{"id":12667,"date":"2026-06-04T15:31:04","date_gmt":"2026-06-04T15:31:04","guid":{"rendered":"https:\/\/www.klaus-heidegger.at\/?p=12667"},"modified":"2026-06-04T15:31:04","modified_gmt":"2026-06-04T15:31:04","slug":"kumpelhaft-und-leibhaftig","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.klaus-heidegger.at\/?p=12667","title":{"rendered":"Kumpelhaft und leibhaftig"},"content":{"rendered":"\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><a href=\"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/Fron-Strasse-scaled.jpg\"><img loading=\"lazy\" width=\"768\" height=\"1024\" src=\"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/Fron-Strasse-768x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-12668\" srcset=\"https:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/Fron-Strasse-768x1024.jpg 768w, https:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/Fron-Strasse-225x300.jpg 225w, https:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/Fron-Strasse-1152x1536.jpg 1152w, https:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/Fron-Strasse-1536x2048.jpg 1536w, https:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/Fron-Strasse-scaled.jpg 1920w\" sizes=\"(max-width: 768px) 100vw, 768px\" \/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<p><em>Brot wie Lebenschancen<br>sind teilbar<br>der Himmel wird greifbar<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Brot wie Gl\u00fcck<br>ist teilbar<br>der Himmel wird sp\u00fcrbar<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Brot wie Liebe<br>ist teilbar<br>der Himmel wird herzeigbar<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Mein 3&#215;3-Gedicht, mit drei Strophen und je drei Zeilen, geschrieben am Fronleichnamstag, begleitet mich bei der kurzen Gravelbiketour rund um Innsbruck. Auch wenn ich aktuell aus einer Pfarrgemeindestruktur hinausgefallen bin und nicht mehr, wie in meinem \u201efr\u00fcheren Leben\u201c im Schritt einer Prozession mitgehe und mitsinge, so bleibt meine Andacht und das Wissen: ich bin Teil der kirchlichen Gemeinschaft. Die Bedeutung des Fronleichnamfestes bleibt mir wichtig. Ich sch\u00e4tze das, was an diesem Tag geschieht und mich auch heute begleitet: von den B\u00f6llersch\u00fcssen am Morgen, den geschm\u00fcckten Dorfgassen mit gr\u00fcnen Str\u00e4uchern, die in den Asphaltboden gesteckt werden, den achtsam aufgestellten Alt\u00e4ren, bei denen das Allerheiligste in alle Himmelsrichtungen \u201ehochgelobt\u201c wird, den Sch\u00fctzen und Musikkapellen, die die Prozessionen begleiten, den Statuen aus der Kirche, die durch die Gassen und Stra\u00dfen getragen werden, dem Glockengel\u00e4ute von den Kircht\u00fcrmen, von denen gelb-wei\u00dfe oder rot-wei\u00dfe Fahnen im warmen Fr\u00fchsommerwind flattern. Ich glaube daran, dass das \u201ehoc corpus\u201c, dies ist mein Leib, der unter dem \u201eHimmel\u201c in einer Monstranz getragen wird, kein Hocuspocus ist, sondern unsere Welt retten kann. Gleich mehrere religi\u00f6se Seins- und Ausdrucksweisen verdichten sich in der althergebrachten Fronleichnams-Kultur, die selbst ohne Aufnahme in das Weltkulturerbe weiterhin Land und Leute pr\u00e4gen sollte. Gerne lasse ich mich bei der Fahrt durch die D\u00f6rfer im Mittelgebirge in den abgesperrten Stra\u00dfen aufhalten und meinen Gedanken zum Fest Raum geben.<\/p>\n\n\n\n<p>Erstens geht es im christlichen Glauben um eine \u201eKumpanei\u201c mit Jesus. Wir sind als Christinnen und Christen im etymologischen Wortsinn \u201eMitbrotmenschen\u201c \u2013 con pane.<\/p>\n\n\n\n<p>Zweitens wird dieses Brot so bedeutsam, weil es sinnbildlich f\u00fcr Nahrung f\u00fcr den Leib und die Seele steht, f\u00fcr das Lebensnotwendige und nicht den Luxus. Dieses Brot freilich erh\u00e4lt gerade dann seine Bedeutung, wenn es geteilt wird, wenn es \u2013 so wie beim Letzten Abendmahl \u2013 \u201egebrochen\u201c wird. Dann kann sich ereignen, was in den biblischen Erz\u00e4hlungen gleich mehrfach geschildert wird: \u201eund alle wurden satt\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>Drittens zeigt das Fronleichnamsfest auf das Leibliche, auf die Bedeutsamkeit dessen, was in der Verbindung von K\u00f6rper-Seele-Geist als Einheit m\u00f6glich ist. Fronleichnam ist das Gegenbild zu einer KI-gesteuerten Digitalwelt, weil es das Analoge feiert, ist die Antithese zu jeder Leibfeindlichkeit, in der Z\u00e4rtlichkeit und achtsam gelebte Sexualit\u00e4t schr\u00e4g angesehen werden, ist der Widerspruch zu jeder Vertr\u00f6stung, weil die Kirchent\u00fcren an diesem Tag weit aufgemacht werden, um Jesus und all die Heiligen auf die Stra\u00dfen zu tragen.<\/p>\n\n\n\n<p>Mit solchen Fronleichnamsgedanken drehe ich meine Runde. Die Stra\u00dfen in Innsbruck sind feiert\u00e4glich leer \u2013 der Autowahn geschieht auf der Autobahn, unter der ich einmal quere. Hinauf geht es einen Waldweg Richtung Igls. Die W\u00e4lder, die B\u00e4ume und Str\u00e4ucher, die Farne und die fetten Blattgew\u00e4chse sind von dem gestrigen kr\u00e4ftigen Regen tiefgr\u00fcn. Vogelgezwitscher begleitet die Radelnden. Der Holler duftet mit seinen wei\u00dfen Bl\u00fcten, die teils schon wie ein Sternenmeer auf die aufgeweichte Erde fallen. Sanft schl\u00e4ngeln sich die Geleise der Waldbahn hinauf und lassen an eine l\u00e4ngst vergangene Zeit erinnern. Der M\u00fchlsee liegt verborgen in einer Senke. Vorbei sind die Zeiten, in denen man hier noch schwimmen konnte. Heute ist das Kleinod privat und mit Z\u00e4unen umgeben. Auch der Weiterweg Richtung Lans sieht in seinem Zustand \u201eprivatisiert\u201c aus. Es fehlt nur noch ein Verbotsschild. An der Friedhofsmauer in Lans sind zwei kontr\u00e4re Denkm\u00e4ler. Auf der rechten Seite erinnert ein steinerner Held mit Gewehr und starrem Blick unter dem Stahlhelm an die \u201eGefallenen\u201c der Kriege des 20. Jahrhunderts. Galizien wird \u00f6fters auf den Tafeln der Gefallenen genannt. Auch da wird heute gek\u00e4mpft, get\u00f6tet. Schon das 5. Jahr. Auf der linken Seite ist eine Skulptur von Lois Anvidalfarei \u201egegen jede Gewalt\u201c und eine Tafel erinnert an Georg Trakl. Sein Gedicht Grodek ist an der Friedhofsmauer angebracht. W\u00e4hrend die Sch\u00fctzen ihre letzte Salve f\u00fcr das Allerheiligste schie\u00dfen und die Patronenbuben die H\u00fclsen auflesen, lese ich das Gedicht. Es ist, als w\u00fcrde es aus einem der Kriegsgebiete von heute stammen und nicht aus der Zeit des Ersten Weltkriegs.<br><br>&#8222;<em>Am Abend t\u00f6nen die herbstlichen W\u00e4lder<br>Von t\u00f6dlichen Waffen, die goldnen Ebenen<br>Und blauen Seen, dar\u00fcber die Sonne<br>D\u00fcstrer hinrollt; umf\u00e4ngt die Nacht<br>Sterbende Krieger, die wilde Klage<br>Ihrer zerbrochenen M\u00fcnder.<br>Doch stille sammelt im Weidengrund<br>Rotes Gew\u00f6lk, darin ein z\u00fcrnender Gott wohnt<br>Das vergossne Blut sich, mondne K\u00fchle;<br>Alle Stra\u00dfen m\u00fcnden in schwarze Verwesung.<br>Unter goldnem Gezweig der Nacht und Sternen<br>Es schwankt der Schwester Schatten durch den schweigenden Hain,<br>Zu gr\u00fc\u00dfen die Geister der Helden, die blutenden H\u00e4upter;<br>Und leise t\u00f6nen im Rohr die dunkeln Fl\u00f6ten des Herbstes.<br>O stolzere Trauer! ihr ehernen Alt\u00e4re<br>Die hei\u00dfe Flamme des Geistes n\u00e4hrt heute ein gewaltiger Schmerz,<br>Die ungebornen Enkel.\u201c<\/em><br><br>Zur\u00fcck fahren wir vorbei am Gasthof Traube, wo Trakl viele seiner Gedichte schrieb, hinauf nach Sistrans und dann mit einem bewussten Umweg \u00fcber das Knappental. Die Sch\u00f6nheit der satten Natur, der leise pl\u00e4tschernde Bach entlang des Waldweges und die frisch gem\u00e4hten Wiesen, Menschen, die Freude an Bewegung haben \u2013 trotz allem: Die Welt hat ihre sch\u00f6nen Seiten, f\u00fcr die ich leibhaftig k\u00e4mpfen m\u00f6chte und dankbar bin f\u00fcr all die Kumpaninnen und Kumpanen auf meinen Wegen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><img src='http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/Fron-Strasse-768x1024.jpg' class='thumbnail' \/>Brot wie Lebenschancensind teilbarder Himmel wird greifbar Brot wie Gl\u00fcckist teilbarder Himmel wird sp\u00fcrbar Brot wie Liebeist teilbarder Himmel wird herzeigbar Mein 3&#215;3-Gedicht, mit drei Strophen und je drei Zeilen, geschrieben am Fronleichnamstag, begleitet mich bei der kurzen Gravelbiketour rund um Innsbruck. 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