Man betet weiterhin \u201eLamm Gottes, du nimmst hinweg die S\u00fcnde der Welt\u201c. Auf der Website von katholisch.de wird ein Bild von einem fetten Lamm gezeigt, das auf einem Altar steht, umringt von knieenden Engeln, von denen zwei davon ein Kreuz tragen. Noch kenne ich die vorgeschriebenen Texte einer Eucharistiefeier auswendig, so bei der Gabenbereitung: &#8222;Betet, Br\u00fcder und Schwestern, dass mein und euer Opfer Gott, dem allm\u00e4chtigen Vater, gefalle. \u2026 Der Herr nehme das Opfer an aus deinen H\u00e4nden, zum Lob und Ruhme seines Namens \u2026\u201c Und selbst bei den Einsetzungsworten, dem eigentlichen H\u00f6hepunkt der Eucharistiefeier, regt sich widerst\u00e4ndisch der Geist in mir. \u201eNehmet und esset alle davon! Das ist mein Leib, der f\u00fcr euch hingegeben wird.&#8216; Ebenso nahm er nach dem Mahl den Kelch, dankte wiederum, reichte ihn seinen J\u00fcngern und sprach: &#8218;Nehmet und trinket alle daraus! Das ist der Kelch des neuen und ewigen Bundes, mein Blut, das f\u00fcr euch und f\u00fcr alle vergossen wird zur Vergebung der S\u00fcnden.\u201c Blutvergie\u00dfen \u2013 das hatte ich zuvor aus der dritten Strophe des Star-Spangled Banner zitiert. Bei solchen Worten m\u00f6chte ich am liebsten aus einer Messe gehen, die ich wegen solcher Worte schon immer weniger aufsuchen kann. Als Theologe, als ehemaliger Religionslehrer und nach f\u00fcnf Jahrzehnten ehren- und hauptamtlicher Arbeit in verschiedensten Funktionen der Katholischen Aktion sind mir solche Texte immer fremder geworden. Ich will schon l\u00e4ngst nicht mehr einen Jesus, der f\u00fcr meine S\u00fcnden gestorben ist, will mich so nicht noch selbst 2000 Jahre sp\u00e4ter mitschuldig f\u00fchlen m\u00fcssen an dieser Hinrichtung. Als Theologe und Mensch, dem die Kirche jahrzehntelang ein gro\u00dfes Anliegen war, kenne ich zwar noch S\u00e4tze wie \u201eSchenke uns Anteil an Christi Leib und Blut und lass uns eins werden durch den Heiligen Geist\u201c \u2013 doch sind sie mir solche Formeln fremd geworden.<\/p>\n\n\n\n<ul><li><strong>Biblische Verankerung der Opferkritik<\/strong><\/li><\/ul>\n\n\n\n<p>Dankbar nehme ich das neue Buch von Peter Trummer \u201eJesus ohne Opfer. Glaube, der befreit\u201c zur Hand. Es erscheint innerhalb von wenigen Wochen im Herder-Verlag (!) in zweiter Auflage (!!) Trummers Stimme findet Geh\u00f6r. Der emeritierte Neutestamentler von der Katholischen Fakult\u00e4t der Universit\u00e4t Graz argumentiert \u00fcberzeugend mit einem genauen exegetischen und literarkritischen Blick auf den Text und hat vor allem auch keine Scheu, die dogmatischen Tabus und Engf\u00fchrungen zu dekonstruieren. Das d\u00fcrfte dogmatisch Fixierten nicht gefallen. Jesus ist nicht der leidende Gottesknecht. Die Botschaft der Evangelien erz\u00e4hlt von Gottes Gastfreundschaft f\u00fcr alle. Das ist der Kern des Jesuanischen \u2013 nicht das Kreuz. F\u00fcr diese Gastfreundschaftsmentalit\u00e4t war Jesus sein Leben wert. Eine genaue \u00dcbersetzung zeigt, dass Jesus sein Leben nicht hingegeben hat, sondern sich \u201ewie ein Hirte einsetzt\u201c (Joh 10,11). Das Konstrukt, dass wir durch den Opfertod Jesu befreit w\u00fcrden, war eine Erfindung des Kaisers der Sp\u00e4tantike, um seinen Machtanspruch durchzusetzen. Solches Denken hat aber das Gottesbild vergiftet.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eBarmherzigkeit will ich, nicht Opfer!\u201c Das ist das zentrale Motiv der j\u00fcdisch-christlichen Religion. Jesus ist zwar namensgleich mit Josua, der gnadenlos im vermeintlichen Auftrag von JHWH Abertausende hinmetzeln lie\u00df, verk\u00f6rpert aber so ganz anders die absolute barmherzige Zuwendung des G\u00f6ttlichen. W\u00e4re das Motto auch f\u00fcr die Staatenlenker:innen heute \u201eBarmherzigkeit will ich, nicht Opfer!\u201c, so g\u00e4be es keinen Krieg mehr auf dieser Erde.<\/p>\n\n\n\n<p>Klaus Heidegger<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><img src='http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/sarg-lamm-1024x597.jpg' class='thumbnail' \/>Vom politischen Opferkult unserer Tage Die ritualisierte \u00dcberstellung von Soldaten, die im Kriegseinsatz get\u00f6tet wurden, sieht in allen kriegsf\u00fchrenden L\u00e4ndern \u00e4hnlich aus. Besonders dramatisch wird dies in den USA inszeniert. Die S\u00e4rge sind bedeckt mit dem Sternenbanner. Soldaten stehen stramm. US-Pr\u00e4sident und Kriegsminister salutieren und blicken ernst. 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