{"id":12810,"date":"2026-08-15T15:17:31","date_gmt":"2026-08-15T15:17:31","guid":{"rendered":"https:\/\/www.klaus-heidegger.at\/?p=12810"},"modified":"2026-08-16T05:06:19","modified_gmt":"2026-08-16T05:06:19","slug":"begleitet-von-kuehlenden-baechen-mit-rennrad-rund-um-das-verwall","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.klaus-heidegger.at\/?p=12810","title":{"rendered":"<strong>Begleitet von k\u00fchlenden B\u00e4chen mit Rennrad rund um das Verwall<\/strong>"},"content":{"rendered":"\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><a href=\"https:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/zeinis-2.jpeg\"><img loading=\"lazy\" width=\"768\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/zeinis-2-768x1024.jpeg\" alt=\"\" class=\"wp-image-12811\" srcset=\"https:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/zeinis-2-768x1024.jpeg 768w, https:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/zeinis-2-225x300.jpeg 225w, https:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/zeinis-2-1152x1536.jpeg 1152w, https:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/zeinis-2.jpeg 1536w\" sizes=\"(max-width: 768px) 100vw, 768px\" \/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<p>&#8222;\u00d6sterreich trocknet aus&#8220;, so die Schlagzeile im heutigen STANDARD, den ich bei der Anfahrt mit dem Zug lese. Dem Massenverkehr mit l\u00e4rmenden Motorr\u00e4dern und in der Hitze hyperventilierenden Autos \u00fcber die Arlberg-Passstra\u00dfe wollen wir uns nicht aussetzen. So steigen wir in Langen am Arlberg aus dem Zug und haben eine rasante Abfahrt durch das Klostertal vor uns. Bei diesen Temperaturen ist Gegenwind wie ein Geschenk. Zur linken Seite flie\u00dft die Aflenz, versteckt sich Massenverkehr in der betonernen Schleuse der Schnellstra\u00dfe und ragen die Flanken des Verwall-Gebirges auf. Auf der Landstra\u00dfe durch die D\u00f6rfer mit ihren charakteristischen Schindelh\u00e4usern ist kaum Verkehr. Dennoch f\u00e4hrt einmal ein Auto an uns vorbei, dessen Fahrer die Zwei-Meter-Abstandsregel maximal ignoriert. Die Hitze der letzten Wochen hat selbst in einem Tal, dessen Charakteristikum Wasserreichtum sein soll, die Felder und Wiesen austrocknen lassen. Der Wasserfall an einer Flanke des Tales ist verschwunden. Kurz vor Bludenz, wo die Aflenz in die Ill flie\u00dft, \u00a0zweigt der Radweg ins Montafon ab. Ab nun beginnt die permanente Steigung. Die Sonne brennt herunter. Zugleich ist die Hitze ertr\u00e4glich, weil der durchgehende Radweg meist knapp der Ill entlangf\u00fchrt. R\u00fcckenwind schiebt uns sanft ins Tal hinein. An einer besonders sch\u00f6nen Stelle lehnen wir die Rennr\u00e4der an einen der B\u00e4ume. Ich setze mich in das k\u00fchlende Wasser des Baches. Kurz vor dem Anstieg in Gaschurn noch eine st\u00e4rkende Rast und dann beginnt der besondere Anstieg. Die Silvretta-Hochalpenstra\u00dfe ist wegen der instabil gewordenen H\u00e4nge schon lange gesperrt. Der einzige \u00dcbergang vom Montafon ins Paznaun f\u00fchrt nun \u00fcber die extrem steile Strecke eines gut asphaltierten G\u00fcterweges hinauf zum Koppstausee und zum Zeinisjoch. Neun Kilometer sind es von Partenen bis zum Scheitel und gut 800 H\u00f6henmeter. Zum Gl\u00fcck d\u00fcrfen hier nur Autos mit eigener Berechtigung fahren. Die Stra\u00dfe ist so schmal, dass ich absteige, wenn eines der seltenen Autos kommt \u2013 und das Wiedereinklicken in die Pedale wird bei dieser Steigung zur Herausforderung. Ich achte auf meinen Puls und lasse meine Bike-Buddy davon ziehen, fahre kontrolliert und mit Reserven die steilen Passagen hinauf. Die Landschaft oben am Zeinisjoch ist besonders sch\u00f6n. Der Zeinissee liegt wie eine Perle zwischen den Bergen der Silvretta und des Verwalls. Kleine Inseln liegen im See. Im Hintergrund ragt die Gaflunaspitze wie ein spitzer Zacken hervor. Eine schmale asphaltierte Stra\u00dfe f\u00fchrt dann nach unserer Panorama-Rast auf der Terrasse des Zeinisjochhauses durch Almengel\u00e4nde hinunter nach Galt\u00fcr und von dort gibt es einen Radweg bis zu den Kappler Bergbahnen. In den touristischen D\u00f6rfern ist selbst jetzt im Sommer Hochbetrieb. Eindrucksvoll ist nach Ischgl wieder die Schlucht entlang der mit Gletscherschmelzwasser sch\u00e4umenden Trisanna. Das letzte St\u00fcck schlie\u00dflich nun schon in der Abendsonne hinaus auf der Paznauner Stra\u00dfe mit einem unangenehmen Tunnel \u2013 zum Gl\u00fcck ist kein Verkehr \u2013 und zum Bahnhof in Landeck. 107 Kilometer und 1444 H\u00f6henmeter im Aufstieg an\u00a0 einem sehr hei\u00dfen Tag. Eine runde Sache. Qualit\u00e4tszeit auf dem Rennrad.<\/p>\n\n\n\n<p>Eine andere Welt erwartet uns dann beim Aussteigen im Innsbrucker Hauptbahnhof. Vor allem junge Menschen sammeln sich an diesem Abend an diesem Hotspot, vor allem die M\u00e4dchen meist k\u00f6rperbetont gestylt, um gut auszusehen, um gesehen und wahrgenommen zu werden, mit Erwartungen an Spa\u00df und soziale Kontakten, die Best\u00e4tigung bringen. Am hundertsten Todestag von Bertold Brecht denke ich an einen seiner bitteren Texte. In der &#8222;Ballade von der Unzul\u00e4nglichkeit menschlichen Planens&#8220; schrieb Brecht, der heute vor 100 Jahren gestorben ist. <\/p>\n\n\n\n<p><em>&#8222;Ja, renn nur nach dem Gl\u00fcck<br>Doch renne nicht zu sehr<br>Denn alle rennen nach dem Gl\u00fcck<br>Das Gl\u00fcck rennt hinterher.<br>Denn f\u00fcr dieses Leben<br>Ist der Mensch nicht anspruchslos genug.<br>Drum ist all sein Streben<br>Nur ein Selbstbetrug.<\/em>&#8222;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><img src='https:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/zeinis-2-768x1024.jpeg' class='thumbnail' \/>&#8222;\u00d6sterreich trocknet aus&#8220;, so die Schlagzeile im heutigen STANDARD, den ich bei der Anfahrt mit dem Zug lese. Dem Massenverkehr mit l\u00e4rmenden Motorr\u00e4dern und in der Hitze hyperventilierenden Autos \u00fcber die Arlberg-Passstra\u00dfe wollen wir uns nicht aussetzen. 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