{"id":12752,"date":"2026-07-24T15:04:54","date_gmt":"2026-07-24T15:04:54","guid":{"rendered":"https:\/\/www.klaus-heidegger.at\/?p=12752"},"modified":"2026-07-24T15:20:32","modified_gmt":"2026-07-24T15:20:32","slug":"im-sommer-von-extremen-sein","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.klaus-heidegger.at\/?p=12752","title":{"rendered":"Im Sommer von Extremen sein"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Der blaue Planet brennt rot<\/strong><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><a href=\"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/piller-scaled.jpg\"><img loading=\"lazy\" width=\"768\" height=\"1024\" src=\"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/piller-768x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-12754\" srcset=\"https:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/piller-768x1024.jpg 768w, https:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/piller-225x300.jpg 225w, https:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/piller-1152x1536.jpg 1152w, https:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/piller-1536x2048.jpg 1536w, https:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/piller-scaled.jpg 1920w\" sizes=\"(max-width: 768px) 100vw, 768px\" \/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<p>Der Atlantik bei Biarritz f\u00fchlte sich nicht kalt an. Gl\u00fchend hei\u00df war der Sand, so hei\u00df, dass ich barf\u00fc\u00dfig kaum darauf gehen konnte. Es f\u00fchlte sich an, als ginge man auf einer Herdplatte. Es war erst Mitte Juni 2026. In einigen Bergd\u00f6rfern in den Pyren\u00e4en hatte es 40-Grad plus. Die Luft \u00fcber den Bergen flimmerte. Der Asphalt der Stra\u00dfen war an manchen Stellen weich geworden. Die Alufelge meines Rades erhitzte sich bei den Abfahrten und musste zwischendurch in B\u00e4chen und Brunnen gek\u00fchlt werden, um ein Platzen des Schlauches zu verhindern. Dort, wo wir mit unseren Rennr\u00e4dern noch vor kurzem waren, brannten dann die W\u00e4lder. Auch auf der anderen Seite der Pyren\u00e4enkette, am Mittelmeer, f\u00fchlte sich das salzige Wasser nicht wirklich kalt an. Kamen wir auf unserer zwanzigt\u00e4gigen Radreise von Biarritz \u00fcber die Pyren\u00e4en, das Rhone-Tal hinauf, entlang der Schweizer Seen und deren Voralpen bis Feldkirch an eine der Nationalstra\u00dfen, so war auch stets ersichtlich, warum der Planet brennt: Wie uners\u00e4ttliche fossile Treibstofffresser tragen Millionen Fahrzeuge zu jenen Emissionen bei, die den Klimawandel befeuern.<\/p>\n\n\n\n<p>Etwas sp\u00e4ter nach der langen Radtour, die auch ein \u00f6kologisches Statement sein sollte, war ich in der noch verbliebenen Gletscherwelt der Hohen Tauern: Zwischen den Zacken der Steigeisen rann das Schmelzwasser des schwitzenden Obersulzbach-Kees. Dort leben zumindest keine Menschen, deren Existenz bedroht ist \u2013 anders als auf den griechischen Inseln, denen unter diesen Wetterextremen das Wasser ausgeht, anders als in den Gebieten, wo es keine k\u00fchlenden N\u00e4chte mehr gibt und die Felder l\u00e4ngst vertrocknet sind.<\/p>\n\n\n\n<p>Man \u2013 und ich schreibe von man \u2013 kauft sich K\u00fchlanlagen, wo es m\u00f6glich ist, kauft sich Ventilatoren, um die warme Luft in Schwingung zu bringen, setzt sich ins Auto und l\u00e4sst die Klimaanlage arbeiten. Man \u2013 so man es sich leisten kann \u2013 setzt sich in eine klimatisierte Abflughalle eines Flughafens, verbringt den Urlaub in klimatisierten Hotels und speist in klimatisierten Restaurants und wagt sich in den Randzeiten an den Strand eines erw\u00e4rmten Meeres, in dem in diesem Jahr bereits Hunderte Fl\u00fcchtlinge auf ihrem verzweifelten Exodus aus den vom Klimawandel am st\u00e4rksten betroffenen L\u00e4ndern Afrikas ertrunken sind. Zugleich verk\u00fcndet der Innenminister der Alpenrepublik stolz, dass die Asylantr\u00e4ge noch nie so niedrig waren; zugleich schmiedet die EU einen Asyl- und Migrationspakt, der kaum mehr eine Aufnahme von Fl\u00fcchtlingen in die L\u00e4nder der EU erm\u00f6glichen wird. Man l\u00e4sst sich ablenken von sportlichen Gro\u00dfereignissen, den Widerspr\u00fcchlichkeiten eines deutschen Gesundheitsministers a.D. oder den Macho-Aussagen eines machttrunkenen Wirtschaftskammerpr\u00e4sidenten in der Bundeshauptstadt. Die letztlich meist unerf\u00fcllt bleibende Jagd nach eigenem Gl\u00fcck schiebt die Wirklichkeiten von Katastrophen aus dem Bewusstsein. Sie n\u00e4hren aber den Grundspiegel der Traurigkeit und Verzweiflung in mir \u2013 und wenn ich dann entsprechende Nachrichten h\u00f6re, wenn ich den Autol\u00e4rm vor meiner Wohnung h\u00f6re und aus dem K\u00fcchenfenster die Parkfl\u00e4chen sehe, dann sp\u00fcre ich die Tr\u00e4nen und die Wut in mir und zugleich die Hoffnung auf eine andere Welt.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Brandstifter an der Macht<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Das Bundesministerium f\u00fcr Umwelt, Land- und Forstwirtschaft ruft zum Wassersparen auf und gibt in Inseraten Tipps dazu. Duschen statt baden, Kurzsp\u00fclung bei Klog\u00e4ngen \u2013 und zugleich wird so mancher private Pool mit kostbarem Trinkwasser bef\u00fcllt und werden die Autos vom Staub mit Wasserfont\u00e4nen abgespritzt. Neue Stra\u00dfen werden geplant und alte werden ausgebaut: Es rolle der automobile Verkehr! Das Dieselprivileg bleibt. Die Fr\u00e4chterlobby jubelt. An der CO-2-Bepreisung wird gekratzt und man \u00e4rgert sich an den Tankstellen \u00fcber die kriegsbedingten Steigerungen der Spritpreise und ruft nach einer Spritpreisbremse.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Kriegstreibereien<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Ein dummdreister Kriegsherr treibt die Welt an den Rand des Abgrunds. Fanatische Kriegsherren reagieren auf Angriff mit Gegenangriff. Aug um Aug. Rakete gegen Rakete. Zahn um Zahn. Drohne gegen Drohne. Man schw\u00f6rt Rache und kennt nicht mehr die diplomatische Sprache von Vers\u00f6hnung und Ausgleich. Der russische Angriffskrieg findet bereits im f\u00fcnften Jahr statt. Haus um Haus wird gek\u00e4mpft. Abn\u00fctzungskrieg. Eine Viertelmillion Menschen sind auf beiden Seiten der Front bereits ermordet, verst\u00fcmmelt, verletzt worden \u2013 und das Sterben geht weiter. Noch mehr Waffen werden geliefert mit noch besserer Reichweite. Man will den Sieg \u2013 doch gibt es diesen nicht und wird es nicht geben. Gegen jedes V\u00f6lkerrecht bombardiert die kriegsf\u00fchrende Weltmacht USA zivile Ziele im Iran und l\u00e4sst das Mullah-Regime Gegenschl\u00e4ge auf zivile Ziele in den Nachbarstaaten durchf\u00fchren. Die EU spendet Milliarden f\u00fcr die milit\u00e4rischen Interessen der Ukraine. In neue Waffen werden sie gesteckt. Deutschland will st\u00e4rkste Milit\u00e4rnation in Europa werden. Die Kriegshysterie zeigt auch hierzulande ihre Spuren. Die Wehrpflicht soll ausgeweitet werden. Das Wehrbudget wird sukzessive verdoppelt. Milliardenauftr\u00e4ge gehen an R\u00fcstungsfirmen. Die Verteidigungsministerin Klaudia Tanner wird von der meistgelesenen Tageszeitung als \u201eKlassenbeste\u201c der Regierung hochgejubelt. Neutralit\u00e4tsbestimmungen im Kriegsmaterialiengesetz werden in Frage gestellt. Das Menschenrecht auf Kriegsdienstverweigerung wird in der EU missachtet. Kriegsdienstverweigerer aus der Ukraine bekommen keinen Asylstatus mehr \u2013 und werden in die Kill-zones der Kriegsfront oder ins Gef\u00e4ngnis mit mehrj\u00e4hrigen Haftstrafen zur\u00fcckgeschickt.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Dystopische Gegenw\u00e4rtigkeit<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Ich schreibe nicht von einer Dystopie in ferner Zukunft, sondern von der Gegenwart. Was die Klimaforschung l\u00e4ngst voraussagte, ist gegenw\u00e4rtig geworden. Die Kipppunte sind erreicht. Was die Friedensforschung lehrt, wird nicht beachtet. Aufr\u00fcstung und Kriegsstrategien bringen keinen Frieden, sondern die Welt an den Abgrund. So drehen sich meine Gedanken, w\u00e4hrend sich die Kurbel des Rades dreht und sich drehen die Zahnkr\u00e4nze und bringen die R\u00e4der in Bewegung. Dann auch kreisen meine Gedanken um jenen Film \u00fcber Ingeborg Bachmann, den ich soeben sah, drehen sich die Gedanken um jenes Gedicht, so als br\u00e4chte es 70 Jahre nach seiner Entstehung die heutige Wirklichkeit in Worte: <br>&#8222;Es kommen h\u00e4rtere Tage.<br>Die auf Widerruf gestundete Zeit<br>wird sichtbar am Horizont.<br>Bald mu\u00dft du den Schuh schn\u00fcren<br>und die Hunde zur\u00fcckjagen in die Marschh\u00f6fe.<br>Denn die Eingeweide der Fische<br>sind kalt geworden im Wind.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Bild: W\u00f6chentliche Fahrt Imst-Piller-Prutz-Landeck<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><img src='http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/piller-768x1024.jpg' class='thumbnail' \/>Der blaue Planet brennt rot Der Atlantik bei Biarritz f\u00fchlte sich nicht kalt an. Gl\u00fchend hei\u00df war der Sand, so hei\u00df, dass ich barf\u00fc\u00dfig kaum darauf gehen konnte. 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